Ja. Ich gehe dabei vom
Sandberg Standard Splitcoil aus, der in den California/Basic VM Precision-Varianten verwendet wird – nicht vom Black Label Splitcoil. Sandberg bezeichnet den Pickup in den normalen VM-Modellen schlicht als „Sandberg splitcoil“.
Kloppmann PB-63 vs. Sandberg Standard Splitcoil
| Kloppmann PB-63 | Sandberg Standard Splitcoil |
|---|
| Grundcharakter | klassischer 60s-P-Bass | modernerer P-Bass |
| Ton | warm, drahtig, mittig | kräftig, breit, etwas moderner |
| Bass | eher schlank/straff | mehr Fundament und „Pfund“ |
| Mitten | ausgeprägt, präsent | kräftig, aber etwas weniger vintage-mittig |
| Höhen | eher kontrolliert, nicht besonders offen | tendenziell offener/knackiger |
| Dynamik | sehr hoch, reagiert stark auf Anschlag | kräftig und direkt |
| Output | hoch für einen Vintage-PU | eher kräftiger Allround-Pegel |
| Vintage-Faktor | sehr hoch | moderat |
| Charakter bei Plektrum | trocken, aggressiv, „old school“ | druckvoller, moderner |
| Fingerstyle | differenziert, holzig, mittig | voller und etwas größer |
| Elektronik | sehr stark von passiver Schaltung abhängig | harmoniert auch mit Sandberg-Preamp |
Beim PB-63 sind die technischen Daten tatsächlich ungewöhnlich gut dokumentiert: etwa
12 kΩ DCR, AlNiCo-Magnete, Resonanz bei ca. 4 kHz und bis zu 3,4 V Transientenspannung. Ein aktueller Split-Coil-Vergleich beschreibt ihn als den weniger offenen der dort getesteten 60s-orientierten Pickups, mit etwas weniger Bassfundament und dadurch stärkerem Draht-/Mittencharakter. Gleichzeitig wird seine Dynamik ausdrücklich hervorgehoben.
Was bedeutet das am Sandberg VM?
Der Unterschied dürfte
deutlicher sein, als man zunächst denkt.
Ein normaler Sandberg VM ist von Haus aus kein
Fender*-P-Bass-Klon. Sandberg kombiniert den Splitcoil mit einem eigenen Konzept und beim California VM zusätzlich mit einem
2-Band-Preamp und Aktiv/Passiv-Umschaltung.
Der
PB-63 würde den VM deutlich stärker in Richtung klassischer Precision verschieben:
- weniger „Hi-Fi“
- weniger aufgeblähter Tiefbass
- stärkere Low-Mids
- mehr Holz und Anschlagsdefinition
- sehr direkte Dynamik
- bei Plektrum ausgesprochen schön knurrig und trocken
- weniger von diesem modernen Sandberg-„Big Bass“-Charakter
Der Sandberg-Pickup ist dagegen sinnvoll, wenn du genau den
kräftigen, modernen VM-Grundsound behalten möchtest.
Ein wichtiger Punkt: Der PB-63 ist nicht einfach „besser“
Der PB-63 ist ein
bewusst anders abgestimmter Pickup. Gerade seine etwas zurückgenommenen Bässe sind Teil des Konzepts. Der Vergleichstest beschreibt ihn sinngemäß als drahtiger und mittiger, obwohl seine Resonanzfrequenz nicht besonders hoch liegt.
Das kann an einem Sandberg sogar interessant sein: Der VM bringt bereits viel Fundament und einen relativ modernen Gesamtcharakter mit. Der PB-63 könnte deshalb dafür sorgen, dass der Bass
weniger „fett“ und dafür konturierter und charaktervoller wird.
Wenn du beispielsweise
Rock, Punk, Hardrock oder Classic Rock mit Plektrum spielst, würde ich insbesondere auf diesen Unterschied achten.
Kurzform:
Sandberg Standard: groß, kräftig, modern, vielseitig
Kloppmann PB-63: trocken, mittig, dynamisch, vintage, charakterstark
Der entscheidende Unterschied beim Recording
Stell dir zwei Bassspuren mit identischem Pegel vor:
Sandberg:
BOOOOM — WUM — WUM — KNACK
PB-63:
BUM — KNURR — BUM — KNURR
Der zweite hat weniger spektakuläres Tiefbassvolumen, aber mehr
Information in den Mitten, die das Ohr zur Identifikation der Bassnote benutzt.
Und genau das hilft im Mix.
Bei einer Rockproduktion mit zwei verzerrten Gitarren kann ich mir deshalb sehr gut vorstellen, dass der
PB-63 bereits unbearbeitet besser lesbar ist, während man beim Sandberg eventuell etwas an den Tiefmitten bzw. am Bassbereich arbeiten muss.
Das ist natürlich abhängig von Bass, Saiten, Spielweise, Pickup-Höhe und DI-/Amp-Kette.
Interessant ist dabei dein Sandberg selbst
Beim California VM ist der Splitcoil
reverse angeordnet und sitzt nicht wie bei einem klassischen
Fender* Precision exakt an derselben Position. Sandberg kombiniert ihn außerdem mit dem Power-Humbucker und der 2-Band-Aktiv/Passiv-Elektronik.
Wenn du also einen
VM hast, würde ich den PB-63 nicht einfach als „Vintage-Pickup gegen modernen Pickup“ betrachten.
Er würde den Charakter des gesamten Instruments vermutlich in Richtung:
Sandberg VM stock
modern → breit → druckvoll → flexibel
zu
VM + PB-63
direkter → mittiger → trockener → definierter → P-Bass-artiger
verschieben.
Für verschiedene Produktionen
| Anwendung | Tendenz |
|---|
| dichter Rock-Mix | PB-63 |
| Punk / Hardrock | PB-63 |
| Plektrum | PB-63 |
| Vintage Rock | PB-63 |
| Motown/60s/70s | PB-63 |
| moderner Pop | Sandberg |
| Funk | Sandberg |
| Slap | Sandberg |
| sehr tiefer, großer Basssound | Sandberg |
| möglichst wenig EQ im dichten Gitarrenmix | PB-63 |
| maximal vielseitige Recording-Spur | Sandberg |
Mein entscheidender Punkt wäre daher: Wenn du deinen VM hauptsächlich als
Recording-Bass für Rock/Pop/Rock mit Plektrum einsetzen willst, würde ich den
PB-63 ernsthaft in Betracht ziehen. Nicht weil er „besser“ klingt, sondern weil seine
mittige, drahtige Abstimmung eine sehr gute Mixarchitektur mitbringt. Der gemessene PB-63 hat immerhin eine Resonanz um 4 kHz und einen hohen Transientenpegel von bis zu 3,4 Vp