Recording-Stammtisch

  • #8.741
Hallo!

Mangels Geld konnten wir in den 90ern bloß auf Kassettenrekorder, evtl. noch auf DAT oder Hifi-Video-Rekorder aufnehmen. Aber nur in Stereo. Overdubs gingen dann nur mit dem "Ping-Pong-Verfahren".
Das war ein Krampf.
Ein Gitarren-Solo zu overduben hieß, den ganzen Song komplett über Mischpult zu überspielen von einem Tape auf das andere, und beim Solo dann die Solo-Gitarre "live" dazu zu spielen und zu mischen. Bei Fehlern musste alles neu gemacht werden...
Für 30 Sekunden Solo den ganzen 3-Minuten-Song nochmal komplett überspielen, dazu beim Solo dann zu spielen, ....

Um 2010 herum kam die "Befreiung". Phonic und Alesis brachten Mischpulte mit eingebautem Firewire-Interface auf den Markt, mit denen man je nach Modell bis zu 24 Spuren parallel auf handelsüblichen Notebooks aufnehmen konnte; Steinberg* brachte Cubase 5 LE heraus, das (mindestens) 16 Kanäle Audio parallel gleichzeitig aufnehmen konnte.

Damit konnte man durchaus recht professionell für sehr kleines Geld gute Live-Aufnahmen seiner Auftritte live mischen und gleichzeitig mehrspurig aufnehmen. Oder im Heimstudio oder Probenraum durchaus sehr gut klingenden Aufnahmen machen.

Von den Schnittmöglichkeiten der digitalen Aufzeichnung am Notebook ganz zu schweigen. Solos ließen sich ganz einfach einspielen, Fehler per Punch-In ausbessern.

Damit hatte man dann auf dem Notebook praktisch ein professionelles Tonstudio; besser als es die Beatles damals hatten...
Ungefähr auch um diese Zeit kamen recht gute Großmembran-Studio-Mikrofone zu günstigem Preis auf den Markt.

Der Nachteil: Man legt sich u.U. nicht mehr fest, Entscheidungen werden vertagt, schlechte Takes nicht gelöscht, Soundentscheidungen vertagt, ..., weil man ja alles später noch mal durch bessere Takes ersetzen könnte, den Sound ja später beim Mix noch verändern könnte, und man gefühlt unendlich viel Spuren hätte...

Trotzdem: Auf die Kassettenrekorder-Zeit möchte ich nicht zurück gehen.

Grüße
 

  • #8.742
Wer möchte das und könnte das? Ich habe heute die 377 Audiofiles gesichert, die ich seit dem 1.1.26 aufgenommen habe. 16-Bit Stereo, CD Qualität. 7,65 GB an neuer Musik. 758 min zur Erinnerung. Na ja, immerhin ist heute der 131. Tag im Jahr und einige Wochen hatte ich mich geweigert, den Recorder zu benutzen und hatte stattdessen auf Papier geschrieben. Wäre früher ein teurer Spaß gewesen. Das größte "Wunder" ist doch, dass Musik keine Realzeit mehr benötigt. Wird oft ignoriert und als selbstverständlich genommen. Ist aber eigentlich Science Fiction...😅
 
  • #8.743
Ich find's grad nimmer, aber ich hab mal ein YT-Video gesehen mit der Aussage, dass der größte Unterschied zwischen heute und den Tapezeiten nicht irgendwelche Bandsättigung oder der Frequenzgang war, sondern das Bewusstsein, dass der Take jetzt oder nie sitzen muss. Ich denke, da ist was dran.

Banjo
 
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  • #8.744
Sehe ich auch so.
Als Musiker:in musstest du dein Instrument beherrschen, Singen können, auf den Takt spielen können. Jede Minute Studio hat richtig viel Geld gekostet.
Außerdem gab es durch die Spurbeschränkung Probleme, wenn mehrere Instrumente auf die vier bis acht Spuren passen mussten. Jeder Mixdown war eine Art Versiegelung deines Gespielten. War ein Fehler drin, lahmte die gesamte Performance und "fix it in the post" gab es nicht. Du musstest lange üben als Band, damit alles sitzt. Das hat am Ende die Spreu vom Weizen getrennt. (Was nicht heißt, dass es nicht auch schlechte Musiker:innen gab.) Der Gedanke ist heute verloren gegangen, auf beiden Seiten im Studio. Zum Guten, und zum Schlechten.
 
  • #8.745
Es gab aber auch viel echt schlechte Aufnahmen, die es in die Charts geschafft haben. Also so romantisch toll war das damals auch nicht. ;)
 
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  • #8.746
In meiner Lego Zeit gab's nur Steine in unterschiedlicher Größe, Platten und als Highlight Räder für ein Auto (basierend auf dem klassischen Achter-Stein). Da konnte man beim Bauen noch kreativ sein. Speziell wenn man auch Matador hatte.
Overdubs gingen dann nur mit dem "Ping-Pong-Verfahren".
Jupp, am Ende halt Rauschen ohne Ende. ;)
Um 2010 herum kam die "Befreiung".
Naja, da gab's früher noch die Fostex Bandmaschinen und auch eine 14-Spur Mischpult/Recorder Kombi von Akai. Und die ADATs waren sowieso der Renner in den 90ern.
sondern das Bewusstsein, dass der Take jetzt oder nie sitzen muss.
Vor der richtigen Mehrspurtechnik (es gab ja in den 50ern schon 3-Spur Maschinen, Stereo für Band und eine Spur für Solisten und Vocals) mussten die Musiker auch noch ziemlich gut spielen damit man nicht endlos Takes verbraten hat. Aber es stimmt sicher, dass man damals einfach fokussierter war.
Es gab aber auch viel echt schlechte Aufnahmen, die es in die Charts geschafft haben.
Die Qualität der Darbietung und Aufnahme hat ja nichts mit dem Chart-Erfolg zu tun. Es gab, und gibt immer noch, genug Beispiele die hervorragende Musik exzellent und mit herausragenden tontechnischen Qualität produziert wurden, die es nie wirklich auch nur ansatzweise geschafft haben die Anerkennung zu bekommen, die sie eigentlich verdient hätten.

Und künstlerischer Total-Schrott in guter technischer Qualität ist auch immer noch Schrott.
Andersrum gibt es gute Songs in guter Darbietung, die halt grottig aufgenommen wurde. Trotzdem sind das Schätzchen die ich nicht missen wollen würde.
 
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  • #8.747
Da konnte man beim Bauen noch kreativ sein.

Also mit Lego Technik konnte man massiv kreativ sein. Damit haben wir alles mögliche erdacht und gebaut. Matador hatten wir auch. :)

Die Qualität der Darbietung und Aufnahme hat ja nichts mit dem Chart-Erfolg zu tun.

Genau! Die romantische Vorstellung, dass durch das Band die Darbietungen besser waren, ist halt eine romantische Vorstellung. Es gab und gibt immer Mist. 😜
 
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  • #8.748
Ja, mit den fix- und fertigen Legofiguren und Bauteilen für alle möglichen Bausätze und Modelle kann ich auch nix anfangen, die Kunst war es doch aus den elementaren rechteckigen Steinen etwas zu bauen. Schiffsrümpfe waren als Kind mal meine Spezialität, die waren quasi wie verpixelt. Ich glaube, die Erfahrung hat mir geholfen, heute noch recht gut kleine Icons und Schriften von Hand mit ganz wenigen Pixeln zu malen. Und als ich technischere Sachen bauen wollte, musste Lego für fischertechnik Platz machen, Lego Technik gab es damals noch nicht.

Wie sind wir jetzt von den Kassetten zu den Legos gekommen?

Banjo
 
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  • #8.749
Ich habe hier nicht alles gelesen, hat jemand eine Quelle für eine Beschreibung, wie man ein Schlagzeug, besonders die Bassdrum gut aufnimmt und abmischt?

Die Snare bekomme ich inzwischen recht gut hin, die Bassdrum wird immer so pappig und bleibt irgendwie drucklos.

Als Mic haben wir ein Shure* Beta 52A in der Trommel, ca. 20cm vor dem Schlagfell über einem Dämmkissen.
Als Grenzfläche zur Verfügung ein Behringer* BA 19A oder ein Sennheiser* E901, also amtlich.

Das Abmischen finde ich eher schwierig, seltsamerweise. Das Übersprechen von Hihat und Snare ist recht laut, wird halt mehr, wenn ich stärker komprimiere. Gaten bringt meist komische "Klick"-Effekte, wenn z. B. die Snare mal durchkommt.

Eine gut nachvollziehbare Schritt für Schritt-Anleitung wäre toll, einerseits Ausrichtung Mikrofone, dann den Sound in der DAW (Cubase 14) erzeugen und einen organischen Schlagzeugsound erzeugen.

Hat jemand Links oder Tips?

Welche Drum-Replacer-App ist eigentlich nach Drumagog aktuell?
 
  • #8.750
Vintage/Retro...ich werfe noch den ganz alten Stabilbaukasten in die Runde...:engel:
War zu meiner Kindheit auch schon längst out, hatte aber einen.
Der muss von Walther&Co. gewesen sein, ca. Mitte 50iger.
 
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  • #8.751
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  • #8.752
Das wichtigste ist, dass die zwei BD Mics phasenkoherent zueinander und zu den Overheads sind. Ist da eins zu arg phasenverschoben oder gar phasengedreht kannst du dich zum Nurmi schrauben, es wird niemals drücken, weil es sich einfach zu großen Teilen auslöscht.

Einfacher starter Lifehack: nur ein Kick Drum Mic und die OHs stark low cutten. ;)
 
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  • #8.753
Naja, da gab's früher noch die Fostex Bandmaschinen und auch eine 14-Spur Mischpult/Recorder Kombi von Akai. Und die ADATs waren sowieso der Renner in den 90ern.
Stimmt, aber das war damals für mich noch zu kostspielig.
Und letztlich empfand ich Tonband basierte Sachen als etwas "unflexibel", wenn es ums Schneiden geht.
Harddiskrecording auf dem handelsüblichen Laptop empfand ich als sehr flexibel und leistungsstark.

Grüße
 
  • #8.754
Harddiskrecording auf dem handelsüblichen Laptop empfand ich als sehr flexibel und leistungsstark.
Naja, das war aber damals in den 80ern, den 90ern und auch noch in den beginnenden 2000ern entweder noch nicht möglich oder aber auch extrem teuer.
Pro Tools war afaik das erste halbwegs brauchbare System, kostete aber '91 an die 6000$. also grob 60.000 Schilling oder 9000 DM. Um das Geld konnte man sich halt auch mal einen ADAT kaufen. Meine Fostex B16 kostete umgerechnet ungefähr 15.000 DM und konnte 16 Kanäle aufnehmen.

Meine ersten Versuche mit Harddisc Recording waren mit Creamware TripleDAT. Das war nicht sooo prickelnd. Stabil und zuverlässig war was anderes. Da ging es mit B16 oder ADAT deutlich besser zur Sache. Was nützt einem mögliche Flexibilität durch eine Audio DAW, wenn einem die ganze Zeit das Damokles Schwert des Absturzes der Software oder Aussetzer bei der Aufnahme über dem Kopf hängt. Da dann lieber stabil und scheinbar antiquiert arbeiten.
 
  • #8.755
Ich bin ja auch erst 2010 zum Harddiskrecording gekommen.
Und zum dem Zeitpunkt war es zum einen schon recht günstig, aber auch zuverlässig.
Man brauchte keine speziellen für Audio optimierte Laptops, und die Audiohardware (besagte Firewire-Mischpulte) waren bezahlbar, im Gegensatz zu deinem angeführten Pro Tools.

Grüße
 
  • #8.756
ich hab 2001 angefangen mit einem Korg* Triton als Sampler, mit externem CD und HDD über SCSI (für Samples) und einem PC mit Logic als DAW auch mit HD-Recording. Allerdings nur L/R, keine Ahnung was man für Multitrack für Hardware gebraucht hätte. Aber Overdub ging es damals wie heute.
 
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  • #8.757
Ich empfand das Mehrspur-Recording recht positiv für Schlagzeug.
Ich hatte mich am Schlagzeug selber aufgenommen, auch zu Kassettenzeiten, mit bis zu 4 Mikrofonen.
Das musste dann aber "live" am Mischpult schon für Stereo zusammen gemischt werden, und konnte nachträglich natürlich nicht mehr korrigiert werden.

Und dann war eben leider immer mal die Bass-Drum zu leise, oder zu mumpfig, die Snare zu krisp, oder was auch immer...
Mit dem Harddisk-Mehrspur-Recording ab ca. 2010 war das in dem Sinne kein Problem mehr - einfach die Drums auf 4 Spuren aufnehmen, und nach der Aufnahme abstimmen und mischen.

Aber leider... diese "unheimliche" Flexibilität verführt auch dazu, nicht fertig zu werden. Man könnte ja immer mal noch was "optimieren"...

Grüße
 
  • #8.758
Die Arbeit mit Maus und Bildschirm kann sich sehr negativ auf den musikalischen Fluss auswirken.
Schliesslich geht es nicht um die Augen, sondern um die Ohren.

Ein Vorteil beim direkten Arbeiten mit analoger Technik ist die tatsächliche Handarbeit.

Ob ich eine Bassline schnell mal einspiele und dann etliche Male klicke um sie auf den ganzen Take zu pasten, ist fundamental anders als einen direkten Take auf eine Audiospur zu machen.

Klasse ist die Arbeit am Computer nach den Aufnahmen, weil man präzise editieren und materialschonend schneiden kann.

Alles hat Vor- und Nachteile, letztendlich entscheidend ist, was am Ende aus dem Lautsprecher kommt, nicht wie es gemacht wurde.
 
  • #8.759
Jain, es komm natürich auch auf den Interpreten drauf an...
 
  • #8.760
Hallo in die Runde, gerne möchte ich meine Erfahrungen der letzten Jahre mit analogem Recording auf 8-Spur-Tonband in die Diskussion einbringen. Ich kann von mir sagen, dass sich meine Kreativität und der Output erheblich erhöht hat. Ich bin kein Profi, weder am Instrument, noch am Recording-Equipment, aber ich lerne mit jedem Projekt dazu und bin motiviert immer besser werden zu wollen.

Die Tatsache, dass Entscheidungen getroffen werden müssen und eben kein Editing im großen Stil möglich ist, beschleunigt die Produktion. Wenn ich ein Projekt anfange, muss ich es inkl. Mixing auch beenden, bevor das nächste starten kann. Oder konkret die Schlagzeugaufnahme: Bei 8 Spuren verwende ich im Normalfall 2 davon für die Drums, sprich ich muss direkt meinen Stereo-Mix aufzeichnen. Auch habe ich mich in einem Projekt für Mono-Schlagzeug entschieden. Generell ist die Devise, dass der Sound stehen muss, bevor er aufs Band kommt.

Ich habe in meinem kleinen Studio wirklich sehr überschaubares Equipment – sehr viel gebraucht gekauft und alles im Low- und Mid-Budget-Segment anzusiedeln. Aber der Workflow hat sich gefestigt, die Geräte lerne ich immer besser kennen und mir macht das unheimlichen Spaß. Vor allem war es wichtig für mich, nur noch für meine Ohren und meinen Geschmack zu produzieren und mich von außen nicht mehr irritieren zu lassen. Das hat natürlich gar nichts mit der analogen Produktionsweise zu tun, sondern lässt sich für mich allgemein feststellen. Aber dieses Mindset hat sich eben mit dem Start der analogen Produktion bei mir gefestigt und ist wichtig für mich. Wenn ich hier ein Projekt nach dem Recording fertig abgemischt habe – sei es meine eigene Musik oder auch für andere Bands – dann erfüllt es mich regelrecht, wenn ich mir die fertigen Songs anhöre und weiß, da steckte wortwörtlich sehr viel Handarbeit drin :biggrinB:

Wen es interessiert: Ich nehme auf einem Fostex R8 über ein Tascam 2600/32 auf.
 
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