Hi,
ich spiele überwiegend HB-Gitarren, aber ganz verzichten wollte ich nicht auf den Strat-Sound. Lange Zeit hab ichs immer mal wieder probiert, dachte aber sehr schnell wieder: "Das wird wohl nix mit uns beiden...". Ich hab dann aber über die PU-Wahl doch noch die Kurve gekriegt, und heute krieg ich manchmal auch so Phasen, in denen ich eine Zeit lang sogar überwiegend meine Rockinger-Strat spiele.
Die Problemstellung:
1. Bei gleicher Amp-Einstellung wie mit den HB-Gitarren soll ihr Sound und auch der Output nicht total aus dem Rahmen fallen, es soll auch untenrum noch genug Fundament bleiben.
2. Trotzdem soll es dabei nicht nach einer Superstrat mit HB-Bestückung klingen, sondern deutlich erkennbar nach SC - maximal authentisches Vintage-Geklingel ist dabei aber nicht die Priorität.
3. Ich spiele auch die Strat gerne mal mit HiGain, die Nebengeräusche sollen dabei nicht überhand nehmen.
Ich bin nach einigen Experimenten bei Dimarzios gelandet, und Dein Anforderungsprofil scheint mir recht ähnlich zu sein.
Ich würde auf jeden Fall brummfreie StratPUs empfehlen, gerade deshalb, weil sie idR etwas sanfter klingen als "echte" SCs, denn Deine Strat scheint eh genug Höhen zu produzieren. Am Steg, wo die Eierschneider-Sound-Gefahr besonders groß ist, ist der Virtual Vintage Heavy Blues 2 mMn ideal. AlNiCo II-Magnete und eine fette Wicklung lassen ihn weniger scharf klingen, der Output ist annähernd im Bereich eines PAF-HB, der Sound ist aber nicht zu hupend oder hochmittig (wie bei vielen Overwound Strat-PUs). Ist ein Tonregler so verdrahtet, dass er auf den BridgePU wirkt, kann man ihm damit sogar eine passable HB-Imitation entlocken. Voll auf hat er aber wieder genug Twang, die Zwischenposition mit der Mitte hat sogar extrem viel vom berühmten "Quack".
Für Hals- und Mittelposition würde ich ihn mit dem Area 61 bzw. Virtual Vintage 54 Pro kombinieren, die ebenfalls eher seidig als kreischend klingen, bei einem Output, der mindestens im Bereich der Texas Specials klingt. Der Area 61 hat etwas mehr Höhen, der 54 Pro ist noch etwas runder und glockiger. Die Bässe sind stärker und "stabiler" als bei den meisten echten SCs, d.h. sie brechen nicht so weg, wenn man mal etwas härter reinlangt.
Du kannst Dich natürlich für den gleichen Typ in beiden Positionen entscheiden, aber zwei leicht unterschiedliche PUs kann man zur Feinabstimmung auch noch mal gegeneinander vertauschen und so die Variante finden, die einem selbst besser passt. Ein Vorteil der Dimarzios ist, dass sie wesentlich weniger magnetische Anziehungskraft als die meisten "normalen" Strat-PUs haben, weil auch sie AlNiCo II statt der üblichen AlNiCo V-Magnete besitzen. Man kann sie daher deutlich näher an die Saiten schrauben, bevor die "Stratitis" für schiefe Töne sorgt, was einem mehr Spielraum zur Feinabstimmung verschafft. Alle drei sind übrigens für die Verwendung mit den vorhandenen 250 KOhm-Potis konzipiert, trotz brummunterdrückender zweiter Spule. Solltest Du (wider Erwarten) dann doch wieder etwas mehr Höhen rausholen wollen, kannst Du das Volumepoti immer noch gegen 500 KOhm tauschen.
Für mich die ideale Kombination für HB-Warmduscher, die zu bequem sind, um die bockige, schrille und brummende Vintage-Strat zu bändigen, der sich
wahre Männer gefälligst zu stellen haben...
Gruß, bagotrix