Ich seh' das eigentlich so wie LostLover, das Problem hier ist schon sehr speziell gelöst.
Ich verstehe übrigens nicht, warum nicht deutlich mehr Amp-Hersteller die Sache mal anders angehen. Entweder sind's eierlegende Wollmilchsäue und kein Kanal klingt wirklich so *richtig* geil (oder authentisch, wasauchimmer), oder man hat bestenfalls 1-2 Variationen eines absolut geilen Grundsounds, kommt aber, wenn es mal genau der Sound nicht sein soll, in's Schwitzen (bzw. endet man beim oft unerfreulichen Blick in's Portemonnaie).
Boogie hat ja mit dem Mk IV fast schon Maßstäbe gesetzt, die dann anscheinend mit dem Mk V (den ich leider erst einmal testen konnte) noch verfeinert wurden. An meinem Mk IV habe ich im cleanen Kanal und Simul Class Betrieb wirklich fast unbegrenzten Headroom, das bleibt also wirklich clean. Für die Brettsounds kann ich dann, um es noch mehr krachen zu lassen, die Endstufe per Switcher auf Class A schalten, wobei dann sogar nur noch die (bei mir eben das eine Pärchen 6L6 ersetzenden) EL34 zum Einsatz kommen.
Das ist so schon ziemlich geil - wenn man davon absieht, dass mir die eigentichen Zerrsounds des Mk IV nicht wirklich so gut gefallen, wie es etwa ein
Marshall* tun würde.
Nun habe ich auch noch ein kleines Rack mit einem zusätzlichen Soldano SP-77 (inkl. Looper, so dass ich den Kram gut verschalten kann) drin, der macht dann als Riffsound über die im Class A Betrieb laufende Boogie-Endstufe eine deutlich besser (und nach meinem Dafürhalten "
Marshall*-ige") Figur - aber ich muss eben wieder das doofe Rack mitschleppen, mehr verkabeln, etc.
Die Sachen, die ihr (speziell der TE und Tobias) da am Start habt, sind ja total geil, nur gute Sounds *und* Flexibilität, aber ich hätte einfach null Bock, so'n Krempel andauernd mitschleppen zu müssen (ich nehm' ja oft noch nicht mal mehr den Boogie mit sondern 'n Laney LC50 Combo).
Das Problem sind wie gesagt, zumindest meiner Meinung nach, echt die Amp-Hersteller.
Bei allem, was nicht wirklich Vox-artig sein muss, sollte es im Prinzip relativ leicht möglich sein, eine eierlegende Wollmilchsau zu bauen, die trotzdem gut klingt, besonders dann, wenn man dem Amp eben noch eine ausgefuchste Endstufenschaltung spendiert.
Im Prinzip brauchen doch die meisten von uns so ungefähr 3 wirklich ziemlich verschiedene Grundsounds, die sich dann halt noch entsprechend modifizieren lassen sollten. Bei mir sind das die folgenden:
1) Spritzig clean. Halt so die typische
Fender*-Ecke. Als Variation brauche ich den dann noch in lauter und etwas weicher, für Leads und jazzartiges. Bekomme ich derzeit fast perfekt mit dem Boogie hin, lauter und etwas weicher wird einfach per externem EQ realisiert, ich schalte dann auch gerne noch einen ganz dezenten Kompressor dazu.
Wenn's noch besser sein solte, würde es noch eine (schaltbare) "Vintage" Variante geben, bei der meinetwegen die Röhrenvorspannung niedriger sein würde. Und vielleicht noch eine zweite Gainstufe (inkl Volumen), damit man auch mal ein wenig anzerren kann. Mache ich auch extern, geht recht fein, direkt im Amp wäre mir lieber.
2) Crunchig bis riffig. Halt die Plexi-Abteilung. Alternativ mit etwas mehr Gain. Und dann am besten mit zuschaltbarem Gain-Boost für Leads, inkl. Post-Preamp Lautstärkeregelung. Das ist mit externen Geräten dann schon echt doof zu realisieren, wäre also erneut sehr viel geiler, wenn das im Amp enthalten wäre. In diesem Kanal greifen natürlich etwaige Endstufen-Umschaltungen (wie etwa die des Mk IV) am besten.
3) Modern verzerrt. Halt alles von Boogie Mk Serie über Soldano bis hin zu Rectifier und Konsorten. Per (auch fußschaltbarem!) Preselect-Schalter sollten da auch mehrere Varianten zeitgleich drin sein - ok, vermutlich gäbe es immer nur genau einen Sound, den man wirklich perfekt abdecken könnte.
Auch hier natürlich wieder eine Gainboost-Schaltung für Leads.
Zusätzlich zu drei so derart flexiblen Kanälen wünschte ich mir ein eingebautes, quasi stufenlos regelbares Powersoak. Die Endstufe soll, wenn's denn eben schon Röhre ist, gefälligst auch bei kleineren Lautstärken schon ein bischen ran müssen. Und gerade in Verbindung mit einer Class A - A/B Schaltung hätte man dann auch noch die Flexibilität, zwischen "viel Headroom" und "Endstufe geht schon ordentlich in die Knie" per Sound wählen zu können.
Ich weiß, hier sind jetzt so manche Sounds immer noch nicht abgedeckt, wie etwas der schon erwähnte Vox-Kram, aber solch ein Amp würde meiner Meinung nach die Bedürfnisse ziemlich vieler Leute bereits annähernd perfekt abdecken. Gibt's aber so absolut nicht auf dem Markt. Also muss man doch wieder Racks, Looper, Switcher und umfangreiche Bodenbretter mit sich rumschleifen.
Ich denke, dass ein so oder ähnlich aufgebauter Amp zu einem annehmbaren Preis durchaus eine Marktlücke finden könnte.
Gruß
Sascha