Es scheint mir, dass ich beim Preci um jeden einzelnen Ton kämpfen muss, während beim Spector alles wie von selbst flutschte [...]
Ist es so, dass man beim Preci im Vergleich zu "modernen" Bässen um jeden Ton kämpfen muss?
Prinzipiell "jein" ... Ich habe lange aktive Warwicks gespielt, bin inzwischen komplett auf'n Preci umgestiegen. Sowohl US Standard als auch Mex mit Duncan Quarter Pound und den aktiven 18V-Big Block.
Mein Eindruck ist, dass unter den Kandidaten der US Preci schon am ehesten die "Zicke" in meiner Bass-Auswahl ist, aber auch einfach am besten klingt (bzw. klingen KANN). Er hat bei weitem den größten Dynamik-Umfang, bringt jede Nuance des Anschlags präzise an den Amp. Heißt nicht, dass er nicht prügeln kann - ganz im Gegenteil, ich krieg' aus dem US eigentlich die besten Aggro-Sounds raus, ebenso wie die sanftesten Streichel-Parts

Aber jedes Zuviel oder jedes unsaubere Greifen oder Anschlagen bildet er halt auch präzise ab, er verzeiht da gar nix. Ist mein Übungs- und Recording-Bass, an diesem Instrument wächst man als Bassist, oder geht zugrunde
Für die Bühne nehme ich dann eher den Big Block, der dank 18V für 'n Aktiv-Bass einen erfreulich großen Dynamik-Umfang hat, oder aber den Mex mit Quarter Pound, der sich ähnlich verhält wie 'n aktiver Bass. Beide Bässe verzeihen wesentlich mehr als der US, hier kann man auch mal in der Hitze des Gefechts abgehen, ohne gleich die Rechnung für mangelnde technische Perfektion präsentiert zu kriegen

Dynamik und Ausdrucksmöglichkeiten sind im Vergleich zm US allerdings doch eingeschränkt - was aber dem Live-Einsatz m.M. in Verbindung mit einem eher zurückhaltend eingestellten Kompressor sehr zu Gute kommt!
Generell ist bei allen meinen Bässen eine sehr flache Saitenlage eingestellt, das geht beim Preci genau so wie auf allen anderen gut konstruierten und sauber gebauten Bässen. Wenn bei nedriger Einstellung das Schnarren überhand nimmt, ggf. mal die Halskrümmung kontrollieren ...
Der Unterschied liegt halt darin, wie gutmütig der Bass auf "Störgeräsuche" reagiert, und wie detailgetreu er Dynamik und Spielweise abbildet. Da geb' ich dir recht, da ist der US-Preci - zumindest meiner

- sensationell, was neben den klanglichen und spielerischen Vorteilen halt auch mit sich bringt, dass er einfach nach mehr Präzision im Spiel verlangt.
Wenn Du auf Dauer mit deinem US-Preci live nicht klar kommst, oder dir einfach etwas mehr Bequemlichkeit auf der Bühne gönnen willst, wäre über 'nen kräftigeren, dabei weniger empfindlichen Pickup nachzudenken, der zwar weniger Dynamik, aber einen "stabileren" Ton bringt. Wie gesagt, ich bin da mit dem Quarter Pound recht zufrieden.
Ein weiterer, nicht unwichtiger Teil sind aber auch die Saiten - super-brilliante Steels sind natürlich grade in Sachen Schnarren und Greifgeräusche doch empfindlicher als etwas bedecktere Saiten ... Ich mag ultra-drahtige, aggressive Sounds, muss da halt ggf. in den sauren Apfel beißen
Generell lässt sich auch der US etwas "gnädiger" abstimmen, wobei es m.M. fast schade drum wäre. Evtl. ist ja 'n Mex mit ordentlichem PU als Live-Bass 'ne Option für dich, und der US als Backup und Studio-Bass?