Verminderter Septakkord (Jazz, Moonglow, Realbook)

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ollik007
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Hallo,

eine Frage zur Harmonielehre: in Moonglow (ich meine Version aus dem New Realbook) gibt es einen G°7 Akkord. Was ist das?
Gibt es einen verminderten Dur-Septakkord? Gleich danach ist ein Am 7b5 über G notiert. Das ist klar.... Halbverminderter (Moll) Septakkord (hier mit g im Bass)?!

Also ist ein G°7: g b(deutsches b) des f? Oder gar g h des f??

Was mir dann im weiteren nicht ganz klar ist, welche Funktion der Akkord zur Tonika G(6) hier einnimmt. Aber das ist eine 2. Frage.

Danke für eure Hilfe.

Grüsse
Oliver
 
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Moin!

G°7 ist ein vollverminderter Akkord mit den Tönen g bb db e, also drei kleine Terzen (bzw. 4 :D). Als "verkürzter kleiner Dominantseptnonakkord" hat er Dominantfunktion zu Ab.

In Deinem Beispiel als I°7 dient der G°7 allerdings einfach als Vorhaltakkord zur Tonika G6.
 
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ah, okay, danke, also der ° für vollvermindert. Aber warum steht der mit Grossbuchstaben (für Dur?) - ist das bei Vollverminderten immer so?
Und warum steht dann noch die Anweisung 7, wenn man die gar nicht spielt? (auf dem Klavier - welches Lefthandvoicing würde man da spielen? )

Und okay, das vesteh ich dann; ich hatte mir mal als Daumenregel gemerkt, dass eigentlich der Grundton bei Vollverminderten eine grosse Terz unterm unteresten Ton ist (also hier G-->Eb); Eb ist dann eben die Dominante zu Ab. (eher klassische Interpretation?)

Irgendwie ist mir der Abschluss der ersten 8 Takte mit G als Tonika gefühlt nicht klar; mir fehlt da irgendwie eine klare Dominante o.ö. Für mich einfach ungewöhnlich - vielleicht auch einfach eine "schlechte" Version? Ich muss mal im alten Realbook schauen, ob es da auch ein Sheet gibt.
 
Lieber Oliver,

ich kenne diese bestimmte Akkordfolge nicht, aber versuche dennoch Dir zu helfen.
Zu Deiner ersten Frage, in der Du wissen möchtest, was ein
ist.
Du kennst vielleicht die Symbole in der Schreibweise des Jazz und der leichten Musik.
Dieses °7 ist das Symbol für einen Vollverminderten Akkord. Man kann in auch Zweifachverminderter Akkord oder Ganzverminderter Akkord nennen.
Die Intervallstruktur besteht aus 3 über den Grundton gestapelten kleinen Terzen.
In der Grundstellung bilden die Septime und der Grundton eine verminderte Septe. Quinte und Grundton zusammen bilden eine vermindete Quinte.
Sowohl verminderte Quinte, als auch verminderte Septime sind äußerst dissonante, also instabile Intervalle.
Zudem ergeben Terz und Septime zusammen auch eine verminderte Quinte.

Ein G°7 besteht also aus den Tönen: g b des fes.

Nochmal an deinem Beispiel:

- g zu b = kl. 3; b zu des = kl.3; des zu fes = kl. 3
- g und fes bilden die verminderte Septime
- g zu des ist eine verminderte Quinte
- b zu fes bildet eine verminderte Quinte

Ich war zu langsam :(

Gruß
Tamara
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber warum steht der mit Grossbuchstaben (für Dur?) - ist das bei Vollverminderten immer so?

Ich kenne Deinen Sheet nicht, aber in der Deutung als verkürzter kleiner Dominantseptnonakkord ist es ja tatsächlich ein Dur-Akkord, dem der Grundton fehlt.

Und warum steht dann noch die Anweisung 7, wenn man die gar nicht spielt?

Doch, man spielt sie - nur ist es eben eine Septime mit zwei b :eek: (die damit auf derselben Tonhöhe liegt wie eine 6)

Und okay, das vesteh ich dann; ich hatte mir mal als Daumenregel gemerkt, dass eigentlich der Grundton bei Vollverminderten eine grosse Terz unterm unteresten Ton ist (also hier G-->Eb); Eb ist dann eben die Dominante zu Ab. (eher klassische Interpretation?)

Nein, der X° liegt einen Halbton unterhalb der Tonika. ABER: das Ding ist eine völlig symmetrische Struktur bestehend aus 2 Tritoni und somit Dominantbezügen zu vier Tonarten. Insofern ist Deine Faustregel eb gb a c einfach eine Umkehrung von F#°7 (f# a c d#), dem verkürzten kleinen Dominantseptnonakkord zur Tonika G.

Aber in Deinem Sheet, den ich nicht kenne, haben wir wie gesagt den anderen Fall eines spontan einwerfbaren Vorhaltakkordes auf der Stufe der Tonika.
 
ich hatte mir mal als Daumenregel gemerkt, dass eigentlich der Grundton bei Vollverminderten eine grosse Terz unterm unteresten Ton ist (also hier G-->Eb); Eb ist dann eben die Dominante zu Ab.

Die Regel ist richtig. Allerdings ist zu beachten, dass die Angabe Go7 eigentlich nur für die Stimmführung relevant ist. Harmonisch gesehen ist Go7 dasselbe wie Bbo7, Dbo7 und Eo7.

Somit können die 4 gegebenen Tritoni (Io7 - bIIIo7 - bVo7 - VIo7) folgenden Funktionen zugeordnet oder von diesen abgeleitet werden - je nach Blickrichtung:

Eb7 - Tritonusvertreter von A7
Gb7(b9) - Tritonusvertreter von C7
A7 - Dominante der Dominante ohne Zielauflösung (eigentlich: A7 -> D7 -> G)
C7 - Subdominante mit b7-Bluesfunktion

Wohl bekanntester Song mit dieser Funktion ist :D

 
in Moonglow (ich meine Version aus dem New Realbook) gibt es einen G°7 Akkord. Was ist das?
Das Sheet in New Realbook Volume 3 steht in G Dur.
Die harmonische Wendung in den beiden letzten Takten des A Teils kann man folgendermaßen herleiten:
|| I6 bIIIo7 | IIm7 #IIo7 I/3rd ||

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Eine Variation davon (siehe New Realbook 3) besteht darin, dass ein Tonika-Pedal unterlegt wird (siehe meine Grafik untere Zeile).
Cab Calloway (erste Originalaufnahme) spielte
|| I6 bVI7/5th | IIm7b5 #IIo7 I/3rd ||.
Art Tatum spielt es wieder etwas anders.


Was mir dann im weiteren nicht ganz klar ist, welche Funktion der Akkord zur Tonika G(6) hier einnimmt.
Die bIIIo7 ( = Bbo7) löst sich chromatisch abwärts in die IIm7 auf.
Die #IIo7 löst sich dominantisch aufwärts in die I/3rd auf.

Im Jazz und der Popularmusik wird nicht wie in der Klassik zwischen Groß- und Kleinbuchstaben bei den Akkordsymbolen unterschieden. Ob Dur oder Moll, es werden immer Großbuchstaben verwendet.
 

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