Vintage-Framus-Thread

  • #541
Was ich interessant finde ist, dass die Problematik bei anderen Hobbys z.T. die selbe ist - daher kommt auch mein Vorschlag mit dem Seriennummern-Tool. Das wurde nämlich mal in der MZ-Community umgesetzt (das sind alte DDR-Motorräder).
Auf MZ-Treffen gab und gibt es auch immer wieder Leute, die da gearbeitet hatten und von Internas erzählen, die vieles erklären, gerade in der Nachwendezeit. Sowas würde ich mir z.B. bei Framus mal wünschen.

Was die Qualität der Framus-Gitarren angeht, so glaube ich (aus meiner Laienperspektive) dass die aber deutlich über heutigen Billigmarken stehen; ich schaue mir ja auch immer wieder Flohmarkt- und Kleinanzeigen-Klampfen an und hatte auch schon einige Nonames hier. Entweder klingen die furchtbar oder haben schon in geringem Alter deutliche Strukturschäden (vor allem die Saitenlage ist oft grausig). Wenn ich mir mal Kritiken zu den Billigdingern von Harley Benton* anschaue, dann stünde Framus glaube ich auch noch deutlich darüber.
Das größte Problem an heutigen Flohmarktframusen ist halt das wirklich betagte Alter von 50-70 Jahren, was mich staunen lässt wie gut da doch viele von denen noch erhalten sind.

Dass es eine Sammlercommunity gibt, die eine Größe hat die auch eine gewisse Aktivität hervorruft, ist mit bisher entgangen, aber wie Du sagtest, vergangene Projekte verliefen wohl auch im Sand.

Es ist wohl auch ein wenig wie bei diesen unzähligen Gitarrenlauten; heute bei Mittelalter- und Larpbarden begehrt hatten die Dinger 1900-1920 eine Hochphase. Die Märkte sind voll damit, oft bekommt man sie für unter 50 €. Aber alle haben Risse in der Decke oder aufgrund des Alters einen bereits gebogenen Hals, die bauchigen sind quasi alle hinüber. Ich habe selbst eine Zargenlaute hier, die ich echt liebe weil sie sich so toll spielt. Notwendigste Reparaturkosten wären bei guten 700 €, und da wäre immernoch nicht alles gemacht. Da halte ich so ein Ding in der Hand, das rund 100 Jahre alt ist und es tut echt weh dass eine Reparatur einfach nicht lohnt. Den Framusen geht es oft sehr ähnlich mittlerweile.
 

  • #542
Wenn ich die Gitarre nun spiele, habe ich diese Geschichte dabei im Kopf und wie sicher des öfteren "Go Down, Moses" darauf gespielt wurde. Das ist ein lebendiges Instrument, das nun auch diese schöne Geschichte über dessen Verkauf enthält.
Danke erstmal für die schöne Geschichte, ich finde es überaus sympathisch soetwas zu lesen.

Zu deinem "Problem" mit der Identifikation unterschiedlicher Modelle...

Hast du schonmal versucht Framus via E-mail anzuschreiben ? Herr Müller hilft da eigentlich immer recht kompetent und auch schnell weiter.

Nur so als Hinweiswo Unterschiede liegen können. Obwohl unterschiedliche Modelle tatsächlich identische Korpusse verwenden, tatsächlich wohl auch die verwendete Hardware identisch sein kann, gibt es mit Sicherheit Unterschiede wie z.B. Binding vorhanden (ja/nein), Wenn ja, vorne und hinten, oder nur vorne ?
einfarbiges Binding oder etwas aufwendiger mit weiß/schwarz/weiß Binding ?
F-Loch mit Binding ? Wenn nein, dann wenigstens die Kante weiß angemalt oder Original belassen, sodass die Holzschichten sichtbar sind ?
Rosette um Schallöcher vorhanden ? aufgemalt oder aufgeklebt ? einfache Ausführung oder doch aufwendig gestalltet ?

Je mehr ich mich selbst damit beschäftige, umso mehr Unterschiede finde und sehe ich.

Ich würde mich schon an einer Diskussion und Erfahrungsaustausch zu Framus beteiligen.

Ausserdem bin ich bei den meisten deiner Aussagen aus deinen letzten Beiträgen durchaus auf deiner Seite. Schade, dass so wenig Interesse für die alten Framus-Instrumente besteht.

mfG

Markus
 
  • #543
Hallo zusammen,

hier mal ein Beitrag zu ein alten, defekten 5/113-52T aus Italien die eigentlich als Ersatzteilspender für eine 1962 5/114-52T "Fret-Jet" dienen sollte.

Angeboten wurde das Teil auf Reverb als defekt. Die wenigen Bilder waren wenig schmeichelhaft, aber immerhin waren fast alle Teile vorhanden die ich für eine "Fret-Jet" hätte gebrauchen können, um diese in Originalzustand zu versetzen.

Nachdem sie dann aus Italien bei mir angekommen war, und sie von grobem Schnutz befreit war, sah sie so aus:

Atlantik KL.webp

Leichter Druck auf den Vibrato wurde mit einem Knirschen quitiert, als wäre Sand oder ähnliches zwischen Decke und Vibrato.
Die Mechaniken verbogen und kaum beweglich, die Einlage im String-Muter zerblöselt und keine Wirkung, ausserdem alles ziemlich klapprig.
Die Chromteile alle etwas angelaufen und angerostet, am Virbrato-Hebel felt die Chromschicht komplett. Saiten waren grissen und offensichtlich ziemlich alt.
Fast alle Bünde buchstäblich bis fast auf das Griffbrett abgenutzt und tiefe Löcher im Griffbrett.
Ich habe das Ding erstmal komplett zerlegt und die Teile gereinigt. Vibrato, die Mechaniken und die Brücke kamen ziemlich sauber wieder aus dem Ultraschall-Reiniger. Nach Trocknung war nichtmal ein Polieren notwendig um alles wieder schön glänzend zu bekommen. Die Mechaniken wurden auch zerlegt, gerichtet und unter Verwendung von vorhandenen alten Ersatzteilen wieder zusammengebaut und funktionieren wieder erstaunlich gut.

Der Hals zu einem Gitarrenbaumeister zur Reparatur. Alle Bünde runter, Griffbrett abrichten, die verbleibenden Löcher verfüllen und mit etwas höheren Bünden aus Edelstahl neu Bundieren.

Ich habe mir derweil den Korpus angesehen und dem Bauteil eine etwas intensivere Reinigung mit Politur zukommen lassen. Natürlich hat so ein Instrument nach mehr als 50 Jahren einige Spuren, aber unterm Strich sieht das Finish sogar besser aus als meine etwas ältere "große" Atlantik.

Also sollte die Italienerin doch nicht als Spender für die alte Schwester dienen.

Beim Zusammenbau wollte der Vibrato aber nicht mehr sauber am Korpus anliegen. 1 cm Abstand zum Korpus unterhalb der Feder und die Ganze Mimik sitzt bereits etwa in der Mitte des Vibrato auf dem Korpus auf. Ich hab' doch nur alle Schrauben wieder angezogen und sämtliche verbogenen und verrostetet Holzschrauben gegen neue ersetzt.

Hmmm... bei der Gitarre war ein Bigsby B-700 dabei, den ich dann einfach mal testweise aufgelegt hatte. Jetzt machten auch die vielen zusätzlichen Löcher Sinn denn, da waren alle Bohrungen vorhanden um den Bigsby zu montieren. Die Bohrungen sah man vorher nicht, weil diese vom originalen Vibrato verdeckt wurden.

Also hab' ich alles wieder mit dem Bigsby zusammengebaut und schnell bemerkt, warum der nicht montiert blieb.

Die Saiten liefen nun so steil über die Brücke, dass diese schon beim Stimmen in Richtung Pickup verschoben wurde.

Da mir der Bigsby sympatischer war als der ohnehin nicht perfekt passende und angerostete originale Framus Vibrato, habe ich dem B-700 eine Modifikation zukommen lassen, die genau für mein Problem gedacht war.

Das ganze Ding sieht Stand heute wieder so aus.

Atlantik 68 01.webp

Atlantik 68 03.webp

Atlantik 68 02.webp


Der modifizierte Bigsby hat das Problem mit der sich verschiebenden Brücke gelöst...
Nebeneffekt, die Lagerungen laufen jetzt auch sehr viel leichter als vorher mit den Kunststofflagern.

Atlantik 68 05.webp

Griffbrett und Bünde passen auch wieder und halten jetzt hoffentlich etwas länger...
Die tiefsten Löcher im Griffbrett haben jetzt dunkle Flecken hinterlassen, alle anderen Löcher sind verschwunden.

Atlantik 68 04.webp

Die alte Dame läßt sich jetzt wohl besser und angenehmer bespielen als jemals zuvor.

Leider habe ich erst ganz am Schluss bemerkt, dass der Volume-Regler vom Bridge-PU etwas kratzt und nur einen sehr geringen Regelbereich hat. Da muss ich nochmal dran und evtl. gleich auch noch die Schaltung selbst etwas ändern... aber das hat Zeit bis zum nächsten Saitenwechsel. Eine andere Atlantik wartet auf Wiederbelebung...

mfG

Markus
 
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  • #544
Danke Markus für den Bericht. Mich hat nur "nervös" gemacht, dass du immer von dem Bigsby schreibst. Es muss doch das Bigsby heissen, das Bigsby-Vibratosystem.;)
Ansonsten hat deine Atlantic offenbar die gleichen Pickups wie meine 5/116-52 von 1966.
 
  • #545
Es muss doch das Bigsby heissen
Ich werde versuchen mich zu verbessern... :oops:

die gleichen Pickups wie meine 5/116-52 von 1966
Naja... ich habe so den Eindruck, diese PUs waren sowas wie "Quasistandard" für die meisten Instrumente...

Hab' ich erwähnt, dass die kleine von oben Baujahr 1968 ist ?

egal, meine 1967 Atlantic hat diese Tonabnehmer auch verbaut:

Atlantik 67 06.webp

Ich habe allerdings den Eindruck, dass diese hier sich leichter verstellen lassen als die der kleinen Schwester. Unterschiede sehe ich nicht wirklich. Ich denke dass ich es hier mit "Bauteiltoleranzen" zu tun haben werde.
Weiß jemand ob es tatsächlich Unterschiede bei diesen Pickups gibt ?

Die große Schwester scheint noch immer komplett Original zu sein, zumindest gibt es keine Anzeichen von "Bastelversuchen".

Atlantik 67 01.webp Atlantik 67 08.webp

Das Finish ist nicht so gut erhalten wie bei der jüngeren Variante, aber sie hat deutlich weniger "Spielspuren".

Atlantik 67 02.webp


Übrigens ein gutes Beispiel für die Verwirrungen die Framus anstellen kann. Die Atlantic aus meinem vorigen Beitrag trägt die Modellnummer 5/113-52T und stammt, wie bereits erwähnt, aus 1968. Diese hier trägt die Modellnummer 5/113-54T vom Dezember 1967.

Wie unterschiedlich zwei Instrumente doch sein können, obwohl die Modellbezeichnung 5/113 doch eigentlich etwas anderes behaupten sollte.

Mich würde mal interessieren, wieviele Framus-Experten die Unterschiede, speziell unter den ES-ähnlichen Modellen, kennen ?

mfG

und einen schönen Abend

Markus
 
  • #546
Ja, ich gehe auch davon aus, dass diese Pickups über etliche Jahre alle gleich waren. Meine beiden haben einen nahezu identischen Widerstand von 6,5 kΩ und klingen auch heute noch sher gut.

Die Verwirrung mit den Modellnummern betrifft auch meine Framus. Die 5/116-52 soll nach dem Framus-Archiv eigentlich so aussehen:

FV-5-116-New%20Sound-Thinline-305_body6317c6535c1f91dd6b9121105dedc0e1a621.jpg

Und so sieht sie tatsächlich aus:

Framus_08.webp

Laut Archiv ist das also eine New Sound (TV-Typ), die keine -52 hinter der 116 haben sollte oder 5/118-52 Television heissen müsste. :biggrinB:
 
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  • #547
ich bin etwas neidisch auf den Zustand deiner Pickups. Ich hab' keinen der nicht irgendwo mehr oder weniger angerostet ist...

Und... endlich mal ein Bild. (y)

Na, dann häng' ich jetzt auch nochmal Bilder an, zu denen es eigntlich ned viel zu erzählen gibt.

Vorerst die letzte in "Sunburst" - versprochen :cool:

BL 74 01.webp BL 74 02.webp

BL 74 04.webp BL 74 06.webp

Dafür hat sie aber andere Pickups verbaut.... ist doch auch mal was :)

BL 74 03.webp


einen schönen Abend wünsch' ich

Markus
 
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  • #548
Verrostet sind meine Pickups nicht, aber doch deutlich beansprucht:

Framus_47.webp


Relic von eigener Hand.:cool:
 
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