Hi @ooboo,
der G12Q ist sehr anders als die anderen Speaker, von denen Du sprichst. Er ist ein erklärter Vintagespeaker und ein richtiges "Leichtgewicht".
Der Magnet ist wirklich nur ein Bruchteil von dem, was Du von den anderen Lautsprechern kennst.
Er orientiert sich an den alten, leichten Jensens oder vielleicht Oxfords. Geringe Sensitivity (leiser als zB ein Greenback, der ja nicht gerade zu den lauten Speakern gehört), hell, eher mittig - womit ich meine, dass er ausgesprochen wenig Bass hat und im Treblebereich eher zahm daherkommt.
Etwas angeblasen geht er deutlich früher in die Kompression - was ihn durchaus von der Ansprache und Milde in die Nähe alter, leichter AlNiCo Lautsprecher bringt.
Er eignet sich gut, um ihn zum Zerren zu bringen und macht eine erstaunlich interessante Figur in Amps wie beispielsweise einem 18w
Marshall* (Clone), TMB oder sonstwas.
Für mich so etwas wie eine amerikanische Antwort auf das Konzept Greenback - nur eben cleantauglicher, weniger Fleisch dran.
Im Direktvergleich mit den Medium (ET65) und Heavy (G12C A C/S, G10...) Magnetlautsprechern klingt der Lautsprecher weniger dreidimensional oder einfach begrenzter im Frequenzband. Unten weniger Schub und Punch, oben merklich weniger Luft, Seide, Offenheit - jedoch durchaus Sparkle.
Ich würde sagen, dass der Lautsprecher glitzert, aber nicht glänzt, singt aber nicht atmet.
Das müssen keine schlechten Charaktereigenschaften sein - insbesondere, wenn man mit Gain an die Sache rangeht. Der Lautsprecher klingt saugut und ist eben das direkte Gegenteil vom G12C:
Ich hab den G12Q mit allen möglichen Speaker kombiniert (Pre-Rola G12H30 55Hz, Reaper, Reaper 55, G12C, Jensen P10Q...) und das klang IMMER irgendwie gut (mit dem G12C fast nie).
Der Lautsprecher hat meiner Meinung nach Charakter, wo der G12C Stil hat. Der G12Q ist der Portier, der abends ein Bierchen trinken geht und immer nen flotten Spruch auf den Lippen hat. Im Ernstfall ein Haudegen, meist aber ein gutmütiger Geselle. Es macht Spaß mit ihm Zeit zu verbringen, aber erwarte keine hochtrabenden intellektuellen Diskurse.
Der G12C ist eine Diva. Empfindlich. Legt alles offen. Erwarte keine Freundschaft. Erwarte Zickigkeit und Leidenschaft. Sie singt wunderschön, wenn man ihr Platz lässt. Wenn man anderst spielt, als es ihr gefällt, erklärt sie, dass das Dein Fehler sei und sucht sich nen Neuen... So is das mit denen.
Ich mag beide - aber im Ernstfall würde ich die Diva behalten, weil ich viel clean spiele und daher diese Luftigkeit einfach nicht missen kann...
Für mich klingt der G12Q nach Sepia, der G12C nach Kodachrom Diafilm. Da gibts kein besser oder schlechter. Es ist nur eine Frage der Ästhetik.
Ich finde es persönlich nur meistens schade, einen Amp abzuwürgen, der tief durchatmen kann.
Bei manchen Amps hingegen, ist das Beschneiden des oberen Registers und der unteren Bauchgegend ein must...
Grüßlé
s´Zwieberl