Bevor ich ein paar eigene Gedanken äußere, will ich zuerst eine kleine Textanalyse der Fragestellung voranstellen.
(1) "erfahrene Gitarristen": Sind dies (deutlich) lebensältere Gitarristen? Wo beginnt dann diese Stufe? Ist damit die Kompetenz in der Musikalität gemeint (Wie operationalisiert man sowas?)? Was grenzt ihn denn von einem jüngeren Gitarristen ab?
In Bewerbungen ließt man, dass Erfahrung immer nur quantifizierbar gemacht wird mit Zeit. Meine ganz persönliche Meinung: Erfahrung hat mit der Intensität zu tun, die man in eine Handlung legt, nicht aber wie lange man etwas macht.
(2) "jüngere Gitarristen": Welche Altersspanne ist denn gemeint, wenn das auf das Alter bezogen sein soll? Ist "jüngere Gitarristen" ein Synonym für Anfänger?
(3) "teures Equipment": Das Adjektiv "teuer" steht immer in einem Verhältnis zu einer (individuellen) Basis (monetäre Mittel (Haushalt), Erziehung, Einstellung etc.).
Wenn ich von mir selber ausgehe, verdrehe ich innerlich die Augen, wenn ein "Anfänger" mit einer masterbuilt Custom Shop Gitarre und Edelequipment um die Ecke kommt. Aber: es ist sein Bier, wie viel Geld er (oder seine Förderer) in dieses Hobby investieren.
Zu meiner Person:
Ich habe 1992 begonnen,
E-Gitarre zu spielen. Davor hatte ich seit - ich glaube es war - 1984 Klavierunterricht (Geboren wurde ich in den Neunzehnhundertsiebzigern).
Mein Startset umfasste japanische Les Paul Kopie (Pressholz), ein 3 m Gitarrenkabel, ein Gitarrengurt, einen 20 W Transistor-Amp (2 Kanäle) und an Songbook (nein, es war nicht Herr Bursch). Kostete damals umme 350 DM.
Damit ging ich in den Gitarrenunterricht.
Als nächstes Invest ging in einen Metalcharger von
Ibanez und ein Dunlop Cry Baby. Ende 1993 herum tauschte ich den Bodentreter gegen ein Multieffekt von
Korg aus (G3, mein Idol Dimebag machte dafür Werbung).
1995 hatte ich durch Ferienjobs ein bisschen Geld verdient und wollte mir dann eine hochwertigere Gitarre kaufen. Ich konnte Geld sparen, weil ich die avisierte Gitarre bei Rockinger (Rockinger Rudvog) nur noch als Bausatz erhielt. Im gleichen Jahr verkaufte mir der Bruder meiner Freundin sein 100 Watt Vollröhren-Top, was um 1983 in Kalifornien zusammengebaut wurde. Dazu kam noch seine selbstgebaute 1x12 Box.
2000 bekam ich von meiner Oma Geld geschenkt. Davon kaufte ich mir eine gebrauchte Parker Fly Deluxe für 3.000 DM aus einer Studioauflösung. Eigentlich wollte ich eine
PRS, aber die war schon weg. Neupreis einer Parker war zu dem Zeitpunkt über 6.000 DM.
Bis 2011 kamen und gingen dann "nur" Bodensteuereinheiten: Erst Line 6 POD (bzw. das Upgrade auf 2.0) mit Floorboard, dann Line 6 XT Live, Line 6 HD500.
Ende 2011 ermöglichte mir meine Frau, dass ich mir einen neue Gitarre kaufen konnte. Es wurde eine PRS, die in den USA eine UVP von 5.575 USD hatte (in Deutschland läge sie bei ca. 4.400 EUR).
Bis 2013 kaufte ich dann einen neuen Combo inkl. Flightcase (Line 6/Bogner DT50 212), eine Hughes & Kettner Statesman 412 Box, eine gebrauchte Ibanez RG 570 CTAM, eine gebrauchte Stratkopie der Marke Legend (die wurde vorher vom Verkäufer nach meinen Wünschen umgebaut und neu gelabelt) und ein Line 6 HD500X.
Im Jahr 2013 investierte ich auch in eine maßangefertigte Gitarre, die im Zeitraum Anfang März bis Ende November entstand (Im Rahmen der Produzentensuche holte ich Kostenvoranschläge gem. meiner Vorgaben ein, ich werde hier nur erwähnen, dass einer mindestens 15.000 EUR veranschlagt hätte).
Dieses Jahr kaufte ich noch einen kleinen Blackstar Fly 3.
Mit meinem Equipment bin ich im Vergleich zu manch anderen Foren-Mitgliedern (vgl. "Zeigt her Eure Übungsecken") sehr bescheiden, ob ich in den Augen anderer meine hochpreisigen Gitarren würdig bin (obwohl ich seit 1992 Gitarre spiele), ist mir egal. Ich habe Dinge, die mich in der Hobbyausübung glücklich machen.
Träume habe ich auch (z. B. auf das Line 6 Helix zu wechseln), aber mit einer Familie gibt es auch andere Verpflichtungen.
Ob jemand, der in jungen Jahren gleich mit "Profigerät" beginnt, seine Ausstattung genauso wertschätzt wie jemand (egal welchen Alters), der sich z. B. (auch gerade in Abhängigkeit finanzieller Möglichkeiten) drei mal überlegen muss, sich eine Gitarre von
Harley Benton oder Jack & Danny o. ä. leisten zu können, steht noch auf einer ganz anderen Seite.