Wie spielt man so einen Lauf wie Petrucciani ihn spielt? (Sentimental Mood)

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Hi, ich bin neulig auf diese Solo Version von In a Sentimental Mood gestoßen, was eigentlich ein Jazz-Standart ist der mich unglaublich genervt hat, aber diese Petrucciani-Version ist einfach so unglaublich Genial, ich habe sie mir bestimmt schon 10 mal angehört.

Petrucciani spielt von 3:33 bis 3:37 so einen geilen Lauf. Ich bin mir nicht ganz sicher ob es ein Appergio oder einfach nur n Lauf ist, vielleicht kann irgendwer von euch nen Ansatz raushören, vielleicht die ersten paar Noten?

Danke schonmal im Vorraus! :)
 
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Es wäre für uns einfacher, wenn du den Link tatsächlich postest. ;)

edit:

wenn du dashier meinst: http://grooveshark.com/#/s/In+A+Sentimental+Mood/2x22Y0?src=5

da höre ich sowas:

petrucciani lick.jpg

II - V7 - I in F. der erste Takt ist ein Arpeggio, wobei zuerst die Mollterz (Bb) umspielt wird. Am Ende des ersten Taktes wird der Grundton des nächsten Akkordes umspielt. Takt zwei ist dann ein Blues-Lick. Der Rythmus in Takt zwei auf der dritten Zählzeit ist vielleicht nicht so ernst zu nehmen. Interessant ist, dass durch die Verwendung der Blues-scale sounds die Terz der Dominante (E) nicht vorkommt. Außerdem ist das G# bzw Ab in C7 die b13 was einen alterierten/spannungsreichen sound erzeugt.

Das war der technische kram ... warum diese Phrase beim hören so beeindruckt hat wie ich finde andere Gründe. Vorher spielt er diese schnellen linearen Läufe. Und dann kommt diese Phrase die wirklich ein in sich geschlossenes Statement ist. Der Spannungsverlauf ist wie eine Welle die sich im ersten Takt aufbaut im zweiten auf 1 ihren klimax erreicht, die Spannung aber bis zur 3 hält und erst dort bricht. In Takt drei rollt sie auf dem Strand/der Tonika aus. Spannung/Entspannung. Ich find's ziemlich geil. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Erstmal vielen dank für die schnelle antwort! und sorry ich hatte vergessen den Youtube-link in meinen Post reinzusetzen,

bei der von dir genannten version befindet sich die von mir angesprochene Phrase bei 3:30-3:34 ;)

Aber trotzdem danke für deinen Hinweis, diese Lick welches in den nächsten Sekunden folgt erinnert mich ein wenig an Oscar Peterson und kling auch saumäßig gut, habe es bereits in mein "Lick-Gedächnis" aufgenommen :)
 
Haha, ich dacht mir schon dass es das falsche Lick ist. ;)
Naja, war ne nette Übung, hör sonst immer nur Bläserkram raus.
Peterson war tatsächlich auch meine erste Assoziation.

Was den Lauf vorher angeht ... uff. Keine Ahnung. Üben? =]
 
Ich habe den Lauf jetzt auch nicht rausgehört, aber das Prinzip, auf dem er beruht, ist m.E. ungefähr so:
Denke Dir ein C-Dur-Arpeggio und eine C-Dur-Tonleiter. Das Arpeggio geht so ca. 2-3- Oktaven.

Also: c' e' g' c" e" g" c'" etc.

Nun spielst Du das Arpeggio so, daß Du jeden Ton von oben durch einen Tonleiterton ansteuerst.

Also: d' c' f' e' a' g' d" c" etc. (Die Akkortöne sind jeweis fett gedruckt.)

Nachdem Du ihn diatonisch von oben angesteuert hast, steuerst Du ihn danach auch noch chromatisch von unten an.

Also: d' c' h c' f' e' dis' e' a' g' fis' g' etc.

Aus der Klassik kennt man das als Verzierung mit dem Namen Schleifer, der Fingersatz ist immer 4321432143214321, 4 ist immer die obere diatonische Nebennote, 2 die untere chromatische, der jeweilige Akkordton liegt zuerst im 3., dann im 1. Finger. Aufgrund dieses Fingersatzes kann man das ganze auch sehr schnell spielen.

Diese Technik findet man übrigens schon in Carl Czernys Improvisationsschule: The Art of Preluding.

Im konkreten Fall - ich habe es wie gesagt nicht rausgehört - kann es sein, daß Petrucciani jeden Ton der Tonleiter so ansteuert.

Also z.B. Tonleiter: c' d' e' f' g' a' h' c" etc.

Ausgeführte Version: d' c' h' c' e' d' cis' d' f' e' dis ' e ' g' f' e' f' a' g' fis' g' h' a' gis' a' c" h' ais' h' etc.

Mit dieser Technik kann man alle möglichen Spielereien machen, z.B. den ersten Ton von unten durch einen G-Dur-Dreiklang ansteuern, am Schluß der Phrase in einen anderen Lauf überleiten etc.

Im Jazzpiano ist das eine Technik, die schon von Art Tatum und anderen angewendet wurde, jeder hat sie halt etwas modifiziert, erweitert und seinen eigenen Bedürfnissen angepasst.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Oh danke für das ausführliche Erklären!,
das hilft mir sehr weiter!
Interessante Läufe zu gestalten ist nämlich immer ne schwäche von mir gewesen ;)

Bin schon dabei die Läufe zu üben und es hört sich echt ziemlich gut an.
 

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