Wind of changes

von richy, 13.07.08.

  1. richy

    richy HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 13.07.08   #1
    Hi
    Damit meine ich nicht den Scorpions Song in lustigem Englisch :-)
    Eher die Frage, ob Live Musik (im Semiprofibereich) gerade wieder mal in einem Wandel ist.
    Insbesonders die Unterhaltungs, Tanzmusikschiene.

    Ich weiss nicht wie es euch geht. Aber 2008 ist fuer mich von den Buchungen das schlechteste Jahr seit ich ueberhaupt auf der Buehne stehe. Also seit 1974.
    Naja, damals hab ich davon meine Rechnungen noch nicht bezahlt.
    Also sagen wir mal seit 1985.
    Bis auf 2005 waren wir im Schnitt immer 4 mal mal im Monat gebucht..
    Mai 2008 : Niente !
    Juni 2008 : 2 Gigs fuer Bekannte.
    Das Hochzeitsgeschaeft in meiner Band ist 2008 einfach fast voellig eingebrochen.
    Ich sollte dazu sagen dass abgesehen von einer Nachwuchs Saengerin (17 Jahre)
    alle Bandmitglieder so um die 40 oder 50 sind.

    Ich komme gerade von einem Hochzeitsgig. Der mir ehrlich gesagt etwas zu denken
    gegeben hat. Schoene Atmosphaere in der Vip Loge der Galopp Rennnbahn von Baden
    Baden Iffezheim. Da haben wir oefters schon gespielt.
    Das Essen dort ist uebrigends super.
    Im Vorfeld gab es schon ganz strikte Bedingungen :

    Nur 2-3 Musiker
    Keine Mallorca Schiene oder Schlager !
    Kein Schagzeug !?!
    Keine Italo Songs, Latino war erlaubt.
    Keine Jazz oder Dinner Standards !
    Nur Titel aus den 80 er Jahren, aber nichts kommerziellles.

    Ich hatte dafuer mit der Saengerin ein spezielles Programm vorbereitet.
    Titel wie :
    What a differnce a day means,
    http://home.arcor.de/richardon/intern/3_difference.mp3
    Mcfadden and Whitehead, Cool and the Gang,
    Earth wind and fire, Cihic, Sister sledge e.t.c.

    Schlagzeug und Italiener haben wir dennoch mitgenommen. Fuer Latino.
    Und zur Einstimmung auch so 10 bis 15 Dinner Titel gespielt.
    Entgegen der Anweisung des Brauetigams.
    Die Leute waren um 21 Uhr (Vereinbarter Beginn der Musik)
    aber noch am Essen.

    Nach dem Hochzeitswalzer haben wir dann mal Latino angetestet.
    Ein Medley.Volare, A fa l'amore ... Latin, Samba, denoch eingaengig.
    Man will ja nicht gleich mit der Tuer ins Haus fallen.

    A fa l'amore In deutscher Version : Tanze Samba mit mir :
    Wir bauen in dem Song die deutschen Worte kurzzeitig als Gag ein, weil unser Saenger eigentlich nicht deutsch sondern nur spanisch oder italienisch singen kann.
    Reaktion des Braeutigams :
    Bitte keine deutschen Titel !
    Titel ? Der Saenger hatte nur eine Strophe in gebrochenem Deutsch gesungen.

    Wir brachten den Abend aber sehr gut rueber, da wir ansonsten sehr gut vorbereitet
    waren. Groove Musik war angesagt. Die Tanzflaeche war immer voll.
    Einen positiven Kommentar des Barautpaares diesbezueglich gab es nicht..
    Brauchen wir nicht. Aber man uebernimmt als Musiker doch irgendwie auch
    irgendwie einen emotionelen Part einer Hochzeit.
    Wir waren da nur musikalische Begleiterscheinung.
    Und "Tanze Samba mit mir" die einzigst deutschen Worte an diesem Abend :-)

    So um halb zwei spielten wir den letzen Titel.
    Danach stoepselte ein Gast seinen I Pod in unsere Anlaga ein.
    Das war fuer 30-45 Minuten auch noch so ausgemacht.
    Anfangs fand ich es noch lustig unsere Eminence Kilowatt Baesse mit 2500 W RMS
    mal so richtig arbeiten zu hoeren. So ab 3 Uhr dann aber nicht mehr.
    Mp3's sind auch nicht gerade das richtige Material fuer unsere Pa.
    Halt mp3 Sound.

    Naja es gab also noch 2 Stunden mp3 Disco,
    Mit Titeln von denen ich keinen einzigen kannte.
    Mal sehen wie die 2 Stunden verguetet werden. Cash gab es an dem Abend leider noch nicht.

    Das war heute eigentlcih keine Hochzeit wie ich sie gestalten wuerde.
    Ich frage mich auch. Bin ich schon zu alt fuer das Geschaeft ? (46)
    Aber alle waren mit dem Programm anscheinend zufrieden.
    Ein DJ haette es aber bis auf die bekannten Nachteile heute aber fast genausogut getan.

    Uebernaechste Woche spielen wir mit Agata fuer ein italienisches Brautpaar.
    Darauf freue ich mich schon sehr ! :-)
    Wobei unsere erfahrene Saengerin, die den Gig heute organisierte im Moment
    noch wahrscheinlich dennoch um 2 oder 3 Klassen besser ist als der Nachwuchs.
    Perlen vor die Saeue.
    http://home.arcor.de/richardon/intern/0_memories.mp3
    Naja ganz so krass war es heute doch nicht :-) Aber fast. Scheiss I Pod.
     
  2. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 13.07.08   #2
    PS:
    http://home.arcor.de/richardon/intern/9_thankyou.mp3
    Das Lied ist fuer mich ueberhaupt das schoenste Lied.

    Eigentlich nicht der Rede wert.
    Die Worte sind das entscheidende.

    Bereuhe ich dann noch diesen doofen schlecht bezahlten Musik Job ?
    Nein !

    Naja Tanzmusik ist dennoch Perlen vor die Schweine.
     
  3. Orgeltier

    Orgeltier Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.08   #3
    Hey richy,

    ich glaube das ist einfach ein teil des geschäfts. über geschmack lässt sich leider streiten, und das macht dann auch jeder, der nicht die backen halten kann.

    ich habe mal auf einem "italienischen Abend" as Sax&Gitarre-Duo gespielt. Einfach ein wenig frei schnauze dahingedaddelt für beim essen. Schon nach 15 min kam der erste gast und meinte, ob wir denn auch italienische titel spielen würden! Auf die Fragen wie man denn italienisch Saxofon spiele, und welche Lieder er sich denn wünsche gabs dann leider keine Antwort.

    Noch schlimmer wars, als wir letztens mit ner Jazzcombo auf nem Stadtfest gespielt haben. Mitten im Gitarrensolo wird unser Gitarrist von einem betrunkenen Gast angepöbelt, er solle doch bitte mit der Dudelei aufhören und was von den Beatles spielen. Kurze Beatleszitate im Solo waren ihm aber dann wahrscheinlich nicht genug, also wurde er handgreiflich... Gott sei dank waren ein paar hilfsbereite Gäste in der Nähe.

    Also merke.... keine Jazzmusik auf Stadtfesten ;-)
     
  4. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 13.07.08   #4
    Das kann man aber sicherlich auch nicht verallgemeinern.
    Genausowenig wie die Erfahrung gestern, dass die gaengige Tanzmusikschine so langsam ausgedient hat. Wobei ich hier schon laenger eine Trendwende beobachte.
    Finde ich auch gut, denn so 80er Disco Funk ist auch meine Musikrichtung.
    Und dass gleich zu Anfang gesagt wurde was nicht gewuenscht wird.
    Damit war gleich klar welche Titel wir lieber nicht spielen.
    Weniger gut, dass ein DJ diese Richtung sehr viel einfacher bedienen kann.

    Bei der Jazzmusik auf Stadtfesten ist es wohl auch bischen anders.
    Da hat der Veranstalter schon im Voraus die Entscheidung getroffen, welche Art von Musik
    geboten wird. Wenn dann ein Gast etwas von den Beatels hoeren will muss er auf ein
    anderes Fest gehen :-)
    Bei einer privaten Veranstaltung kann man so natuerlich nicht argumentieren.
    Und ich meine es wird immer schwieriger hier die richtige Mischung zu finden.
    Es gibt auch immer mehr Musikrichtungen.
    Das Konzept gestern, eine Mischung aus Latino und Disco fand ich gar nicht
    schlecht. Aber das ist nicht unbedingt das was man von einer Tanzband erwartet.
    Die Alleinunterhalter haben sicherlich auch einen grossen Teil zu dem Klischee beigetragen.

    Nur eine Vermutung, aber vielleicht haben die DJs daher im Moment einfach die
    besseren Karten.
    Eine Stunde Disco nach dem Programm finde ich auch voellig in Ordnung.
    Das naechste Mal schliese ich den CD Player aber an den Aktivmonitor an.
    Dann kann man zwischenzeitlich die Anlage komplett abbauen.
     
  5. Cuthbad

    Cuthbad Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.08   #5
    Hmmm,

    also ich bemerke diesen Wandel nicht so sehr. Das einzige was ich klar bemerke, dass auf privaten Festen wie Hochzeiten und runden Geburtstagen immer mehr zur Konserve gegriffen wird. Aber gut, die Leute werden sich schon was dabei gedacht haben. Auch preismäßig...

    Das die Musik sich wandelt kann ich so nicht sagen. Wird aber denke ich auch örtlich bedingt sein. Die Sauerländer sind halt einfach "einfacher" gestrickt denke ich. Hier kann man teilweise noch das Programm auflegen, was vor 10 Jahren funktioniert hat. Und auf unseren Schützenfesten, die ja hier den Großteil der Tanzmusikindustrie ausmachen, kommst du mit I am what I am, I will survive, Who the f... is alice und 1000 mal belogen nach wie vor gut an. Zum Ende noch Let it be und Hey Jude 30 Minuten im Wechsel nur Klavier und Gesang und auch die letzten verlassen das Zelt/die Halle um halb 6.

    Wie Richy schon sagte, dieses Thema lässt sich nicht verallgemeinern. Ich hab mit ner Rockcombo schon auf nem Abiball gespielt und die Leute kamen an und wollten Marianne Rosenberg. So kanns gehen, es kommt halt immer auf die Buchenden an und auf deren Geschmack. Wie bei deinem Brautpaar. Genauso gut haste paare, die wollen Ballermann Hits 1 - 24 rauf und runter hören! :D

    Also, weitermachen! Bis dann!
     
  6. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 27.07.08   #6
    Gestern haben wir auf einer italienischen Hochzeit gepielt.
    Auch hier waren die Vorgaben ganz klar festgelegt.

    Vorwiegend italienisches Programm.
    Was ist aber ein italienisches Programm ?
    Das was das deutsche Publium darunter versteht ?
    Sempre Sempre, Mamma Maria, Felicita ....

    Das war aber gestern nur am Rande angesagt.
    Stattdessen :
    Italienische traditionelle Musik wie Tango ,Mazurka, Polka Tarantella.

    Ich habe Mazurkas und Tarantellas.in meinem Programm.
    Aber was ist eine italienische Polka ?
    Es gab fast einen Streit zwischen mir und unseren italienischen Saenger was denn
    der unterschied zwiscen einer italienische Polka und Trarantella ist :-.).
    Ansonsten war die Tanzflaeche wieder mal am besten besuchtl wenn wir 80 er Disco, Groove Titel gespielt haben.
    Ich denke das ist kein Zufall mehr.
     
  7. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 28.07.08   #7
    Hallo richy,
    was das Tanzmusik-Geschäft angeht, können wir uns nicht beklagen, wird eher mehr als weniger, was mir eigentlich gar nicht so recht ist. Hochzeiten sowie Silberhochzeiten sind nach wie vor da noch meine präferierten Gigs, da a. die Leute feiern wollen und b. die Gage stimmt. Brautpaare werden älter, Silberpaare sind es eh, so dass man dort wirklich das altbewährte Programm anbieten kann. Schützenfeste werden da schon problematischer. Zum einen soll man nicht mehr um 20:00 sondern um 21:00 anfangen, was immerhin ne Stunde weniger Gage ist, dafür hat man relativ viel junges Volk, die sich sonst vermutlich ausschließlich in Discotheken rumtreiben und sich Songs wünschen, die ich noch nie gehört habe, geschweige den den Namen der Interpreten. Und wenn man sich dann doch mal die Mühe macht, sich das zu notieren, und zu Hause bei Napster reintut, kommt man schon in's Grübeln, ob man doch lieber langsam aufhören sollte, denn meine Musik ist das definitiv nicht mehr. Vermutlich bin ich doch schon zu alt. Früher haben wir noch vorgegeben, welche Musik angesagt ist, so dass sogar der lokale Plattenladen (ja, sowas gab's zu meiner Zeit noch) ab und wann mal angefragt hat, was wir neues im Programm haben, weil nach den Schützenfestwochenenden die Kids dort Platten und CDs gekauft haben.
    Der Markt für größere Bands mit 4-6 Musikern sieht zumindest in unserer Gegend nicht mehr so rosig aus. Dafür steigen die Anfragen für 2-3 Mann Bands, wie uns, allerdings mit dem selben Anspruch, dem man nicht so einfach gerecht werden kann. Da fehlt dann die Sängerin, oder auch der Bassist oder ein Saxofonist. Außerdem muss man Anlagen- und Lichttechnisch auch ganz schön aufrödeln, hat man doch in der Vergangenheit mit einer kleinen Club-PA für max. 250 Leute locker ausgereicht.

    Was ich nach wie vor nicht mache und auch nie gemacht habe ist, dass ich mir Vorgaben machen lasse, wie den Hochzeitsgig, den Du beschrieben hast. Entweder man bucht mich, weil und wie man mich kennt, oder sucht sich ne andere Combo. Wir spielen in fester Besetzung. Ggf. würde ich mir auf Wunsch - weil ich auch selbst drauf Bock hätte - gegen Aufpreis ne Sängerin dazuholen. Aber mir vorschreiben lassen, was ich spielen oder auch nicht spielen soll - läuft nicht. Wir spielen natürlich schwerpunktmäßig das, was an dem Abend von der Mehrzahl angenommen und honoriert wird und sorgen darüber hinaus dafür, dass auch die anderen Gäste nicht zu kurz kommen.
    Ich hatte schon die eine oder andere Anfrage in der Richtung, wie Du sie hattest. Da verweise ich dann gerne auf Telefonnummern von Kollegen oder DJs. Nach dem Motto "keine Bumsmusik, bitte nur Supertramp, Rolling Stones, Toto und sowas". Letztlich sind wir doch in's Geschäft gekommen, hatten ja auch das eine von den gefragten Bands im Repertoire und uns sogar noch die Mühe gemacht, rechtzeitig weitere Songs einzuproben, mit dem Erfolg, das genau bei den Songs die Tanzfläche leer war, was nicht an der Qualität der Darbietung gelegen hat, sondern weil man danach nicht so gut feiern kann. Die Leute die uns buchen, vertrauen auf unsere Erfahrung und fahren damit bislang immer gut. Wer's nicht will, lässt es. Ich lass mir definitiv nicht vorschreiben, wie ich meinen Job machen soll. Stell Dir mal vor, Du erzählst dem Heizungsmonteur, wie er seine Rohre verlegen soll, der wird Dir was husten. Außerdem ist es in diesem Geschäft wichtig, dass man die Grenze zur Prostitution nicht überschreitet. Einige sind gerne der Meinung, sie haben für die Musik gezahlt und können jetzt mit Dir alles machen.

    Klingt für mich nach "möchte-gerne-High-Society" - muss ich nicht haben. Ich bin keine musikalische Begleiterscheinung. Da bleibe ich lieber zu Hause und verbringe den Abend mit meiner Frau vor dem Fernseher oder gehe nett essen, was in diesem Geschäft eh viel zu selten vorkommt. Tut mir leid für die, die davon leben müssen, denn die haben leider keine andere Wahl, als auch solche Jobs anzunehmen.

    So dann und wann gibt's bei unseren Gigs einen "Stargast", z.B. sehr gern gesehen ein Wolfgang-Petri-Double, oder in Kürze DJ Ötzi. Ja, das ist dann vorher abgesprochen, auch dass dies über unsere Anlage läuft. Einen Möchtegern DJ mit iPOD oder Laptop kommt mir nicht in die Tüte, es sei denn bei einer Hochzeit für eine geplante Einlage, aber nicht zum Tanzen.
    Für mich eine klare Sache: Zeit ist Geld, und das wird bezahlt ab dem Zeitpunkt, wann wir spielbereit sein sollen (nicht wann wir tatsächlich anfangen, es sei denn das ist dann doch früher) bis zu dem Zeitpunkt, wann ich abbauen kann. Und wenn meine Anlage noch über meine Spielzeit hinaus benötigt wird, so dass auch meine Anwesenheit erforderlich ist, wird das ohne Frage bezahlt. Und überhaupt: Bezahlung erfolgt ausschließlich per Cash am selben Abend. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft, um meinem Geld hinterherzurennen. Vor allem bei irgendwelchen neureichen Schnöseln. Keine Überweisung, keine Checks, es sei denn es handelt sich um geschäftliche Veranstaltungen
    die eine Rechnungsstellung voraussetzen.
     
  8. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 28.07.08   #8
    So was lieb ich besonders, wenn jemand meint, mir während des Spielens ein Ohr abkauen zu müssen. Sehr effektvoll, wenn gerade alle tanzen, einfach sofort mit der Musik aufzuhören, um freundlich über's Mikrofon zu fragen, ob er seine enorm wichtige Frage noch einmal wiederholen könne, ich konnte es eben wegen der laufenden Musik nicht verstehen.
    Bringt nur leider nicht wirklich was, wenn solche Typen besoffen sind. Da hilft nur eins: Sofort strikt von der Bühne verweisen, ohne Diskussion, und mit Nachdruck. Denn das sind genau die Situation, wo Du ein Bier in's Equipment gekippt bekommst, oder jemand über ein Kabel stolpert, ein Mikrostativ oder sonst was umreißt.
     
  9. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.07.08   #9
    Ich glaub, wir müssen mal nach Karlsruhe kommen.

    Ist nur logisch.
    Der DJ ist alleine und nicht zu sechst, verlangt daher auch nur Geld für einen.
    Der DJ stellt keine großen Ansprüche, was Platz, Technik usw. angeht, bringt also keinen dreiseitigen Stagerider mit, mit dem ein Privatmensch nichts anfangen kann.
    Der DJ kann zur Not auch leise. Leiser noch als die Sticks eines Drummers auf elektronischen Drumpads. Siehe auch weiter unten.
    Der DJ hat ein Repertoire von einigen tausend Titeln, darunter alles, was in den letzten 10-20 Jahren auf Partys geil abgegangen ist.
    Wenn ein neuer Partykracher sich abzeichnet, braucht sich der DJ nur die CD holen, während eine Band Wochen braucht, um den Song einzustudieren und zu arrangieren.
    Und der DJ klingt mehr noch als ein Alleinunterhalter wie eine CD, was daran liegt, daß seine Musik von CD kommt.

    Bands werden heute nicht gebucht, weil man Musik will, sondern weil man gezielt Livemusik von einer Band will. Oder weil man mindestens einen der Musiker kennt und ihm/ihr einen Gefallen schuldig ist.

    Da stellt sich dann die Frage, wie man zu zweit oder zu dritt wie eine ganze Band rüberkommen und obendrein auch noch musikalisch flexibel sein will. Die Lösung ist, daß der wichtigste Mann in der Band der Keyboarder wird. Statt einer Music Workstation spielt der dann ein Entertainergerät zu mindestens demselben Preis. Und weil man den ganzen Kram nicht selbst programmieren kann bzw. keine Zeit hat, muß man eben auf MIDI-Files zurückgreifen, bei denen dann die Spuren gemutet werden, die der Rest der Band spielen kann (was meist ein Gitarrist ist, habe ich die Erfahrung gemacht, und natürlich der Gesang).

    Im Klartext läuft das Ganze auf einen fileschubsenden Entertainer mit Begleitung hinaus.

    *zustimm* Würde ich auch nie machen. Irgendwo ist man immer stilistisch spezialisiert und bringt diesen Stil/diese Stile dann eben um so besser rüber.

    Aber mach das mal den Kunden klar. Manche glauben, Band ist Band, und sind derartige Musik-DAUs, daß sie sich kaum der Tatsache bewußt sind, daß es unterschiedliche Genres gibt, geschweige denn, daß nicht jede Band alles spielen kann. Und dann, wie du sagtest, gibt's die, die meinen, wenn sie Geld dafür bezahlen (ich sage nicht, wenn sie viel Geld dafür bezahlen, denn im geizgeilen Deutschland ist Geld immer viel Geld), dürfen sie alle Arten von Ansprüchen stellen und erwarten, daß diese uneingeschränkt und kommentarlos erfüllt werden. Als wenn sie für die Gage die Band kaufen und zu Leibeigenen umfunktionieren würden oder so.

    Das hatten wir hier im Board erst vor ein paar Wochen, daß zu einem Schulball eine eigentlich rockorientierte Band gebucht werden sollte, die dann aber Tanzmusik spielen sollte.

    Das erinnert mich an ein anderes, anscheinend nicht mal seltenes Phänomen. Eine Partyband oder Rockband wird gebucht, aber der Kunde wünscht, daß diese leise spielen soll, dinnermusikmäßig vornehm im Hintergrund und kaum hörbar. Ungefähr so wie die Musik, die normalerweise aus der Kompaktanlage über die unter der Decke hängenden kleinen JBL Control 1s dudelt. Hallo?! Geht's noch? Spätestens wenn man versucht, den Leuten zu erläutern, daß schon der Drummer nicht auf 40 dB runterzuregeln geht, und sie raffen es nicht, verliert man den Glauben daran, daß es noch geht.

    Das sind Momente, wo man von Glück reden kann, wenn man von Musik nicht leben muß.


    Martman
     
  10. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 28.07.08   #10
    Warum MIDIFILES? Der moderne "Musiker" hat ein Repertoire von MP3s, wo dann sogar noch die Chöre drauf sind, die das MIDIFILE leider nicht abdecken kann, höchstens über eine Vocalistenspur. Da gibt's dann sogar die, die für jede Besetzung das entsprechende Set von MP3s haben, denn man will ja wenigstens die Spur seines eigenen Instrumentes noch selbst spielen.
    Nein, danke. Weder MIDIFILE noch MP3 ist meine Welt, wenn ich mich als Musiker verkaufe. Ja, der wichtigste Mann der Band - zumindest je kleiner sie wird - ist der Keyboarder. Der Drummer hat sich nach ihm zu richten, der bekommt entgegen seiner Natur das Tempo per Click vorgeben, der Gitarrist spielt seinen Striemel, ist eigentlich auch nur geduldet, weil das genauso vom Keyboard übernommen werden könnte. Wir bewegen uns seit Jahren in Richtung "BACK TO THE ROOTS", indem die Maschine mehr und mehr aus bleibt, ich in der linken Hand den Bass von Hand spiele und nicht mehr nur den Herrn Arranger mit Informationen versorge.
    Klar, hat sind hier Grenzen, was machbar ist. Es gibt zum Glück aber noch eine große Anzahl an Songs, die man so spielen kann, und was soll ich sagen? Es macht deutlich mehr Spaß. Momentan sind wir sogar wieder am überlegen, ob wir nicht einen unserer Bassisten reaktivieren, womit wir wieder eine schlagkräftige 4-Mann-Combo wären. Wir müssen dann mit der Gagenforderung beim 3-Mann-Preis bleiben, aber dafür macht's wieder richtig Spaß, was mit Sicherheit auch das Publikum merken wird.
    Wir werden dann zwar immer noch nicht das abdecken, was der Nachwuchs an Gästen gerne hören würde, aber das ist mir Schnuppe. Solange es noch Parties gibt, wo die Musik nicht gefordert ist, haben wir ne Daseinsberechtigung. Alle anderen sollen sich n DJ buchen und ab dafür.
     
  11. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.08   #11
    Als nächstes werden die Arrangerhersteller wohl Graintable-Synthese einbauen, damit Echtzeit-Timestretching bzw. -Synchronisieren von Audiospuren zur Clock möglich wird und man sich nicht sklavisch ans vorgegebene Tempo eines MP3 halten zu müssen, trotzdem aber ganz genau den Sound des Originals haben.

    Ich frage mich, wieviele Hersteller von modellspezifischer Arrangersoftware schon bei großen Studios angefragt haben, ob sie nicht von $PARTYHIT die Mehrspuraufnahmen kriegen können, damit sie die Spuren einzeln ins Keyboard einhängen können.

    Denn in einem Punkt hast du recht: MIDI-Files benutzt keiner mehr. Heute haben alle Spezialfiles, die jeweils nur auf dem eigenen Keyboardmodell laufen, darauf aber auch alles bis zum Gehtnichtmehr ausreizen. Beim MIDI-File hast du zum Bleistift nur 127 Sounds zur Auswahl...


    Martman
     
  12. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 02.08.08   #12
    Das wuerde fuer mich heissen wieder von vorne anzufangen.
    So fing die Halbplaybackgeschichte doch an. MD Player oder Dat Recorder mit der man zuhause vorproduziert hat. Alleine schon um die ganzen Keys (ohne GM) nicht mit auf die Buehne schleppen zu muesssen. Und im Sound mit den Alleinunterhaltern oder grossen Bands mithalten zu koennen, die schon ueber GM Geraete verfuegten.

    Ein Bekannter von mir macht das bis heute noch. Inclusive Chor und aufwendig abgemischt.
    Bei einigen Gigs benutzte er MD und ich Midifiles.
    Ich konnte keinen grossartigen Vorteil der Vorabmischung feststellen.
    Gerade wenn ich am Midi File Bass und Drums in den Vordergrund stelle und den Rest
    dazuspiele klingt das eher nach Livemusik wie eine Vorproduktion.
    Und schliesslich soll es auch nicht zu perfekt klingen.
    Der Drummer spielt auch ohne Midi Click. Mit einem E Drum oder ausgestopften A Drum + Trigger ist das kein Problem. Und alleine Hiihat und Becken verleihem dem ganzen etwas mehr live Charakter.

    Oldies, Standards, spielen wir soundso live. Im Prinzip alles was live zu dritt besser
    oder stilechter klingt als mit japanischer Unterstuetzung.
    Manches scheitert dann aber schon am Midi Basspedal.
    Das kann ich nicht wie ein Bassist spielen, der ein ganzes Hirn dafuer frei hat.

    Und wenn man dann siehst wie einfach es sich andere machen. Verizichtet man darauf manche Lieder 100% Live zu spielen spart man sich ueber die Haelfte der Anlage.
    Weniger Keys, kein Fussbass, kein Schlagzeug, evtl keine Gitarre, kein Bandbus ...
    Bamit kann man auch einen besseren Preis machen.

    Aber das ist eine unendliche Geschichte :-).

    Dazu besteht das Programm, das bei Hochzeiten teilweise gewuenscht wird gerade aus Titeln, die live kaum zu bewaeltigen sind. Auser man stellt ne 6 Mann Band hin.
    Oldies ? Wer will die da noch hoeren ?
    Beim 50 er oder 60 er Geburtstag sicherlich. Aber die werden weitaus seltener mit Band gefeiert.
    Das ist es doch gerade was ich aktuell beobachte.
    Die Hochzeiten werden doch bestimmt schon zu 70% von den DJ's bedient.
    Die Alleinunterhalter haben das als erstes zu spueren bekommen.
    Und jetzt stellt die "neue Sparsamkeit" auch in Frage ob es denn ueberhaupt
    eine Band sein muss.
    Naja, dennoch spiele ich heut auf solch einer.
     
  13. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 03.08.08   #13
    Muss ich mir wenigstens heute selbst widersprechen. Das dankbarste, unkomplizierteste Publikum seit langem. Lauter froehliche Menschen die man erst gar nicht zum feiern
    ueberreden musste. War aber auch eine super Location. In Freien, Park eines Hotels.
    Oldies kamen heute sogar besonders gut an.

    Vorgabe:
    Na macht mal :-) Und wir konnten alles querbeet spielen und bei jeder Stilrichtung wurde getanzt. Auch voellig egal ob live oder mit Midi Unterstuetzung.
    Da loihnt sich dann der ganze Aufwand mit Drums Gitarre, mehr als ein Key, Orgelclone, eben der Aufwand fuer Livemusik.

    @dr_rollo
    > Brautpaare werden älter

    Die heute waren sehr jung. 25-30

    > Songs wünschen, die ich noch nie gehört habe, geschweige den den Namen der Interpreten.

    Das liegt aber an uns :-)
    Musiker mit Kindern haben da einen Vorteil.

    > Schützenfestwochenende
    Was ist bitte ein Schutzenfest ? Naja dafuer kenn ich Fasching :-)

    Diese Einstellung hatte ich bis dieses Jahr auch noch. Aber aufgrund der aktuellen
    Aufrtagslage kann ich mir das nicht mehr leisten.
    Der Gig vor 2 Wochen war sicherlich extrem. Aber er lief dennoch ganz glatt ueber die Buhne, weil wir und an die Vorgaben gehalten haben.
    Und ich weiss was jetzt von deiner Seite kommt :

    LOL ... oh Gott, die Erfahrung kennt doch jeder Dienstleistungsmusiker doch nur zu gut *fg
    Und es ist keine Frage wie man dies so wie du im Normalfall erfolgreich handelt.
    Der Thread hier heisst aber Wind of changes.
    Vor zwei Wochen haette diese Taktik nicht gegriffen !
    Heute habe ich nach dem Gig noch zwei Stunden Disco gemacht.
    Da kam ein recht junger Gast daher und meinte "Hey leg da mal Nt 15 von der CD ein."
    Titel wie ueblich voellig unbekannt.
    Natuerlich lege ich die CD trotzdem ein. Frueher haette ich das nicht gemacht.
    !Und alle haben zu diesem mir unbekannten Song mitgegroehlt. Ein Erfolg.
    Weniger gut, dass nun staendig Gaeste kamen : "Hey leg mal den Titel ein"

    BTW: @dr_rollo
    Welche Standardausrede benutzt du eigentlich auf die Frage :
    Ich hab ein Laptop dabei. Wo kann ich das einstoepseln ? :-)


    Das ist auch ein interessantes Thema.

    Tipp :
    Wenn du alles auf Midi umstelllst kannst du nebenher locker solche Fragen beantworten ob denn nun der Reis oder Nudelsalat besser ist.
    Ich hab z,B ein echtes Problem, dass ich zwar singen kann wenn ich Keys spiele
    aber ich kann bei schwierigen Stuecken absolut nicht mehr sprechen.
    Und daher auch nicht Auskunft darueber geben ob ich weiss wo es hier zur Toilette geht.
    Das was du als sehr effekrvoll bezeichnest habe ich tatsaechlich mal getan.
    (Spaeter aber bereut)
    Muesste da jetzt weit ausholen. Eine Location in der Pfalz die Probs wegen der Lautstaerke hat. Nicht wegen den Nachbarn sondern dem Chef der sich durch
    den Trubel in seiner Wirtschaft in seinem Schlaf ein Stockwerk hoeher
    beeintraechtigt fuehlt. Bluebox muesste den Marienhof eigentlich kennen.
    Und das allen Hochzeitern dort versichert wird dass sie beliebig lange feiern koennen.
    Was glatt gelogen ist weil der Chef schlafen moechte.

    Als die Hochzeitsparty in moderater Lautstaerke gerade in vollem Gange war
    wurde eine Azubi zu mir ausgesand : Lautstaerke drosseln.
    Endstufe ein Tick runter.
    Das selbe nochmal : Noch ein Tick runter
    Nochmal.
    Partymusik in Dinnermusiklautstaerke.(5) Ich kenne meine Endstufe ganz genau.
    Wir waren jetzt schon extrem leise

    und hatten die PA ueber unseren Drehstromverteiler der einen Hauptschalter aufweist
    angeschlossen.
    Ich nahm mir vor, dass wenn das Maedel nochmals vorgeschickt wird um mir das Ohr vollzulabern, dass ich dann duesen Hauptschater betaetige.

    Genau das ist dann passiert. Miitten im Song hab ich die Komplette Pa incl Licht ueber den Haupschlter abgeschaltet.
    Bin voellig ausgerastet was einem Dienstleistungsmusiker eigentlich nie passieren darf.
    Dummerweise hatte ich da noch nicht kapiert dass der Azubi nur ein Statist war.

    Und den Azubi angebruellt , dass dies keine Beerdigung sondern eine Hochzeit ist.
    Und dass er mir das Ohr nicht vollabern soll wenn ich meinen Job ausuebe.
    Und dass eine Wirtschaft die eine Hochzeit ausrichtet auch fuer die entsprechenden Raumlichkieten zu sorgen hat !

    Ich kann so etwas aber nicht empfehlen.
    Der / die Azubi wurde kreidebleich.
    Die wird nie mehr in ihrem Leben einen Musiker von der Seite dumm anlabern.
    Die Gaeste waren geschockt.
    Und das war mir im Nachhinein besonders peinlich.

    Wobei wir das mit schoener extrem dezenter Musik wieder hnibiegen konnnten
    Natuerlich waren die Gaeste auf unserer Seite . Die bezahlen so eiin Fest und
    nicht den Gesundheitsschlaf des Chefs vom Matienhof.
    Die Party war dennoch vorbei. Waere sie unter Zimmerlaustaerke aber soundso gewesen.

    Uebrig blieb das gefueglte Wort in badischem Originalvertion:

    Hasch du des jetzt kapiert ? (Hauptschalter in Stellung OFF)
    Des hier isch ae Hochzeit un koi Beerdigung du dumme Nuss.

    Waere natuerlich auch einen Thread wert.
    Welche Vorgaben soll ich erfuellen ? Die der Gaeste oder die der Location ?
     
  14. bluebox

    bluebox HCA Keyboard HCA

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    Erstellt: 04.08.08   #14
    Hi richy !

    Nein - Marienhof kenn ich nicht - wo soll der sein ?

    Zum Thema insgesamt:

    Ich bin ja einer, der schon vor mehr als 20 Jahren mit und ohne MIDI's gemuckt hat und habe somit eigentlich die ganze Entwicklung mitgemacht.

    Fakt ist: Früher wurde mehr Wert auf das Live-Feeling gelegt. Die Gäste wollten unterhalten werden, aber auch mitsingen und mittanzen. Damals gab es einfach noch nicht an jeder Ecke eine Disco und in jedem Nest 2 Feste pro Wochenende. Das haben natürlich auch die Musiker begriffen und sich auf diese Nachfrage eingelassen. Im Lauf der Zeit haben sich die Gagenforderungen dann in Sphären bewegt, bei denen der "Kunde" auch schonmal darüber nachdenkt ob er das denn nun braucht oder nicht. Dazu noch die "MIDI-Mucker" die wenig bis garnicht Keyboard spielen können, sich aber mit so einem Teil dann hinstellen, MIDI's abspielen und mehr schlecht als recht dazu singen.
    Nun - in diesem Fall kamen dann die DJ's und sprangen in die Bresche. Das ist jetzt die Konkurrenz für Leute wie Richy. Für mich war es vor ~ 10 jahren so, dass wir natürlich die Konkurrenz schon gesehen haben, aber es eigentlich für eine gutgebuchte Party-Band egal war, wer da noch so unterwegs war.

    Wenn man von der Musik leben will, ist das natürlich sehr bedenklich.
    In der Cover-band in der ich aktuell spiele (ist auch etwas speziell - aber egal) läuft es eigentlich eher entgegensätzlich. Wir spielen 100 % live und die Nachfragen nehmen stark zu (auch die Gagen-Angebote). Somit sieht man, dass es schon noch eine Nachfrage gibt - lediglich die Art der Veranstaltungen ist etwas anders geworden.

    Obwohl - wenn ich daran denke - wir haben am Sa auf einem Weinfest gespielt - vor 10 Jahren wäre dort ein Duo auf der Bühne gestanden und hätte Flippers u.Ä. gespielt - somit hat sich das wohl doch etwas geändert....

    cu

    Michael
     
  15. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 04.08.08   #15
    Sehr köstlich, richy :-) Aber den Hauptschalter umlegen würde ich nicht unbedingt machen, das kann auch anders in die Hose gehen. Manche Geräte mögen das gar nicht so gerne. Nachdem bei einem Fest mit zu schwacher Sicherung der Strom zum wiederholten Male weg war, kam nach dem Einschalten eine der Endstufen nicht mehr wieder hoch. Die hat das nicht verkraftet. Daher reagiere ich auch extrem ungehalten, wenn mir jemand ohne Voranmeldung den Saft wegdreht. Einen Mitarbeiter des Ladens, wo ich gerade auftrete, und schon gar keinen Azubi würde ich so auflaufen lassen. Immerhin ist man ein bisschen davon abhängig, dass sie einem wohlgesonnen sind, und ein Azubi kann meist überhaupt nichts dafür. Wenn nötig, greif ich mir die in einer Pause und erzähl denen ein paar Takte, aber nicht vor den Gästen.
    Und während des Spielens geht das gar nicht. Auch nicht, wenn Du Midifiles spielst. Im Gegenteil, da muss man sich ja noch mehr konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren. Einmal raus, und das war's.

    ...da steckt man nicht drin. Klar, gibt es Umstände, die das Gelingen einer Party immer positiv genau wie negativ unterstreichen. Aber am besten, man geht immer ohne Erwartungen an so ne Feier. Neulich hatten wir ne Hochzeit mit lauter netten Bekannten, das musste n Erfolg werden. Aber, ... a. es war zu warm, die meisten hielten sich ewig draußen auf; b. ein Super Restaurant, leider ohne Regie, alles hat sich ewig lange hingezogen
    Nächste Party: unbekannte Leute, viele Stadtmenschen (die bekanntlich eher hinderlich sind, weil sie ihre Wochenenden üblicherweise in Discotheken verbringen, als auf profanen Tanzfesten), extravagante Location, vom standard abweichender Ablauf - trotzdem super galaufen. Die haben fleißig getanzt, gesungen und kamen nicht einmal mit abgefahrenen Musikwünschen.
    Wollte ja auch nur sagen, dass der Trend sich wandelt. Ich hab das erste Mal mit 24 geheiratet, das war zu der Zeit völlig normal. Heute kommen immer mehr, die deutlich älter sind, also teilweise die Generation, die wir seit Jahren schon beschallen, und die uns genau deswegen, weil sie uns seit Jahren kenne, buchen. Das sind meist Selbstläufer, weil sie uns auch nicht reinreden.
    Ich habe einen 20jährigen Sohn, da bin ich schon einiges gewohnt. Ist aber trotzdem nicht meine Welt und deswegen höre ich es auch nicht.
    Ganz einfach: "Was für Anschlüsse hast Du denn? Hat Dein Laptop XLR-Ausgänge?" und wenn er dann mit einem Adapter von Miniklinke auf Cinch kommt: "Hast Du die Adapter auf XLR? Ich brauche XLR für den Anschluss am Mischpult!" - oder: "Miniklinke? Sowas haben wir nicht. Wir nutzen nur professionelle Kabel!" ;-)
     
  16. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 04.08.08   #16
    Das würde ich so nicht unterschreiben. Midifiles sind nach wie vor im Einsatz. Die Keyboardspezifischen Files - von denen ich bislang noch weniger gehört habe, vermutlich weil ich mich damit bisher nie beschäftigt habe - dürften deutlich teurer sein als reine Midifiles. Und mit den 127 Sounds würde ich auch widersprechen. Roland Keyboards - sogar mein mittlerweile 10 Jahre altes G1000 - haben den erweiterten GS Soundumfang, da gibt es schon einen großen Unterschied zu GM. Selbes Midifile auf einem GM abgespielt und dann auf GS - ich meine, ich kann das bei meinem sogar simulieren - klingen völlig ganz anders. Ich bin kein Experte, was die technischen Details angeht, ich sehe nur, dass ich deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Sounds habe, die auch von den GS-Midifiles genutzt werden.
    Ich hatte mal ne Glenn Miller File Diskette, die habe ich während einer Pause mal reingeschmissen. Dann kam später einer mit ner CD, die er als Untermalung für ein Spiel eingeworfen haben wollte. Die Antwort, "wir haben keinen CD-Spieler" hat er mir nicht abgenommen, weil wir ja ne Glenn Miller CD gespielt hätten. Ich hab's ihm dann versucht zu erklären, dass das aus dem Keyboard kam, was er mir nicht glauben wollte - er war selber alter Tanzmucker :-)

    Machen wir uns nichts vor: Klar, ist das nicht CD-Qualität, aber warum sollte ich denn Aufwand betreiben, wenn es die Gäste überhaupt nicht merken würden?

    Da möchte ich auch gleich nochmal richy's Aussage unterstreichen: Es kommt definitiv nicht darauf an, so perfekt wie möglich zu klingen. Sonst wären Musiker über, und macht gefälligst alles mit DJ. Gerade weil es den Gästen am Abend immer wieder mal klar wird, dass unsere Musik nicht aus der Konserve kommt, sei es der Verspieler, der verpatzte Anfang, der falsch Akkordwechsel beim Solo, sind wir unser Geld wert. Da wird schon mal das Kassensaxophon für ein Solo rausgeholt, und die Leute finden's tierisch geil, weil mehr live geht nicht! :-D
     
  17. richy

    richy Threadersteller HCA Soundprogrammierung HCA

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    Erstellt: 05.08.08   #17
    Der Marienhof ist ein Weingut in der Pfalz, in Flemlingen.
    http://www.weingut-marienhof.de/
    Wir haben da schon oefters gespielt. Immer mit massiven Problemen.
    Jeder badische Musiker weiss, dass man dieser Lolalitaet besser aus dem Weg geht.
    Wundert mich, dass du als Pfaelzer diese musikalische Anti Adresse nicht kennst.

    Ansonsten ;
    Ich habe ja mal einen Aufrtritt eurer Band als Gast mitelebt.
    Das was deine Band ausmacht ist der super mehrstimmige Gesang.
     
  18. livebox

    livebox Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 09.08.08   #18
    Rollo, is nich gegen dich gerichtet, aber: Ich würde gerne genau diese Aussage, unter den Thread-Titel gestellt, ganz provokativ in die Diskussions-Runde werfen.

    - Ist das wirklich mein/unser Maßstab in der Band, wie qualitativ die Ohren der Gäste hören?
    - Gibt es in diesem Punkt Unterschiede zwischen Hobby- und Vollzeit-Musikern? Wenn die Gäste es ja eh nicht merken?
    - Wie habe ich / haben wir als Band diesen Punkt früher gesehen?
    - Wie sieht's aktuell aus?
    - In welche Richtung hin zeichnet es sich ab?
    - Warum?

    Greift auch hier der wind of changes?

    MfG, livebox
     
  19. toeti

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    Erstellt: 09.08.08   #19
    Abend,

    das ist auch eine sehr gute Frage finde ich. Ist in meinen Augen aber zweigeteilt zu betrachten:

    1. Als Musiker und
    2. als Geschäftsmann.

    Punkt zwei ist da recht simpel und eigentlich so zu beantworten:

    So viel und gut wie nötig, dabei so wenig Arbeit und Aufwand wie möglich.

    Es geht darum für das Geld, was man bekommt Arbeit zu verrichten. Diese Arbeit muss ausreichen um dem Publikum zu gefallen und wieder gebucht zu werden. Aber es muss auch genug Geld für die Arbeit und den Aufwand geben, also darf man nicht zuviel machen.

    Aus gschäftstechnischer Sicht muss man noch drauf achten, wieviel wirklich nötig ist.

    Punkt eins sieht auch nicht schwerer aus: Ich muss zufrieden sein. Wenn mir das, was ich biete Gefällt, bin ich glücklich. Wenn ich gerne die B3 spielen will und es für mich einfach ein geiler Abend wird, dann ist es mir auch egal, ob ich was dafür bekomme oder nicht. Es geht darum mich zufrieden zu stellen.


    Da ich noch nicht so alt bin, kann ich kaum bei der Wandlung mitreden, aber ich denke doch, dass sich dieser Bezug nicht wirklich geändert hat.
    Das Problem ist glaube ich vielmehr: Die Musiker sind früher auch bezahlt worden!!
     
  20. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 11.08.08   #20
    Hallo livebox,
    ich hatte diese Aussage im Zusammenhang mit GM/GS Sound angebracht. Wollte eigentlich nur daraufhinweisen, dass die Keyboards heute mit Midifiles selbst ein Orchester mit Naturinstrumenten (in meinem Fall nen BigBand Sound) so gut rüberbringen, dass der "normale" Zuhörer über eine normales PA wiedergegeben nicht einmal den Unterschied zur CD hört.
    Bin übrigens selbst schon mal reingefallen. Da hatte ich mir für meinen Korg 01/W von Hitbit den Midifle für NewYork, New York geholt. Damit hatten wir den Abend dann aufgehört. Das klang wirklich gut, so gut, dass ich, als wir gerade mit dem Abbau beginnen wollten, zu meinem Keyboard gesprungen bin, als das Lied wieder anfing, weil ich dachte, jemand hätte die Start-Taste gedrückt. Dabei hatte der Wirt die CD eingelegt :rolleyes:
    Je mehr ich darüber nachdenke, um so schwerer ist dies zu beantworten. Ich würde behaupten, dass dies nur indirekt zutrifft. In erster Linie will ich mit dem Sound zufrieden sein. Das ist immer der Grund gewesen, warum ich über all die Jahre immer aufgerüstet habe und es auch weiter tun werde. Kaum einer im Publikum hört so genau auf die Details wie man selbst.
    Ich denke, dass beide den optimalen Sound anstreben. Der Unterschied ist, dass Vollzeit-Musiker, oder sagen wir mal lieber Profis, eher finanziell dazu in der Lage sind. Wobei ich manchmal nur mit dem Kopf schütteln muss, mit was für Equipment manche sich noch unter dem Pseudo "Profi-Musiker" auf die Bühne trauen. Da würde ich mich als Veranstalter abgezockt fühlen. Zum Glück gibt's davon nicht mehr so viele.
    Das war immer so, und wird immer so bleiben.
    ...sollte sich das ändern?
    Ich denke, dass ist ein ganz anderes Thema.

    Vielleicht noch eine Bemerkung, auch zum Thema Unterschied Hobby-/ProfiMusiker:
    Ja, es gibt Veranstaltungen - das gebe ich offen zu - wo ich meinen Aufwand auch in Grenzen halte, und mein Equipment auf ein Mindestmass beschränke. Bei der Anzahl Gigs - zum Glück nicht mehr so viele wie früher - ist mein Enthusiasmus über all die Jahre auf ein realistisches Maß gesunken. Warum sollte ich für einen 1-2 Stunden Gig, mit kleiner Bühne, wenig Gage, alles auffahren, was mich zum Mucken glücklich macht? Hobby-Musiker oder Bands, die noch nicht so lange dabei sind, oder jünger sind, oder was auch immer, schleppen sicherlich jedes Stück Equipment auf die Bühne, wenn sie denn mal einen Auftritt haben, natürlich auch, weil sie stolz auf jedes Teil sind, was sie sich gekauft und vermutlich mühsam zusammengespart haben. *protzmode=end* - klar, so waren wir doch alle mal :-)
     
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