Wohin geht die Reise der Digitalpult-Entwicklung?

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Christian_Hofmann

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Ich kann dir da nicht widersprechen. Jeder sollte seine Möglichkeiten und Ansprüche selber kennen und passend ausgestattet sein.

Ich hoffe, dass sich mal irgendwann ein Standard für Bediengeräte entwickeln wird, damit eventuell eine Fernbedieneinheit universell für Rackmixer unterschiedlicher Hersteller funktioniern kann ... man wird ja noch träumen dürfen.
Ich vermute eine Schnittstelle wird irgendwann die logische Konsequenz sein, zumindest ein Minimalstandard den unterschiedliche Geräte verstehen. Ideal wäre dann dass ich beliebige Geräte nutze und diese alle zusammen z.B über ein externes Gerät steuern kann ohne mich mit den Unterschiedlichen Bedienkonzepten auseinandersetzen zu müssen.
 
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Ich hoffe, dass sich mal irgendwann ein Standard für Bediengeräte entwickeln wird, damit eventuell eine Fernbedieneinheit universell für Rackmixer unterschiedlicher Hersteller funktioniern kann ... man wird ja noch träumen dürfen.
Mixingstation ist dabei schon auf einem guten Weg. Zumindest gibt es damit vom anwenden her einen gemeinsamen Nenner.

da es hier ja um digitale Pulte und deren Zukunft geht, sollten wir die Diskussion digital vs. analog beiseite lassen, zumal der Zug bei der Liveanwendung wohl endgültig richtung digital abgefahren ist.
Es wird immer flexibler aber vermutlich auch komplizierter und auch sehr viel teurer.
naja, wollen wird doch hoffen dass es Richtung flexibler geht. Dass es dadurch nicht auch gleich komplizierter wird liegt wohl noch sehr stark an den Herstellern. Ich kann mir z.B gut vorstellen dass vermehrt unterschiedliche Benutzerprofile entstehen, so dass man zwischen einer einfachen Bedienung und einer fortgeschrittenen, die mehr in Details geht, wählen kann. Das gibt es jetzt hin und wieder in Ansätzen, z.B beim X-Air da und dort. Beim neuen Midas Heritage D scheint es möglich zu sein, sich die Oberfläche weitgehend anpassen zu können. mal sehen was da dann wirklich umgesetzt ist wenn diese Pulte wirklich verfügbar sind.
Zum Thema teuer sehe ich das so, dass es sicher einige Hersteller gibt, die kompromisslos alles technisch mögliche in ihre Geräte umsetzen. Andererseits macht gerade die digitalierung der Mischgeräte es möglich macht Geräte anzubieten, die bei günstigem Preis sehr viel Features mitbringen, die vor einiger Zeit so gar nicht denkbar, zumindest im Nicht-Profi-Bereich, waren.
mein erstes digitales Live-Pult war das LS9-32 und das hat damals 10.000€ gekostet. Der Nachfolger, ein X32 dann 2600, heute bekommst du es um 1600€ roundabout. also da hat sich einiges getan.
 
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Mixingstation ist dabei schon auf einem guten Weg.
Stimmt. Zumindest für das XR18 und A&H QU16 war es doch eine recht ähnliche Oberfläche, obwohl beide Pulte durchaus unterschiedlich sind.

Nur hätte ich gerne so was mit Fadern, ein paar Knöpfe für einen "Fat Channel" wie Presonus das nennt und den Rest gerne per Touch Screen.
Im Prinzip ein schlankeres https://www.presonus.com/produkte/de/StudioLive-CS18AI mit weniger Knöpfen aber mehr Touchscreen. Schön dort auch, dass es einen Bus Master (Flex Master) und einen getrennten immer erreichbaren Master gibt.
 
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Yamaha, Allen&Heath, etc. haben alle Dante mittlerweile im Programm - sowohl als Erweiterungskarten für die Mischpulte wie auch direkt als Stageboxen.
Da muss aber unbedingt noch was passieren, m.M.n. Derzeit kocht jeder Hersteller von Dantestageboxen sein eigenes Süppchen, was Preamp-Kontrolle, Gain, Phantomspeisung usw, betrifft. Das macht die Zusammenstellung von Systemen unterschiedlicher Hersteller de facto unmöglich. Dann gibts da wenig Vorteile gegenüber propertiärer Protokolle.
Und in dem Punkt der Ansprüche würde ich auch ein X-Air nicht mit dem LX-7 II vergleichen. Allein von den Preamps her müsste man da eher mit der leider nicht besonders gelungenen Signature-Serie von Soundcrampf vergleichen. Man hört den Unterschied einfach…
Irgendwie verstehe ich da nicht was du genau meinst. Das ist mir zu verworren formuliert. Kannst du vielleicht das nochmals genauer beschreiben?
Eine spannende Frage wäre da doch, ob in Zukunft noch mehr Pulte für den Consumer digital daherkommen werden. Ein Flow-8 von jedem Hersteller bald irgendwie?
definitiv, wohl erst nach der aktuellen Einschränkungen, die große Marktinnovationen nicht zulassen.
 
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Irgendwie verstehe ich da nicht was du genau meinst. Das ist mir zu verworren formuliert. Kannst du vielleicht das nochmals genauer beschreiben?

Naja, von der zu erwartenden Qualitätsklasse ist ein X-Air eben eher bei einem Soundcraft Signature in der gleichen Liga. Und nicht bei einem LX -7 II. Von letzterem würde ich zum Beispiel von den Preamps mehr erwarten. Features allein zu vergleichen finde ich zu einfach gedacht. Da gewinnt natürlich immer Behringer, egal ob digital oder analog, denn zum Tiefstpreis Features reinpacken, das machen die ja schon von Anfang an.
 
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Christian_Hofmann

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Sind diese Geräte eigentlich in sich geschlossen oder hat der Anwender auch die Möglichkeit eigene Plugins oder Erweiterungen selber zu Programmieren? So etwas wäre ja fast eine Garantie dafür das es ein Erfolg werden würde. Wenn diese Systeme aber komplett geschlossen sind und man auf teure Erweiterungen des Herstellers angewiesen ist, dann weiß ich es nicht.
 
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Sind diese Geräte eigentlich in sich geschlossen oder hat der Anwender auch die Möglichkeit eigene Plugins oder Erweiterungen selber zu Programmieren? So etwas wäre ja fast eine Garantie dafür ...

... dass der Programmierer eigener realtime-fähiger Software sich damit das System ruiniert und im schlimmsten Falle unbrauchbar macht? Yep, genau. Ist vielleicht besser, wenn da nicht jeder einfach ein Plugin einbauen kann.
 
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Christian_Hofmann

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... dass der Programmierer eigener realtime-fähiger Software sich damit das System ruiniert und im schlimmsten Falle unbrauchbar macht? Yep, genau. Ist vielleicht besser, wenn da nicht jeder einfach ein Plugin einbauen kann.
Naja der normale Anwender würde es eh nicht machen, aber für Personen mit den entsprechenden Fähigkeiten wäre es eine ideale Möglichkeit Dinge umsetzen zu können die der Hersteller nicht glaubt anbieten zu müssen. Wenn die Plattform sauber ist, dann wäre es ja keine Gefahr. Für den PC kann ja auch jeder mit kostenlosen Tools Plugins für sein Programm schreiben und mir ist kein Computer bekannt der dabei explodiert ist :) Ein Taster für Werksreset und gut ist es, alle zusätzlichen Plugins entfernt.
 
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Meine Einschätzung: Die Schnittmenge aus Personen, die sowohl gute Tontechniker-Ohren haben als auch die Fähigkeiten, gute Audio-Plugins zu schreiben ist eher klein. Das sieht man an den für Linux frei verfügbaren Plugin-Bibliotheken. Da ist der Anteil "gut gemeint, nicht gut gemacht" doch deutlich überwiegend. Technisch denkbar wäre natürlich, einen Plugin-Host als separate Einheit in ein Digitalmischpult zu integrieren. Extern gibt's das ja schon von WAVES. Kurz angegoogelt: Man kann auch einen PC als VST-Host via Dante einbinden. Latenzen muss man dann halt ausknobeln.
 
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Man kann auch einen PC als VST-Host via Dante einbinden. Latenzen muss man dann halt ausknobeln.
dafür braucht man kein dante, das geht vom prinzip her mit jeder "wandlerkarte". Waves spielt seinen Vorteil erst aus, wenn man die über einen soundgridserver laufen lässt. Native ist alles, egal ob mit waves, dante, madi,... mit je nach Plugin horrenden Latenzen verbunden - zudem kommt, dass dante selbst jetzt nicht soooo latenzfrei ist.
 
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dass dante selbst jetzt nicht soooo latenzfrei ist.
Speziell wenn man mit der DVS arbeitet. Es gibt aber PCI(e) Kartendie da deutlich flotter sein können. Allerdings sind es genau die Extra Latenzen der Plugins, die die Einbindung in ein Live-Pult so schwierig machen. Mit den Plugins im Pult, speziell die, die tief in den Verarbeitungsprozess der Signale eingebunden werden (Allen&Heath spricht hier treffend von DEEP Plugins) und somit keine extra Latenzen verursachen, hat der Hersteller das ganze in der Hand. Wenn dann ein findiger Entwickler plötzlich ein geniales Plugin erstellen würde, das zwar eine Eierlegende Wollmilchsau ist, aber mit komplett unvorhersehbaren Latenzen werkelt, na dann gute nacht. Und letzt endlich wars der Techniker, weil der hats ja verbockt.
was allerdings meiner Meinung nach der wichtigste Grund dafür ist, dass derlei nicht in die aktuellen, und auch in naher Zukunft verfügbaren, Pulte einzug hält ist dass eskeinen gemeinsamen Standard bei den Pulten gibt. Das gilt sowohl für die Anbindungen und Kommunikation der Komponenten untereinander als auch eine gemeinsame Vorgangsweise bei der Einbundung wie eben Plugins. Kein Mensch würde Plugins für DAWs programmieren, wenn jede DAW ein eigenes Plugin Konzept verfolgen würde und nicht z.B VST. Aber da sind die Pulthersteller gedanklich noch nicht so weit.
Naja, von der zu erwartenden Qualitätsklasse ist ein X-Air eben eher bei einem Soundcraft Signature in der gleichen Liga. Und nicht bei einem LX -7 II. Von letzterem würde ich zum Beispiel von den Preamps mehr erwarten.
Hast du da konkrete Erfahrungswerte mit den drei Pulten. Ich persönlich kenne das LX7-II nicht, nur den Vorgänger, und der war jetzt nicht gerade „Se jello of se egg“. Dafür wären mir weder das X-Air noch das Signature negativ aufgefallen. Vergleichsbasis halt mit dem Zeug, mit dem ich so immer wieder arbeite, X/M32, SQ, dLive, MixWiz, GL2400, GB4, CL oder QL von Yamaha. So zeug halt für Live. Aber es kann ja sein, dass der altersbedingte sanfte Lowpass da eine gleichrichtende Funktion ausführt;-)
 
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Naja der normale Anwender würde es eh nicht machen, aber für Personen mit den entsprechenden Fähigkeiten wäre es eine ideale Möglichkeit Dinge umsetzen zu können die der Hersteller nicht glaubt anbieten zu müssen. Wenn die Plattform sauber ist, dann wäre es ja keine Gefahr. Für den PC kann ja auch jeder mit kostenlosen Tools Plugins für sein Programm schreiben und mir ist kein Computer bekannt der dabei explodiert ist :) Ein Taster für Werksreset und gut ist es, alle zusätzlichen Plugins entfernt.

Theoretisch stimme ich Dir durchaus zu. Aber praktisch sehe ich da zu viele potentielle Fallstricke. Ich verdiene seit über 20 Jahren meine Brötchen in der IT und bin im Nebenberuf Tontechniker. Ich kenne haufenweise Leute aus den beiden Branchen, und nur EINER hat mal etwas im weitesten Sinne Vergleichbares gemacht und es auch zu einem guten Ende gebracht. Und das hat sich rund zwei Jahre hingezogen, bis das für Enduser einsetzbar war.

"Wenn die Plattform sauber ist" - auch da habe ich so meine Zweifel. Jahrelange Erfahrung in der IT macht einen da sehr pessimistisch. In der Plattform (Digitalmixer & SW) dürften viele schnelle Hacks drin sein, welche nur deswegen zuverlässig laufen, weil der Enduser da nicht dran kommt.
 
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Die Preamps der Behringer X32/X18 etc.-Serien sind absolut o.k., linear, transparent, rauscharm, verzerrungsarm und mit guten Headroom.
Es gehört nun wirklich schon lange zum kleinen 1x1 der Hersteller, solche ´sauberen´ Preamps zu bauen.
Hier ist die Schaltung des LX7II einsehbar (S. 43 u.a.): file:///C:/Users/JRGENL~1/AppData/Local/Temp/soundcraft_lx7-2_ii_technical_manual.pdf
Solide Schaltungstechnik, keine irgendwie geheimnisvolles Wunderwerk und nicht so weit weg von Schaltungen, wie sie vor 30 Jahren üblich waren, siehe z.B. hier: http://juggernautmusic.com/wp-content/uploads/2013/10/Spirit_Studio_Schems-1.pdf (Soundcraft Spirit Live).
Nur sind die heute eingesetzten Transistoren und OP-Amps rauschfreier, übersteuerungsfester als die vor 30 Jahren und sie haben einen größeren Frequenzbereich, der sehr weit über den Audiobereich, ja sogar den Ultraschallbereich hinaus geht.

Beim LX7 setzt Soundcraft auf den OP-Amp TI07250, Behringer setzt den NJM4580 ein. Beide sind je nach Stückzahl bei Mouser in etwa für den gleichen Preis gelistet, z.B. TI072 bei 500 St. ca. 0,35 € netto.
Technisch liegen beide in etwa gleichauf, hier die Datenblätter:
https://datasheet.octopart.com/TL072ACDT-STMicroelectronics-datasheet-33425686.pdf
https://www.njr.com/electronic_device/PDF/NJM4580_E.pdf

Die analogen Schaltkreise dieser Mixer darf man heutzutage getrost als ausgereizt und abgehandelt betrachten.

Interessant wird es bei den digitalen Schaltkreisen und Chips. Deren Entwicklung verlief rasant, hat aber heute auch einen Stand erreicht, der als für die Anwendung in Mischpulten als mindestens weitgehend ausgereizt angesehen werden darf. So können die von Behringer eingesetzten AD/DA-Wandler deutlich höhere Sampleraten als die maximal einstellbaren 48 kHz:
Der AD-Wandler CS5368 von Cirrus Logic, den Behringer bevorzugt verbaut (8-kanal /24 bit), könnte z.B. bis 216 kHz samplen, ist aber in den X32 usw.-Serien auf maximal 48 kHz limitiert.
[Hier das Datenblatt: https://www.mouser.com/datasheet/2/76/CirrusLogic_CS5368_F5-1160035.pdf]

Inwieweit die FPGA´s, die Behringer einsetzt, schon ausgereizt sind, kann ich nicht beurteilen. Der Xilinx XC6SLX4 erscheint mir jedoch sehr leistungsfähig und hat möglicherweise in einem X18 mitunter ´Langeweile´ [Hier Infos dazu: https://www.xilinx.com/products/silicon-devices/fpga/spartan-6.html und hier ein interessanter Teardown des X18R: http://vogelchr.blogspot.com/2015/11/behringer-x-air-xr18-teardown.html]

Die digitale Hardware der erwähnten Pulte ist zumindestens teilweise schon ´oversized´ im Hinblick auf den vorgesehenen Einsatzbereich, aber es lohnt sich für die Chip-Hersteller nun mal nicht, ältere und weniger leistungsfähige Chips weiter zu produzieren. Da ist es einfacher und vor allem billiger, die besseren Chips nur teilweise auszunutzen.
Der Rest ist Software und Programmieren und diesbezüglich gehören FPGA´s bekanntlich zu den flexibelsten Plattformen. Die Kunst des Mixer-Herstellers ist dabei die Entwicklung der Software für diese Plattformen und deren Programmierung und dabei werden sie sich sicher nicht gerne in die Karten schauen lassen. Universelle Schnittstellen z.B. für PlugIns für diese Mixer sehe ich daher nicht am Horizont, ich wüsste auch keinen Druck des Marktes, der die Hersteller zwingen könnte, in diese Richtung zu gehen.
 
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Wohin geht die Reise der Digitalpult-Entwicklung?

...das hab ich die letzten jahre völlig aus den augen verloren. bin bei sac hängen geblieben, darf lustig selbst bestimmen, welche preamps/wandler ich nutze, kann mir die mühe machen und die auch auf gain remote umpopeln. ja - und die lieblings-vsts hab ich auch in der dose. der nachteil: hab die aktuelle entwicklung um die fertiggerichte aus den augen verloren.
 
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Die analogen Schaltkreise dieser Mixer darf man heutzutage getrost als ausgereizt und abgehandelt betrachten.

Natürlich sind gute PreAmps kein Hexenwerk mehr. Aber natürlich versucht jeder Hersteller, so viel wie möglich zu sparen. Da erinnere ich mich an den alten Behringer 8-Kanal-Preamp/Wandler bei dem die Leute das integrierte Netzteil modden, damit die ganze Kiste mehr taugt. Gespart wird immer, und dabei auch abgewogen wie schlecht es sein darf, sodass es die Leute noch zu ertragen bereit sind (oder es ein Großteil der Kunden nicht merkt). Wandler-Chips sind eh großflächig die gleichen verbaut, aber das Hühnerfutter drumherum bis hin eben zum Netzteil spielt eine große Rolle.

Wo wir auch wieder bei der Signature-Serie von Soundcrampf wären, man benutze einfach mal ein Signature und direkt danach irgend ein günstiges ZED von A&H. Neben der lommeligen Haptik bei Soundcraft auch nicht besonders nice klingende EQs, die Preamps muss man weit aufreissen, um was zu kriegen, das dann nicht so viel Freude macht. Das kleine Signature mit dem Stereo-Audio-Interface drin überrascht dann durch eine Clock Drift, die eine Synchronisation mit jeglicher mitlaufender Kamera zum reinen Lottospiel macht. Mal ist das Soundcraft in der Zeit voraus, mal hinten dran, es schwankt so hin und her. Also erstaunlich wie viel großer Name hier kleingeschrieben wird.

Man muss natürlich ehrlicherweise sagen, für viele Bereiche tut's das dann, so wie es dort auch jeder Mixer von Behringer tut.

Zurück zum Thema würde mich interessieren: Wie sieht es mit Kleinstmischpulten in digital und profi aus? RCF hat konzeptionell offenbar die Qu-Serie geklont in mini, vom Form-Faktor her attraktiv: M 20X. Ich hab's noch nicht benutzt. Die Pulte von Studiomaster (und t.mix und IMG Stageline, sind ja alle quasi identisch) rocken es nicht so übertrieben. Benutzen alle nur noch die Wischpulte für so professionelle Kleinstveranstaltungen? Ein Marktbegleiter kauft gefühlt wöchentlich ein weiteres TouchMix von QSC für die ganzen vielen neuen Streaming-Jobs.
 
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Natürlich sind gute PreAmps kein Hexenwerk mehr. Aber natürlich versucht jeder Hersteller, so viel wie möglich zu sparen. Da erinnere ich mich an den alten Behringer 8-Kanal-Preamp/Wandler bei dem die Leute das integrierte Netzteil modden, damit die ganze Kiste mehr taugt. Gespart wird immer, und dabei auch abgewogen wie schlecht es sein darf, sodass es die Leute noch zu ertragen bereit sind (oder es ein Großteil der Kunden nicht merkt). Wandler-Chips sind eh großflächig die gleichen verbaut, aber das Hühnerfutter drumherum bis hin eben zum Netzteil spielt eine große Rolle.
Von den erwähnten Behringer 8-Kanal-Preamp/Wandlern hatte ich mal zwei und die habe ich auch ´gemodded´. Deren Problem war das Fehlen von Kühlkörpern an den Spannungsregler-ICs. Das waren allesamt TO-220-Gehäuse-Chips, also nicht SMD, und ich vermute, dass die damaligen Bestückungs- und Lötautomaten diese nicht platzieren konnten, ebenso nicht die eigentlich zusätzlich nötigen Kühlkörper und dass diese deshalb nachträglich von Hand bestückt werden mussten. Dabei standen die Chips teilweise sehr dicht beisammen, so dass es auch keinen ausreichenden Platz für Kühlkörper gab.
Diese ICs wurden ziemlich heiß und unter ungünstigen Bedingungen, z.B. Einbau in engen Racks und heißem Sommerwetter gaben diese Spannungsregler dann schon mal den Geist auf.

Preamps sind aber schon lange "Hühnerfutter" in SMD-Bauform, sozusagen "Hühner-Kleinfutter", von den Bauteilen für diese Schaltungsteile wird nichts von Hand bestückt. Sparen lässt sich daher bei diesen Schaltungen meiner Einschätzung nach heute so gut wie nichts mehr, zumal selbst billigste OP-Amps für Audio-Zwecke heute datenmäßig besser da stehen als jede vergleichbare Rundfunk-Danner-Kassette aus früheren Zeiten (siehe dazu die Links in meinem Post weiter oben). Dabei erzielen Hersteller wie Behringer mit ihren großen Margen sicher noch bemerkenswerte Rabatte und kaufen wohl auch direkt bei den Chip-Herstellern.

Die größten Innovations-Schritte gab es daher auch bei den Digitalpulten weniger auf der Hardware-, sondern auf der Software-Ebene soweit ich das beurteilen kann. Also Effekte aller Art, EQ, Delay, flexibles Routing und nicht zu unterschätzen das User-Interface. Denn wenn schon ein kleines Pult die Möglichkeiten bietet, für man früher ein nur mit zwei Leuten zu transportierendes Rack mitschleppen musste, dann will das alles auch bedient sein an dem kleinen Pult. Und nicht nur irgendwie, sondern auch immer noch schnell und komfortabel auch unter stressigen Live-Bedingungen. Da steckt viel zusätzliches Know-How drin, sicher ein Grund mehr für die Hersteller, ihre Software nicht mit offenen Schnittstellen ausstatten zu wollen.
 
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Zum Thema digitale "Kleinstmixer". Das einzige, das den Namen verdient ist derzeit wohl das Flow 8 von Behringer. Das kann man schon fast als Hausmeisterpult bezeichnen. Denn ohne Blauzahn-Interface, kann man darauf gerade mal Fader schubsen (vereinfacht gesagt). Das RCF ist so klein gar nicht. Und wenn es von den Möglichkeiten ähnlich dem M18 ist, dann zielt das, zumindest für mich eher in Richtung Mischer für Hobby Bands oder jene Gruppen, die mit kleinem Gepäck durchs land ziehen um da auf Festzelten, bei Hochzeiten und anderen Gelegenheiten aufspielen. Als Pult für Eventtechnik Firmen sehe ich es eher weniger, obwohl es da sicher auch genutzt werden kann. Von den QSC Pulten hatte ich mal die beiden kleineren kurz zum Testen. Das war kurz nachdem die auf den Markt gekommen sind. Da waren die für mich noch nicht ganz ausgebacken. Das Display war träge bis zur Grenze der Unbedienbarkeit. Und auch sonst hatten die einige Macken. Das große kenne ich nur vom Vorbeilaufen. Aber an sich sind die doch auch "nur" Pulte mit Bedienung per Wischtablett auch wenn selbiges ins Gerät eingebaut ist.
Das t.mix DM20 (vergleichbar mit dem IMG Stageline Delat-160) war schon ein guter Ansatz bezüglich klein und leicht. Soundking, die Firma die hinter dem Ganzen steckt, hat aber zum einen die Bedienoberfläche ziemlich versemmelt weil sie nicht den wenigen üblichen Spielregeln bei Digitalpulten folgt. Zum anderen hapert es auch an der Qualität der Effekte. Die Standard-Dinger funktioneren ganz gut, also EQ, Kompressor und dergleichen. Alles was dann noch so gebraucht wird wie Hall, Delay und Modulationseffekte, da ist das Zeug ziemlich schlecht aufgestellt.
Aber ich denke dass mit dem Flow 8 sicher eine neuer Runde bezüglich digitaler Kleinmixer eingeläutet wurde. Das ist sicher nicht der letzte Evolutionsschritt. Ich würde mir zumindest wünschen wenn man ein XR12 in ein ähnlich kleines Gehäuse bauen könnte wie das Flow 8 und dem ganzen noch entweder Motorfader, oder Encoder mit Wert-Anzeige, verpasst. Das braucht auch gar nicht sooo viele Funktionen am Teil selber anbieten. Da reichen dann die Apps für tiefergreifende Veränderungen. Netzwerk wäre alternativ zum Blauzahn schon empfehlenswert wenn man da Richtung "Profi"-Werkzeug gehen will. Was bei diesen Teilen wohl schon auch gebraucht werden wird ist ein gutes Security-Konzept. z.B dass man gewisse Funktionen, Routing, EQing usw., nur dem absolut Wissenden erlaubt, damit unbedarfterer Anwender gleich gar nichts, oder zumindest nur wenig, falsch machen können.
 
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Nunja, wenn man unter die Wischer geht, ist die Auswahl ja größer, vom kleinen Soundcraft, X-Air etc. bis hin dann zu Installationsmixern von Yamaha (und anderen), die eben auch ein Security-Konzept haben und auch entsprechend teuer sind. Aber wenn ich "Hausmeister" denke, muss ich sofort an diese Kästen denken. Diese Installationsgeschichten sind ja ziemlich getrennt von dem, was ein Tonkutscher so macht. Da gibt's Vertriebs- und Installationsdienstleister… Sprechstellen-Anlagen für Summen, die man sich kaum vorstellen kann, die trotzdem von WLAN gestört werden, usw. – sicher werden da vom Vertrieb auch nicht Faderschubser angesprochen, sondern sog. Entscheider. Also eher ahnungslose Typen, meist männlich und mit schickem Auto, die dann dem Hausmeister was vorsetzen. Dementsprechend gibt's auch keinen Grund, diese Geräte im Endkundenhandel (Thomann etc.) auftauchen zu lassen.

Für den Tonkutscher sind ja dann eben derzeit eher Kleingeräte interessant, die viele Features bieten. Den TouchMix hatte ich auch mal abgelehnt wegen seiner Trägheit auf dem Display. Scheint aber besser geworden zu sein, nach neueren Erfahrungen. Trotzdem bin ich kein so großer Freund der alleinigen Touch-Oberfläche.

Das t-mix 20, bzw. die Version von StudioMaster hatte ich mal zum Test. Stimme zu, die FX sind nicht gut, die Kompressoren fand ich auch nicht so geil. Das Bedienkonzept hingegen war zwar anders aber nicht schlecht, ich hab mich nach kurzer Zeit zurecht gefunden. Grund für die Rücksendung war dann aber unter anderem, dass zu wenige graphische EQs bereitstanden. Sehr schade, das Gerät könnte mit etwas mehr Qualität in der Software wirklich zum Angriff blasen auf z.B. das Qu-16. Weil ich oben darüber generell rumgenölt hatte, tatsächlich fand ich die Preamps des Studiomaster DigiLive16 nicht schlecht (verglichen mit Ohren mit dem A&H ZED10).

Beim RCF M20X wie beim t-mix 20 / Delta 160 / DigiLive16 ist es schade, dass sie keinen Automixer eingebaut haben. Ich sehe so kleine Pulte (bis 8 Kanäle) gerade in kleinen Podiumsdiskussionen, die nun derzeit nicht mehr mit Publikum abgehalten sondern gestreamt werden – in Zukunft wahrscheinlich öfter hybrid, da doch viele verstehen, dass sie für 1h Gespräch nicht reisen müssen/wollen. Neben Video-Switcher und einer Palette Laptops wirkt jedes Stück Equipment zu groß…

Natürlich sind so Kleinmixer auch bei vielen anderen Jobs vorstellbar, wie z.B. einem schönen Singer-Songwriter-Konzert, aber da das keine von der Kulturförderung bedachte Sparte ist, gibt es da dieses Jahr keine Aufträge.
 
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Also ich sehe da schon an Hard- und Softwarefront noch diverse Möglichkeiten, die wohl irgendwann kommen werden.

Derzeit sind die Pulthersteller entwicklungsgeschichtlich ungefähr in der Ecke, in der man in den 1990ern in der PC-Entwicklung war: viele differierende proprietäre Systeme, jeder macht (oder will das zumidnest) irgendwas besonders schlau, es gibt ein paar rudimentär standardisierte Schnittstellen aber im großen und ganzen ist jedes Digitgalpultsystem seine eigene kleine Welt, garniert mit einem recht ausgeprägten NIH-Syndrom der Pultentwickler (auch das ist bei Embedded-Systemen auch anderswo eher die Regel als die Ausnahme), vielen Übergangslösungen und noch zögerlich einsetzender Plattformökonomie. A&H z.B. scheint für jede Pultvamilie ein komplett neues Hardware-Design und komplett neue Software zu entwickeln - angeblich, weil die sich halt grundlegend unterscheiden. Sowas wird auf Dauer sicher nicht durchzuhalten sein, die Hersteller werden sich Plattformen schaffen und modularisieren müssen und am Ende werden die Plattformen auf die eine oder andere Art weitgehend standardisiert.

Ansatzpunkte für Verbesserungen sehe ich noch viele.

Die Aufteilung der ganz großen Pultsystgeme in I/O-Frames, Signalverarbeitung/Crossbar, Bedienoberfläche und Networking wird sich sicher zu den kleineren Pulten hin "durchfressen". Ziemlich sicher werden kleine Rechner integriert, die von der eigentlichen Pultlogik getrennte Steuerungs- und Kommunikationsaufgaben übernehmen, z.B. Anbindung oder Hosting von Audio- und Video-Streams, komfortablere Mutlitrack-Recorder, Netzwerkanbindung.

Es wird sicher irgendwann etwas ganz normales sein, daß man 64 oder 128 Spuren auf eine große SSD im Pult aufzeichnen und die Audiofiles via Ethernet vom im Pult integrierten Fileserver holen oder auch als DLNA-Stream ziehen kann - ohne überhaupt eine DAW dabei zu haben. Oder daß man die Show direkt aus dem Pult in Youtube streamt.

Das wird wahrscheinlich nicht irgendein Teil vom Pult-FPGA machen, sondern ein Subsystem, vielleicht auf Basis eines Linux- oder BSD-Kernels und einer Multi Purpose CPU, bei dem man große Teile der dazu nötigen Software einfach schon fertig im Netz findet.

Aber auch bei der Audio-Hardware ist schon noch Potential.

In den letzten Jahren wurden z.B. die Wandler kleiner und besser fernsteuerbar, in der Folge sind die A/D-Wandler und Preamps von den Mischpulten in die Stageboxen gewandert - mit dem Ergebnis, daß man die unhandlichen analogen Multicores durch flexiblere, schneller verlegbare und oft sogar über vorhandene Netzwerkdosen patchbare Cat5-Kabel ersetzt wurden.

Naheliegend ist, die hier verwendeten Protokolle zu standardisieren, so daß man Stageboxen und Pultge beliebig kombinieren kann (und z.B. eine fest eingebaute Stagebox mit einem mitgebrachten Pult verwenden).

Aber auch die analoge sternförmige Verkabelung auf der Bühne wird nicht von ewiger Dauer sein. Die ist nämlich sehr aufwendig, schwer und teuer. Irgendwann sind die Wandler klein genug, um in die Mikros und Instrumente zu wandern, und dann wird man vielleicht auch nicht mehr sternförmig verdrahten, sondern mehrere Ringe oder auch ein dedundantes vermaschtes Netz zwischen den Signalquellen stecken können, so daß die Kabelwege kürzer werden. Die Kabel werden zwar noch Kupfer enthalten, aber nicht zur Signalübertragung - das wird sicher über Lichtwellenleiter laufen, die viel leichter, flexibler ujnd störunempfindlicher sind und mehr Bandbreite bieten - sondern nur noch zur Stromversorgung.

Man wird dann halt für 5 Background Vocals nicht mehr 5 Leitungen von der Stagebox zu den Mikros ziehen, sondern einfach eine oder zwei (Redundanz) und dann nur von Mikro zu Mikro. Kommt ein Sänger dazu, steckt der sein Mikro einfach an eins der vorhandenen an. Gleiches Spiel am Schlagzeug und an den Keyboards. Will man am Flügel lieber noch ein weiteres MIkro haben - einfach anstecken. So ein LWL-Bus kann 40 GBit/s Bandbreite ab, das reicht für mehrere 100 Audio Kanäle, man muß also nie überlegen ob das Bussystem noch Kapazität hat oder ob noch ein Port frei ist. Nur die Crossbar bzw. Mixing Engine muß genug Signale verarbeiten können.

Sowas reduziert Material, Aufbauzeit, Fehlerquellen und Ungfallgefahr (ein Kabel weniger ist auch eines weniger, über das einer stolpern könnte). Die Beleuchter machen es mit den DMX-Bussen ja schon vor.

Und wenn man den Schritt gegangen ist, ist der nächste Schritt natürlich die Vereinfachung der Verwaltung des Ganzen. Line Checks können solche Systeme vollautomatisch durchführen - das Mischpult weiß einfach, welche Signalquellen zur Show gehören, und kann unhörbar binnen Millisekunden abfragen, ob die zugehörigen A/D-Wandler da sind - und wenn die bei der Siganlquelle sitzen, bedeutet das, daß alle nötigen Verbindungen vorhandenn sind.

Die ersten Mikrofonkapseln mit Kapselspeicher existieren bereits (Schoeps).

Irgendwwann in ferner Zukunft wird wahrscheinlich in jedem Mikro abgespeichert sein, wie es heißt und wie EQ-Kurve und Effektkette dafür aussehen sollen und wohin es wie gemischt werden soll. Und jede Monitorbox (In-Ear oder Wedge) wird einen austauschbaren Speicher haben, in dem steht welche Mikros/Signalquellen standardmäßig dorthin gemischt werden sollen.

So, daß der FoH- und Monitor-Mann nur noch Feintuning und lokale Anpassungen betreiben müssen, aber das grundsätzliche Routing etc. komplett automatisch vorkonfiguriert wird sobald die Band ihre Gerätschaften ansteckt (und zwar egal an welchen Port des Systems). Geht was kaputt, tauscht man das Gerät einfach gegen Ersatz und der Ersatz kriegt die Daten des Vorgängers entweder automatisch vom Pult übermittelt ("Du bist jetzt der Ersatz für...") oder man steckt einfach die Chipkarte am Gerät mit um (oder hat eine Kopie von der für solche Fälle backstage liegen, die man dann einfach in den Ersatz steckt).

Praktisch sieht das dann so aus, daß der Sänger sein Mikro ansteckt und auf dem FoH-Mixer poppt "Joe's Mic" als neue fertig konfigurierte Spur auf, die halb links gepannt auf dem Main Bus liegt. Der FoH-Mann muß es dann nur noch unmuten. Auch eine Zuordnung zu Gruppen, Aux Sends etc. könnte da schon übermittelt werden - der FoH-Mann kann das natürlich immer ergänzen/korrigieren, aber er muß sich im Idealfall nicht mehr ums grundsätzliche kümmern, sondern nur lokale Anpassung und Schadensbegrenzung betreiben.

Steckt der Sänger dann sein Wedge an (oder seine Speicherkarte ins vorhandene Wedge), erfährt das Mischpult "Joe möchte sein Mikro mit -24dB und die Lead Gitarre mit -12dB auf seinem Wedge haben", schlumpft das so hin und gibt ne entsprechende Meldung aus. Das Personal am Mixer schaut dabei erstmal nur zu und greift ggf. oprimierend / korrigierend ein. Gut möglich, daß man dann in Kombination mit Personal Monitoring auch bei größeren Veranstaltungen gar kein Monitorpult mehr braucht, weil die Musiker das selber machen.

Potential sehe ich auch bei der Systemübergreifenden Kommunikation. Erste Mischpulte, die auch DMX-Signale liefern können, gibt es bereits. Ich denke, daß Licht- und Tonpult irgendwann eine integrierte Steuereinheit haben werden, zu der es vielleicht noch unterschiedliche Controller gibt. Das ermöglicht es , Licht in Abhängigkeit vom Ton zu steuern und umghekehrt. z.B. kann der Spot am Rednerpult automatisch angehen, wenn das Rednermikro eingeschaltet wird.

Was natürlich noch viel weiter gehen kann: Ein "Pausenmodus", der gleichzeitig alle Mikros muten, das Saallicht hochfahren, einen Pausengong abspielen, die Beleuchtung der Bar einschalten, die Hintergrundmusik im Foyer aktivieren, die Klotür entriegeln und den Zapfhahn am Pilsfass öffnen kann - am besten automatisch vom Ofen aktiviert, wenn die Pizza im Ausgabefach in der Künstlergarderobe liegt ;)

Und natürlich gehts da nicht nur um Ton und Licht, da kommt auch Bild (Video) ins Spiel. Und - wie im etwas überzeichneten Beispiel - die Haustechnik. Vielleicht kann man ja zukünftig sogar vom Mixer aus am Showende das Licht ausmachen, die Tür abschließen und die Heizung runterdrehen ;)
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Was die Verkabelung angeht, wird meiner Vorahnung nach Dante vorne mitspielen. Yamaha, Allen&Heath, etc. haben alle Dante mittlerweile im Programm - sowohl als Erweiterungskarten für die Mischpulte wie auch direkt als Stageboxen. Man darf gespannt sein, ob StageConnect von Ohringer ein Parallel-Leben entwickelt für die Leute, die nicht so viel Geld ausgeben wollen oder weniger professionelle Ansprüche haben.

Kurzfristig sicher, wobei schwer zu sagen ist ob da nicht AVB langfristig greift. Derzeit wird das im Audio-Bereich zwar nur von Presonus getrieben (und deren Pulte sind noch nicht wirklich ausgereift), aber die Video-Fraktion wird wichtiger und bei denen ist AVB schon weit fortgeschritten.

Langfristig wird keines dieser Systeme Bestand haben, da fehlen einfach noch zu viele Funktionen, die offensichtlich sinnvoll sind, und auch die Kanalzahl ist zu gering. Ich glaube auch, daß Cat5 nur ein Zwischenschritt bei den Kabeln ist, irgendwann wird man für die Signalübertragung vom Kupfer weg wollen - zu teuer, zu störanfällig, zu schwer, zu unhandlich.

Ich habe hier ein Toslink-Kabel von 1990 rumliegen, da ist ein Multimode-Lichtwellenleiter verbaut, der ist reißfester als jedes mir bekannte Mikrofonkabel, aber nur ca. 3mm dick, trittfest, verkraftet problemlos Biegeradien von 2,5cm und könnte mit geeigneten Transceivern und Steckern an den Enden Daten mit mindestens 20 GBit/s zuverlässig über einen Kilometer übertragen. Kostete damals noch richtig Geld, heute kriegt man solche Kabel für ein paar Cent pro Meter.

Wenn man mit Horizont 2050 oder so denkt werden wir fast sicher praktisch flächendeckend solcherlei Kabel benutzen. Die können außer Stromversorgung und der nötigen A/D-Wandlung einfach nichts mehr schlechter als Kupfer. Und gute Wandler sind in spätestens 10 Jahren nicht mehr größer als ein Stecknadelkopf.
 
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SubbrSchwob

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Kurzfristig sicher, wobei schwer zu sagen ist ob da nicht AVB langfristig greift. Derzeit wird das im Audio-Bereich zwar nur von Presonus getrieben (und deren Pulte sind noch nicht wirklich ausgereift), aber die Video-Fraktion wird wichtiger und bei denen ist AVB schon weit fortgeschritten.

Langfristig wird keines dieser Systeme Bestand haben, da fehlen einfach noch zu viele Funktionen, die offensichtlich sinnvoll sind, und auch die Kanalzahl ist zu gering. Ich glaube auch, daß Cat5 nur ein Zwischenschritt bei den Kabeln ist, irgendwann wird man für die Signalübertragung vom Kupfer weg wollen - zu teuer, zu störanfällig, zu schwer, zu unhandlich.

Ich glaube, dass das Fehlen der Funktionen letztendlich den Erfolg garantieren wird. Siehe MIDI. Was nützen die Funktionen, wenn kein Hersteller sie vollständig implementiert und man dann am Ende doch wieder nicht einstöpseln und loslegen kann… eben genau das, was ja hier im Fred schon an Dante kritisiert wurde.

Was Du beschreibst mit Bus-Systemen usw. ist ja schon recht nah an Dante dran. Derzeit haben alle entsprechenden Geräte Ethernet für sternförmige Verkabelung, aber wir hatten ja auch schon Zeiten, in denen Ethernet per BNC-Kabel nicht sternförmig war – und daher auch dauernd ausfiel. :p Und man erlebt da natürlich schon, dass das was fürs Profi-Lager ist, wenn so ein Dante-Setup zu konfigurieren, daran scheitern viele, die den Umstieg aufs Digitalpult gerade so geschafft haben.

Dass AVB im Videobereich vor Dante liegt, könnte daran liegen, dass es – hoppla – Videoübertragung unterstützt. Gerade wächst aber vermutlich eher der "kleine" Videobereich durch das viele Live-Streaming, und da sehe ich am meisten SDI für die Kamerasignale. Das unterstützt zwar auch 16 Tonkanäle, das scheint mir aber für die meisten Nutzer weniger relevant.

Ob nun im TV-Bereich AVB gerade SMPTE-Fibre ersetzt, dazu kann ich nix sagen, da bin ich nicht drin.

Letztendlich scheint mir AVB eher vergleichbar mit den vielen Layer-2-Protokollen der einzelnen Hersteller. Während Dante im Audiobereich und zum Beispiel NDI für Video dann in in Layer 3 sind, mit den Konsequenzen größere und weniger vorhersehbare Latenzen, dafür aber eben den Vorzügen von TCP/IP.

So gesehen wäre also eine Frage, ob sich von der Standardisierung her eher zwei Klassen bilden werden, quasi was Einfaches fürs kleine Live-Geschehen (klassisch Bühne + FOH) und das Ausgefalleneres fürs große Programm (TV-Shows / Broadcast, große Bühnen mit separatem Monitormix und zusätzlichem Broadcast-Mix) oder ob sich eine Lösung für alles etablieren wird.

Ich habe keine Zahlen zum Markt, aber ich vermute des weiteren, dass Hersteller mit Pulten wie dem Qu-16 von A&H in der Breite recht gut verdienen können. Die Mischpult-Liebhaber schielen klar auf die dLive, oder auf die Pulte von Avid, usw. - aber kaufen können tun die meisten das dann doch nicht. Man sollte also die Marktkraft einfacherer Lösungen, die dafür auch die Hobbykapelle von nebenan kauft, nicht unterschätzen.
 

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