Ich kann mir nicht Vorstellen wieso man Musik nach vorgegeben Regeln erstellen soll.
Davon spreche ich nicht. Es gibt aber Regeln in der Musik, die wie Naturgesetze funktionieren. Ob du willst oder nicht, sie lassen sich so einfach nicht außer Kraft setzen.
Das ist wie mit der Schwerkraft. Läßt du das Glas los, fällt es zu Boden. Ein Naturgesetz. Sicher hast du auch da eine Idee, die dieses Phänomen außer Kraft setzt.
Ich weiss ja nicht mal was die nächste Idee ist, und die Regeln für dieses Werk könnte ich auch erst erstellen nachdem die Idee realisiert ist. Meines erachtens genügt die Idee als solche vollkommmen zur Realisierung, es ist ja die Idee die mir das Werk diktiert.
Es steht ja auch nicht außer Frage, daß es nicht möglich ist, ohne eine gute Idee ein gutes Stück zu schreiben. Doch sobald du anfängst, daraus ein Stück zu machen, wirst du handwerkliche Fähigkeiten nutzen müssen. Und die folgen eben bekannten Regeln.
Ohne handwerkliches Können wäre keiner der großen Komponisten ein solcher gewesen. Also ist dieses Können sehr wohl unverzichtbar. Auch du besitzt ja solches Wissen...
Es ist ja nicht mal so das irgendeine Idee in Regeln daherkommt, sondern eine Idee wird einfach aufgeschrieben, ähnlich wie Michelangelo Buonarotti einen Löwen sieht in einem Marmorblock, mit dem Unterscheid das ich nichts wegmeisseln muss bis der Löwe dasteht. Die kreation von Musik ist nichts anderes als das niederschreiben einer Idee, ein ganz direkter Prozess, vergleichbar mit einem Schiftsteller der die Story die er denkt in eine Schreibmachine hackt.
Da muß ich Widersprechen. Oft gehen Idee und Arbeit Hand in Hand. Das eine nützt nichts ohne das andere. Zudem ist es auch eine Sache des Persönlichkeitstypes. Der eine
arbeitet mehr, um eine Idee zu haben, dem anderen fliegt das Melodiechen eben so zu, doch beide können Großartiges schaffen - und das meine ich, ohne irgendeine der beiden polarisierten Arbeitsweisen präferieren zu wollen.
Die Frage einer Ähnlichkeit stellt sich nur für den wenig originellen Komponisten.
Auau, laß das mal nicht die GEMA hören, ich glaube, die sind von dieser Ansicht weniger begeistert...
Ähnlichkeit ist für mich völlig irrelevant, ausser ich würde bewusst etwas komponieren, also ein Werk nach vorbestimmten Gesetzen aufbauen in der Absicht einer Ähnlichkeit zu etwas bestehendem. Ausserdem kann man die Kopie zum Original zurückverfolgen, und dieses Original übertrifft in der Regel die Kopie bei weitem.
Selbst wenn es für dich irrelevant sein mag, doch die Mehrheit (ich halte nicht viel von Mehrheiten, diesmal aber trotzdem...) der Hörer wird versuchen, jede Musik in eine Schublade zu stecken. Das wird man auch mit deiner Musik tun, selbst wenn du nicht in Kategorien denken magst.
Für größere Werke mag es momentan noch einfacher sein, sich abzuheben. Bei kurzen Stücken sieht das anders aus. Alles ist schon mal so oder ähnlich gespielt worden. Nun kommt es mehr auf die Einzigartigkeit der Aufführung an.
Nun, schlechte Kopien wollen wir nicht zum Maßstab erheben, sie sprechen für sich.
Daß es eine Reihe richtig guter Bearbeitungen gibt, hat auch nichts zentral mit dem Thema zu tun, andererseits stellt sich immer die Frage, ob mit einer guten Bearbeitung ein neues Stück geschaffen wurde.
Wie die GEMA dazu steht wissen wir alle - das Werk eines Komponisten ist bis 75 Jahre nach dem Tod geschützt - ein Irrsinn, wie ich finde. Wohingegen der Künstler schon 50 Jahre nach dessen Einspielung kein Geld mehr erhält - eine bodenlose Arroganz und Frechheit eines maßlosen und raffgierigerigen Komponistenvereins, wenn ich das mal so überspitzt ausführen darf.
Soll der Komponist doch einmal sein Werk von einem schlechten Schülerorchester spielen lassen, und dann zum Vergleich ein richtig gutes renomiertes Orchester - und jetzt soll er mir bitte erklären, w e r das Stück "gut" gemacht hat...
Wenn du mal so frei bist, einige Ähnlichkeitsparameter mit in deine Rechnung mit einzubauen, wird das Ergebnis durchaus anders ausfallen. Ich weiß, daß die Auswahl sehr schwer ist, ich weiß allerdings auch, daß mir fast kein "neues" Stück wirklich neu vorkommt, weil ich immer andere Stücke als Vergleichsparameter ansetze. Und ich weiß auch, daß es eine ganze Reihe an Musikern gibt, die deshalb nicht (mehr) komponieren können, weil sie dann immer wieder mittendrin stoppen, und dann folgt der Satz: "Ähh, das hat doch yxcv bei dem Stück ... und bei dem Stück ... schon gespielt..." - da wäre ein wenig Alzheimer schon gut...
Hatte da neulich ein schönes Buch in der Hand, in der es um die Melodik sizilianischer Folklore geht. Da fiel mir der Satz auf, daß es nur sehr wenige dieser Stücke gibt, denn meist ist ein Stück mit mehreren Texten versehen - eines sogar mit über einhundert verschiedenen Texten... - olla...olla...
Der Grund ist wohl klar: Die waren wohl alle über Jahrhunderte zu blöd, ein neues Stück zu schreiben, nicht...?
Neinnein, die Anzahl der Kompositionen ist eben begrenzt, oft sogar sehr begrenzt...
Sind eigentlich armseelige Langweiler diese Kopisten.
Ich sage dazu immer: Besser gut geklaut als schlecht selbst komponiert...