Hattet ihr tatsächlich mit 6 schon alle einen derart konkreten Plan?
Bei mir wars anno dazumals so, dass ich mir mit 6J auf einem Musikschulkonzert ein Instrument aussuchen sollte, und wie das Kinder so machen dürfte ich elegant meine Pratze Richtung Posaunist ausgestreckt haben und mit den absolut kundigen Worten "das da" mein erstes Instrument ausgesucht haben. Musikalische Prägung bis dahin laut meinen Eltern die zu erwartenden Kinderlieder und ein Haufen Klassik (aber eigentlich keine Blasmusik, nix wo dieses Instrument eine herausragende Rolle spielt - eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass ich vorher keinen Plan hatte, was überhaupt ein Blasinstument ist). Irgendwann bekam Papa einen Anruf, schaut mich an (daran kann ich mich noch selbst erinnern) "Du, Posaune ist erst ab 12, du musst vorher Trompete lernen bis du groß genug bist" - das hat für mich auch absolut logisch Sinn gemacht.
Und dann bin ich irgendwann in der ersten Musikstunde gesessen - und ich bin mir heute ziemlich sicher, dass eben genau dieses planlose rangehen für mich ziemlich gut war. Ich hatte nämlich GAR KEINE Erwartung. Einfach nur unbefangenen kindlichen Spieltrieb. Hat gereicht, und ich hab nie hinterfragt, was oder warum mir der Lehrer was gibt, was er mir vorgesetzt hat, hab ich versucht zu spielen - und dank eines Wachstumsschubs konnte ich sogar schon mit 11 auf Posaune umsatteln

Da ist man als Kind glaube ich schon echt bald in diesem "schulischen Umfeldsdenken", in dem man gewohnt ist Vorgesetztes mal prinzipiell abzuarbeiten. Ich hab meinen Musikschullehrer auch nicht anders wahrgenommen als einen Lehrer in der Schule - allerdings muss ich sagen, dass ich da auch einen guten Lehrer hatte, er war nicht supernett, aber auch nicht superstreng, aber vor allem: Er war gut. KA., wie er das genau geschafft hat aber ich wollte zu ihm. Ich wollte, dass er sich drüber freut das ich Übungsstückchen XY so brav geübt habe (meine Mutter hat mir erzählt, dass ich irgendwann mit so 7-8J bei Schneesturm und "OhGott ich komm den Hügel nie wieder rauf wenn ich jetzt fahre" ich mir mit einer kompletten Selbstverständlichkeit den im Verhältnis zu meiner damaligen Körpergröße riesigen Trompetenkoffer genommen habe, die Schuhe angezogen habe und gemeint habe, dann geh ich eben zu Fuß wenn das Auto nicht geht...

).
Jedenfalls, hätten meine Eltern eine für und wider Diskussion geführt, ich bin mir ziemlich sicher, dass alleine das schon abträglich gewesen wäre so ich das mitbekommen hätte - schlicht und einfach, weil Dimension wie "cooles Instrument" / "Uncooles Instrument" / "Ernsthaftes Instrument" / "Für Eltern nerviges Instrument" / diverse Assoziationen wie E-Git --> Tätowierter Antiintellektueller / .... für mich einfach nicht existiert haben. Kinder übernehmen nun mal sehr schnell elterliche Vorurteile, und genau diese Türe zu dieser gedanklichen Schiene würde ich am besten gar nicht aufmachen.
Wenn das "das da" des Bubs auf E-Gitarre gefallen ist, dann gebt ihm um Himmels willen eine E-Gitarre. Für ein Kind ist das ein Spielzeug. Gibt man ihm nicht den Plüschbären, den es haben will - OK, Kinder lernen zwangsläufig, dass Sie nicht alles haben können (hoffentlich^^). Aber was erwartet man für eine Reaktion, wenn man dem Kind sagt, es kann schon den Plüschbären haben, aber man überlegt noch mit der Mama, ob man stattdessen nicht doch lieber die Giraffe oder das Krokodil kauft? Wenn der kindliche Spieltrieb etwas untersuchen will,
ist das der stärkste Antrieb den man zum Erlernen eines Instruments bekommen kann.
Nur der hört nicht auf erwachsene, logisch argumentierbare Aspekte. Also wenn er schon mit dem Finger auf ein Instrument zeigt ist es meiner Meinung nach komplett am Sinn vorbei, überhaupt zu diskutieren ob er nicht ein anderes nehmen soll.
Das der Lehrer demnach nicht unbedingt optimal ist - Zustimmung.
Grüße