Das ist eine ähnliche Thematik wie bei der Restauration von Oldtimern. Eine Seite versucht den damaligen Auslieferungszustand wiederherzustellen, die andere eine schonende Restauration, die noch die Spuren der Zeit wiedergibt. Ich sehe gerne die Spuren der Zeit und ich mag auch etwas abgegriffene Musikinstrumente. Wenn man ein Über-Burst möchte, ist man bei der aktuellen Historic-Collection schon sehr gut aufgehoben und kann sich das Makeover sparen. Hier geht es aber darum, die Optik, das Spielgefühl und den Klang einer Gitarre, die schon 55 Jahre auf dem Buckel hat, wiederzugeben.
Ich habe meiner von Florian überarbeiteten Les Paul jetzt noch ein deulticheres Aging unterzogen. Nicht so extrem wie bei den meisten CC's, aber schon gut sichtbar. Das hatte ich schon von vornherein geplant, wollte das aber selber machen, da ich da sehr pingelig bin und schon einige Erfahrung bei dem Aging von Strats gesammelt hatte. Florians Lack lässt sich wunderbar agen, da er genau wie der alte Lack reagiert. Ein paar Stöße an den Korpuskanten und schon hat man die entsprechenden Lackabsplitterungen. Kurz in die Gefriertruhe, schon verstärkt sich das Checking, welches sich wunderbar durch neue und alter Macken dirigieren lässt. Man muss also nur das in kurzer Zeit simulieren, was der Gitarre sonst in den Jahren zugestoßen wäre und braucht nicht zu harten Mittel wie Eisspray und Rasierklinge zu greifen. Dadurch sieht das Ergebnis auch wirklich überzeugend aus (wenn man grundsätzlich einem künstlichen Aging nicht abgeneigt ist). Bilder gibt es dann mal bei schönem Wetter.