Bilder beim Gesangsunterricht - eine Notwendigkeit? Wie wirken sie?

  • Ersteller Ersteller Kenshi
  • Erstellt am Erstellt am

  • #82
UrsprĂŒnglich ging es um Bilder. Zwischendurch hat der TE mal kurz berichtet, dass er mit erfahrenen SchĂŒlern einige Experimente unter Hypnose durchgefĂŒhrt hatte. Wobei dann einige so ĂŒber ihn hergefallen sind, als ob er ein russisches Hochleistungstrainingslager fĂŒr SĂ€nger betreiben wĂŒrde.
Mal davon abgesehen, dass du völlig ĂŒbertreibst: Und weiter hast du dann nicht mehr gelesen? Inzwischen hat es doch jeder kapiert, dass Kenshi es tatsĂ€chlich gelernt hat und keine Showhypnose a la Ohhmmmm gemacht hat und seine SchĂŒler haben freiwillig mitgemacht. Nachdem sich das ja geklĂ€rt hat, muss man sich doch jetzt nicht mehr so darĂŒber mokieren. Außerdem braucht man sich ĂŒber solche Reaktionen nicht so sehr wundern, so sehr wie Hypnose und Trance missbraucht worden sind. Und das im Zusammenhang mit Gesangsunterricht, wenn man im Hinterkopf hat, dass es da draußen tatsĂ€chlich welche gibt, die spirituelle Konzepte in ihren Unterricht einbauen, ihre SchĂŒler so in eine AbhĂ€ngigkeit fĂŒhren und sich dafĂŒr fĂŒrstlich bezahlen lassen, da ist man tendenziell eher in Alarmbereitschaft. Ich finde, gerade nachdem sich das wieder relativiert hat, da kann man nicht darĂŒber böse sein.

Jetzt wĂ€r es doch eher spannender darĂŒber zu diskutieren, ob Kenshis Herangehensweise sinnvoll ist oder nicht. Reichen da auch nicht Methoden, fĂŒr die man keine fundierte Ausbildung braucht, gibt es Alternativen? Hat es tatsĂ€chlich nachhaltig geholfen, hatte es Nebenwirkungen? Tut man als Lehrer nicht zu viel, neben der Lehre nebenbei noch das Seelenleben des SchĂŒlers aufzurĂ€umen und zu therapieren?
 
  • #83
Jetzt wĂ€r es doch eher spannender darĂŒber zu diskutieren,
Gern. Hab ich im zweiten Teil des von dir zitierten Beitrags angefangen. Leider hat bisher noch keiner von euch Lust gehabt, darauf zu antworten.

- - - Aktualisiert - - -

Reichen da auch nicht Methoden, fĂŒr die man keine fundierte Ausbildung braucht, gibt es Alternativen?
Fundierte Ausbildung wird immer gern gefordert, egal fĂŒr was.
Irgendwas zu machen ist auf jeden Fall schonmal mehr, als nichts zu machen.
Ich hab einem meiner SchĂŒler (10 Jahre alt) als Vorbereitung auf die Bauchatmung kĂŒrzlich gezeigt, wie man locker hinsteht und die Arme entspannt hĂ€ngen lĂ€sst. Das kannte der gar nicht.

Hat es tatsÀchlich nachhaltig geholfen, hatte es Nebenwirkungen?
Da es sich um ein einmaliges Experiment handelte, wird es hier keine Erfahrung bei ihm geben.

Tut man als Lehrer nicht zu viel, neben der Lehre nebenbei noch das Seelenleben des SchĂŒlers aufzurĂ€umen und zu therapieren?
Den Anspruch hatte der TE denke ich nicht.
Aber man hat auch durchaus Arbeit damit, die VersĂ€umnisse anderer nachzuholen. Meine SchĂŒler haben offensichtlich in der Grundschule nie richtig singen gelernt. FĂŒr die Intonation beim Blasinstrument ist das aber sehr förderlich. Jetzt singe ich auch ein bisschen mit ihnen.

Einen Teil des Seelenlebens muss man durchaus auch mitbehandeln, wenn der SchĂŒler zB von den Eltern oder von sich selber zu sehr unter Druck gesetzt wird.
 

  • #84
Tatsache ist jedenfalls nach meiner Erfahrung, daß es immer wieder SchĂŒlerInnen gibt, die den Gesangsunterricht nutzen, um sich ganz allgemein gesagt etwas Gutes zu tun.

Da gehöre ich definitiv auch dazu. Das war und ist bei mir immer der Fall, so oder so. 🙂

Aber: manchmal entwickeln sich die Dinge halt zusĂ€tzlich noch weiter, Ă€ndert sich das ursprĂŒngliche Ziel!

Ich hatte nicht wenige SchĂŒlerinnen und auch SchĂŒler, die jahrelang regelmĂ€ĂŸig kamen, einfach um einmal die Woche eine Stunde mit mir zusammen zu musizieren. Die hatten keinen großen gesangstechnischen Anspruch.

War bei mir in der ersten GU-Zeit Àhnlich, vllt noch mit dem Zusatz, dass ich schon etwas neugierig war, wohin sich die Stimme entwickeln könnte. Aber vom Wunsch irgendwann öffentlich Solo singen zu können war ich weit weit entfernt (mein Ziel damals war allenfalls ein kleines aber feines Vokal-Ensemble).

Dann hat sich die Stimme aber weiterentwickelt und irgendwann kam halt doch der Gedanke, ob man nicht doch mal die StĂŒcke die man im Unterricht erarbeitet irgendwo vor Publikum...

Und ab da kam im Unterricht, der bis anhin nur aus Spass an der Freud war, ein neuer Aspekt, ein gewisser Ehrgeiz und Leistungsdruck dazu. Etwas was sich v.a. bei kopflastigen Personen sehr schnell negativ auf den Gesang auswirken kann. Bei mir hat es zu massiven Verspannungen gefĂŒhrt und hĂ€tte man mir in diesem Moment irgendwas mit Trance oder Hypnose angeboten, ich hĂ€tte vermutlich mit Freuden zugegriffen. Ich wĂ€hlte damals aber den "ĂŒblichen" Weg, dh. wechselte zu einer anderen GL und das war genau das Richtige.

Ich kann aber gut nachvollziehen, dass es Leute gibt, die gesanglich in gewissen Momenten so gegen die Wand laufen, dass sie nach jedem Strohhalm greifen. Und zwar ganz unabhÀngig vom Talent!! Ich weiss von ganz fantastischen BerufssÀngern, die zeitweise in solchen Gesanges-Krisen steckten, dass sie fast nicht mehr singfÀhig waren.

Singen lernen hat dann viel mit guter, solider Technik, aber mindestens genauso viel auch mit Hingabe zu tun.

Genau! Aber eben auch mit Loslassen können und das ist meiner Ansicht nach nochmals was anderes als Hingabe. Man hat vllt die Hingabe bezĂŒglich der Musik und möchte nichts lieber als das was man im Innern fĂŒhlt auch gegen Aussen mit dem Gesang ausdrĂŒcken können, aber irgendwie kann man sich einfach nicht so öffnen, wie das nötig wĂ€re.


Und wer mit sich selber und dem eigenen Unvermögen hadert sollte möglicherweise lieber eine echte und professionelle Psychotherapeutin aufsuchen, als eine Gesangslehrerin, die eben KEINE Psychologin ist.

Nicht unbedingt, wobei natĂŒrlich immer drauf ankommt, worauf das Unvermögen grĂŒndet (bei absoluter UnmusikalitĂ€t oder gravierender Faulheit wird ohnehin niemand einen TopsĂ€nger aus einem machen). Wenn aber Blockaden die Ursache sind, kann der GL durchaus die richtige Ansprechsperson sein. Richtig ist natĂŒrlich, dass ein GL kein Psychologe ist, er sollte neben dem Handwerk des Singenlehrens aber unbedingt psychologische FĂ€higkeiten haben. Denn, etwas ĂŒberspitzt sage ich jetzt mal: Gesang ist 20% Technik und 80% Psyche. Bei einem SchĂŒler der von selber alle Emotionen rauslassen kann, spielt es vermutlich nicht so eine Rolle. Aber bei Kopfmenschen, introvertierten Personen, scheuen oder gehemmten Leuten etc. ist es enorm wichtig. Der GL braucht da eine grosse SensibilitĂ€t, muss feinste Schwingungen (nicht nur der StimmbĂ€nder 😉) wahrnehmen können und ein echtes Interesse am momentanen GefĂŒhlszustand seines GegenĂŒber haben. Wenn er eine Persönlichkeit mit solchen FĂ€higkeiten ist, wird er einen SchĂŒler der emotional "schwierigeren" Art auch mit ganz konventionellen Methoden des Gesangsunterricht ĂŒber kurz oder lang vermutlich knacken (d.h. emotional öffnen) können. Wenn diese FĂ€higkeiten nicht so zu seinen natĂŒrlichen StĂ€rken gehören (ohne dass er deswegen ein emotionaler Holzklotz sein muss, selbstverstĂ€ndlich) können Hilfsmittel welcher Art auch immer vllt nĂŒtzlich sein. Ob TrancezustĂ€nde herbeizufĂŒhren auch dazu gehört, kann ich allerdings nicht beurteilen, da ich zu wenig davon verstehe.
 
  • #85
Einen Teil des Seelenlebens muss man durchaus auch mitbehandeln, wenn der SchĂŒler zB von den Eltern oder von sich selber zu sehr unter Druck gesetzt wird.

Jeder, der Gesang unterrichtet, weiß, was fĂŒr eine intime und hoch emotianale Sache das ist - und wie schnell GefĂŒhle ausbrechen können, auch und gerade negative oder traurige.
Meine ehemalige Gesangslehrerin ( KonzertsĂ€ngerin der alten Schule, die ganz altmodischen und garantiert trance-freien Belcanto unterrichtete) hatte darum immer eine Packung Kleenex am Klavier stehen - und die waren nicht fĂŒr sie selbst bestimmt.
Auch ich kenne die Situation, daß SchĂŒler in TrĂ€nen ausbrechen, nur zu gut. Ich reiche ihnen dann ebenfalls ein Taschentuch, wir setzen uns kurz hin, bis sie sich wieder gefangen haben.
Aber nie wĂŒrde ich auf die Idee kommen, sie therapieren zu wollen. Da wĂŒrde ich mir eine Kompetenz anmaßen, die ich nicht habe (und gar nicht haben möchte).
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
  • #86

Die von dir verwendeten Zitate wurden grĂ¶ĂŸtenteiles im weiteren Verlauf des Threads geklĂ€rt und relatviert. Findest du es nun zielfĂŒhrend und konstruktiv, wieder von vorn anzufangen? Oder hast einfach gerade Langeweile?
 
  • #87
Richtig ist natĂŒrlich, dass ein GL kein Psychologe ist, er sollte neben dem Handwerk des Singenlehrens aber unbedingt psychologische FĂ€higkeiten haben. Denn, etwas ĂŒberspitzt sage ich jetzt mal: Gesang ist 20% Technik und 80% Psyche. Bei einem SchĂŒler der von selber alle Emotionen rauslassen kann, spielt es vermutlich nicht so eine Rolle. Aber bei Kopfmenschen, introvertierten Personen, scheuen oder gehemmten Leuten etc. ist es enorm wichtig. Der GL braucht da eine grosse SensibilitĂ€t, muss feinste Schwingungen (nicht nur der StimmbĂ€nder 😉) wahrnehmen können und ein echtes Interesse am momentanen GefĂŒhlszustand seines GegenĂŒber haben. Wenn er eine Persönlichkeit mit solchen FĂ€higkeiten ist, wird er einen SchĂŒler der emotional "schwierigeren" Art auch mit ganz konventionellen Methoden des Gesangsunterricht ĂŒber kurz oder lang vermutlich knacken (d.h. emotional öffnen) können.

Dann gehöre ich wohl zu diesem Typus. Ich habe bisher fast alle geknackt. Aber auf ganz konventionelle Art und Weise.
Beim Begriff "Schwingungen" kriege ich zwar wieder Schnappatmung, ich nenne es lieber Empathie.... aber wahrscheinlich meinen wir dasselbe 😉
 
  • #88
Es liegt sicher in der Art des Menschen, immer etwas mehr zu wollen, als man eigentlich kann. Das ist ja auch nicht von sich aus schlecht.
Fördern und Fordern ist notwendig, damit die Leute das in ihnen steckende Potential auch erreichen.
Es muss nur so gesteuert werden, dass es eben nicht in ĂŒbersteigertes Leistungsdenken ausartet, was dann gerne mal in Frust oder Selbstzerstörung entgleist.

Da reden wird jetzt so schön drĂŒber. Nachher schauen wir aber wieder Olympia an, obwohl wir alle genau wissen, dass die dort tĂ€tigen Spitzenleute nicht im Rahmen einer natĂŒrlichen Leistungsentwicklung dorthin gelangt sind. Und bei Musikern in Spitzenbereich ist es sicher Ă€hnlich.

- - - Aktualisiert - - -

Oder hast einfach gerade Langeweile?
Nein, ich wurde um diese Zitate gebeten.

Was sagst du denn zu meinen Sachargumenten?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #89
Wenn wir voll in der Musik aufgehen, dann ist das der "Flow", der von vielen Leuten als tolle Sache verkauft wird. Ist Hypnose auf dem Weg dahin erlaubt? Ist Autogenes Trainig (Selbsthypnose) erlaubt? Sind andere Entspannungstechniken erlaubt? Ist ausgeschlafen zum Auftritt kommen erlaubt? Dazwischen liegen auch noch ein paar Stufen, die jede fĂŒr sich minimal sind. Und wenn ich die Kette weiter nach unten verfolge, dann komme ich ĂŒber lauter minimale Stufen dahin, dass sogar ĂŒben schon verboten ist. Wenn ich die Kette nach oben ausbaue, ĂŒber minimale Stufen, dann kann ich hinterher problemlos Retalin rechtfertigen.

Das war das, was ich damit sagen wollte.

Ersetzen wir "Flow" vielleicht durch absolute Konzentration. Ein Tun, ohne zu Reflektieren, vor allem was das Ego angeht.
So kenne ich den Begriff zumindest und wĂŒrde ihn nicht unbedingt mit einem Rausch gleichsetzen, aber das empfindet vielleicht auch jeder anders.
In diesem Sinne auch verwandt mit der Meditation.
Der Flow selber sagt noch nichts ĂŒber die QualitĂ€t dessen aus, was da "im Flow" produziert wird. Was dafĂŒr notwendig ist, sobald es um angelernte FĂ€higkeiten geht, ist schlicht Übung. Das "MuskelgedĂ€chtnis" ĂŒbernimmt und das steht eigentlich jedem gesunden Menschen offen.

Ausflug:
Das kann durchaus auch helfen Hemmungen zu ĂŒberwinden, aber die Vorstellung, dass jeder alles kann und dass es vor allem die Hemmungen sind, die man aus dem Weg rĂ€umen muss, teile ich nicht.
Wenn jemand einen falschen Ton in Kopfstimme singt, den er mit etwas mehr Schmackes vielleicht auch so erreichen könnte, dann kann man das komplett auf die Hemmung schieben, oder eben schließen, dass der Bereich noch nicht so verinnerlicht worden ist, vor allem, wenn er es direkt im Anschluß ohne Hemmung nachmachen kann. (Ich war nicht dabei, aber so klingt es fĂŒr mich. Beispiel irgendwo in einem der letzten Postings.)

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass (eine Art schwache ) Hypnose im Gesangsunterricht hilfreich sein kann in FÀllen, wo einem die Konzentration schwer fÀllt. Ansonsten denke ich, dass sich eine Art Flow beim gesunden Menschen ganz von selber einstellen sollte, wenn er den richtigen Lehrer hat.
Wenn man sich in den richtigen HÀnden glaubt und Verantwortung abgeben kann, den Alltag hinter sich lÀsst und ich ganz auf seine Stimme konzentriert.
Ich hab Gesangsunterricht immer als sehr erholsam empfunden, als ZĂ€sur im Alltag.
Aktive Hypnoseversuche wĂ€ren fĂŒr mich persönlich aber nichts, letztendlich kostet das ja auch Unterrichtszeit, die in meinen Augen sinnvoller verbracht werden kann. Der meditative Charakter ist ein angenehmer Nebeneffekt, aber nicht zwingend notwendig.



Eine Argumentation, die ĂŒber viele minimale Stufen bei einem krassen Beispiel ankommt, halte ich ĂŒbrigens fĂŒr selten zweckdienlich. Das ist eher ein Taschenspielertrick, wenn um des Diskutierens willen diskutiert wird.
 
  • #90
Nein, ich wurde um diese Zitate gebeten.

.. aber nicht ohne Grund 😉

Was sagst du denn zu meinen Sachargumenten?

Meinst du diese Argumente:

Wenn wir voll in der Musik aufgehen, dann ist das der "Flow", der von vielen Leuten als tolle Sache verkauft wird. Ist Hypnose auf dem Weg dahin erlaubt? Ist Autogenes Trainig (Selbsthypnose) erlaubt? Sind andere Entspannungstechniken erlaubt? Ist ausgeschlafen zum Auftritt kommen erlaubt? Dazwischen liegen auch noch ein paar Stufen, die jede fĂŒr sich minimal sind. Und wenn ich die Kette weiter nach unten verfolge, dann komme ich ĂŒber lauter minimale Stufen dahin, dass sogar ĂŒben schon verboten ist. Wenn ich die Kette nach oben ausbaue, ĂŒber minimale Stufen, dann kann ich hinterher problemlos Retalin rechtfertigen.
.

Soweit, dass alles erlaubt ist, was nicht gegen das Gesetz verstĂ¶ĂŸt ist und niemand gesundheitlich schadet, waren wir eigentlich schon.

Momentan sind wir auf einer weiteren Ebene: Wem bringt es was, wie kann man das anwedenden und wo liegt die Verantwortung. Muss man jeden Strohhalm, der sich bietet, auch anreichen oder nehmen?

Das sind Fragen, die sich nicht allgemein klĂ€ren lassen und die jeder fĂŒr sich wissen muss. Ich bin der Meinung: nein. Aber ich bin auch nicht böse, wenn nicht jeder diese Ansicht teilt.
 
  • #91
Das sind Fragen, die sich nicht allgemein klĂ€ren lassen und die jeder fĂŒr sich wissen muss. Ich bin der Meinung: nein.
Das macht die Diskussion aber irgendwie mĂŒĂŸig. Dass man nicht jeden Strohhalm nehmen darf, dĂŒrfte uns allen klar sein. Aber interessant ist doch, welchen Strohhalm jeder von uns fĂŒr vertretbar hĂ€lt.
Also ein Statement der Art: "Autogenes Training ja, Hypnose nein."
Da wĂŒrde mich mal die Grenze bei den Diskutanten interessieren.

Eine Argumentation, die ĂŒber viele minimale Stufen bei einem krassen Beispiel ankommt, halte ich ĂŒbrigens fĂŒr selten zweckdienlich. Das ist eher ein Taschenspielertrick, wenn um des Diskutierens willen diskutiert wird.
Das habe ich nicht gebracht, um fĂŒr Hypnose zu argumentieren, sondern um zu zeigen wir schwierig es ist, eine Grenze zu finden.
Und es ist doch die RealitÀt: Im Sport zB ist das doch so: man fÀngt mit ein Eisbeuteln an um trotz Verletztung noch weitermachen zu können, dann kommen AsthmaprÀparate und irgenwann Steroide. Und dazwischen liegen viele kleine "ist doch nicht so schlimm" Stufen. Und an irgendeiner davon muss man aufhören.
 
  • #92
Das macht die Diskussion aber irgendwie mĂŒĂŸig..

Jede Diskussion, die in den Jahren in dieser Art gefĂŒhrt wurde, ist mehr oder weniger mĂŒĂŸig. Aber Spaß macht es trotzdem und die eine oder andere Erkenntnis kann sich der geneigte (Mit)leser evtentuell doch herausziehen.

Dass wir - die Diskutierenden - auf einen Konsens kommen, muss nicht unbedingt das Zweck der Sache sein. Wir hatten schon einige solcher hitzigen GesprĂ€che 😉

Ich halte es fĂŒr vertretbar, wenn der eine oder andere einen Strohalm greift, der ihm vielleicht hilft. Trotzdem stelle ich mir die Frage, warum Menschen immer mehr Hilfe benötigen und jede erdenkliche Form annehmen. Das ist keine Kritik - nur eine Frage.
 
  • #93
Vielleicht haben wir ja einfach auch nur Langeweile ...

Nee, jetzt mal ernst: zu welchem Strohhalm wĂŒrdest du nicht mehr greifen? Und warum die Grenze grade da?
 
  • #94
Mit Ausbildung meinte ich ĂŒbrigens tatsĂ€chlich eine Ausbildung mit PrĂŒfung und Abschluss. Ich denke, dass Empathie, Sympathie und speziell beim Gesang StimmaufwĂ€rmĂŒbungen reichen, um im Unterricht Blockaden zu lösen. Ich denke nicht, dass man als Gesangslehrer am besten noch eine Ausbildung zum was-auch-immer-Therapeuten machen sollte. Ich glaube zwar nicht, dass Kenshi einen auf Therapeuten machen wollte, aber ich frage mich, ob es nicht reicht eine angenehme AtmosphĂ€re im Unterricht aufzubauen und bei den Techniken (wie z.B. das Verwenden von Bildern) bleibt, die man als Gesangslehrer klassischer Weise gelernt hat. Ich stimme da mit den anderen ĂŒberein, dass ich es fĂŒr ĂŒbertrieben halte eine nun mal nicht ganz so risikoarme Technik anzuwenden fĂŒr die man eine abgeschlossene Ausbildung braucht und dass bei schwereren Blockaden das eher ein Fall fĂŒr den Psychologen/Psychotherapeuten und nicht fĂŒr den Gesangslehrer ist. Woran ich das festmache? Vor allem am Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis.
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 8 Benutzer
  • #95
FĂŒr mich persönlich ist es halt eher uninteressant, da jetzt die Grenze zu ziehen und um jeden cm zu diskutieren. Geht ja nicht um Abtreibung oder so. Das soll andere aber nicht hindern.

Edit: Valis Beitrag kann ich mich dann aber doch wieder anschließen.
 
  • #96
Beim Begriff "Schwingungen" kriege ich zwar wieder Schnappatmung, ich nenne es lieber Empathie.... aber wahrscheinlich meinen wir dasselbe 😉

Da hast du recht "Schwingungen" ist ein blöder Begriff, weil er in gewissen Kreisen etwas ĂŒberstrapaziert wird. Mit "Empathie" kann ich auch gut leben 🙂

Die vorher von dir erwĂ€hnte Schachtel Kleenex aber wĂŒrde mir in Momenten wo ich in einem, sagen wir mal "suboptimalen" physischen und/oder psychischen Zustand im GU aufkreuze nicht ausreichen. Dort finde ich es schon sehr wichtig, dass ich zuerst einmal ein paar Minuten mit der GL ĂŒber das Problem sprechen kann. Und das auf eine mittlerweile sehr sehr offene Art (was fĂŒr mich ansonsten gar nicht so selbstverstĂ€ndlich ist). Man tut das sehr gerne bei ihr (und das geht nicht nur mir so, sondern auch den anderen SchĂŒlern), u.a. weil man weiss, ihre Frage zu Beginn der Stunde "wie geht es dir" ist nicht Smalltalk oder eine Floskel, sondern sie fragt, weil sie es zwingend wissen möchte, es ist fĂŒr sie eine wichtige Information fĂŒr die folgende Stunde. Und die RatschlĂ€ge die man von ihr dann bekommt, sind immer sehr praktisch orientiert und weit weg von aller Esoterik o.Ă€ 🙂
Singen tue ich nach einem solchen seelischen Abladen ohnehin um Welten besser und der gesundheitsfördernde Aspekt von solchen Stunden ist enorm und nachhaltig. Total schade, dass man solche Stunden nicht der Krankenkasse aufbĂŒrden kann. Ich glaube, die finanzieren sonst auch sehr viel DĂŒmmeres 😉
 
  • #97
Nee, jetzt mal ernst: zu welchem Strohhalm wĂŒrdest du nicht mehr greifen? Und warum die Grenze grade da?

Wenn die Frage an mich persönlich gerichtet ist: Ich fĂŒrchte, ich bin da nicht mehr maßgebend. Denn meine WĂŒnsche zB an den Gesang scheinen(!) sich weit von dem zu unterschieden, was viele SchĂŒler suchen oder erreichen wollen.

Ich singe nicht, um ein bestimmtes, zeitgemĂ€ĂŸes Ideal zu erreichen oder eine bestimmte Range zu bekommen. Auch nicht, um mir etwas gutes zu tun oder Spaß zu haben. Ich erarbeite mir ein Lied, um es so singen zu können, wie es mir in meiner Vorstellung ausgemalt habe. Und das weiß ja keiner außer mir selbst.

Ich hatte mal kurz eine Zeit GU. Aber sowohl meine GL als auch ich mussten feststellen, dass es mir nichts bringt, "Every Breath You Take" in der gleichen Tonart wie Sting zu singen, nur um herauszufinden, dass das völlig unnötig fĂŒr mich ist, das zu können.

Daher waren genau da meine Grenzen: Ich muss keinen Sting-Song singen, warum sollte ich es also weiter ĂŒben? Ich klinge, wie ich klinge und mag das und es bedarf keiner weiteren Wege, Lösungen und Mittel, das zu Ă€ndern. Aus rein technisch-akademischer Sicht singe aber nicht besonders gut. So what? Im Publikum fragt mich danach keiner. Und nach Sting auch nicht 🙂

Das heißt: Ich singe natĂŒrlich schon, um ein Ideal zu erreichen - aber eben ein von mir festgelegtes. 🙂
Daher sind Aussagen wie "wir konnten mithilfe der Methode XX diese und jene QualitĂ€t/Leistung" erreichen, fĂŒr mich etwas schwerer nachzuvollziehen. Zumindest ab einem gewissen Niveau. Ich rede dabei nicht von dem totalen Newbie ohne jegliche Basis. Die sollte sich doch jeder noch auf ganz herkömmliche Weise erarbeiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
  • #98
Da wĂŒrde mich mal die Grenze bei den Diskutanten interessieren.

Als wissenschaftsglĂ€ubiger Betonkopf, der nur evidenzbasierte/validierte Ergebnisse ernst nehmen kann und es einfach nicht schafft, an eine wie auch immer geartete Existenz nach dem Tod zu glauben (was von vornherein schon viel Hokuspokus ausschließt), sind meine Grenzen zugegebenermaßen recht eng.
 
  • #99
Nein, ich wurde um diese Zitate gebeten.
Ich habe um Belege fĂŒr deine sehr reißerische Aussage gebeten, ĂŒber Kenshi sei "hergefallen" worden. Ich habe ĂŒbrigens schon damit gerechnet, dass Du antipastis Posting heranziehen wĂŒrdest, was ein netter Beleg dafĂŒr ist, wie selektiv du anscheinend hier gelesen hast, denn das hatte er in dieser Form lĂ€ngst zurĂŒckgenommen. Insofern bleibt Deine Aussage nichts als Polemik und Du brauchst Dich somit auch nicht wundern, wenn man unter diesen UmstĂ€nden wenig Lust auf Deine "Sachargumente" hat. Der Ton macht die Musik. Und Du wolltest offenbar eine Tarantella anstimmen. 😉


Zur eigentlichen Diskussion hier im Thread schreibe ich heut Abend nochmal, wenn ich mehr Zeit habe.
 
  • #100
Nun, jemand, der hypnotisieren nicht gelernt hat, ĂŒber nicht ausreichendes psychologisches Hintergrundwissen verfĂŒgt, sich einer Verantwortung fĂŒr sein eigenes Tun nicht bewusst ist, der sollte auch nicht Hypnose anwenden um seinen Gesangsunterricht zu verbessern.
Wer die genannten Bedingungen erfĂŒllt, der kann das in Absprache mit seinen SchĂŒlern durchaus tun.

Dass zwischen Hypnoselaien und Hypnotiseuren viele viele Möglichkeiten liegen, die man als Aussenstehender mal eher diesem, mal eher jenem Extrem zusprechen kann, ist sicher leicht nachvollziehbar, wenn man an der Verwendung von Bildern erkennt, dass ja hier bereits Suggestionen und VorstellungskrÀfte genutzt werden.

Manche sprechen von mentalem Training statt von Hypnose, ich selbst kann mich ganz ungezwungen mit oder ohne Verwendung von Fachbegriffen darĂŒber unterhalten, auch ohne deswegen in die Fragestellung qualifiziert oder unqualifiziert zu geraten.
Wegen der mit dem Hypnosebegriff verbundenen Vorstellungen rede ich im allgemeinen nur mit Hypnoseleuten in deren Fachsprache. Bei anderen Menschen kann ich darauf weitestgehend verzichten, ohne dass mir die korrekten Begriffe deswegen entfallen wĂŒrden...

Wichtig ist doch, dass es offenbar emotionale Begegnungen im Gesangsunterricht gibt, die mehr oder weniger bewusst auch zu Lehrzwecken genutzt werden können.

Mir fĂ€llt gerade zu dem Thema etwas ein, das ich vor nicht allzulanger Zeit im Fernsehen sah. Musiker waren an EEGs angeschlossen. Man stellte fest, dass sich die Gehirnwellen im Zusammenspiel unerwartet stark anglichen. Die EEG-Bilder wurden verblĂŒffend Ă€hnlich. Stellt sich nun die Frage (scherzhaft), wer denn nun wen beeinflusst oder gar manipuliert. Voraussichtlich niemand, denn diese Leute haben einfach nur zusammen musiziert.

Viel was anderes passiert da auch nicht, wenn man gemeinsam in einen "Flow" kommt, miteinander "hamoniert" oder eine hypnotische Trance induziert.
Die Horror-Vorstellungen, die zu recht oder zu unrecht im Zusammenhang mit den Begriffen existieren mögen, haben ganz sicher nichts mit dem zu tun, was Kenshi da angesprochen hat.
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 2 Benutzer

Ähnliche Themen

ZurĂŒck
Oben