Hi,
bin zwar alles andere als ein erfahrener Semi-Experte, der Wunsch wurde aber seit ein paar Jahren immer größer. Von daher habe ich so ziemlich alles, was bezahlbar war, im Laufe der Jahre angespielt, und danach waren Eastman und Stanford auf jeden Fall auch bei mir auf der Liste. Tolle Gitarren, für mein Budget leider immer etwas zu teuer. Trotzdem würde ich beide jeder Gibson vorziehen. Ich habe bei China auch erstmal die Nase gerümpft, aber Eastman ist in der Ausführung wirklich meilenweit entfernt von den No-Name-Massenproduzenten. In China gibts inzwischen schon auch etliche qualitätsorientierte Hersteller, die nicht nur ein weiterer Zweig eines anonymen Konzerns sind. Eastman Strings z.B. ist, wenn man der Website glauben darf, die Firma eines Herrn Quian Ni, der sie 1992 als kleinen Handwerksbetrieb gegründet und dann weiter aufgebaut hat. Man sieht es den Gitarren auch an, dass sie einen eigenen Charakter haben und keine Kopien sein wollen.
Allerdings habe ich auch mal eine Epi ES-335 angespielt, die auch über den Amp einen wirklich sehr schön holzigen Ton hatte, sehr typisch und eigentlich das, was man sich darunter vorstellt. Das Raspberry Burst (oder so ähnlich) war leider gar nicht meins, und die ganz klassische ES-335 Form mit den dicken Micky Maus-Ohren erschien mir immer ein Spur klobig. Aber wie gesagt: fast in jeder Preisklasse kann es nach meinem Eindruck sehr gute 335s geben, und die Streuung scheint mir noch größer zu sein als bei Solidbodys. Könnte daran liegen, dass sie viel mehr Leimstellen haben, die jedesmal etwas anders ausfallen, vielleicht auch Verspannungen der dünnen Hölzer und mehr. Ob da ein ein- oder mehrteiniger Hals noch viel ausmacht, ist für mich noch die Frage, zumal mehrteilige Hälse durchaus Vorteile in Stabilität und selteneren Dead Spots haben können. Angesetzte Kopfplatten dagegen müssen zwar nicht schlecht sein, sind in der angepeilten Preisklasse aber etwas, das ich jetzt auch nicht unbedingt akzeptieren würde.
Bei
Ibanez* fand ich fast alle Semis für ihre Preisklasse ziemlich gut, wobei mir die John Scofield-Modelle immer besonders gefallen haben. Die "große" JS wird dann aber auch schon richtig teuer, und darunter hat mich von
Ibanez* immer der dämlich früh dicker werdende Halsfuß abgehalten, der leider in allen für mich erschwinglichen Preislagen verwendet wird. Nur die richtig teuren haben den Ansatz da, wo er mMn hingehört. Warum, weiß ich nicht, Epi kann es in den unteren Preisklassen schließlich auch so bequem wie beim Orginal.
Richtig verliebt habe ich mich dann in die D'Angelicos. Zugegeben habe ich eine Vorliebe für etwas Bling, Gold-Hardware und schöne Einlagen, aber auch vom Spielen und dem Ton her finde ich die eigentlich durchweg toll. Ich bin immer noch nicht ganz durchgestiegen bei der Verdrahtung (weil viel Schrumpfschlauch und wenig Einblick), aber es scheint mir sogar ab Werk ein 50s Wiring zu sein, jedenfalls gehen auch die Höhen beim Zurückdrehen der Volumes nicht gleich flöten. Bei mir ist es dann eine Mini DC geworden, da super bequem und 3,3 kg leicht. Hat vielleicht eine Winzigkeit weniger Holz-Ton als die größere DC, aber es war halt die erste, die mir so erschwinglich über den Weg lief. Gebraucht etwas über 400 € - halber Neupreis, da konnte ich nicht nein sagen. Wurde ganz schnell meine meistgespielte Gitarre für jeden Tag. Eine Excel DC oder eine SS wären aber schon auch noch was...
Für höhere Ansprüche gibt es bei D'Angelico die Deluxe- und besagte Excel-Serie, letztere ist ehrlich gesagt noch immer nicht aus meinem Kopf raus. Begeistert hat mich schon bei meiner einfachen Premier die hervorragende Verarbeitung bis ins Detail, trotz (oder wegen?) der Fertigung in Indonesien. Vor allem die Qualität der Bundierung war immer top. Die Excel hat dann teurere PUs (wobei ich ihre in den Premiers verbauten eigenen Supro Bolts ebenfalls richtig gut finde), echte Perlmutt/Abalone-Einlagen, Ebenholz-Potiknöpfe mit eigenelten Markern und dergleichen. Die Hälse finde ich halt auch sehr angenehm, weil etwas schlanker/moderner, ohne jetzt zu dünn zu werden. Für mich so unaufgeregtes Medium-Maß, mit dem vermutlich die meisten gut zurecht kommen. Ich war halt noch nie ein Fan von extremen Hälsen, weder in die "Vintage Fat"- noch in die Speed-Richtung.
Gruß, bagotrix