Aber der Verkäufer sagt doch genau das, was Du oben selbst geschrieben hast, dass für 100 Euro keine Paula möglich ist.
Ich sehe aber bei dieser Aussage schon mehrere fette Fragezeichen.
1. Eine "Paula" ist für viele eine traditionelle
E-Gitarre mit Single-Cutaway. Der höhere konstruktive Aufwand der Les Paul gegenüber der Strat (Mahagonibody, massive Archtop-Ahorndecke, eingeleimter Hals, Binding...) wird in Billigpaulas nicht per se kopiert. Gibson hat das selbst zB bei der Melody Maker vorexerziert, die mMn dennoch eine supergeile Gitarre ist, nennt die aber eben konsequenterweise nicht Les Paul. "Les Paul" und "Strat(ocaster)" sind eingetragene Warenzeichen von Gibson und
Fender. Die Formen darf man kopieren (außer dem Headstock), aber "Les Pauls" und "Strats" sind das deswegen noch lange nicht. Nach dem Konzept der Melody Maker oder als "bolt on" kann man durchaus günstige Gitarren bauen, die einer Les Paul recht ähnlich sehen, oft sogar als Archtop, die jetzt aber nicht unbedingt aufwändiger sind, als das was viele von einer Strat erwarten.
2. In einem Preis (auch für 100) stecken Materialkosten, Kosten und Gewinne von Hersteller, Vertrieb, Einzelhandel und Steuern. Bei
Harley Benton fällt der Vertrieb weg. Ich hatte das kürzlich in einem anderen Thread, in dem es um HB/Joyo Pedals ging, versucht zu erklären, durch den ich letztlich auch hier reingeraten bin: Ein Vertrieb hat wichtige Aufgaben und für kleine und mittlere Läden sind Vertriebe unverzichtbar. So ist ohne einen Vertrieb eine flächendeckende Distribution kaum denkbar. Aber Vertriebe verteuern Produkte natürlich auch deutlich. Was ich damit sagen will: Der oben zitierte Verkäufer bezieht definitiv über einen Vertrieb und somit ist die Aussage anders zu werten. Er wird seinem Kunden natürlich nicht sagen: "Tja,
Thomann braucht bei Harley Benton keinen Vertrieb. Eine adäquate Gitarre würde über einen Vertrieb distribuiert ca. 80-100% mehr kosten."