Instrument des Jahres 2026: Akkordeon

  • Ersteller Wil_Riker
  • Erstellt am
Ich schreibe hier nur zu Originalliteratur für Akkordeon.
Damit schränkst Du das Thema aber sehr ein, und unnötig, finde ich.

Original wird mMn eher wenig fürs Akkordeon geschrieben, und wenn, dann vermutlich hauptsächlich aus den Kategorien, die Du erwähnt hast - ich nenn's mal "Schunkeln" und "Zeitgenössisch".

Schon viele Tangos sind ursprünglich für Bandoneon, und es gibt nicht wenige Puristen, die die Nase rümpfen, wenn man es auf dem Akkordeon spielt.


Für mich ist aber gerade das Einrichten eines Stücks für Akkordeon ein super interessantes Feld. Im Vergleich zu meinem ursprünglichen Instrument Klavier kann das Akkordeon "singen", einen Ton formen, während er klingt, und bietet dadurch ganz andere vielfältige Möglichkeiten.
Da muss es überhaupt kein Original sein - bzw. sind Originalstücke für Akkordeon häufig entweder unspielbar (klassisches) oder nicht so mein Ding (vieles aus der Schunkelecke, kommt auf die Gelegenheit an).

on Galliano, die musikalische, technische und emotionale Elemente vereinigt, ist noch nicht in ausreichendem Umfang geschaffen, um eine breitere Wahrnehmung zu erzielen und die verfestigte Meinung über das Akkordeon zu beeinflussen.
Das kommt drauf an. Piazolla wirkt auch sehr positiv auf die Wahrnehmung des Akkordeons (Galliano spielt das ja auch auf dem A.), schöne Musettewalzer gibt es eine ganze Menge, auch im Swing wird schon länger mit Akkordeon gespielt.
Ich denke schon, dass das Akkordeon ganz gut auf dem Weg ist, als wichtiges Instrument wahrgenommen zu werden. Aber mehr wäre natürlich besser ;)
 
Akkordeonklassiker wie Will Glahe und Zeitgenossen möchte ich in diese Kategorie stecken. Oft ist diese Musik musikalisch wenig interessant und hat bestenfalls einen gewissen Wiedererkennungsbonus, die Seele berührende Musik ist das keinesfalls. Aus musikalischer Sicht - Einzigartigkeit, Überraschungselemente, Variabilität, usw. - kein Vergleich zu ebenfalls vergleichsweise einfachen Piano-Klassikern wie beispielsweise die Träumerei von Schuhmann oder das Türkische Rondo von Mozart, die bereits mit mittlerem Spielvermögen bewältigt werden können und viele Merkmale herausragender Musik enthalten.
Die Betrachtung halte ich für sehr bemerkens- und erwähnenswert. Denn ich empfan das bislang genauso - nur konnte ich das bisher noch nicht in Worte fassen. Aber ich sehe das genauso: In dem dass das Stück gezielt für ein Instrument (im Falle von Schumann das Klavier) gesetzt und geschreiben wurde, kann man dessen instrumententypische Eigenschaften voll ausnutzen und einsetzen um über die Klangformung auch Emotionen erzeugen, die anders so vermutlich nicht oder nur sehr schwer geschaffen werdne könnten.

Für mich ist aber gerade das Einrichten eines Stücks für Akkordeon ein super interessantes Feld.

das ist aus dem Mangel an originaler Literatur der häufig benutzte Weg (mache ich ja genauso) - aber er mangelt schon von vornherein daran, dass die Möglichkeiten des Akkordeons nicht schon von vornherein berücksichtig wurden , bzw. das bestimmte klangliche Effekte des Originals auf dem Akordeon nur schlecht, mühsam oder gar nicht nachgebildet werden können. Es wird im bestenfalls gleichwertig sein können, meist aber nicht an das Original heranreichen, was letztlich die Interpretation auf dem Akkordeon zwar beachtlich sein lässt, aber dennoch gegenüber dem Original abfallen lässt.
... Das ist für mich irgendwie, wie wenn man mit sehr viel Aufwand versucht mit blauer Farbe den Eindruck von gelber Farbe nachzuahmen. Das Resultat kann sehr bemerkenswert sein - wird aber nie an den Eindruck heranreichen können, wie wenn man das gleich mit gelber Farbe gemacht hätte.

Die andere Kategorie, moderne E-Musik-Originalwerke für Akkordeon, die musikalisch, technisch und emotional anspruchsvoll sind, sind meiner Beobachtung nach in der Regel nur von höchstklassigen Spielern beherrschbar und demzufolge selten zu hören und einem breiteren Publikum nicht erschließbar. Es gibt viel solche Musik, sie wird aber nur in Insider-Kreisen gepflegt.
Dass das Akkordeon in diesen Kreisen durchaus Beachtung findet finde ich schon als kleinen Erfolg - auch wenn etliche dieser Kompositionen nicht selten genau auf einen Interpreten zugeschnitten sind und für das normale Volk tatsächlich in aller Regel als unspielbar betrachtet werden müssen. ... und auch deswegen wohl im breiteren Bereich kaum größere Beachtung finden dürften, was im Endeffekt nicht zur stärkeren Verbreitung des Akkordeons beitragen dürfte


Auch, und auch gerade wegen und für solche Betrachtungen finde ich es gut, dass das Akkordeon als Instrument des Jahres ausgerufen wurde. Schon alleine dass es als Instrument des Jahres ausgerufen wurde , hat es dadurch Dickussionen in Gang gesetzt und Menschen zum Nachdenken über dieses Instrument angeregt. Und damit wird auch dafür gesorgt, dass dieses Instrument wieder etwas in den Fokus geraten kann und eventuell dafür sorgen kann, dass das Instrument im einen oder anderen Fall eher mit eingebunden wird.

Auch wenn jetzt damit keine epochalen Änderungen zu erwarten sind - auch kleine Erfolge sind Erfolge und sind es die Sache wert gewesen.
 
Ich glaube auch nicht, dass Bach und Mozart für Akkordeon wesentlich anders geschrieben hätten. Nimm so ein Andante für eine Orgelwalze oder einen Bach für Orgel oder Klavier, der sich gut darstellen lässt. Deutlich anders wäre ein Akkordeonstück auch nicht ausgefallen.
 
das bestimmte klangliche Effekte des Originals auf dem Akordeon nur schlecht, mühsam oder gar nicht nachgebildet werden können. Es wird im bestenfalls gleichwertig sein können

Einspruch!

Ich würde Dir zustimmen, wenn es darum ginge, zB ein Klavier möglichst "originalgetreu" nachzubilden. Dagegen kann man natürlich mit dem Akkordeon gerade bei Stücken für gezupfte Saiteninstrumenten nur verlieren.

Aber das ist doch nicht das Ziel. Akkordeon funktioniert anders, darauf muss man beim Einrichten natürlich Rücksicht nehmen - und kann wiederum Sachen machen, die man mit dem Klavier (um bei dem Beispiel zu bleiben) eben nicht machen kann.
Crescendo und decrescendo auf einem Ton - auf dem Klavier Fehlanzeige, geht nur mit Tremolo. Lange Töne legato spielen - geht auf dem Klavier nur mit unserer Vorstellung, die den Klang zwischen den Anschlägen ergänzt. Und so weiter.

Ein Beispiel fällt mir sofort ein, wenn wir mal das Intro zum Wirtshaus hören (so die ersten 30..40 Sekunden)


View: https://www.youtube.com/watch?v=4mIZZqfTMTk
versus

View: https://www.youtube.com/watch?v=Q7fg7hBd4BI

Auf dem Klavier versucht man da, ganz intensiv in den Tasten drin zu sein, die Töne zu verbinden, damit ein legato-Eindruck entsteht. Schubert hat das meisterhaft komponiert. Trotzdem ist in dem langsamen Tempo der vorherige Ton oft schon fast verklungen, wenn der nächste kommt.

Ich finde die @Klangbutter-Variante ein mustergültiges Beispiel dafür, was man auf dem Akkordeon machen kann, ich finde diese Interpretation persönlich noch schöner und ans-Herz-gehender als das Original.

Aber jetzt fange ich selbst an zu werten ;) Ich glaube, die Kunst ist einfach, die Stärken des jeweiligen Instruments zu kennen und einzusetzen.
 
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Einspruch!

Ich würde Dir zustimmen, wenn es darum ginge, zB ein Klavier möglichst "originalgetreu" nachzubilden.

Was ich eigentlich sagen wollte ist das was Morino47 treffend formuliert hat:

lieber wärs mir ich müsste nicht versuchen irgendeinen Effekt eines Instruments nachzubilden um das Stück "artgerecht" auf dem Akkordeon spielen zu können. lieber wär s mir, wenn das Stück schon artgerecht komponiert wäre, so dass die Möglichkeiten des Akkordeons schon in der Komposition mit berücksichtig sind, so dass ich nicht mir viel Mühe den Effekt nachbilden muss, sondern problemlos den gewünschten Effekt gleich Original erzeugen könnte.... damit würde man sicher mehr Menschen erreichen, die dann vielleicht ebenfalls das Stück versuchen wollten zu spielen....

Das würde aus meiner Sicht ein besserer Nährboden für die weitere Verbreiterung des Instruments Akkordeon sein. Auch da könnte das Vehikel "Instrument des Jahres" eingeeigneter Rahmen sein, um solche Verbesserungen der Rahmenbedingungen ins Leben zu rufen.
 
Wir verstehen uns glaub ich falsch.

Ich will ja grade nichts nachbilden, sondern das Stück so spielen, dass die Vorteile des Akkordeons rüberkommen und nicht die Nachteile.

lieber wär s mir, wenn das Stück schon artgerecht komponiert wäre, so dass die Möglichkeiten des Akkordeons schon in der Komposition mit berücksichtig sind
Ja schon, ist nur bisschen schwierig, das dem Franz (Schubert) oder dem Björn (Ulvaeus) jetzt noch mitzuteilen, dass sie mal lieber für Akkordeon hätten komponieren sollen ;)
 
a schon, ist nur bisschen schwierig, das dem Franz (Schubert) oder dem Björn (Ulvaeus) jetzt noch mitzuteilen, dass sie mal lieber für Akkordeon hätten komponieren sollen
ich würde auch moderne Klassik die für Akkordeon komponiert ist auf Akkordeon spielen, wenns die denn a) gäbe und b) in einer Form die auch für "normale" Menschen spielbar ist. ... und nicht in der für normale Menschen nahzu unspielbaren Formen der modernen E-Musikszene. Denn auch ein Schumann war zu der Zeit als er das Zeug komponiert hatte nicht schon "alt" sondern in seiner Zeit und zeitgemäß und hat für Instrumente seiner Zeit und für Menschen seiner Zeit komponiert.

Auch das ist eine der Hoffnungen die ich mit dem "Instrument des Jahres" sein fürs Akkordeon verbinde...
 
Ach Leute, seht nicht so schwarz, oder zumindest nicht schwärzer als nötig.

Allen Vereinen gehen die Leute aus. Das ist nicht nur bei den Akkordeonfreunden so, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Das kommt eben dabei raus, wenn vier Großeltern zusammen zwei Enkelkinder haben.
Die beiden können einfach nicht alles schaffen, was ihre zwei Eltern und vier Großeltern zusammen gemacht haben.
Die erfolgreichsten Vereine sind heutzutage eben die, deren Zielgruppe zwischen 50 und 80 Jahre alt ist, wie ich gerade mit dem Akkordeon immer wieder feststelle.
Z.B. wurde bei dem einen Orchester, in dem mitspiele, die Jugendgruppe mangels Teilnehmern aufgelöst, aber die relativ zufällig entstandene Neu-/Wiedereinsteigergruppe (Durchschnittsalter um die 60) ist in kurzer Zeit fast so groß wie das Hauptorchester geworden.
Und bei den richtig guten Spielern gibt es den Nachwuchs weiterhin, wie auch bei allen anderen Instrumenten, die die breite Masse überhaupt nicht auf dem Schirm hat.
Nur die, die auf niedrigstem Niveau zuhause klimpern, werden weniger. Da ist das Smartphone mit Bluetooth-Lautsprecher der Nachfolger.
D.h. das Akkordeon geht den Weg des Klaviers nach dem ersten Weltkrieg vom Instrument, das jeder lernt, der die Möglichkeit dazu hat, zum Instrument für gezielt den, der es auch wirklich spielen will.
Zusammenfassend: Dem Akkordeon geht es überdurchschnittlich gut.

Für den schlechten Ruf, den das Akkordeon bei manchen hat, habe ich eine andere Erklärung:
Geht es euch nicht auch so, dass ihr das dringende Bedürfnis habt, das Lokal zu verlassen, wenn da ein meist haariger ältlicher Herr am Keyboard mit Begleitautomatik sitzt und schon damals fade dreißig Jahre alte Schlager leiert (und dafür Applaus bekommt, weil er schließlich mehr kann als eine Aufnahme abzuspielen, sogar dann, wenn er genau das tut)?
Genau diese Funktion hatte bis in die 70er Jahre alleine das Akkordeon.
"Können wir uns die Blaskapelle oder die Saitenmusi leisten oder nehmen wir den Quetschnspieler?" war die (zurecht abwertende) Frage.
Das Problem war selten, dass es keine oder keine geeigneten Stücke fürs Akkordeon gab, sondern dass ausnahmslos jedes aktuelle Lied landesweit massenweise von Akkordeonspielern rauf und runter gespielt wurde, mitunter verstümmelt bis zum geht nicht mehr.
Eine andere Ursache für den schlechten Ruf des Akkordeons sehe ich nicht.
Am Instrument bzw. seinen fehlenden Möglichkeiten zu zweifeln, ist grundfalsch.
In vielen Musikrichtungen, die aufkamen, seit es Harmonikainstrumente gibt, war anfangs keines dabei, aber nach einiger Zeit war das Harmonikainstrument der Platzhirsch.
Seine überragenden Eigenschaften und Fähigkeiten haben eine Karriere als Fastfood-Instrument ermöglicht, wie keinem anderen Instrument (bis zum Keyboard).
Ein Instrument, das einem einzelnen Musiker die Möglichkeit gibt, es mit einer/einem ganzen Combo, Kapelle, Orchester aufzunehmen, macht sich immer Feinde.
Man kann ihm nur nicht vorwerfen, dass es oft den kürzeren zieht, sondern muss anerkennen, dass das eine Riesenleistung vom Instrument ist.
Sonst macht man ihm nämlich den Erfolg durch seine Leistung zum Vorwurf.
Und nur weil jahrzehntelang so viele weniger talentierte Laienmusiker aus gutem Grund auf das Akkordeon setzten, heißt das überhaupt nicht, dass ein Akkordeon nichts für Spitzenmusiker ist.
Und auch die Spitzenmusiker können dem Akkordeon seine Erfolgsgeschichte als Masseninstrument nicht vorwerfen, denn viele würden es ohne seine weite Verbreitung nicht spielen und deren Zuhörer es nicht kennen.
Welche Weltklassespieler irgendeines Exoteninstruments haben denn bei uns überregionalen Erfolg?
Ich frage mich also, was ihr vom Akkordeon in Deutschland eigentlich erwartet, und ob diese Erwartungen nicht irgendwie unrealistisch sind.
 
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Als Zuhörer der Akkordeon-Wettkämpfe in Trossingen durfte ich erfahren, dass es eine ganze Menge Akkordeon-Originalliteratur gibt, aber ich muss zugeben, dazu fehlte mir der emotionale Zugang. Trotzdem finde ich es beeindruckend und zolle den Teilnehmenden meinen höchsten Respekt für Ihre Ausdrucksstärke, Virtuosität und Ihr Können.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ich finde es völlig normal, z. B. Klaviermusik auf das Akkordeon zu adaptieren, schließlich tun das Spieler anderer Instrumente genauso. ...und ich finde, es soll gar nicht genauso klingen wie z. B. Klavier, sondern ich möchte versuchen, durch die Möglichkeiten des Akkordeons andere Facetten und Nuancen eines Stückes zu entdecken, vielleicht sogar zu betonen.
 
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