Komposition-wie beginnen?

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bluestime
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Hallo
kurz zu meiner Person: ich spiele seit ungefähr 4 Jahren Jazzgitarre, 5 Jahre Viola und seid einem halben Jahr (wieder) intensiv Klavier. (Bachinventionen...)
Musiktheorie bin ich ganz fit: Sikora-Jazzharmonielehre...
Improvisation ist für mich auf der Gitarre auf jeden Fall kein Problem.
Vorerfahrungen habe ich auch schon im Schreiben von 4 stimmigen Chorsätzen.

Um mich wieder musikalisch weiterzubilden möchte ich gerne mit komponieren beginnen; nicht das es nur ne fixe idee ist, Noten schreiben etc. macht mir echt Spaß...
Ich habe mir schon ein paar Melodien ausgedacht und diese auf dem Klavier gespielt...es geht entweder in die Jazz oder Filmmusikrichtung. Nur leider sind es auch oft "Kindermelodien" im
Fünftonraum.

Ich hätte jetzt gerne Tipps, Buchempfehlungen...
Wie soll ich erstmal beginnen, habe oft das Gefühl, dass etwas gut ist ; ich dann aber übers Ziel hinausschieße und ich zum Schluss nicht mal mehr die gute Melodie weiß...
 
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Fastel
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Manchen hilft es sich ein Schema (nicht F) auszudenken und sich an dieses zu halten. Wie eine Backform die man mit Inhalt füllt. Manche sagen "das schränkt zu sehr ein" - andere "dabei verliere ich nie den Faden".
Da ich selbst auch gerne den Faden verliere und einfachste Sachen am Ende bis zum Mond und wieder zurück komponiert erscheinen hilft es mir auch wenn ich mir selbst eine Vorgabe gebe.
Allerdings habe ich auch schon mit dem "immer grade weg so wie es kommt" Prinzip was gutes hinbekommen. Wobei man auch da als Hörer dann oftmals nicht weiß wo die Reise hingeht - wenn schon der Komponist es nicht wusste. Das muss ja aber nichts schlechtes sein solange es gewollt ist.
Das gilt allerdings eher für den Klassik/Orchesterbereich der nicht Filmgebunden ist.

2 fertige getrennt ausgearbeitete Ideen konnte ich selten zusammenbringen und werde wohl in Zukunft auch nicht mehr Zeit mit dem Versuch verbringen.

Was die Melodien betrifft: oftmals hilft es ein Versetzungs/Auflösungszeichen an ungewohnter stelle zubringen um der bekannten Melodie im WIederholungsfall eine (vielleicht auch für Dich/Deine Vorstellung) unerwartete Wendung, vielleicht in eine Neue Harmonie zu bringen.
Wenn man noch kein super erfahrener Komponist ist, und sich die Noten noch nicht automatisch im Kompf in Musik umwandeln kann man mit diesem Experiment zufällig gute Ergebnisse erziehlken. Die Melodie klingt dann anfangs falsch/schräg, das könnte sich dann aber mit einem geschickten Setzen der Harmonie in wirklich interessante Musik auflösen. So richtig falsch kann man melodisch eigentlich nichts machen, zumindest wenn es nicht das Ziel ist altbacken zu klingen :D
=> siehe Zwischendominanten / Sekundärdominanten

Ansonsten bleibt wie immer der Tip sich viel Musik anzuhören und natürlich zu lesen. Jeder hat Vorbilder und lernt von ihnen.
Kennst Du das schon?
http://www.youtube.com/watch?v=_HB6oWcwqHs
http://www.youtube.com/watch?v=nFj9NSh6x90
 
HaraldS
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Hallo bluestime,

willkommen im Musiker-Board!

Um mich wieder musikalisch weiterzubilden möchte ich gerne mit komponieren beginnen; nicht das es nur ne fixe idee ist, Noten schreiben etc. macht mir echt Spaß...
Ich habe mir schon ein paar Melodien ausgedacht und diese auf dem Klavier gespielt...es geht entweder in die Jazz oder Filmmusikrichtung. Nur leider sind es auch oft "Kindermelodien" im
Fünftonraum.
Ich hätte jetzt gerne Tipps, Buchempfehlungen...

Komponieren ist auf ganz unterschiedliche Arten möglich...Songwriting, Noten schreiben, Aufnahmen machen... entscheidend ist, was du als Ziel anstrebst. Danach richten sich die Maßnahmen.

Ich kann nur dazu raten, für echte Musiker zu schreiben - das schult ganz extrem, denn man hat direkte Rückmeldungen aus der Praxis. Wenn du also langfristig Filmmusik schreiben willst, solltest du dich mit Orchesterkomposition beschäftigen (Mancini - Sounds and Scores, eines meiner Lieblingsbücher ... ;)). Allerdings ist Orchesterkomposition auch die Königsdisziplin, die viel voraussetzt.

Wie gesagt, schreib für echte Musiker. Also nimm dir ein paar Texte, z.B. Gedichte, und vertone die. Du könntest Chorlieder komponieren und dir einen örtlichen Chor suchen, dessen Leiter du diese Stücke vorschlägst. Das ist ohne große Hürden möglich. Auch wenn es andere Laienensembles gibt, die in Frage kämen: nutze die Chance. Schreib für Blasorchester, Posaunenchöre, Musikschulensembles, Rockbands usw. . Hauptsache, deine Werke werden von echten Musikern unter realen Bedingungen aufgeführt, denn diesen Realitätscheck braucht jeder Komponist. Mit selbstgemachten Studioaufnahmen kann man das nicht ersetzen.

Du wirst dich auch vermutlich auf einen oder mehrere Stile konzentrieren wollen. Je genauer du die Geschichte, Konventionen und Regeln dieser Stile kennst, desto besser kannst du entsprechend schreiben. Komposition beginnt immer mit bewusster oder unbewusster Analyse - man findet heraus, nach welchen Regeln und Gesetzen Musik üblicherweise funktioniert. Man lernt Hörgewohnheiten kennen, um mit ihnen umzugehen. Man sollte Orchesterinstrumente kennen und möglichst viele mal selbst in der Hand gehabt haben. Es ist extrem hilfreich, gut Klavier zu spielen, um Vorstellungen schnell umsetzen zu können. Wenn dir ein Einfall kommt, sollte es bis zum Festhalten als Skizze nicht lange dauern, sonst ist der Einfall weg. Klavierunterricht ist eine gute Hilfe für Komposition. Wie gut spielst du jetzt Klavier?

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist der Notensatz, denn hauptsächlich über dieses Medium kannst du dich anderen Musikern mitteilen. Ich kann nur dazu raten, eine schnelle Handnotenschrift zu lernen, und dazu den variablen Umgang mit einem möglichst ordentlichen Notensatzprogramm.

Das sind 'ne Menge Lernfelder auf einmal, wenn du Details brauchst, frag zu konkreten Dingen nach...

Harald
 
bluestime
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Ich danke erstmal für die informativen Antworten:)
Also ich schreibe gerade an einem Chorsatz, den ich evtl. dann mal mit einem Chor einstudieren werde.
Ein Problem sehe ich leider in meinem Theoriewissen; ich bin in der Lage fertige Noten zu analysieren,weiß mit welcher Skala ich improvisieren müsste...wenn ich jetzt aber selber erstmal eine Melodie mir ausdenke scheitert es oft an der Harmonisation...oft habe ich auch das Gefühl "nicht schon wieder diese primitive Akkordfolge"
Vlt. wäre es eine Option mir erst einmal meine Melodien auf Papier zu bringen...dann fällt es mir mit der Harmonisation schon mal leichter, aber ich glaube daran wird jetzt erstmal gearbeitet...
 
turko
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Hi Bluestime,

ich weiß ja nicht, wieviel Zeit Du hast ... aber das richtige wäre wohl, intensives Gehörtraining. (Und damit meine ich keine Trockenübungen wie Intervallhör-Übungen) Denn DAS baut Dir Deinen eigenen musikalischen Wortschatz auf, und fördert die Fähigkeit, sich Klänge VORSTELLEN zu können. Und dran scheitert es offenbar noch ... denn jeder versiertere Musiker DENKT MELODIE UND HARMONIE GEMEINSAM, als zwei Gestalten der an sich selben Sache.

Es geht also nicht um (fehlendes) Theoriewissen, sondern um die innere Klangvorstellung. Die kann man sich erarbeiten ... ist aber mühsam und langwierig.

LG, Thomas
 

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