Das Zakk Wylde Overdrive ist eine eigene Welt. Darum kommt es hier oft auch zu Verwirrung. Für ein Overdrive hat es recht große Gainreservern.
Als Booster im klassischen Sinne kann man es natürlich auch einsetzen. Aber ein Overdrive als Booster funktioniert fast hauptsächlich über den Lvl/Volume Regler. Der Gainregler bleibt dabei zu, oder bewegt sich irgendwo zwischen 7 und 9 Uhr Stellung. Als klassischer Overdrive Booster klingt es übrigens richtig bescheiden, zumindest in meinen Ohren.
Es ist nicht konzipiert, um das Signal in seiner Stärke zu boosten, welches dann in einen angezerrt übersteuerten Röhrenamp zu gehen. Es ist konzipiert, einen satt übersteuerten Röhren Amp noch dreckiger zu machen. Beim Booster würde das Signal verstärkt werden, so dass die Röhren des Amps durch das stärkere Signal noch stärker Zerren. Die große Stärke des Zakk Wylde OD liegt aber darin, vorher schon richtig dick zu verzerren und im Anschluss noch im bereits stark verzerrten Ampsound "Platz" zu finden. Die eigentlich typische und auch am besten einzusetzende Reglung des Gain Reglers ist dabei voll aufgerissen.
Hierfür ist eine moderat bis stark eingesetzte Tonveränderung notwendig, sonst klingt diese doppelte starke verzerrung ziemlich eklig. Das Zakk Wylde scooped sehr stark die Mitten, was diesen sahnigen Charakter bewirkt. Doppelte harte Zerrung klingt besonders im Mitten und auch Höhenbereich richtig scharf(also tut weh). Außerdem findet man hier dann auch die Nebengeräuschfabrik, warum dieser doppelte Zerreinsatz meistens nicht funktioniert.
Im Einsatz mit einem Cleanamp oder nur sehr schwach angezerrten Amp funktioniert es sehr gut, aber füttert man einen gut verzerrten Röhrenamp damit, dann erzeugt man ne ziemlich dicke Wand aus Sound und Sustain.
Zakk Wylde ist dafür bekannt, dass er sich entgegen weit verbreiteten Regeln bewegt, und einen satt verzerrten
Marshall* früher noch mit Distortiontertern angefeuert hat. Inzwischen gibt es dieses maßgeschneiderte Overdrive, welches vom Zerrgrad durchaus auch als Distortionbox durchgehen könnte. Beim Kauf sollte man sich aber klar sein, dass man einen recht starken Equalizer mit einer typisch Black Label Society Einstellung mitgekauft hat. Und dieser Eigencharakter ist auch über den Toneregler nicht mehr korrigierbar.
Im Bereich Grunge und Punk ist das Ding meiner Meinung nach vollkommen fehl am Platze. Gut, das ist von meiner Seite aus wieder Schubladendenken, aber der satte Hardrocksound a la Zakk Wylde fühlt sich überhaupt nicht grungemäßig an. Dann lieber etwas, das ein wenig besser differenziert. Die erwähnte Mi Audio Crunchbox ist ein Distortionpedal, welches Distortionuntypisch wenig sägt. Vorbild ist glaube ich wieder ein
Marshall* Amp und könnte genau das richtige sein. Am Budget vorbei geschossen wäre das fultone OCD. Ein recht gainstarkes Overdrive, welches ich immer wieder empfehle. Für wenig Geld könntest du bei den Big Muffs fündig werden. Hier gibt es inzwischen so viele verschiedene Variationen, da lohnt der Weg zum Musikgeschäft.