Ich lese da mehrere Missverständnisse raus.
h habe vor ca. 20 Jahren Soli ... Ton für Ton versucht nachzuspielen. ... dass es mir nicht so viel gebracht hat
Du bist Autodidakt, richtig? Das Nachspielen von Soli wird nicht nur von Dir falsch verstanden. Mir ging das früher auch so. Es geht dabei nicht um 1:1 kopieren, sondern darum, Elemente und Stile kennenzulernen. Ob und wie man die dann in seinem eigenen Spiel verwendet, ist eine ganz andere Frage.
Wenn man den Faust liest und sich damit beschäftigt, wird man danach auch nicht in Goetheschen Versen sprechen - aber in manchen Dingen ein vertieftes Sprachverständnis haben.
Genauso ist das in der Musik, wenn Du mal "funky" spielen kannst, "bluesy" oder eine Balladenstimmung ausdrücken. Das ist Handwerkszeug, keine Schablonen.
Sie möchten jemand sein, der sie nicht sind.
Natürlich möchte jeder so gut spielen wie er kann, oder eigentlich auch viel besser. Da würde ich mich auch einreihen
Aber ich denke nicht, dass man die innersten Gefühle anderer Leute so erkennen kann.
An der Körpersprache irgendwelche Sachen abzulesen würde ich weder mir noch Dir zutrauen. Bzw. geht das schnell nach hinten los, das bringt nix, vor allem wenn es so negativ ist.
Ich sehe da auch keinen Sinn drin, zu überlegen, was andere
falsch machen. Denk darüber nach, was
Dir Spaß macht, was Du können willst, und wie Du da am besten hinkommst, und wer/was Dir dabei helfen kann.
Und kaum jemand außer die ganz ganz großen Talente kam ausschließlich autodidaktisch dahin. So gut wie alle die ich kenne haben ein Studium durchlaufen, hatten Lehrer, Mentoren, Vorbilder, haben Meisterkurse besucht usw.
Auch da ist natürlich nicht das Ziel, das nachzumachen, was der Meister macht. Aber ein guter Lehrer zeigt Dir einfach eine Menge Dinge, kann Verständnislücken schließen, Dich auf den richtigen Weg bringen.
Vielleicht geht das auch ausschließlich autodidaktisch, aber da fehlt eben der rote Faden und es geht gefühlt Faktor 10 langsamer. Eigene Erfahrung.
Da Du es ja nicht beruflich machen willst und nur Deinen eigenen Anspruch hast, bist Du natürlich völlig frei in Deinem Weg und was Du machen willst.
Wenn ich z.B. erkennen müsste, dass mein Weg der von einer einfachen Pentatonik ist, und ich darin mein Wesen erkenne, dann ist es der Weg, den ich gehen muss.
Auch dann kann es nicht schaden, mal über den Tellerrand zu schauen. Im Sinne einer umfassenden humanistischen Bildung.
Natürlich spricht nichts dagegen, sein Leben lang mit "einfacher" Pentatonik zu spielen. Ich kannte eine Grafikerin, die hat immer nur mit Bleistift Motive aus Wäldern ihrer Umgebung gezeichnet, und das meine ich nicht negativ. Das sind wunderschöne Bilder. Aber ganz sicher hat sie ursprünglich auch anderes trainiert, und bestimmt malt man Bäume besser, wenn man auch mal einen Krug oder einen Hasen gezeichnet hat und dabei zB Techniken, räumliche Verhältnisse und Proportionen besser kann. Nur mal so als Beispiel.