War die "gute alte Zeit" wirklich so viel besser oder was vermisst ihr von damals?

Hab ein wenig quer gelesen und muss mal eine Lanze für die HipHop/Rapszene brechen. Diese fühlt sich für mich aktuell authentischer an als die Bandszene.
Bei den Bands geht es immer mehr um Ausenwirkung außerhalb der Musik. Ich beobachte immer mehr Bands die eher Merch, Logo und teure Clips haben, statt guter handgemachter Musik. Teilweise gibt es meilenweite Unterschiede zwischen Spotify Profil und Bühnen Performance.
So gesehen waren Bands früher besser, weil da war Social Media zweitrangig oder nicht vorhanden. Wobei die Veranstalter die Schuld mit tragen, inzwischen wird eher nach Instagram Profil statt nach Musik gefragt.

Während die Rapper ziemlich stabil ihr Zeug abliefen und mehr Wert auf Inhalt/Performance setzen.

So, wäre dann meine Pauschalisierung zu der Thematik gewesen...
 
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Das mag sein - aber das wird dennoch kaum etwas sein, das einem sagen wir mal Mittfünfziger, Hiphopper der ersten Stunde irgendwie die Schamesröte und Gesicht treibt oder ihn provoziert.
Dass nicht jeder jede Musikrichtung mag, ist klar. Aber Hiphop ist eigentlich längst keine Jugendkultur mehr, sondern gehört seit fast einem halben Jahrhundert zum musikalischen Establishment - das meine ich.
Früher hat jede Generation (zumindest jede politisch aufmüpfige Generation) ihre Abgrenzung auch musikalisch ausgedrückt und dabei neue Stile erschaffen. Da sehe ich irgendwie gerade nichts, was es nicht schon ziemlich lange gibt. Sowas bahnbrechende neues wie damals Punk oder Grunge ist heute nicht in Sicht...
Danke. Hip-Hop gibt es seit den 70ern. Ihn als das neue Ding der Jugend zu bezeichnen, ist von gestern ;)

Vielleicht hat diese Musik aber etwas, das unser Rock nicht mehr bringen kann - und was dafür sorgt, dass diese Musik immer noch als jung und wild gilt. Obwohl sie praktisch genauso alt ist wie Metal.
 
Zumal HipHop nicht gleich HipHop ist. Das, was wir als nicht HipHopper im Allgemeinen so zu hören bekommen, ist doch meist dieser Proll- und Bling-Bling-dicker-Benz-Rap der schlechten Sorte. Es gibt richtig guten, ernstzunehmenden HipHop, der findet aber nun mal nicht im Mainstream statt. Ich kenn mich da auch nicht gut aus, mein Basser allerdings schon...
 
Als würde man sagen: Helene Fischer ist ja auch Rock, da stehen Gitarren auf der Bühne.
 
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Eins vermisse ich an der guten alten Zeit: Subjektiv hat man sich früher nicht so sehr über Sound definiert wie heute, sondern hat eher Ideen und Energie bewundert.

... und früher konnte man sich - wenn man irgendwas Neues gelernt hatte - auch einfach mal trauen, das im Bekanntenkreis vorzuführen, ohne sofort ein müdes Gähnen zu kassieren.
Heute sind alle von YouTube und TikTok so dermaßen von musikalischen Höchstleistungen verwöhnt, dass ein Anfänger oder auch ein ein nur so halbwegs guter Instrumentalist sich kaum noch traut, sein Zeug jemandem vorzuspielen.

Scheinbar sind "alle" so unglaublich gut und so dermaßen cool, dass das gute alte "Hör mal: Ich hab mir ein Riff von meinem Kumpel abgeguckt" absolut keinen Eindruck mehr macht. Ausnahme: Man spielt das so extrem gut, dass direkt irgendwer seine Handykamera draufhält ;)

Es wird so oft gesagt, dass die jungen MusikerInnen - oder die, die es erst werden wollen - heute sooo viele Möglichkeit haben.
Das stimmt. Die schiere Masse an scheinbaren oder tatsächlichen Supertalenten kann aber für ein Kind oder für einen Jugendlichen auch ziemlich erdrückend sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht wenige gerade deshalb irgendwann die Lust verlieren.
 
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Es wird so oft gesagt, dass die jungen MusikerInnen - oder die, die es erst werden wollen - heute sooo viele Möglichkeit haben.
Das stimmt. Die schiere Masse an scheinbaren oder tatsächlichen Supertalenten kann aber für ein Kind oder für einen Jugendlichen auch ziemlich erdrückend sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht wenige gerade deshalb irgendwann die Lust verlieren.
Die Phase der Jugendlichkeit ist generell von hoher Risikobereitschaft und einem starken Vorhandensein von sowohl Minderwertigkeitsgefühlen als auch Größenwahn gekennzeichnet. Sonst würde man überhaupt keine Traute haben, sich dem anderen Geschlecht zu nähern, obwohl man denkt, dass man wie ein Toastbrot aussieht. Dinge nicht zu machen, weil tausend oder Millionen andere sie schon können oder besser können oder schlicht, weil sie schon da sind, ist keine Option.

Man macht sie, weil man sie machen will, weil man sich ausprobieren will, weil man die geheime Hoffnung nährt, der nächste geile Scheiß zu sein, weil man beeindrucken möchte oder weil man sich schlicht einen Scheiß darum kehrt, was andere dazu sagen.

Jugendliche sind mit den sozialen Medien sehr vertraut und oft kompetenter als Erwachsene sie sehen. Sie wissen, dass man sich mit Photoshop, Filtern und ähnlichem Zeugs schöner, schlanker und begehrter machen kann. Dass generell ein kritischer Umgang mit Medien noch gesteigert werden kann - okay. Und dass influencer und weitere Beeinflussungen wirken - auch zugegeben. Aber das liegt auf dem Level der damaligen Bravo und wenn man sich Filme von Auftritten der Beatles oder Stones anschaut, dann wage ich mal locker die These aufzustellen, dass die Auswirkungen von Musik, Medien und Fan-Sein in der damaligen Zeit mindestens gleichauf lagen.

Ich glaube, dass der Eindruck, dass Jugendliche weniger Musik machen (als Ausgangspunkt von Thesen, warum das so ist) damit zu tun hat, dass man in die Ecke handgemachter Rockmusik guckt. Die angesagte jugendaffine Musik spielt sich aber in anderen Genres ab und wird anders praktiziert und woanders gezeigt. Möglicherweise ist es auch einfach angesagter, auf TikTok viral zu gehen, seiner homebase was zu zeigen oder sich fifteen minutes fame abzuholen als ne Band zu gründen und irgendwelche Charts zu stürmen. Was im metal-Bereich aber durchaus auch massenhaft vorkommt. Dazu kommt die Option homerecording.

x-Riff
 
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@x-Riff
Dem kann ich mich nur vollumfänglich anschließen.
Bitte den Thread für weitere Antworten schließen.
Wir alten Männer haben genug philosophiert 🤣
 
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🤣
 
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Hab ein wenig quer gelesen und muss mal eine Lanze für die HipHop/Rapszene brechen. Diese fühlt sich für mich aktuell authentischer an als die Bandszene.
Bei den Bands geht es immer mehr um Ausenwirkung außerhalb der Musik. Ich beobachte immer mehr Bands die eher Merch, Logo und teure Clips haben, statt guter handgemachter Musik.

Während die Rapper ziemlich stabil ihr Zeug abliefen und mehr Wert auf Inhalt/Performance setzen.
Wobei ich mal ganz frech behaupte, dass handgemachte Musik bei den Rappern auch eher die Ausnahme ist.
 
@camus mit früher meinte ich nicht 2008
aber wenn man noch jung ist, ist 2008 auch früher ;)
 
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Ach, ich bin doch hier niemandem böse gestimmt.
Ich find gut, dass es guten Hip-Hop gibt. Auch wenn ich ihn mir selbst nicht grade oft anhöre. Ich find auch gut, dass es guten Rock, guten Soul, guten Salsa, guten Techno und gute Panflötenmusik gibt. Gibt's heute, gab's früher.
Schön bunt hier....
 
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... bei "Panflötenmusik" würde ich widersprechen! Ich bin sehr froh, dass es die gute alte "Karstadt-Band" im Pseudo-Peru-Outfit zumindest bei uns hier (mangels Karstadt(!) )nicht mehr gibt ;)
Das gleiche gilt für Gheorghe Zamfir ...
 
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Meinst Du die "Wellness Indios"?
 

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