Ich probier's mal. Ich lese in diesem Unterforum hier eigentlich nicht mit, da ich Akustiker und Basser bin, aber die Probleme sind ja deswegen keine anderen. Ich habe vor 43 Jahren mit dem Gitarrespielen angefangen, war sehr davon fasziniert, wobei es noch ein anderes Hobby gab und gibt, das mir ebenso wichtig ist. Ich habe zu spät für eine Profilaufbahn (ich schreibe mal bewusst nicht "Karriere") angefangen, wollte ich aber auch nie werden, aber etwas musikbezogenes studiert. Wenngleich Musikwissenschaft mit praktischer Musikausübung ungefähr soviel zu tun hat wie Sportmediziner mit Sportausübung. Oder Fischereiaufsicht mit Angeln gehen.
Quasi mit Beginn des Studiums hat die Zeit zum Üben und Spielen nachgelassen, danach ging es in den Beruf, Berufswechsel, Kinder, Fortbildung, Familienpflege etc. In der Zeit habe ich einerseits immer wieder mal neue Instrumente gekauft (die Hoffnung stirbt zuletzt), andererseits nur auf Sparflamme selbst Musik gemacht. (Die Kinder waren und sind da deutlicher aktiver, aber in der Zeit, in der ich die zum Unterricht fahre, kann ich nicht selbst üben.) - Seit ca. 4 Jahren, mit Anfang 50, habe ich nun endlich mehr Zeit, bin ich in anfänglich 3, jetzt 2 Ensembles aktiv, mit ca. 15 Auftritten p.a., regelmäßigem Üben etc. Die 16tel bei 200bpm schaffe ich nicht, habe ich auch noch nie geschafft. Andere technische Dinge werden allmählich durch systematisches Üben besser, das geht auch mit Mitte 50 noch. Die Geschwindigkeit scheint mir die stärkste Begrenzung zu sein.
Aaaber: Ich habe in den ganzen letzten 40 Jahren sehr bewusst Musik gehört, mich mit Musik beschäftigt etc. Ich bin heute sicherlich "musikalischer" als früher, wenngleich vielleicht technisch nicht so versiert, wie es wünschenswert wäre. Aufhören war aber nie eine Idee, dazu ist Musik viel zu sehr im Denken verinnerlicht. Ich habe bis Anfang letzten Jahres auch noch nie Equipment verkauft (und dieser einzige Verkauf war davon geprägt, dass jemand ein Instrument haben wollte, das ich eigentlich als Bastelobjekt gekauft hatte). Jetzt freue ich mich darauf, (hoffentlich) irgendwann noch mehr Zeit dazu zu haben. Notfalls als Rentner... (Mein Vater hat zu seinem 60. eine Mandoline von mir bekommen. Mit der hat er noch 25 Jahre geübt und gespielt.)
By the way: Bei den meisten Profis im Musikbereich, die ich kenne, ist der Alltag von Antrag schreiben, Unterrichten, GEMA usw usf. dermaßen geprägt, dass das eigentliche Musizieren auch eher ein "Nebenjob" ist. Wenn Du viel Zeit zum Üben haben möchtest, dann werde E-Ingenieur und arbeite halbtags. Dann hast Du vermutlich dasselbe Geld, wie viele Profis, weniger Alltagssorgen und kannst Dich um Deine Musik kümmern.