Werden Musikinstrumente von Synthesizern ersetzt?

von Raisheller, 26.02.17.

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  1. Raisheller

    Raisheller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #1
    Hallo, und schönen guten Tag, liebe Musikfreunde!

    Ich würde gerne eine Diskussion starten und zwar zur im Titel stehenden Frage. Was sagt ihr dazu? Habt ihr passende Statistiken, die diese These beweisen könnte? Gegenbeweise? Gründe?
    Wie wird das Verhältnis von Musikinstrumenten zu digitaler Musik in der Zukunft aussehen?
    Mich interessiert das Thema, ich würde gerne Eure Meinung dazu erfahren!

    Liebe Grüße
    Raisheller
     
  2. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #2
    Das war Ende der 70er, als sich Synthesizer ausbreiteten, mal eine Befürchtung, nämlich daß alle traditionellen Instrumente durch den Synthesizer verdrängt werden – und die Musiker gleich mit, weil mal jemand gesehen hat, wie ein Synthesizer "von ganz alleine" (also per Sequencer) gespielt hat.

    Die einzige Gefahr heutzutage ist nicht mehr der Synthesizer als richtiges Hardware-Instrument zum Anfassen, sondern der Computer mit entsprechender Software drauf. Und selbst da ist die Gefahr gering, daß dadurch wirklich langfristig nichtelektronische Musikinstrumente ganz ersetzt werden, zumal dieses Ersetzen nur im Studio stattfindet und mitnichten live. Abgesehen davon besteht das meiste davon sowieso aus fix und fertigen Samples, also digitalen Aufzeichnungen der Originalinstrumente, so daß Synthese zumeist kaum bis gar nicht stattfindet.

    Im orchestralen Bereich gibt's gigantische Sample-Libraries wie die gigantisch große, leistungsfressende und horrende teure Vienna Symphonic Library. Die macht aber mitnichten echte Orchester überflüssig. Sowas wird zumeist zum "Skizzieren" eingesetzt, d. h. Filmscores und dergleichen wird erstmal mit der VSL eingespielt, damit vorab schon mal eine Idee rüberkommt, wie das dann fertig klingen wird. Die fertige Fassung wird dann von einem echten Orchester eingespielt. Aber wie gesagt: Mit Synthesizer hat das nichts zu tun.

    Zugegeben, man hört auch in Popmusik und R&B/Soul/etc. immer wieder Bläser- und Streichersachen. Diejenigen, die es sich leisten können, nutzen da heute noch the real thing. Diejenige Musikerklasse, die es sich heute nicht leisten kann, konnte es sich noch nie leisten. Das gilt auch für Coverbands: Die Band-Preisklasse, wo heute der Keyboarder die Streicher von seiner Fernost-Workstation abfährt, hatte vor 50 Jahren einen Keyboarder, der die Streicher von einem Mellotron abfuhr. Heute sind die Streichersounds digital und liegen in einem ROM, damals waren sie analog und lagen auf 32 Tonbändern. Das Prinzip war dasselbe.

    Für Bläser gilt das Ganze noch mehr. Vor 50 Jahren klangen die Hörner vom Mellotron scheiße. Vor 40 Jahren klangen die Hörner von der Stringmachine scheiße. Vor 35 Jahren klangen die Hörner vom Analogsynthesizer scheiße. Vor 30 Jahren klangen die Hörner vom DX7 scheiße. Seit 30 Jahren klingen samplebasierte Hörner scheiße. Warum verwendete man sie damals und verwendet sie heute noch? Weil jeweils der Einsatz echter Hörner nicht in Frage kam und kommt. Wenn man irgendwie echte Bläser auffahren konnte und kann, dann tat und tut man das auch.

    Heutzutage sehen Rockmusiker mit Argwohn immer neue virtuelle Drummer, Bassisten und Gitarristen in Software-Form aufpoppen. Auch hier wieder: keine Synthesizer. Das ist zumeist Software für den mehr oder minder ambitionierten Amateur. Der Sologitarrist, der für seine Ideen keine Band zusammengekratzt kriegt, holt sich einen Software-Drummer und -Bassisten ins Haus. Auftreten wird er damit mit großer Wahrscheinlichkeit nie. Drum-, Baß- und Gitarrensoftware zusammen wird gelegentlich in härteren elektronischen Genres eingesetzt, wo die Offensichtlichkeit, daß da keine Menschen spielen, tatsächlich als Feature angesehen wird.

    Auf der Bühne wiederum wirst du kaum jemals einen Sänger sehen, der seine Band in Softwareform auf einem MacBook mitbringt. Fast-Vollplayback ist im Rockbereich so unsexy, wie es nur geht. Außerdem kann er statt des Klapprechners auch einen MiniDisc- oder MP3-Player mit den fertigen Downmixes minus Gesang ans Pult hängen.

    Das einzige, was wirklich im großen Stil durch moderne elektronische Musikinstrumente ersetzt wird, ist – jetzt kommt's – alte elektromagnetische oder elektronische Musikinstrumente. Und auch hier ersetzen Synthesizer nur Synthesizer. Statt eines 1979er Sequential Circuits Prophet-5 hat man meinetwegen einen aktuellen Dave Smith Instruments Sequential Circuits Prophet-6. Statt eines 1972er Moog Minimoog Model D hat man einen aktuellen Moog Sub-37. Noch häufiger werden live gleich Dutzende verschiedene Synthesizermodelle von 1967 bis 1986 von einem einzigen virtuell-analogen Synthesizer ersetzt. Oder die ohnehin vorhandene Workstation erschlägt das alles mit. Je nach Anspruch des Musikers und dessen Willen zum Aufwand.

    Und was im elektrisch-aber-nicht-elektronischen Bereich so an elektronischen Surrogaten im Livebereich unterwegs ist, kann ich auch nicht als Synthesizer bezeichnen. Es gibt sie aber trotzdem. Niemand würde heute noch eine Hammond B-3, ein Leslie 122, ein Rhodes Mk 2, ein Wurlitzer 200A, ein Hohner Clavinet D6 und ein Mellotron M400 auf die Bühne wuchten (lassen). Das sind teure Sammler- und Museumsstücke, die sind alt, die sind jahrzehntelang gespielt worden, die sind groß und schwer und wartungsanfällig, und wenn sie in einem Zustand sind, in dem sie nicht ständig in die Werft müssen, sind sie so horrende kostspielig, daß sich niemand trauen dürfte, damit zu touren. Lösung: Die ganzen Tasteninstrumente ersetzt man durch ein Clavia Nord Stage, das auch mit 88 Tasten leichter ist als jedes einzelne davon, und das Leslie ersetzt man durch einen Neo Ventilator.

    Wohlgemerkt: Im Studio gibt's auch diese Ersatztendenzen nur wenig. Und wenn, dann wird wieder durch dedizierte Software ersetzt und auch das nur dann, wenn man an das Original ganz einfach nicht herankommt. Wer eine Hammond nebst Leslie oder ein Rhodes hat, der setzt das auch im Studio ein.

    Aber die Annahme, daß sich alle Welt einen Synthesizer hinstellt und damit eine ganze Band oder ein ganzes Orchester ersetzt, ist kompletter Unsinn. Ja, eine Workstation Baujahr 2017 hat qualitativ bessere Nachbildungen akustischer und elektrischer Instrumente als ein Tapekeyboard Baujahr 1967 oder ein Analogsynthesizer Baujahr 1982. Aber mit den besseren Möglichkeiten kam auch ein genaueres Hinhören und ein gestiegener Anspruch.

    Im Imitieren nichtelektronischer Instrumente sind Synthesizer aller Art nach wie vor das, was sie schon immer waren: ein Notnagel.


    Martman
     
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  3. sonicwarrior

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    Erstellt: 26.02.17   #3
    Das kannst Du Dir ganz schnell selbst beantworten: Synthesizer gibt es seit Mitte der 1960er kommerziell erhältlich. Flöten, Gitarren, Schlagzeuge und Co gibt's aber trotzdem noch. Außerdem SIND Synthesizer Musikinstrumente.
     
  4. blechgitarre

    blechgitarre Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #4

    Danke für den informativen Artikel, da konnte ich was lernen.
    Interessant wäre es ob ich den Unterschied zwischen einem gesampelten und einem richtigen Orchester bemerken würde.
    Aber da ich Musik von Symphonieorchestern eh nicht sehr mag wäre mir ziemlich egal ob da echte Musiker spielen.
    Bei meinen geliebten E Gitarren wollte ich aber keine Computer, selbst wenn die irgendwann sogut wären, dass ich keinen Unterschied merke,
     
  5. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #5
    Behaupte das im Streicher-Unterforum, und du wirst eine Menge Gegenwind kriegen. Oder anderswo in Kreisen klassischer oder anderweitig akustischer Musiker.


    Martman
     
  6. _pole

    _pole Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #6
    Gute Zusammenfassung, Martman. Du hast speziell über das 1:1-Ersetzen geschrieben. Und ja, das geht meistens schief. Aber die Eingangsfrage war etwas weiter gestellt. Es gibt durchaus Synthesizer, die die Funktion eines anderen Instruments übernehmen können. In meiner Band haben wir Songs, in denen wir keinen Akustikbass haben. Stattdessen spielt der Bassist dann einen Synthesizer, weil er eben anders klingt. Und eine Drummachine ist schon lange kein Schlagzeugersatz mehr, sondern ein eigenständiges Instrument, das musikalisch eine ähnliche Funktion erfüllt.

    Naja. Zum Glück sind nicht alle Instrumentalisten und Fans aus diesen Bereichen so drauf. Sonst gäbe es nicht all die interessanten Stile, die von der Kombination akustischer und elektronischer Instrumente leben.

    Wenn es hier darum geht, welche Auswirkung Synthesizer auf die Musik haben, dann wäre tatsächlich eine Studie darüber interessant, wie viele Menschen welche Instrumente spielen. Eine Behauptung, die ich mal so ganz ohne Beweise machen würde: Die Klangvielfalt in der Musik ist durch Synthesizer viel größer geworden.
     
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  7. Martman

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    Erstellt: 26.02.17   #7
    In diesen Fällen treten elektronische Instrumente aber nicht als Surrogate von nichtelektronischen in deren natürlichen Umgebungen auf.

    Zugegeben, bei ABBA, der wohl ersten modernen Popband, wurde dieselbe Art Arrangement ziemlich schnell von Orchestern auf Synthesizer umgestellt. Aber um dieselbe Zeit herum entstanden für elektronische Musikinstrumente ganz neue Stile und Genres, die eigens für diese Instrumente kreiert wurden. Synthesizer, Sampler, Drummachines usw. schufen sich spätestens ab den 80ern ihre eigenen Lebensräume, in denen man sich an ihrer Stelle mitnichten akustische Instrumente vorstellen könnte.


    Martman
     
  8. _pole

    _pole Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #8
    Genau, sag ich ja. Du hast die Eingangsfrage so verstanden, dass mit "Ersetzen" ein Surrogat gemeint ist. Ich habe vermutet, dass die Frage einen etwas weiteren Blick meinte und auch Situationen mit einschließt, in denen Synthesizer die Rolle eines anderen Instruments übernehmen, ohne zu versuchen, diese zu imitieren.
     
  9. alexanderjoseph

    alexanderjoseph Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #9
    Ich gebe zu bedenken, das Synthesizer und Sampler zwei unterschiedliche Instrumente sind.
     
  10. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.17   #10
    Das stimmt, aber sie konnten im selben Genre, das es zu rein akustischen Zeiten so noch nicht gab, wunderbar koexistieren. Ich erinnere nur an den Italo Disco der frühen 80er, wo auch schon mal das vollanaloge, spannungsgesteuerte Schlachtschiff Jupiter-8 Seite an Seite mit dem Jetzt-aber-wirklich-Volkssampler Emulator II antrat, untermalt mit den festgebrannten Schlagzeugsamples einer LinnDrum.


    Martman
     
  11. Froschkapitaen

    Froschkapitaen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.03.17   #11
    Werden Musikintrumente von Synthesizern ersetzt?


    Nein.
    Synthesizer sind Musikinstrumente
     
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  12. bluebox

    bluebox HCA Keyboard HCA

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    Erstellt: 01.03.17   #12
    Ich wollte hierbei noch eine andere Sichtweise anfügen: Es gibt durchaus Anwendungen in den Synthesizer/Sampler/Computer (wie du die Kisten nennst, ist hier erstmal egal) Natur-Instrumente ersetzen.
    Und zwar in vielen kleinen Musical-Produktionen. Hier werden oft 4-5 Streicher durch eine oder zwei Workstations ersetzt - das Publikum merkt davon wenig bis gar nichts. Oft gibt es je Stimme ein Naturinstrument, der Rest kommt "von irgendwo her".
    Ist das gut ? Für die "wegrationalisierten" Musiker natürlich nicht, für die Kosten der Produktion schon. Hier muss nun jeder selbst entscheiden wie er es sieht.

    ciao

    bluebox
     
  13. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 01.03.17   #13
    Ich hab mal den Rechtschreibfehler im Titel korrigiert (das fehlende 's'), und dachte dabei eigentlich, dass der Titel korrigiert werden müsste, denn ein Synthesizer als solches, ist im Grunde - wie schon mehrfach erwähnt - ein Musikinstrument, zumindest in vielen Genres.
    Vermutlich hätte die Frage eher heißen sollen, ob verschiedene traditionelle Musikinstrumente durch synthetische bzw. digitale Klangerzeuger, die den Sound des Originalinstruments nachbilden können, ersetzt werden können und/oder würden.
    Die ersten Synthesizer sind sicherlich nicht zu dem Zweck entstanden. Es waren eher eigenständige und neue Sounds, die diese Geräte ausgemacht haben. Erste später, als die Klangerzeugung weiterentwickelt war, kam mehr und mehr der Aspekt dazu, dass man mit synthetischer Klangerzeugung auch Klänge nachbilden kann, getrieben durch Aspekte, dass man in einem Gerät mehrere Sounds auf kleinerem Raum bei deutlich geringerem Gewicht verwirklichen kann, was besonders für den Live-Betrieb interessant war. Ab vielleicht Mitte der 80er nahm diese Entwicklung ernsthafte Züge an, und die Qualität der Sounds wurde durch die Entwicklung der Technologien und vor allem der stetig wachsenden Speichermöglichkeiten immer besser. Von ernst zu nehmender Authentizität sind wir aber immer noch eine Ecke entfernt.
    Was @Martman aber oben schon kurz angesprochen hatte, dass solche Sonds nur zum 'Skizzieren' bzw. Vorproduzieren genutzt werden, und man für das Final Produkt dann doch 'echte' Instrumente einfliegt, ist nicht immer gegeben. Ein Bekannter, der in einem Studio arbeitet, in dem hauptsächlich Musik- und Tonaufnahmen für Werbespots erstellt werden, erzählte mir auch mal, dass sie extra Rechner betreiben, auf denen u.a. ausschließlich eine Vienna Symphonic Library läuft oder Drumsound-Library oder Gigabyte-fette-Piano Libraries. Von der Idee her für die Vorproduktion gedacht. Aber je nach Budget gibt es dann doch hin und wieder Kunden, die mit diesen Sounds durchaus mehr als zufrieden sind, weil der Laie den Unterschied zu einem 'richtigen' Orchester nicht einmal hört.
    Live ist das dann schon was anderes, wenn das Auge 'mithört'. Nichtsdestotrotz wird auch gerade Live alleine schon aufgrund des Aufwands und der Kosten gerne auf die Konserve zurückgegriffen. Alleine die Abnahme von Streichinstrumenten auf der Bühne, oder nur ein echter Flügel ist extrem aufwendig. Wobei ich hier kein reines klassisches Konzert meine, sondern die Mischung mit Band-Instrumenten.
    Schwierig ist es nachwievor noch bei Blasinstrumenten, auch bei Gitarren kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man sie mal ersetzen wird - abgesehen mal vom Dienstleistungssektor, die Alleinunterhalter-Fraktion, die immer schon etwas leidenschaftsloser waren, was die Qualität der Sounds angeht und auch wenn es um das Ersetzen von Musikern geht. Ich hab das eine Zeitlang selbst praktiziert, bin auch ohne Drummer unterwegs gewesen, weil gerade dies Soundtechnisch mit am unproblematischten war, teilweise sogar vorteile hatte, weil man die Gesamtlautstärke bei Bedarf wirklich bis auf Zimmerlautstärke herunterfahren konnte, was mit einem echten Drumset im Prinzip unmöglich ist.
    Mittlerweile möchte ich ohne Drummer nicht mehr spielen, weil mir das zu steril ist, weniger vom Drum-Sound, als vom musikalischen.
     
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  14. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.03.17   #14
    Nicht nur bei kleinen Produktionen. Am Broadway ist es gang und gäbe, mehrere Keyboarder mit voll aufgebohrten Kurzweil-Workstations hinzusetzen, die dann die Orchesterparts spielen. Genau dafür ist ja die Kurzweil PC3K entwickelt worden – weil die normale PC3 die alternden K2600S nicht ersetzen konnte.

    Vielleicht gibt's noch die Riesenproduktionen (vor allem Andrew Lloyd Webber) mit opulentem Budget, die ein echtes Orchester auffahren. Aber alles unterhalb, und das sind mitnichten alles tingelnde Krauterproduktionen, fährt "elektronische Orchester" auf.

    Ich hab die Frage eher so verstanden, daß der TE befürchtet, daß ganze nichtelektronische Instrumente aussterben werden, weil sie von elektronischer Hardware verdrängt werden.

    Und dann kam ein Walter Carlos (nein, 1968 war er noch nicht Wendy), nahm einen Moog IIIc und spielte Johann Sebastian Bach auf dem Ding. Genau da fiel das Kind in den Brunnen. Genau das – und der daraus resultierende "Klassik auf einem Synthesizer gespielt = Cashcow"-Hype der Plattenfirmen, der etliche Nachahmer künstlich hervorbrachte – schürte in Kreisen klassischer Musiker Panik. Ich meine, unter Orchestermusikern wußte niemand, was das für einen einzelnen Musiker mit einem monophonen Synthesizer für ein Aufriß ist, eine klassische Komposition zu intonieren; die glaubten, Carlos – oder noch schlimmer, der Synthesizer ohne Carlos' Zutun – hätte alles gleichzeitig in Echtzeit eingespielt.


    Martman
     
  15. sonicwarrior

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    Erstellt: 03.03.17   #15
    Haha, lol. Wenn ich daran denke wie aufwendig das schon mit meinem recht großen Eurorack ist was mehr stimmigiges hinzubekommen. Mal abgesehehen von irgendeinem Realismus und da da sind immerhin einige digitale Module drin. Von nem Moog IIc würde ich Albträume bekommen. Klaus Schulze meinte mal in nem Interview bei ihm wären die Hälfte der Oszillatoren ständig verstimmt bzw. anderweitig unbrauchbar gewesen.
     
  16. KlingtnachStrom

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    Erstellt: 03.03.17   #16
    Synthesizer, Radios usw haben seit sie es gibt den Anteil von Musikern mit "echten" Instrumenten reduziert.

    Der Prozess wird immer weiter fortschreiten.
     
  17. sonicwarrior

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    Erstellt: 03.03.17   #17
    Jetzt kommen auch noch Radios dazu?:claphands:

    Was kommt als nächstes? Smartphones? Spielekonsolen? Fernseher?
     
  18. KlingtnachStrom

    KlingtnachStrom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.03.17   #18
    Ist es etwa nicht so ?

    Kommt noch besser. Früher wurde klassische Filmmusik noch von einem echten Orchester eingespielt, heute nur noch teilweise ...
     
  19. dr_rollo

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    Erstellt: 03.03.17   #19
    Das mit dem Radio hab ich ehrlich auch nicht verstanden. War Radio eventuell als Oberbegriff für Konservenmusik gemeint? Klar reduziert Musik aus der Konserve die Notwendigkeit von Live-Musik, wenn's auch nicht generell den Musiker arbeitslos macht, da seine Musik ja schließlich irgendwann und irgendwie erst einmal auf den Tonträger kommen muss.
    Aber dies ist in der Diskussion hier OffTopic, genau wie das Thema, das DJs mehr und mehr die Livemusiker verdrängen.
     
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  20. KlingtnachStrom

    KlingtnachStrom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.03.17   #20
    Die Diskussion ist schon älter. Früher, als in den Bars und Cafés noch echte Musiker spielten, befürchtete man
    massenhafte Musikerarbeitslosigkeit, weil man befürchtete diese würde durch das Radio verdrängt, was ja auch
    letztendlich geschah.
     
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