Es gibt niemals nur einen Weg eine Sache zu erlernen.
Jedenfalls bilden Pauschalurteile, wie: "Wer es nicht kann, hat kein Talent und lernt das nie" wohl kaum die Wirklichkeit ab.
Genauso wenig müssen Lehrbücher gleich "Malen nach Zahlen" sein, sind es bisweilen zumindest teilweise. Nämlich wenn Du Stücke oder auch nur Phrasen plump nachspielen sollst. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass ich einfache Riffs, die ich bei Bluesklassikern ablauschte, später im Lehrbuch fand. Es ist überhaupt nichts schlimmes, den Blues nach einem Baukastenprinzip anzugehen (Schon der Expessionist Gottfried Benn berief sich auf den "Montagestil"). Solche Standardphrasen kann bei etwas Geduld mit dem Shuffle Rythmus jeder lernen, der ohne kommt man wohl nicht lange hin. Und wer den Shuffle schon mal kann, und ein paar Standardriffs, der bekommt auch nen Turnaround hin und der bekommt auch nen Blues hin.
-Einen entsprechend einfachen Einstieg in die Bluesgitarre auf deutsch bekommt man z.B. bei Peter Fischer (Blues Guitar Rules). Er selbst entwickelte sich aber offenbar weiter, was eine Neuauflage vielleicht sinnvoll machen würde. Auch kommt seine Herleitung der Tonleitern und ihre Anwendbarkeit, insbesondere der Dur Pentatonik etwas zu introvertiert daher und ist daher anstrengend. Man merkt, er kann es und für ihn ist alles klar...Fand ihn manchmal unnötig schwer nachvollziehbar. Stilelemente (Bending etc.), der Bluesrock und "modernere Entwicklugnen" sowie die Verjazzung werden aufgezeigt. Das Niveau steigert sich also. Auch auf open G Tuning wird eingegangen. Wer alles spielen können will, braucht irgendwann auch Fertigkeiten. Steckt also viel drin im Buch, aber der Einstieg müsste für fast jeden zu schaffen sein.
-Sau einfach und zum Einstieg vielleicht noch besser das Buch von Andi Saitenhieb "Garantiert Bluesgitarre lernen". Auch Baukastenprinzip, weniger Historie und Pipapo, dafür sehr pragmatisch, mit einem klitzekleinen aber sehr brauchbaren Einstieg in Rhytmuslehre und Synkopierung.
-Für die akustische Gitarre, oder Fingerpicking überhaupt kann ich ein sehr dünnes Heft empfehlen, dass es in sich hat: Rick Payne´s Fingerstyle Blues. Hier wird man sehr behutsam in das schwierige Feld "Mehrstimmig" spielen, Wechselbass und Melodie ran geführt. Kein Gelaber sondern Praxis. Mit einfachen stupiden Übungen geht es los, bis richtige Riffs entstehen, die dann per Dämpfung der Bassseiten u.s.w. verfeinert werden, bis hin zu Stücken, die erst schwehr erscheinen, aber mit etwas Geduld doch gelingen. Ausgehend von dem ersten mir gefälligen komplexen Riff aus dem Buch, für daß ich (wegen Mehrstimmigkeit) ca. einen Monat brauchte, kann ich mir immer eigene "mehrstimmige" Riffs drauf schaffen. Schon habe ich meine Spieltechnik erweitert. Manchmal spiele ich derart, ein anderes mal nicht. Man sollte bei manchen Stücken unbedingt der CD genau lauschen, die Tabulatur scheint manchmal nicht ganz korrekt.
Also fast niemand ist völlig unmusikalisch und "Malen nach Zahlen" kann ein Weg sein, ein guter Blueser zu werden.
Es gibt Talente und Spätentwickler...und Leute, die keinen Nerv haben, mal was durchzuziehen. Vielleicht ist Blues nix für Weicheier.
PS. Wieso Bücher neu kaufen, wenn sie häufig gebraucht für wenig Geld käuflich sind?