Anfrage nach Einschätzungen zur Aufnahmechance an Musikhochschulen (Jazzgitarre)

von Guitar Johnny, 11.06.07.

  1. Guitar Johnny

    Guitar Johnny Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #1
    hallo allerseits,

    ich bin aktuell 25 Jahre alt und schliesse nächsten monat mein geisteswissenschaftliches studium (politikwissenschaft & philosophie) ab. da ich ca 4 stunden oder mehr pro tag musik mache, in drei bands aktiv bin und merke dass musik meine eigentliche hauptbeschäftigung darstellt, interessiere ich mich für ein jazzgitarrenstudium.
    ich erwarte davon nicht die große kohle sondern hauptsächlich musikalischen gewinn und eine theoretische fundierung meines spiels. berufsperspektiven durch musik sind mir bestenfalls skundär wichtig.
    ich habe allerdings ein paar probleme die ihr vielleicht klären könntet:

    1. musikalische wurzeln.
    ich bin erst seit kürzerem an jazz interessiert (1 jahr ca) und komme ursprünglich eher aus rock/fusion/progressive bereichen. wie wichtig ist es bei den jazz/populäre musik studiengängen als vollblutjazzer aufzutreten? wird gutgemachte jazzrock-handwerkskunst ebenfalls akzeptiert? wo gibt es unis die eher jazzrock orientiert sind und welche sollte ich auf jeden fall meiden? bekomme ich in einem jazzstudium eine halbakustikgitarre aufgezwungen oder wird meine instrumentenwahl respektiert? ich bin "echtem" jazz absolut nicht abgeneigt, im gegenteil, stehe voll darauf aber kann es eben noch nicht wirklich. vielleicht fehlt mir hier wirklich das jazz-skalenwissen, weshalb ich in irgendwelches gerocke zurückfalle (siehe video 4).

    2. spielniveau.
    ich habe probleme damit mich selbst einzuschätzen. andere attestieren mir brillianten tone, feeling, phrasing und flinke finger. ich selbst finde, dass ich die ein oder anderen licks etwas schlampig spiele, was von mitmusikern irgendwie nie kritisiert wird. ausserdem habe ich weniger als null ahnung wenn es um theorie geht. ich weiss weder irgendwelche skalen, harmonielehren oder sonstiges, 100% bauchspiel. ich bin allerdings bereit und gewillt mich mit lehrer ein jahr konzentriert darauf vorzubereiten, nicht nur wegne der prüfung sondern auch weil ich es gerne draufhaben würde. wie wichtig ist das verhältnis praxis/theorie in der aufnahmeprüfung? hat ein guter bauchspieler mit leidlicher theoriekenntnis chancen? wie schätzt ihr mein spielen ein, reicht das vom spielniveau (technik, feeling usw) für eine aufnahmeprüfung oder reicht es nicht? bin ich amateur, semiprofessioneller oder was anderes? fragen über fragen.
    ich habe ein paar youtube links von improvisationen von mir angelinkt, vielleicht könnt ihr somit mein spielniveau einschätzen.

    ein fernsehserientheme-jam, kinder der 80/90er werdens erkennen
    http://www.youtube.com/watch?v=v5ztqb00NZI

    layla auf der flucht
    http://www.youtube.com/watch?v=IavlnznRRr4

    ein rythmus jam zu einem schlagzeugsolo
    http://www.youtube.com/watch?v=PkPzW71sNjM

    und so klingt es wenn ich aktuell jazz spiele,
    http://www.youtube.com/watch?v=idrzbBhAR2w

    3. zweitinstrument.
    ich spiele nicht ernstzunehmend drums und würde liebend gern klavier lernen. ich könnte ein jahr als vorbereitungszeit einräumen um hardcore-klaviertraining durchzuziehen.
    ich kann aktuell nichts auf dem klavier aber bin schnell lernend und sehr motiviert.
    reicht ein hartes jahr von null an aus um das gewünschte level für die zweitinstrumentaufnahmeprüfung zu erzielen?

    mich würde interessieren was ihr davon haltet und was für chancen ihr mir einräumt, genommen zu werden. vielleicht auch welche uni sich für mich anbietet.

    vielen dank im vorraus

    johannes
     
  2. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #2
    Also, wenn Du Dir ein Jahr als Vorbereitungszeit genehmigt hast, dann mach aber mal ganz schnell, daß Du Dich auf Harmonielehre stürzt und Harmonielehre machst und Harmonielehre machst und Harmonielehre machst und vor allen Dingen auch Akkorde lernst und Akkorde lernst und Akkorde lernst. Akkorde lernen heißt natürlich nicht, die Standardgriffe und Barre zu beherrschen, sondern sich Vierklänge und Dreiklänge nebst Stimmführung und Ersatzregeln und Oktavgriffe und was es sonst noch so an kleinen Gemeinheiten gibt, draufzuschaffen. Ein Jahr halte ich persönlich dafür ein bisschen wenig, weil´s eigentlich ein Lebenswerk ist.

    Die ganzen schönen Rocktechniken wie Saitenziehen und Tappen und Sweepen kannst Du für ein Jazz völlig vergessen. Erstmal wird dort die Gitarre auf das zurückgeführt, was sie ursprünglich mal war, nämlich ein Rhythmusinstrument. Wenn Du also nur Solo/Melodie spielen kannst, hast Du ein ziemlich großes Problem!

    Und - ohne Dir zu nahe treten zu wollen - das, was Du als Jazz-Spielen bezeichnest, kann ich zumindest um diese Uhrzeit beim besten Willen nicht als Jazz bezeichnen.

    Nebenbei: hast Du schon mal daran gedacht, daß da draußen eine Menge Leute sitzt, die das alles schon draufhaben, und trotzdem nicht bei den Hochschulen unterkommen?

    Und - andersrum: was hast Du von einem abgeschlossenen Studium? Du bist mit einem Schein trotzdem nur ein Karpfen in dem großen Haifisch-Meer, in dem Darwin hoch drei gilt.

    Wenn Du es unbedingt machen willst, dann mach es. Denk aber bitte an die demographische Entwicklung (immer weniger deutsche Kinder, von wegen Üb eralterung der Gesellschaft), deswegen könnte es dann besser sein, anstatt Jazz z.B. Saz zu studieren (nein, ich bin kein national Denkender, aber mittlerweile recht realistisch geworden).

    Falls Du also mit eigenem Material was machen kannst, dann stürz Dich darauf. Sei mir aber bitte nicht böse, wenn ich sage, daß das, was ich bei den Links hören (und sehen) konnte, daß ist, was man immer um die Ohren gehauen bekommt. Wie Du also mit "Nachspielen" Deinen Lebensunterhalt sichern willst, ist mir schleierhaft, weil die Originalität fehlt.

    Sorry, das waren harte Worte. Aber - wie oben schon geschrieben - wenn Du´s machen willst, mach´ es, aber stell Dir den Weg nicht zu leicht vor. Im Profibereich ist mittlerweile das "Survival of the fittest" die Regel, auch wenn Medien und die damit geschaffenen Stars etwas anderes vorgaukeln.

    Aber nochmals:

    1. Uhrzeit beachten,
    2. ich mein´ja nur!
    3. Toi, toi, toi!
     
  3. PopeOnDope

    PopeOnDope Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #3
    einen musikalischen gewinn und eine theoretische fundierung deines spiels bekommst du sicher auch ohne abgeschlossenes studium hin.

    ich kenne die aufnahmekriterien der schulen nicht und ich bin nicht sicher, ob dir dann der "schein" nach abschluss des studiums einen job gibt - aber das willst du ja nicht nach eigenen angaben. ich persoenlich find deinen ton und die phrasierung recht gut, allerdings sehe ich die notwendigkeit eines studiums nicht wirklich.

    mein vorschlag lautet: einen (guten) lehrer buchen, bücher kaufen und dein spiel dadurch verbessern. denke, der tscharles hat schon n punkt, wenn s um die anzahl der talentierten gitarristen geht, die keinen zugang zu ner uni erhalten.
     
  4. BonZotheDog

    BonZotheDog Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #4
    hallo

    ich kenne mich nicht so sehr aus was die unis verlangen, aber die wollen ein verdammt gutes gehör und ne menge menge theoriekenntnisse. ein freund von mir musste bei seiner aufnahmeprüfung melodien, die er vorgespielt bekam in noten niederschreiben.

    also ich finde dein spiel auf jeden fall gut, aber das hört sich nich an wie das was ich von anderen musikstudenten kenne. von denen, die ich kenne werden mir immer killermässige klassiche zupftechnicken um die ohren geschmissen. bei der aufnahmeprüfung gab es dann auch so aufgaben wie , spielen sie mal ein stück aus der und der epoche, aber vllt studieren die auch was anderes, ich weiss es nich ganz genau.

    sry wenn ich hier vllt nur ein halbwissen verbreite, aber das was ich bei meinen leuten da gesehen habe hat sehr wenig mit "rock" zu tun.

    tüss
     
  5. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #5
    Das sind die Klassiker.
    Für die Jazzer gilt: Unter anderem ca. 30 (Jazz-)Standards kennen, was wiederum heißt das zum jeweiligen Stück gehörende Akkordschema und dessen Melodie zu kennen.
    Beide sollte man dann auch spielen können und dann obendrein noch eine gute Improvisation über die Harmonien abliefern können.
    Wer die Begleitung nicht spielen kann, fliegt raus.
    Sorry - ich habe schon einige meiner Schüler für so ein Studium vorbereitet, die mit einem ähnlichen Ansatz wie der Threadersteller bei mir ankamen.
    Die Prüfung geschafft haben alle, das Studium durchgezogen dann aber nicht alle, weil sie gemerkt haben, daß es entweder doch nicht das Wahre ist, oder eben auch ein Schein nur einen Anschein gibt.
     
  6. Guitar Johnny

    Guitar Johnny Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #6
    hallo, erstmal danke für die antworten.

    nur nochmal zur klarstellung: ich habe nicht vor als youtube-covergitarrist mein geld zu verdienen und mit meinen videos gegen die zig-kreativen gitarrengötter dieser welt anzutreten, die links sind nur dafür da um eine generelle einschätzung über mein spielen zu gewinnen.
    vllt wurde das aus dem abschnitt nicht ganz deutlich, ich werde auf basis meines jetzt abgeschlossenen studiums schon einen job finden, der mich über wasser hält (ich bin mit einem bescheidenen halbtags-einkommen auch langfristig absolut zufrieden).
    das musikstudium möchte ich absolut primär zwecks musikalischer fortbildung machen.
    ich erwarte primär davon:
    1. theoretische fundierung und strukturierung
    2. praktische vertiefung meiner fähigkeiten
    3. den produktiven zwang, dinge lernen zu müssen die man nicht mag und musikalische horizonterweiterung
    4. verbindungen zu andern musikern zu knüpfen
    5 und wichtigstes: mal ein paar jahre mich ausschliesslich auf musik zu konzentrieren.

    dass man die jazz standards beherrschen muss ist mir klar, deswegen suche ich ja auch jetzt einen lehrer. mein erstes problem auf das ich mich konzentrieren sollte ist allerdings die aufnahmeprüfung, nicht die zeit danach.
    greets
    J.
     
  7. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #7
    Yo, klare Worte!
    Nur, warum bleibst Du dann nicht gleich beim Privatunterricht, und suchst Dir gute Lehrer? Also nicht einen, sondern jeweils einen Spezialisten für die einzelnen Gebiete, und arbeitest die im Laufe der Zeit einfach ab.
    Das ist zwar teurer als ein Studium, dafür höchst wahrscheinlich wesentlich effektiver.
    Und die ganzen Punkte die Du anführst, lassen sich meiner unmaßgeblichen Meinung nach mit Privatunterricht wesentlich effektiver angehen.
     
  8. Schrax

    Schrax Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #8
    also ich hab mir dein Jazz- Youtube Video angeschaut und kann dir folgendes "Feedback" geben:
    KLingt wirklich cool und interessant! Du spielst sehr rockig über Jazzbegleitung, was sich meiner Meinung nach ziemlich cool anhört!
    Was du nicht machst, ist dich an den Stil anzupassen... was ja auch nicht sein muss, aber leider bei Unis bestimmt verlangt wird!
    Ich würde dir folgendes raten- versuchs einfach :great: Mehr, als dass sie dich nicht nehmen kann ja wohl nicht passieren...
    Ich kenn dein Problem besser, als du vielleicht glaubst- ich hab mein Leben lang Rock gespielt und studiere jetzt auch Gitarre, aber an einem privaten Konservatorium (mit Öffentlichkeitsrecht)
    Dadurch, dass es privat ist sind die Aufnahmsprüfungen leichter als auf einer Uni, du bekommst aber dafür auch mehr geboten (mehr Nebenfächer, mehr persönliche Betreuung usw.)
    Vielleicht gibts ja was vergleichbares in deiner Nähe...
    Aber achtung: sehr gut informieren bevor man zu einem privaten Kons geht- es gibts nämlich auch schwarze Schafe die scheiße Unterricht für dicke Kohle "bieten"...
     
  9. nite-spot

    nite-spot Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.07   #9
    hallo guitar johnny,

    deine youtube sachen klingen gut, da ist talent im raum.
    wohin dich das führen kann ist eine andere frage.

    was s.tscharles und andere anführen, ist zu bedenken, du solltest jazz HÖREN und spielen,dich mit harmonielehre auseinandersetzen, minimum 30 stücke auswendig spielen können (z.b. nur walkin bass auf den beiden tiefen saiten), usw.

    alles richtig.

    aber: wenn in dir der wunsch ist, diese musik spielen und studieren zu wollen, dann mach es!!

    mach es mit dem bewußtsein, dass manches nicht klappen könnte ( aufnahmeprüfung,
    als profi seinen lebensunterhalt zu bestreiten, usw.). es gibt 1 millionen gründe, warum es schief gehen könnte.

    aber wenn dir deine innere stimme sagt "ich will", dann mach es allen widerwärtigkeiten zum trotz!! und komm auf die füße, WENN es nicht klappt.

    WENN alles gut wird, könntest du mich ja mit 5 % an allen zukünftigen einnahmen beteiligen.....


    mit freundlichem groove hanno

    ps. ich bin seit fast 30 jahren professioneller musiker (vor allem unterricht und bühne).
    einige meiner schüler haben studiert und leben als musiker irgendwo in europa...
     
  10. Pablo El Grande

    Pablo El Grande Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.06.07   #10
    Ist das maximale Eintrittsalter für ein Jazzstudium an der Hochschule nicht 25? Ich glaube doch, und für dieses Jahr ist der Zug schon abgerauscht.
    Kumpel von mir, der richtig gut ist, hat dieses Jahr spaßeshalber in Leipzig vorgespielt, weil er zu Werner Neumann wollte.

    Das lief dann so ab:
    Neumann:"Spiel das Stück XY und improvisiere im Bebop Stil"

    Da kam er mit seiner D-Moll Penta nicht weit:D

    Ein Jahr Vorbereitungszeit sollte wohl wirklich das Minimum darstellen, aber es gibt ja auch andere Adressen wie MGI in München oder Berufsfachschulen in Regensburg, Dinkelsbühl und Krumbach (das sind jetzt die, die ich kenne). Über die Future Music School hab ich jetzt geteilte Meinungen gehört.



    Edit:
    Ach ja, sind aber coole Files, die Du da online gestellt hast, Alf rockt;)
     
  11. FloLuig

    FloLuig Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.06.07   #11
    Moin Johnny,
    ich musste ein bisschen schmunzeln bei deinen YouTube-Sachen, nicht weil die schlecht sind, sondern weil ich mich selbst ein wenig darin wiedererkannt habe. Ich habe 5 Jahre bei ......... gelernt und die ganze Zeit Technik, Technik, Technik gemacht, also Paganini-Caprice bei 140bpm geschraddelt usw. - es hat mir bestimmt nicht geschadet, aber als ich immer mehr in die Jazz-Szene abgedriftet bin und nun einen der besten als Lehrer habe (zumindest finde ich das), durfte ich quasi ein Instrument neu lernen. Mein Lehrer meinte zu mir:"So Technik kannst du das nächste Jahr erst mal sein lassen, jetzt wird Bebob geimpft). Ich mache momentan noch meinen Zivi und will nächstes Jahr Jazzgitarre studieren. Und das is die Sache: Improvisieren und Rhythmusspiel ist das eine. Da musst du Harmonielehre kloppen bis zum geht nicht mehr. Ich vorher schon recht fit, weil ich Jazzpiano 7 Jahre gelernt hab, aaaber: z.B. die holländische Schule (mit einer der besten Europaweit) will, dass du ankommst du einen astreinen Bebob spielst, die sehen das sozusagen als Grundlage. Wenn du den ganzen Kram geschluckt hast, Notenfest und fähig bist mit deinem 5 oder 7-Lagen spiel konsonantes Arpeggioimpro betreiben kannst, dann ist das zunächst mal die Eintrittskarte zum Studium. Also impf dir den Kram und check das ganze aus und du wirst sehen, dass das auch alle möglichen Rock,Prog,Fusion Gitarristen gemacht haben, z.B. Satriani DER Modal Interchagne-King überhaupt (->"Flying in a Blue Dream") oder Petrucci, der mit den HM-Scalen amtlich um sich wirft, ganz zu schweigen von Greg Howe und Konsorten. Die haben ALLE den Jazz genaustens ausgecheckt. Nun als ich das so mit diversen aha-Erlebnissen und Depression zur Kenntnis genommen hab, hab ich angefangen den Kram zu schlucken und bin in nur einem halben Jahr sehr weit gekommen, weil dann doch alles auf in sich stimmt und aufeinander aufbaut.

    Langer Rede Kurzer Sinn:

    1.) unter 6 Stunden Üben pro Tag geht GAR NIX !
    2.) Buch kaufen: "Neue Jazz-Harmonielehre" von Frank Sikora (ISBN: 3-7957-5124-1)
    3.) fähigen Lehrer suchen
    4.) Am ALLERWICHTIGSTEN: Ein Jazzinstrument kann man nich wie in der Klassik auf dem stillen Zimmerchen knechten, um die absolute Perfektion zu erlangen. Man transkripiert, hört sich Licks raus und dann heißt es ANWENDEN ANWENDEN ANWENDEN !!! Du wirst nie mit dem nötigen Selbstbeswusstsein spielen und solieren können, wenn du den Kram nicht anwendest und somit ins Blut bringst um ihn zu festigen !
    5.) Strukturiert üben! Selbstdisziplin ist mit sicherheit eine der schwierigsten Angelegenheiten mit der sich ein Musiker auseinandersetzen muss. Übe immer mit Band In a Box oder ähnlichem, schnapp dir die Aebersold-Bücher oder sonst was, fuddel NIE den Kram runter den du sonst immer spielst, den kannst du schon.

    Und dann hat der Kollege schon recht, diese Angewohnheit des Rockvibratos töten und die Phrasierung checken. Zieh dir den Gitarristen von der Count Basie Big Band rein Montreux '77 Live. Der Hat einen Saitenabstand von fast 1 - 1,5 cm gespielt aus einem einfachen Grund, als der da angefangen hatte gabs noch keine Verstärker und er musste gegen die Horns ankommen. Der hat den geilsten Sound den ich jeh gehört hab. Total tight und glasklar. Ein Rockgitarrist würde nie auf die Idee kommen. Versuch beim üben den Handballen nicht auf die Saiten oder auf den Body aufzulegen, sondern freischweben zu spielen.

    Also erst mal die Paar Tips, ein absolutes MUSS aber das Buch, viel Spaß beim auschecken,

    Mit freundlichem Blues,

    Der Flo

    P.S.: Zieh dir bei den großen Schulen auf den Homepages die Prüfungsordnungen !!!
     
  12. nite-spot

    nite-spot Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.06.07   #12
    hallo floluig,

    guter beitrag!

    allerdings kommen mir zwei wesentliche dinge zu kurz, ohne die mir dein ganzer approach zu kopflastig und zu technisch erscheint:

    1.) musik ist eine sprache, die man durch ZUHÖREN lernt.

    2.) man muss SPIELEN, und zwar auf sessions, gigs usw.

    das wichtigste in der musik ist für mich seine eigene sprache, seine eigene stimme zu entwickeln und sich damit auszudrücken und zu kommunizieren .

    dazu gehört eine ernsthafte auseinandersetzung mit den handwerklichen grundlagen, so wie du sie beschrieben hast, und man kommt in hilversum, rotterdam und amsterdam kein stück weiter mit ein paar fusionlicks.

    was viele studenten aus dem blickfeld verlieren:
    vor lauter technik und handwerk vergessen sie musik zu machen. es nutzt nichts, zu allen aebersoldplatten die richtigen scales zu spielen, wenn man nur autistisch seine einstudierten licks abdrückt.

    das angelernte muss sacken, damit es zum wesentlichen kommen kann:

    musik ist eine sprache des herzens.

    mit freundlichem groove hanno
     
  13. Fingers Freddy

    Fingers Freddy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.06.07   #13
    He, ich kann zwar nix zum Studium beitragen - aber ein paar Dinge möcht ich dir sagen.

    1. ABARTIG guter Tone!
    2. Super Licks, tolle Musikalität.
    3. Schöne Technik.

    Hast du schonmal über eine Ausbildung zum Rock/Pop-Musiker nachgedacht? Siehe Popakademie Mannheim...
     
  14. tuzz

    tuzz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.06.07   #14
    Am Jazzinstitut Berlin werden u.a. folgende Dinge verlangt:

    - Melodien, welche dir vorgespielt werden in Noten aufschreiben können
    - Rythmen, welche dir vorgespielt werden in Noten aufschreiben können
    - Verschiedene Standards beherrschen (dazu wurde oben schon das Wichtigste geschrieben)
    - Mit einer vorhandenen Rythmusgruppe Jazzstandards spielen können (begleiten/imrpovisieren)
    - Aufnahmen auf einem Tonträger vorlegen. Diese Aufnahmen sind der Grundstein um zur Prüfung überhaupt zugelassen zu werden. Du brauchst also vorher schon gute Musiker mit denen zu aufnehmen und üben kannst. Etwas daheim produziertes mit Band-in-a-Box wird nicht ausreichen.
    - Zweitinstrument, meist Piano. Hier musst du auch fest sein, sprich Standards spielen können, eigentlich fast die gleiche Anforderungen wie am Hauptinstrument.
    (keinen Anspruch auf Vollständigkeit....da kommt sicherlich noch mehr)

    Ich hoffe ich vergesse nichts. Ich hatte auch vor mich dort zu bewerben. Diese Anforderungen wurden mir so vom Sekretariat und den Lehrern mitgeteilt. Daraufhin habe ich dann von meinem Vorhaben Abstand genommen und lerne Jazz mit einem privaten Lehrer. Find ich persönlich praktischer. Wenn ich all die Dinge die verlangt werden schon beherrschen würde, bräuchte ich auch nicht mehr an die Uni sondern würde in der Liveszene lernen. Aber das ist ja nur meine persönliche Einstellung. Kann jeder sehen wie er möchte. Dir viel Erfolg :)
    lg,
    t.
     
  15. chewbacca87

    chewbacca87 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.06.07   #15
    Kraaassss!!! Und ich Größenwahnsinniger Vollidiot habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt mich nach dem Abi an der Aki in Enshede anzumelden.:screwy:
     
  16. Schrax

    Schrax Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.06.07   #16
    @all bzw. @ tuzz
    Also ich will nicht groß den Mund aufreissen, weil ich mich auf der von dir beschriebenen Uni nicht auskenne- aber die Anforderungen die du geschrieben hast kommen mir schon SEHR streng vor- bei uns in Wien ists auf der Uni auch scheiße schwer reinzukommen, weil die Aufnahmsprüfung ein HAMMER ist- aber sooo krass wie du das beschreibst kann ichs mir wieder auch nicht vorstellen!
    Nehmen wir mal an, es stimmt was du schreibst und man muss das alles so können- wozu muss man dann noch studieren, wenn man das alles schon können muss?
    Sicher- man lernt nie aus und es gibt immer was zu lernen, aber die Anforderungen kommen mir schon ein bissl unrealistisch vor! Vorallem, dass man am Zweitinstrument nahezu gleiche Maßstäbe setzt wie am Hauptinstrument- das kann ich mir am allerwenigsten von deinen angeführten Punkten vorstellen.
    Versteh mich nicht falsch- ich will dir nicht blöd kommen, da ich die Uni nicht kenn, aber bist du sicher, dass es wirklich soooo heiß gegessen wird, wies gekocht wird?
    -> @ all
    Lasst euch von solchen (allgemein gemeint- nicht auf tuzz bezogen) Aussagen nicht verunsichern- immer selbst ein Bild machen! Ins Sekretariat der Uni gehen und sich die Anforderungsunterlagen holen, dann Termin mit einem Prof. ausmachen und mal mit dem reden, dann erfahrt ihr schon ob das alles so streng genommen wird!
     
  17. Pablo El Grande

    Pablo El Grande Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.06.07   #17
    So schauts aus, selber zur Prüfung fahren und vorspielen und sich seine Infos nicht in einem Gitarren-Board holen, in dem da jemand nen anderen kennt, dessen Freundin mal mit einem zusammen war, der da mal Bass vorgespielt und erzählt hat...Klar isses schwer, da reinzukommen, aber unmöglich isses nicht.
    Also, Finger aus dem Arsch und ran an die Klampfen!:cool:

    @Schrax:
    Glückwunsch! Freut mich für Dich, zumal ich Deinen alten Thread mit der Multiple Sklerose gelesen hab.
    Gute Arbeit!:great:
     
  18. iron_net

    iron_net Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.07   #18
    Ich möchte hier nochmal daran erinnern, dass ein Studium an einer Musikhochschule keineswegs Voraussetzung oder bester Weg ist, ein guter Musiker zu werden. Sowas ist in erster Linie was für Leute, die einen musikalischen Beruf anstreben, für den sie diesen Hochschulabschluss brauchen. Und ich habe den Threadersteller so verstanden, dass es ihm gerade darum nicht geht.
     
  19. PopeOnDope

    PopeOnDope Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.07   #19
    hier im forum ist doch auch bernd kiltz dabei, der in LA und an ner deutschen staatlichen musikschule studiert hat.

    möglicherweise kann er aus eigener erfahrung berichten?

    der link zu seiner seite ist hier: http://www.guitarsolos.tv (wurde schon mal in nem anderen thread gepostet).
     
  20. t jonez

    t jonez Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.06.07   #20
    Wie vorher schon gesagt wurde: Mit vollendung des 25. Lebensjahres ist man zu alt für eine Musikhochschule. Traurig aber wahr...
     
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