Die Perfekte Platte

  • Ersteller Ersteller zwiefldraader
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  • #61
Der Anspruch dabei ist, Werke der Popularmusik anzuhören, die einerseits stark vom Songwriting sind, stark von der Ausführung UND stark von der Produktion.

Vom Songwriter Aspekt würde ich hier noch ein paar Außenseiter reinwerfen, die in ihrer Bedeutung unterschätzt werden:

  • Carole King - Tapestry: Eine der wichtigsten amerikanischen Songwriterinnen überhaupt
  • John Lennon - Plastic Ono Band: Eines der schmerzhaftesten Alben mit persönlichen Texten, für mich auch eine Blaupause für Face Value von Phil Collins und sein In The Air Tonight
  • Mark Hollis - Mark Hollis: Wie weit kann man gehen, bis die Musik beinahe verschwindet? Alternativ kann man auch Spirit of Eden nehmen, aber das Soloalbum zeigt ein fast aufwühlendes Bild von Hollis selbst.

Produktion:
  • Van Halen - Debut VS Fleetwood Mac - Rumours: 2 Alben als Vergleich, ungefähr zur selben Zeit entstanden. Wo hören die 70er auf und wo fangen die 80er an? Van Halen läuten den Hardrock der 80er ein, das Album hat nicht mehr den Lush der 70er. Fleetwood Macs Album dagegen die Spitze des 70er Adult Rocks. Tusk räumt damit auf, Rumours lebt es.
  • Smashing Pumpkins - Gish: Wo fangen die 90er an, wo hören die 80er auf? Was Van Halen angefangen haben, ist hier beendet. Es gibt frühere Alben, aber das hier mag ich einfach sehr.
  • Underworld - Second Toughest in the Infants: Man kann es drehen und wenden wie man will: Die 90er waren in der ersten Hälfte Gitarrenaffin, in der zweiten Hälfte nicht mehr und zum Höhepunkt von der Elektronischen Musik Ära sticht dieses Meisterwerk heraus. Man kann auch Prodigy nehmen und ihre wahnwitzige Idee von Samples. Underworld sind einfacher, ruhiger und können unglaublich gut Atmosphäre.
  • Sleep Token - Take Me Back To Eden: Bei all der Aufsplittung der Musik ab der 2000er Jahre, der Kommerzialisierung und den Mashups nehme ich mal Sleep Token als Beispiel für eine Band, die - mal mit dem ganz groben Hobel - klavierbezogene 70er Jahre Musik mischt mit amerikanischen R&B Beats und Teilen vom Extreme Metal. War ein Riesen Erfolg, stark diskutiert, zeigt aber in Teilen, was die letzten 20 Jahre so passiert ist.
 
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  • #62
Hi @zwiefldraader ,

ich habe jetzt nicht vor, die Liste möglicher Platten noch zu verlängern. Aber du hast nach der perfekten Platte gefragt, und ob das Vorhaben sinnvoll ist.

Ich glaube, du möchtest deinen Kindern gerne deine persönlichen Favoriten nahebringen. Warum nicht? Versuchen kann man es. Ob du auf Grundlage deiner persönlichen Musikreise aber ein allumfassendes Bild der Entwicklung der Popularmusik abliefern kannst und willst, glaube ich eher nicht. Dafür erscheint mir deine erste Auswahl schon vom Genre und Zeitraum zu sehr eingeschränkt. Wenn ich jetzt hier zum Beispiel noch NAS mit NAS oder Illmatic ins Rennen werfen würde, würde dir das wohl nicht viel helfen, obwohl ich die damals rauf und runter gehört habe. Oder ein, zwei Platten von BAP, oder ...

Auch gibt es für mich die perfekte Platte nur bezogen auf bestimmte Lebenssituationen, Gefühlslagen, Alters-/Lebensphasen oder einzelne der von dir genannten konzeptionellen und aufnahmetechnischen Aspekte. Nüchtern und mit Abstand betrachtet hätte man da immer noch etwas anders machen können.

Ich finde es tatsächlich viel spannender, dass meine Kinder immer mal wieder mit einem "total geilen neuen Lied" ankommen, und meine Frau und ich dann sagen können, ja fanden wir vor 40 Jahren auch geil. Da kann man dann konkret drauf einsteigen.

Außerdem sollte man nicht den Blick dafür verlieren, dass es auch heute noch gute neue Musik gibt.

Allerdings auch viel Schrott und asozialen Scheiß. Wenn meine Kinder damit ankommen fange ich aber nicht das Diskutieren an, weil sie den Schrott dann erst recht laufen lassen. So geht es meiner Frau meistens. Ich versuche mich dann auf das Zeug einzulassen, und höre genauer hin. Manchmal kann ich dann nachvollziehen, warum es den Kids gefällt. Manchmal muss ich einfach loslachen, weil die Texte oder musikalischen Mittel so arm sind, dass meine Tochter dann fragt, warum ich da auch so genau hinhören müsste. Meist wird dann schnell zu nächsten Lied geskipt.

Mein Mutter hat damals versucht, uns die Klassik nahezubringen, weil das ihre Musik ist. Ich bin auch nicht böse darum, da ein bisschen was mitbekommen zu haben. Ich kann mir Klassik ab und zu auch gut anhören. Wirklich beeinflusst hat es mich aber auch nicht. Meine Musik liegt trotzdem eher im Bereich Soul, Funk, Jazz, Hip-Hop, R&B, Rock...

Wie bist du denn zu deiner Musik gekommen, und hättest du dir von deinen Eltern da was vormachen lassen wollen?

Gruß,
glombi
 
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  • #63
Dann würde ich, da noch nicht genannt, oder überlesen, Pink Floyd THE WALL

darüber ließe sich stundenlang diskutieren: die einen finden es grandios, die anderen sind eher der Meinung, dass es ein Solo Album von Roger Waters ist...
Ich bin in Gruppe drei. Die, die das Album für hoffnungslos überschätzt halten, egal ob von der Band oder vom Bassisten gemacht.

Wobei es hier ja eher um eine Auswahl von "perfekten" Platten gehen soll und nicht "Platten, die ich irgendwie mag, auch wenn sie da und dort arge Defizite aufweisen". Ich habe selber einiges im Plattenschrank bzw CD-Ständer rum stehen, die ich wirklich mag, aber nicht als "perfekt" bezeichnen würde. Z.B "Hard Rain" vom Altmeister Robert Zimmerman. Ein tolles Album mit extrem ungeschliffener Kraft. Aber weit weg davon, perfekt zu sein. Im Gegensatz eben zu Stevie Wonder's "Songs in the key of live". Da ist der Albumtitel schon Programm. Da ist für mich kein Song drauf, der nicht sehr gut ist, vom Song, Text und der produktion her. Eigentlich ist das für mich DIE perfekte Platte schlechthin. Thriller kommt da in die Nähe, aber nicht ran.

wobei ich den Ansatz, pupertierenden Menschen mal etwas die musikalische Grenzen aufzudehnen, sehr gut finde, denn wie ich meine, sind die Jahre von 12-18 die musikalisch prägenden. In der Zeit legt man seine Grundhaltung, was persönliche Vorlieben in der Musik betrifft, fest und da wird daran nicht mehr nennenswert gerüttelt. So bin ich halt Mitte der 70er geprägt worden und noch heute, über 40 Jahre später, sind meine musikalischen Helden aus dieser Zeit, auch wenn ich nach wie vor mit offenen Ohren durch die Welt gehe und der Meinung bin dass auch die jungen von Heute sehr gute Musik erschaffen. Das stimmt mich übrigens zuversichtlich, dass Musik nicht durch die KI überrannt und kreativ ausgelöscht werden wird. Dazu gibt es nahc wie vor genug Menschen, deren Kreativität raus will, auf dieser Welt.
 
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