Jed
Registrierter Benutzer
- 27.10.26
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"Oh, brave new world, that hath such creatures in it!" (Shakespeare, The Tempest)Der nächste Schritt wäre dann, die Felle an den Melodiebalken nicht fest anzukleben, sondern flexibel zu halten. Zum Beispiel mit kleinen Magneten, so dass man auch andere Tonleitern konfigurieren kann. Harmonisch Moll, Melodisch Moll, Dur- und Moll-Blues-Skalen wären kein Problem. Ich denke sogar über einen computergesteuerten Dämpfungsmechnismus mit freier Akkordbelegung nach. Da könnte man dann für jeden Song die passenden Akkorde wählen und abspeichern. Die Knöpfe wären dann virtuell, als Touchscreen könnte man einfach sein Handy verwenden.
Meines Erachtens geht das am Wesen der Autoharp vorbei. Das definierende Merkmal der Autoharp - die Chord Bar - ist in modernen Exemplaren genau so, wie in Gütters Patent so um 1880 rum: der Druck eines Fingers des Spielers wird unmittelbar und mechanisch dämpfend auf eine bestimmte Untermenge der Saiten übertragen. En Akkord, ein Teilakkord oder ein einzelner Ton kann erklingen!
Zwischendurch gab es Experimente, die Chord Bars mit verschiebbaren Dämpfern und Bedienungshebeln so zu gestalten, dass z.B. die "D"-Chord Bar, je nach Tonart des Stückes, als D-Dur, D-Moll oder D-Septim fungieren konnte:
Es gab auch die Idee, die Chord-Bar-Einheit quer zu den Saiten verschiebbar zu machen, damit man die Akkorde einen Halbton rauf oder runter transponieren konnte.
Das breite Volk der Autoharper hat diesen Schnickschnack links liegen lassen. Der technologische Fortschritt erlaubt es nun, die Chord Bars so schlank zu bauen, dass 21 davon auf eine 'harp passen. Und man kann sie bliebig anordnen oder "umfilzen", wie es für den persönlichen Stil passt. (Das im Foto oben gezeigte Beispiel mit den Schiebern deckt lediglich 13 Akkorde ab!)
Bei deinen elektronischen Gedanken denke ich eher an das Omnichord - im Prinzip ein Synthesizer mit Autoharp- statt Klavieroberfläche!
Cheers,
Jed

Die Quinten werden etwas enger gestimmt (ca 2 Cent), so dass der Quintenzirkel sauber schließt und freie Bewegung durch alle Tonarten möglich ist. Wenn man die Quinten noch ein bisschen enger stimmt (ca 3,5 Cent), bekommt man reine große Terzen und ziemlich gute kleine Terzen. Beide klingen nämlich sowohl in der Pythagoräischen als auch in der gleichtemperierten Stimmung nicht gut, aber mitteltönig ausgesprochen lieblich. Der Nachteil dabei ist wieder, dass der Quintenzirkel nicht schließt und einige Akkorde unbrauchbar sind.
Im Koffer waren nur zwei Liedzettel, 'Silent Night' und 'I Wish You A Merry Christmas', offensichtlich hat sie die letzten 56 Jahre nur einmal im Jahr an Weihnachten ihren kultischen Zweck erfüllt. Angesichts des fantastischen Zustands dieses lebenden Fossils habe ich beschlossen, von allen Umbaumaßnahmen Abstand zu nehmen. Ich werde sie nur sauber machen und neue Saiten aufziehen, die alten klingen nach der langen Zeit doch etwas matt. Von der Lautstärke her kann die Harp mit einer akustischen Gitarre mithalten, auch die Bässe sind voll da. Moderne Autoharps klingen mehr wie Jazzgitarren, erst mit Verstärker bekommt man ein ausgeglichenes Klangprofil und Lautstärke.
