Billig oder teuer ist ja 1. relativ und 2. individuell.
Und wenn wir über Marktwert sprechen, dann ist das der Preis, der tatsächlich erzielt wird, wobei Zustand, Zubehör, Standort, Verkaufsnot, ..., bis hin zu Verhandlungsgeschick auch mit eine Rolle spielen. Man darf den Marktwert nicht mit den aufgerufenen Preisen verwechseln. Überwiegend führen zu hohe aufgerufene Preise zur Abschreckung (viele meinen, dass ihr Angebot so weit unter dem aufgerufenen Preis liegt, dass sie gar nicht erst ein Gegenangebot machen) und letztlich meist nicht zu einem Verkauf. Wenn dann, wie auf kleinanzeigen oft der Fall, der Preis nachträglich (mehr und mehr) gesenkt wird, gehen alle Interessenten nur noch mehr in Abwartehaltung.
Was letztendlich bei wirklich erfolgten Verkäufen, die man ja auch schon nicht sicher weiß (es gibt Leute, die gaukeln einen Verkauf zu einem relativ hohen Preis vor und meinen, dass sie damit Interessenten erfolgreich den Eindruck eines höheren Marktwertes vorgaukeln), bezahlt wurde, weiß man schon gar nicht. Wer einen "Haben-Müssen"-Druck hat und ihm nachgibt, zahlt erstens mehr und schürt zumindest den Eindruck eines höheren Marktwertes - auch wenn man den Anzeigen ja den geflossenen Geldbetrag nicht entnehmen kann, tragen Infos in Veröffentlichungen, wie diesem Thread auch dazu bei, was Suchende als Marktwert ansehen (ungeachtet, ob die Leute, die hier hohe Preise nennen, diese tatsächlich selbst bezahlt haben (vielleicht wollen sie z.B. nur als "zahlungsfähig" dastehen) oder, wenn es um's Geldbeutel-Aufmachen ginge, tatsächlich bezahlen würden).
Gerade solche Gitarren, wie die Hohner Professional L59, die von Kennern überwiegend wegen ihres Sounds gesucht ist, ist auch kein "Saisonartikel", so dass temporäre (z.B. Stichwort "Weihnachten") höhere Preise von Interessenten eher ignoriert werden.
Also, ich hab inzwischen neben einfach meinen Preisvorstellungen auch eine klare Modellpräferenz (nämlich die spätere Version - also die mit dem Pineapple-Logo). Suchen hab ich auf allen einschlägigen Plattformen installiert - da die Modelle nicht so häufig vorkommen, ohne Preiseinschränkung, auch weil ich mich jederzeit traue, auch deutlich niedrigere Angebote abzugeben. Mein persönlicher Preis ist 300 €, mit etwas Luft nach oben, wenn mit die Optik/Farbe/Maserung besonders gut gefallen würde. Einmal war ich knapp dran, was nur scheiterte, dass ich von München aus keine Abholung in Berlin hinbekam und die Verkäuferin halt einfach nicht versenden wollte.
Ich kann mein Kaufinteresse aber auch sehr gut kontrollieren, zumal ich genügend für meinen Geschmack herausragende Gitarren hier habe. Also lass ich die Suchen laufen und kümmere mich bei Treffern um Klärung, und wenn's nicht zu meinen Konditionen geht, dann kann ich ganz schmerzlos verzichten und weitersuchen.
Letztlich ist alles Spekulation und absolut individuell. Wenn wirklich jemand für eine Hohner Professional L59 800 € bezahlen will (weil sie für ihn etwas Besonderes und den Betrag - warum auch immer muss ja nur er wissen - Wert ist, dann wird er den Preis bezahlen. Und wenn jemand eine klare Grenze hat und diese auch einhalten kann, so wie ich, dann wird er das tun und nicht mehr als 300 € ausgeben und notfalls halt vielleicht nie so eine Gitarre bekommen (womit ich jetzt z.B. mit 7 Gibson Les Pauls im Haus einfach sehr gut leben kann).