SG-Special schrieb:
Ein Tonabnehmer wandelt die Saitenschwingung in eine elektrische Spannung um. Bei einem Singlecoil ist die Spannungskurve der Schwingungskurve der Saiten sehr ähnlich. Daher werden obertöne und alle anderen nuancen detailiert wiedergegeben! Das führt zu einem hellen percussiven klang! > Strat
Deshalb klingt ein P90 SC ja auch dumpfer als ein genauso starker Humbucker from Hell...
Die eliminierten Höhen durch die 2 cm Polabstand sind korrekt. Aber es gibt noch mehr Faktoren, die für Höhen verantwortlich sind. Und genau deshalb ist es möglich, dass SCs eine niedrigere Resonanzfrequenz haben als HBs. Ein P90 hat nur eine Spule, aber die ist so vollgewickelt, dass das Ding sehr breit ist, und die Abtastung erfolgt nicht nur punktuell unter den Polen, sondern über die gesamte Breite. (ein Minihumbucker ist auch nicht breiter). Insofern löscht auch so ein SC durchaus Schwingungen aus.
Desweiteren ist der Widerstand eines P90 durch die Drahtmenge sehr hoch, was natürlich höhenbedämpfend wirkt. Und deshalb kommen aus einem Fullsize-HB wie dem HB from Hell oder dem EJ-Custom perlige, drahtige Sounds, die an Fender-Strats erinneren, während aus einem P90 an gleicher Position weiche, erheblich höhenlosere Klänge rauskommen. (bei etwa gleichem Output)
Dazu kommt, dass man zwei Spulen anders wickeln kann als eine. Wickel ich 10.000 Windungen auf eine Spule, wird sie sehr schnell sehr breit (äussere Wicklungen weit weg vom Kern) oder sehr hoch, wenn man denn den Platz dafür hat. Beides hat Auswirkungen auf den Klang.
Bei einem HB kann man ohne Probleme 10.000 Windungen auf 2x 5000 verteilen, die Spulen gehen nicht in die Breite, man hat mehr Einfluss auf die Geometrie der Spule, der Gesamtwiderstand ist bei seriellschaltung auch nicht höher (10.000 Wicklungen bleiben 10.000), voila, wir bauen einen höhenlastigen HB.
Genau das hat, auf meine Anfrage hin, der Support von DiMarzio geschrieben: wenn man PAF-Output will, dabei aber Höhen, ist es besser, man verteilt die Drahtmenge auf beide Spulen, als auf eine. Genau deshalb kann man HBs bauen, die wie Fender-Vintage-SCs klingen und trotzdem PAF-Output haben. Mit einem SC alleine (P90, Big Mag, SDS, Quarterpound) klappt das nicht so. Soll der laut werden wie ein PAF, geht das eigentlich immer mit drastischem Höhenverlust einher. Ironischerweise ist der HB hier also anscheinend die einfachere Variante, wenn ich trotz großer Drahtmenge und mehr Output noch Höhen haben will. Trotz doppelter Abtastung durch zwei Pole.
Insofern ist es, wenn man die freie Wahl der Komponenten und der Bauform hat, nicht korrekt zu sagen, ein HB habe wegend er doppelten Abtastung automatisch weniger Höhen oder könne nicht so perkussiv klingen.
jedoch heben sich bedingt durch den Polarabstand dann auch die Obertöne auf, die den Singlecoil so schön hell klingen lassen und sorgen dafür, dass der Humbucker eher dumpf klingt.
Das mag bei ansonsten gleichen Vorraussetzungen gelten. Nicht, wenn man die freie Wahl von Draht, Isolierungsdicke, Spulengeometrie, Magnet etc. hat.
Ich mach dir mal Soundfiles von meinem HB from Hell (Fullsize HB, seriell, PAF Output) und meinem Big Mag (SC, overwound, PAF Output)...du kämst nie drauf, welcher welcher ist. Der SC ist und bleibt ein Muffel, der HB perlt und hat Höhen, dass es PAF-Freaks schon wehtut.
Werden jedoch zwei Humbucker Spulen parallel geschaltet sinkt zwar die Ausgangsleistung, doch der Zugewinn an Höhen lässt den Lautstärkeverlust nicht so drastisch erscheinen
Das liegt aber an der Induktivität. Die Ausfilterung der Obertöne wird nämlich hier genauso stattfinden wie bei serieller Verdrahtung, der Polabstand ist ja der gleiche. (bei Split dagegen nicht)
Danke, damit hast du mich genau bestätigt: der Polabstand und der daraus resultierende Höhenverlust kann durch andere Faktoren ausgeglichen werden....oder sogar übertrumpft. In diesem Falle durch die niedrige Induktivität durch Parallelschaltung, in anderen Fällen (wie dem HB from Hell) durch die Bauform.
Und das mit dem Höhengewinn=lauter empfunden steht schon oben. das gilt auch schon für den Splitmodus. Wenns auch parallel noch deutlicher wird.
Ich empfehle einen P90 und einen EJ Custom am Hals einer Strat auszuprobieren....der HB wird dich aus den Socken hauen, was Perkussivität und gradezu glasharte Höhen angeht.
PS: Daten von Lemme:
Induktivität Gibson 490 HB: 3,8 H
Induktivität Gibson P90 SC: satte 6,6 H (Fender Vintage-SCs liegen da auch schon mal bei nem Drittel davon)
Resonanzfrequenz des HBs bei 1 nf: 2,4 kHz
Resonanzfrequenz des SCs bei 1 nf: miese 1,9 kHz