Band-Keyboarder Mangelware?

dr_rollo

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HFU
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Gestern wieder ein typisches Erlebnis: Ich war auf der monatlichen Open-Stage unserer Rockinitiative, da spielte eine sehr geile Band, 4 Leute: Git, Bass, Drums, Sängerin - wie so häufig mal wieder kein Keyboarder, der das ganze sicher hätte gut ergänzen können. Bei uns in der Gegend gibt's ne Menge Bands, nur selten ist tatsächlich mal ein Keyboarder dabei.
Nachdem die Band fertig war, steh ich an der Theke, und die Sängerin kommt auf mich zu, ob ich mal eben mitkommen könnte. Ich ahnte schon was sie wollte. Wir trafen den Rest der Band im Raum neben der Bühne, und kam gleich mit der Antwort auf die ungestellte Frage: "Ihr sucht einen Keyboarder!"
Tja, diese Anfragen bekomme ich häufig, manchmal einmal pro Monat. Im Prinzip freut es mich natürlich, nicht dass ich persönlich jetzt so gefragt werde, weil ich möglicherweise einen guten Ruf habe - diese Band kannte mich gar nicht, hat mich noch nie gehört. Sie hatten lediglich jemanden gefragt, und der hat sie an mich verwiesen. Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn eine Band der Meinung ist, dass ein Keyboarder sie bereichern würde. Ich bin eher enttäuscht, wenn ich Bands höre, wo mir der Keyboarder fehlt. Manche wollen gar keinen, die Gründe sind verschieden. Manche kompensieren den zusätzlichen Mann durch Backingtracks. Fragen nach der technischen Umsetzung sind hier regelmäßige Diskussionen.
Bock auf das Spielen in einer interessanten Band hab ich immer. Da ich aber durch zwei feste Bands und hin und wieder Projekt-Tätigkeiten mehr als ausgelastet bin, nebenbei einen anspruchsvollen Job und letztlich auch noch Familie habe, muss ich aber solchen Anfragen immer absagen. Trotzdem höre ich mir das immer an, begründe auch immer, warum ich nicht zusagen kann. Das wenige, was ich anbieten kann, mal zu einer Session vorbeizukommen, oder auch als Aushilfe einzuspringen, wenn mal Bedarf ist. Aber ein weiterer wöchentlichen Probetermin ist nicht drin, und das wäre zumindest mein Anspruch, um mit entsprechend gutem Gefühl auf eine Bühne zu gehen.
Auch bei dem Gespräch gestern wurde wieder bestätigt, dass es extrem schwierig ist, einen Keyboarder zu finden. Hannover - wo sie proben - ist nicht gerade klein, hat auch eine sehr ausgeprägte Musik-Szene, viele Musiker, so viele Bands, dass - wie auch in anderen Städten - die eigentlich nicht wenigen aber ausgebuchten Proberäume sehr gefragt sind.

Früher waren Keyboarder hauptsächlich aus den Gründen schwer zu bekommen, weil das nötige Equipment im Vergleich zu anderen Instrumenten mit Abstand am kostspieligsten war, und sich nur wenige akzeptables Zeug anschaffen konnten. Man kann zwar heute noch immer eine Menge Kohle investieren, aber im Vergleich zu früher kann man auch mit überschaubarem finanziellen Einsatz an den Start gehen.

Ist Keyboard spielen zu uncool?
 
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Whiteman

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Ist Keyboard spielen zu uncool?

Möglich... :gruebel: Wobei ich persönlich Keyboarder immer cooler als Gitarristen fand /finde, die umgibt m. E. zumeist eine "interlektuelle Aura".:rolleyes: Ich bin da aber eher weniger der Maßstab.

Zudem kann man auf der Gitte auch mit verhältnismäßig wenig Fertigkeiten bereits einigermaßen akzeptable Begleitungen schrammeln, an den Tasten ist das schon sehr viel schwieriger.

Und der Aufwand ist auch heutzutage als Tastatör noch größer, mal eben einen kleinen Gig zu spielen, als als Gitarrero (ich sage nur Lagerfeuer)...

Zudem umweht schon seit einigen Jahren den Keyboardinstrumenten im allgemeinen Volksmund die Legende, "die Dinger spielen eh alles alleine" und daraus resultierend "heutzutage muss man als Keyboarder nix mehr können".

Ich denke, aus zumindest einem der o.g. Gründe lernen daher viele Leute statt Klavier (oder äquivalente Tasteninstrumente) eher Gitarre.

...just my two cent...

Gruß

Michael
 
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Froschkapitaen

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Auch bei dem Gespräch gestern wurde wieder bestätigt, dass es extrem schwierig ist, einen Keyboarder zu finden.

Irgendwie werden aber auch kaum welche gesucht. Zumindest, wenn man nicht covern möchte.
 
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goepli

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Wenn man bedenkt, wie wenig die Keyboards bei Live-Auftritten durch unsachgemäßes Abmischen oft nur zu hören sind, fragen sich einige Bands vielleicht, ob es sich lohnt, überhaupt einen einzusetzen und dem auch noch Gage zu zahlen, die man sonst ggf. umlegen könnte......

Wir haben hier einige Bands, die spielen tlw. mit 4 Gitarrenkumpels - jeder macht irgendwas - aber ein Keyboarder wird nicht angefragt.

Guckt Euch Henrik Freischlader an, der hat die Hammond nun auch eingespart und macht nur noch zu dritt.:( (so sehe ich das zumindest auf Youtube...)

Hörte neulich sogar eine Extrem-Meinung: Die Lieblingsbesetzung wäre: Links Schlagzeug, rechts Schlagzeug und in der Mitte BASS!:dizzy:
Na Mahlzeit!
 
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frama78

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Und der Aufwand ist auch heutzutage als Tastatör noch größer, mal eben einen kleinen Gig zu spielen, als als Gitarrero (ich sage nur Lagerfeuer)...

Ich glaub tatsächlich, dass das ein wichtiger Punkt ist. Als ich mit Gitarrespielen anfing, hatte ich nach etwa einem halben Jahr den ersten Gig. War zwar nur Punk und gar nicht mal so gut, aber geil und es hat mich angefixt.

Ich hab jetzt von einem halben Jahr mit Klavier angefangen und ich sehe mich aktuell nicht in der "Kondition", um ernstahft an eine Band zu denken. Naja; mein Anspruch ist halt auch ein anderer als mit 15, aber Klavier, bzw Keyboard ist mMn deutlich schwieriger um was sinnvolles raus zu bekommen.

Ein anderer Punkt ist vielleicht(!), dass viele Keyboarder weniger mit Rockmusik anfangen können. Das ist halt schon eher die Gitarrendomäne und ich kenne einige Musiker (nicht nur Keyboarder) denen das Gitarrengedudel einfach auf den Sack geht. Einige der Kollegen machen lieber Schlager, elektronische Musik, Jazz etc.
Ich glaube, Rockmusik und auch Rock-Coverbands habens aktuell nicht mehr so leicht wie vor 15-20 Jahren. Da war ja sogar bei uns im Dorf fast jedes Wochenende ein Konzert.
 
Bobgrey

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Ich denke viele hören auch nur sich selbst spielen. Das ist eh ein großes Problem. Ich denke von 10 könnten 7 nicht genau sagen was ein Keyboarder überhaupt zum Sound beiträgt außer es ist die Superfläche ala Pink Floyed.
 
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Ein anderer Punkt ist vielleicht(!), dass viele Keyboarder weniger mit Rockmusik anfangen können. Das ist halt schon eher die Gitarrendomäne und ich kenne einige Musiker (nicht nur Keyboarder) denen das Gitarrengedudel einfach auf den Sack geht.
Ich denke von 10 könnten 7 nicht genau sagen was ein Keyboarder überhaupt zum Sound beiträgt außer es ist die Superfläche ala Pink Floyed.

Es kommt halt stark auf die Art der Rockmusik an.
Lautes Heavy-Gedröhne mit zwei bis drei Akkorden (mal etwas überspitzt dargestellt, sorry liebe Metaller :engel:) benötigt natürlich keine Keys.
Das andere Extrem ist der (auch von mir hoch geschätzte) Progressive Rock, dieser wäre ohne (z. T. sehr ausgefeilte und virtuose) Keyboardarrangements undenkbar.
 
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punkadiddle

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Hallo, ich bin leider auch ein großer Fan des Progressive Rock ala Floyd und es ist nahezu unmöglich, dafür einen Tastenmenschen zu finden. Wer jemanden kennt, der in der norddeutschen Tiefebene Bock auf sowas hat, darf sich gerne bei mir melden. Ich schaffe gerne Platz für den Tastateur, der sehr gerne eine B3, ein Rhodes und diverse Moogs mitbringen darf. Wenn es irgendwie geht, baue ich im Probenraum auch noch was an für einen gescheiten Flügel und Strings in jeglicher Form sind auch noch willkommen. Man wird ja träumen dürfen......

keep on floydin`
 
toeti

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Hi,

das Phänomen kenne ich auch zu gut. Hier in der Gegend werden aus meiner Sicht auch sehr viele Keyboarder gesucht und das nicht nur bei Coverband. Ich glaube, dass es wirklich zu wenig Keyboarder gibt, die "mehr" können als "nur gut" spielen.
Als Pianist bin ich absolut nicht vorne dabei, aber dafür weiß ich, wie ich mich in einer Band zu verhalten habe, was Geklimper und Sounds angeht.

Da fangen die Probleme dann an.

Und dann sind wir da: Die paar Keyboarder die Bandtauglich sind, können sich dann aussuchen, was sie machen.

Was aber auch so ähnlich schon angesprochen worden ist: Ich stelle oft wenig Verständnis für Keyboarder fest. Einmal den Hardwareaufwand, den man betreiben muss um überhaupt irgendwas zu spielen und dann das Sound erstellen zuhause. Das kostet in den meisten Fällen deutlich mehr Zeit, als das spielerische Problem zu lösen.
Wenn dann der Sound nicht beachtet wird, stelle zumindest ich mir die Frage: Was mache ich hier eigentlich?

Und ich stehe auf Rockmusik und habe kein Problem damit bei 50% der Songs die klappe zu halten, wenn es sein muss. Das ist dann einfach der Job und Spaß habe ich meistens trotzdem an der Musik :)
 
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Talentfrei

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Meiner bescheidenen Erfahrung steht die Antwort schon im Titel - Du musst nur aus dem "?" ein "!" machen. Eine Band taugliche Person an den Tasten zu finden ist (zumindest hier in der Gegend) quasi unmöglich.

Und dann sind wir da: Die paar Keyboarder die Bandtauglich sind, können sich dann aussuchen, was sie machen.

Ganz genau!

Ich stelle oft wenig Verständnis für Keyboarder fest

Stimmt, ich habe kein Verständnis, wenn der Tastemmensch keine Ahnung hat, was er spielt - das aber dafür richtig falsch - aber dafür alle anderen kritisieren muss. Ebenfalls kein Verständnis habe ich, wenn die Tasten viel zu laut sind, von den Tasten ständig falsche Töne angegeben werden oder wenn der Typ ständig und lange am Gerät ohne Not rumprogrammieren muss ohne das es besser wird. Kein Verständnis habe ich auch, wenn die Struktur des Songs jedes einzelne Mal neu erklärt werden muss. Klar gibt es das bei allen Instrumenten Gattungen, aber bei den Tasten fällt es mir überdurchschnittlich auf.

Natürlich hast Du ebenfalls recht, mein Drummer hat z. B. keine Ahnung was ein Keyborder überhaupt macht:

Zudem umweht schon seit einigen Jahren den Keyboardinstrumenten im allgemeinen Volksmund die Legende, "die Dinger spielen eh alles alleine" u

Das könnte fast ein Orginal Zitat von ihm sein :D
 
Whiteman

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ich habe kein Verständnis, wenn der Tastemmensch keine Ahnung hat, was er spielt - das aber dafür richtig falsch - aber dafür alle anderen kritisieren muss. Ebenfalls kein Verständnis habe ich, wenn die Tasten viel zu laut sind, von den Tasten ständig falsche Töne angegeben werden oder wenn der Typ ständig und lange am Gerät ohne Not rumprogrammieren muss ohne das es besser wird. Kein Verständnis habe ich auch, wenn die Struktur des Songs jedes einzelne Mal neu erklärt werden muss.

Gut, das spielerische Niveau eines Keyboarders (das gilt aber auch für alle anderen Instrumente) sollte schon zum Rest der Band passen bzw. so hoch sein, dass ein Spiel mit Band überhaupt möglich ist (einer der Gründe, weshalb ich bislang kein Bandkeyboarder war/ bin :D).

Auch sind irgendwelche egomanistische Verhaltensweisen einzelner Mitglieder fehl am Platz, in einer Band muss dann doch eine gewisse Kompromissbereitschaft vorhanden sein (einer der weiteren Gründe, weshalb ich bislang kein Bandkeyboarder war/ bin :D:D).
 
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@Talentfrei ,

ich habe jetzt einfach mal ein spielerisches Mindestniveau vorausgesetzt. Die Dinge, die du aufzählst kenne ich eher von Gitarristen ;) Aber das ist nicht das Thema.
Mein Hauptpunkt sollte sein: Die Band fordert den geilsten Sound überhaupt und der muss am besten klingen wie das Original. Aber der Aufwand, der dahinter steckt, ist nur wenigen bekannt.

Ich stelle mal in den Raum, dass es weniger Gitarristen gibt, die versuchen den originalen Sound zu erreichen, als es von Keyboardern erwartet wird.
Vermutlich fällt es da auch weniger Leuten auf, oder?

Aber ja: "!". Es gibt zu wenige, bzw. zu wenige zeigen sich!
 
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Whiteman

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Ich stelle mal in den Raum, dass es weniger Gitarristen gibt, die versuchen den originalen Sound zu erreichen, als es von Keyboardern erwartet wird.
Ich wage auch mal zu behaupten, dass in einer Coverband alles, was nicht nach Gitarre und Bass klingt, gern auf den Keyboarder abgewälzt wird (der auch nur zwei Hände hat)...
 
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Das sowieso .... beliebt sind da ja die Bläser ;)
Ich meinte aber wirklich nur den Gitarren Sound ohne den ganzen Rest.
 
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Gut, das spielerische Niveau eines Keyboarders (das gilt aber auch für alle anderen Instrumente) sollte schon zum Rest der Band passen

Vor allem sollte es zu Selbsteinschätzung passen, da gibt es schon riesige Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit...

Die Dinge, die du aufzählst kenne ich eher von Gitarristen ;)

Da fehlt dann aber schon noch einiges mehr :D

Ich wage auch mal zu behaupten, dass in einer Coverband alles, was nicht nach Gitarre und Bass klingt, gern auf den Keyboarder abgewälzt wird

Das kenne ich eher in die Richtung, das sich der Taster Linien unter den Nagel reisst, die eigentlich für die Gitarre waren und auch als wir 2 Gitter hatten, diese ums Verrecken nicht hergeben wollte - anstatt die Tastenparts zu spielen, aber das von Dir beschriebene Verhalten habe ich leider auch erlebt.

Es ist eben überall so, in Summe sind es zu wenige Musiker gibt, die "zusammen" spielen wollen - das eine Band vom Team lebt scheint bei vielen auf der Strecke geblieben zu sein...
 
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dr_rollo

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Ich bin also mit meiner Auffassung nicht alleine ;)
Im Titel hab ich mich bewusst auf 'Band-Keyboarder' bezogen. Ich seh das genau wie @toeti: Als Bandkeyboarder kommt es weniger drauf an, dass man ausgebildeter Pianist ist (auch wenn es ohne Zweifel - wie bei jedem anderen Instrument auch - nicht schadet, wenn man eine ausgeprägte Fertigkeit an seinem Instrument mitbringt), entscheidender ist, dass man vielseitig ist, u.a. weiß, wie man eine Orgel oder andere Tasteninstrumente spielen muss, wie man tasten-fremde Instrumente richtig spielt, denn das ist wichtiger, als den passenden Sound im Keyboard zu wählen. Keyboard ist in meinen Augen ein deutlich herausfordernderes Instrument als Gitarre, Bass oder Drums, ohne wirklich werten zu wollen. Es ist halt - und das betrifft halt den Bandkeboarder - mehr als nur das Klavier. Sicher gibt es Bands, wo sich der Mensch an den Tasten auf ein Instrument beschränkt, z.B. nur Piano, nur Orgel, nur ein Rhodes, oder nur ein Akkordeon. Aber der typische Keyboarder liefert halt alles, egal ob Cover oder Progressiv. Und warum? Weil's geil ist, weil er's kann und weil's kaum Grenzen gibt, was man nicht hinbekommen könnte. Und gerade das macht dieses Instrument für mich halt auch so interessant. Ich hab 15 Jahre nur Gitarre gespielt, jetzt spiele ich Gitarre nur gelegentlich, oder wenn es mal Songs gibt, wo eine zweite Gitarre wichtiger ist als ein Keyboard. Und weil ich Gitarre spielen kann, spiel ich Gitarrensounds natürlich nicht auf dem Keyboard ;)

Irgendwie werden aber auch kaum welche gesucht. Zumindest, wenn man nicht covern möchte.
Wenn man covert, und da im Original Keyboards drin sind, kommt man halt um den Keyboarder nicht herum, es sei denn, man arrangiert den Song komplett um, was natürlich geht, aber nur wenigen wirklich gelingt, weil gerade bei bekannten Songs, die jedem im Ohr sind, dass ziemlich schwierig ist, und ich glaube, dass das nicht nur mir als jemand, der (natürlich!) auf Keyboards achtet, auffällt.
Bands, die nicht covern, kommen oft gar nicht erst auf die Idee, sich einen Keyboarder zu suchen. Wenn der Keyboarder von Anfang an dabei war, sind die Songs vermutlich auch für Keyboard vorgesehen (da wird's dann besonders schwer, wenn der Keyboarder aussteigt, einen adäquaten Ersatz zu finden!). Den wenigsten Bands, die eigene Songs ohne Keyboard spielen, kommt es in den Sinn, dass ein Keyboarder die Band bereichern könnte.

Ich wage auch mal zu behaupten, dass in einer Coverband alles, was nicht nach Gitarre und Bass klingt, gern auf den Keyboarder abgewälzt wird (der auch nur zwei Hände hat)...
Jo, und da reden wir nicht nur über typische Keyboardsounds, sondern wenn da irgend ein Sample oder Loop abgefeuert werden muss, ist der Keyboarder derjenige, der sich diesen Sample erstellt und auch bedient. Die wenigsten Drummer kümmern sich um so was, obwohl es auch für sie extra Pads gibt, mit denen man einen Sample triggern könnte.Ich weiß nicht warum, aber solche Dinge bleiben i.d.R. immer am Keyboarder hängen. Die wenigsten Gitarristen haben sich mal mit der Option Guitar To Midi beschäftigt, kaum ein Bassist kommt mal auf die Idee, sich ein Keyboard oder ein Fußpedal á la Taurus hinzustellen, um in 'seinem' Bereich mal etwas zur Ergänzung oder Weiterentwicklung des Sounds beizutragen. Vielleich bekommt man einen Gitarristen noch dazu, einen Looper einzusetzen, das war's dann aber auch schon.

@toeti hat's auch schon erwähnt:
habe kein Problem damit bei 50% der Songs die klappe zu halten, wenn es sein muss.
Da ist meine Erfahrung, dass dies oft ein Problem bei Gitarristen ist. 'In der Passage ist keine Gitarre, da gehört auch keine hin, und muss auch keine erfunden werden' oder 'nimm dir doch an der Stelle mal lieber einen Schellenkranz oder Shaker' sind Diskussionen, die man sich sparen kann.
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Das kenne ich eher in die Richtung, das sich der Taster Linien unter den Nagel reisst, die eigentlich für die Gitarre waren
Das kenne ich eigentlich gar nicht, eher im Gegenteil, dass ich mir Kommentare anhören muss: 'mit Gitarre klingt das viel geiler'.
Besonders schlimm für Keyboarder ist es, wenn die Band den Song ohne Keyboard eingeübt hatte, man als Keyboarder dazu kommt - was ja schon mal eine gute Erkenntnis der Band ist ;) - und man den Gitarristen diese Parts wieder wegziehen muss.
 
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taxman

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Das mit dem Team ist eh das Wichtigste. Und über das, was wer wann spielt, sollte man reden. Insbesondere geht es darum als Band zu spielen. Für Keyboarder heißt das oft, das man hörbar in der zweiten Reihe arbeiten muss. Du musst da sein, aber keinesfalls zu laut. Das ist verdammt schwer und erfordert nicht nur die Kohle für gute Instrumente, sondern noch einmal richtig viel Geld für Monitoring und Submischer.
Eines der großen Irrtümer von Nichttastenmenschen ist, das man als Keyboarder sofort alles parat hat.. Mal eben Piano, Orgel (was ja noch eher als Presst oder Instrument vorhanden ist) und dazu die paar Kleinigkeiten, ein paar Pads, den Leadsynth und natürlich die Effekte in der Bridge, im Intro und zwischendurch ein paar Sampleeinspielungen. Ach ja, und die Bläsersätze der Bigband,, die müssen aber Original kommen... :evil: Den Klick für den Drummer nicht vergessen. Am Besten sofort bei der ersten Probe...
Mit zwei Gitarreros würde ich persönlich nicht mehr wollen, da hab ich in den seltensten Fällen Spass gehabt. Ist aber nur meine persönliche Meinung :rolleyes:
 
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Ich meinte aber wirklich nur den Gitarren Sound ohne den ganzen Rest.
Hatte ich auch so verstanden, das Weitere war nur ein nächster Einwurf meinerseits. :)

Vor allem sollte es zu Selbsteinschätzung passen, da gibt es schon riesige Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit...
Jup. Insbesondere halbwegs fortgeschrittene Anfänger neigen gern zur Selbstüberschätzung. :rolleyes:
Wenn man covert, und da im Original Keyboards drin sind, kommt man halt um den Keyboarder nicht herum, es sei denn, man arrangiert den Song komplett um, was natürlich geht, aber nur wenigen wirklich gelingt, weil gerade bei bekannten Songs, die jedem im Ohr sind, dass ziemlich schwierig ist, und ich glaube, dass das nicht nur mir als jemand, der (natürlich!) auf Keyboards achtet, auffällt.
Bei mir in der Gegend gibt es eine richtig gute und langjährig aktive Coverband (spielen 1960er bis aktuell), die tatsächlich komplett ohne Keyboards auskommt. Selbst mir, der vorwiegend gern keyboardlastige bis -dominierte Musi hört, fehlte der Tastenmensch eigentlich nicht, auch wenn ich für mich bei dem einen oder anderen Song einen entsprechenden Tastenpart "hinzugedacht" habe :cool:.
 
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Mit der Bandtauglichkeit fängt es ja häufig schon an.

So gibt's auf der einen Seite die Pianisten. Egal, wie gut die auch sein mögen – die können einfach nicht, ohne ständig beide Hände auf den Tasten zu haben. Die kennen es gar nicht anders. Und so matschen sie den Bandsound zu. Auf der anderen Seite sind die extremen Synthesizernerds. Die könnten einen zweistündigen Clubgig mit einem elektronischen, überwiegend analogen Kleintierzoo™ auf einem Tapeziertisch spielen, ohne ein einziges Mal schwarze und weiße Tasten anzufassen. Letzteres können sie aber auch gar nicht, was sie für Bands unbrauchbar macht. Da hätte man schon größere Erfolgschancen, wenn man versuchen würde, einen "fortzubilden", der bisher nur Tischhupen gespielt hat – auch wenn der Melodien nur mit rechts spielen kann.

Wer eigentlich geeignet wäre, kann sich – wie Rollo das so schön formulierte – aussuchen, wo er spielt, weil er derartig viele Angebote kriegt. Und das tut er dann auch. Und alle anderen Bands gehen leer aus, vor allem die Sorten, auf die Keyboarder keinen Bock haben. Zum einen sind das Top40-Bands, in denen man hauptberuflich spielen muß, weil man dann zu nichts anderem mehr kommt. Zum anderen sind das diejenigen Rockbands, deren Nichtkeyboarder sich nicht beherrschen können und nach der Devise "möglichst hart, möglichst laut" spielen. Selbst wenn da der Keyboarder die Gesangsanlage mitbenutzen dürfte, würde er sich nicht hören. Zu tun hätte er da häufig außerdem entweder zuviel (alles, was nicht Baß, Drums, Gitarre oder Gesang ist – egal, wieviel das sein mag), oder er wär nicht ausgelastet, weil er nur Streicherteppiche à la Nightwish oder CoB legen soll. Verständlich, wenn Keyboarder auf solche Bands keinen Bock haben.

Viele von denen, die wirklich auch "elektronisch können", ziehen letztlich das Vangelis-Fazit, entsagen Bands komplett und schwenken gänzlich auf Elektronik um. Dazu kommt für sie nämlich das Gary-Numan-Fazit: Elektronische Musik kann man auch alleine machen, da braucht man keine Band für. Und schon hat man wieder weniger potentielle Bandkeyboarder-Kandidaten.


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Froschkapitaen

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