Hollereidullijöh!
Irgendeiner hat mal in irgendeinem Songtext die Passage „es ist nie zu spät“ eingebaut. Daran halte ich mich jetzt…
Ich musste gerade erst selber mal nachschauen, aber doch, ich bin eigentlich schon seit längerer Zeit hier im Forum angemeldet. Ich hab aber bisher anscheinend immer nur das Schwarmwissen der Forumsmitglieder schamlos ausgenutzt. An einem Plauder-Thread war ich, glaub ich, so gut wie noch nicht beteiligt. Hab diesen hier auch mehr oder weniger zufällig entdeckt.
Man sieht, technische Probleme KÖNNEN durchaus auch positive Nebeneffekte haben. Hätte mir mein VoiceLive keinen Streich gespielt, hätte ich auch nicht im Akustik-Gitarren-Forum gestöbert, hätte diesen Vorstellungs-Thread nicht gesehen und ihr müsstet jetzt nicht meine schreiberischen Ergüsse über euch ergehen lassen…
Ich heiße Rainer und bin 60 Jahre alt. (Guter Anfang, oder?)
Irgendwann in grauer Vorzeit, ich weiß es echt nicht mehr, wann das genau war, fand meine Mutter, es sei eine gute Idee, wenn ich Akkordeon (bei uns heißt das Ding „Schifferklavier“) lernen würde. Musik hat mir, glaub ich, schon immer gefallen, besseres zu Tun hatte ich in dem Alter von ca 10 Jahren auch nicht, also hab ich dann immer tüchtig den Balg auf- und zugezogen.
Ich fand das Schifferklavier aber immer total uncool. Die Beatles, Suzie Quatro und auch Bob Dylan hatten nämlich in ihren Nummern keine Spur von einem Akkordeon drin. Dafür hatten die was anderes gemeinsam, nämlich Gitarren. Daher wollte ich viel lieber Gitarre spielen. Gitarrenunterricht gab‘s aber keinen, schließlich hat meine Mutter ja schon den Quetschen-Unterricht bezahlen müssen. Ja, dass so etwas auch Geld kostet, war mir als Jungspund nicht so ganz klar.
Naja, auf unserem Dachboden fand sich dann irgendwann mal eine uralte Wandergitarre meiner Großmutter. Mit 6 rostigen Stahldrähten drauf, Saitenabstand am Hals-/Korpusübergang gefühlt ca 2 cm, das letzte Mal wahrscheinlich kurz nach dem Krieg gespielt worden. Es kamen fürchterliche Töne aus dem Instrument.
Meine Schwester hat sich dann das (damals noch nicht so) berühmte Gitarrenbuch - von wem wohl? Ja, klar - unser aller Peter Bursch! - gekauft. Der Rest dürfte dann ja auch selbsterklärend sein. Fortan wurden ganz schnell die Hausaufgaben erledigt und der Rest des Nachmittags wurde die Gitarre malträtiert, bessergesagt, die Umgebung mit Hilfe der Gitarre. Stundenlang.
Blöderweise hat sich in meinem Umfeld nie eine Schülerband gegründet, bei der ich hätte mitmachen können. Daher hatte ich auch nie die Veranlassung, irgendwelche Solo-Läufe zu üben. Ich blieb immer beim Akkordeschrammeln stehen. Und das ist leider bis heute so geblieben. Meine Finger lassen sich einfach nicht dazu überreden, mal flüssig ein paar Melodieläufe zu spielen.
In meinen 20er Jahren war Motorradfahren deutlich wichtiger für mich, also wurde die Gitarre nur noch gaaaanz selten in die Hand genommen. Dann waren ca 10 Jahre dabei, in denen ich gar nicht mehr gespielt hab. Irgendwann dann aber doch wieder angefangen.
Und kaum war ich 40, kam mein Coming-Out. Anlässlich eines Benefiz-Konzertes wegen des Pazifik-Tsunamis damals, hab ich während der Organisation desselben leichtfertig gesagt, „da spiel ich auch mit!“
Ja, das war was! In unserer Turnhalle geschätzt 500 Leute, Headliner 2 regionale Coverbands, ein regional ziemlich bekannter Akustikgitarrist und Sänger - und ich. Ich denke, ich kam ganz gut beim Publikum an. Jedenfalls gab es ab dem Zeitpunkt immer wieder Auftritte für mich.
Nach dem zweiten Kneipenauftritt haben sich ein paar weitere Musiker um mich geschart und dann waren wir für ein paar Jahre sogar eine „richtige“ Band.
Das war dann vor ca 15 Jahren, und da wurde ich dann auch so langsam meinen Akustikgitarren untreu. Im Jahr 2011 hab ich mir durch mehrere Auftritte in unserer damaligen Skihütte Gage erspielt, von der ich mir dann meine erste richtige
E-Gitarre* gekauft hab. (Richtig deshalb, weil ich die dann auch gespielt hab. Mitte/Ende der 80er wollten ein paar Kumpels und ich schon mal eine Band gründen, dafür hab ich mir eine
Ibanez* RG 450 Roadstar II gekauft. Die staubte dann über 25 Jahre bei mir vor sich hin) Jedenfalls, meinem großen Vorbild Bruce Springsteen nacheifernd, hab ich mir von der Skihüttengage eine US-Telecaster gekauft. Und im Lauf der folgenden Jahre ist dann die Sache mit E-Gitarren auch langsam ausgeufert. Aber das ist eine andere Geschichte.
In Akustikgitarren-Hinsicht hat sich natürlich zwischen dem ersten Auftritt und der Skihüttenserie auch etwas getan. Es wurde sich Equipment zugelegt. Schließlich braucht man als Solo-Entertainer eine eigene PA.
Irgendein no-Name Ding für 500€ Nein, eine BRANX für fast 1300DM! Dann hat man gemerkt, dass es gut ankommt, wenn die Stimme auch noch etwas Hall und/oder Delay bekommt. Und vielleicht etwas wie eine Harmonie-Stimme dazu? TC-Helicon kam mir damals erstmals zu Ohren und hätte mich begeistern können, wenn es nicht so schweineteuer gewesen wäre. Ich konnte mir gerade mal das VE-20 von Boss leisten. Und das war schon heftig. Blöd nur, und völlig unpraktisch, dass man die Tonart am Gerät selbst händisch jeweils einstellen musste. Was dann wiederum dazu geführt hat, dass ein oder zwei Jahre später doch das erste Gerät von TC angeschafft wurde.
Auch die no-Name-PA wurde verscherbelt und durch etwas-mehr-Name-PA‘s ersetzt. Ich glaube, die erste hochwertige Anschaffung war eine HK-Luca Nano, oder so ähnlich. Der folgte dann nach kurzer Zeit ein lang gehegter Traum, eine Dynacord-Anlage! Die Powermate 1000-3 mit 2x 15“-Boxen. War immer ne riesen Schlepperei, daher hab ich mir nach einigen Monaten noch 2 12“-Boxen dazu gekauft.
Und dann hat mich ein (leider inzwischen verstorbener) Freund auf Digitalmixer aufmerksam gemacht. Dynacord wurde verkauft und nun spiel ich seit etlichen Jahren über ein Soundcraft Ui mit 2 RCF-Säulen. Dazu lasse ich mich inzwischen von einem TC-Helicon VoiceLive 3x unterstützen, und manchmal klopft mir mein BeatBuddy noch einen Rhythmus dazu.
Meine Akustik-Gitarren-Geschichte:
- Erste Schritte auf dieser ominösen Wandergitarre mit rostigen Stahldrähten
- nach vielen Monaten von gespartem Taschengeld eine erste eigene Westerngitarre, Harmony-Sovereign. Hängt heute noch an der Wand.
- im Vorgriff auf erstes verdientes Geld 1982 eine
Ibanez* was-weiß-ich Westerngitarre mit Mocking-Bird Design in schwarz heimlich gekauft. Nachdem meine Mutter die zufällig bei mir im Zimmer entdeckt hat, gab‘s nen riesen Anschiss und ich musste die (fantastisch klingende) Klampfe rückabwickeln.
- nachdem ich ja dann 1983 tatsächlich Geld verdient hab, wollte ich die gleiche Gitarre wieder haben. Rein in den Laden, die Schwarze war aber weg. Gleiches Modell in Rotbraun war da. Also hab ich die mitgenommen. Die kam aber klanglich nie an die schwarze ran, daher hat das Spielen plötzlich nur noch wenig Spaß gemacht. Wurde irgendwann mal wieder verkauft.
- 1986 kam dann „meine“ Gitarre zu mir, die mich jahre-/jahrzehntelang durch viele Höhen und Tiefen begleitet hat. Ein Traum! Ovation Collector Series 1984. Hab ich natürlich noch und werde ich immer behalten.
- 1992 war mir so, als ob ich eine 12-saitige bräuchte. Ovation Celebrity 12 String.
Wurde später wieder verkauft.
- 1996 war mir die Ovation dann zu schade für Lagerfeuer-Einsätze und es wurde eine Billiggitarre angeschafft. Eine Shimro-Westerngitarre für unter 200 DM. Wurde später wieder verkauft.
- grad die Rechnung entdeckt: die erste PA war ein „BRANX“-Powermixer mit 2 12“er BRANX-Boxen, angeschafft 1997 für 1.264,00 DM.
- Dann musste 2005 eine etwas höherwertige „Billiggitarre“ mit Tonabnehmer für die doch hin und wieder stattfindenden Auftritte bei Freunden her. Eine Art&Lutherie D CW Black QPU Ced. Die war echt schön und klang gut, hab sie aber später auch wieder verkauft, um Platz für Neue zu schaffen.
- 2006 wurde erstmal die BRANX-Pa gegen eine PHONIC ausgetauscht
- 2007 sah ich einen Konzertmitschnitt der Eagles und hätte unbedingt die eine Takamine-Gitarre gebraucht, wie sie Glenn Frey da gespielt hat. Mein Musikalienhändler meines Vertrauens hat, als ich ihn angerufen hab, gesagt, „Takamine hab ich leider nicht im Programm, aber ich hab was Vergleichbares gerade hier“. So kam dann kurz vor Weihnachten 2007 meine Seagull Studio CW I-Beam Duett DLXCa zu mir. Hab dann viele Auftritte mit ihr gespielt, bis die Elektrik des Tonabnehmers irgendwann anfing, rumzuzicken.
- 2012 war dann ein schlimmes Jahr. Da wurde die PHONIC-PA gegen die Dynacord-Anlage getauscht. Noch dazu machte ich den fatalen Fehler, eine im Laden hängende Gitarre anzuspielen. Und schon hatte ich meine erste Martin. Eine Martin DC-12-15E Custom. Hab ich noch, spiel ich aber viel zu selten.
- 2013 kam wieder eine Wald-, Feld- und Flurgitarre dazu, um für Gigs bei diversen Veranstaltungen nicht immer die teuren Instrumente mitnehmen zu müssen. Eine Martin DCXE Black. Eigentlich schon fast eine „Plastik-Gitarre“, die aber gut klingt. Nur die Bespielbarkeit macht mir wenig Freude. Sie liegt hier in ihrem Koffer herum.
- 2015 machte ich dann den Kauf meines Lebens sozusagen. Mein Arbeitstier. Mein Ein und Alles. Endlich eine Takamine! Und zwar die EF360GF Glenn Frey! Ich liebe sie!
- 2016 kam dann die RCF-Anlage dazu.
Dann war, zumindest was meine Akustik-Abteilung betrifft, erstmal Ruhe. Bis…
Ja, bis ich dann im Dezember 2025 mal wieder beim Musikalienhändler meines Vertrauens eine dort rumhängende Gitarre in die Hand nahm…
- seit Dezember 2025 hab ich jetzt eine Furch Blue D-CM. Das Gerät hat so einen dermaßen tollen Sound… - ich MUSSTE sie einfach haben. Sie hat zwar eine scheiße breiten Hals, 48mm, aber der Klang ist so brutal genial…
AU WEH - jetzt hätte ich ja fast noch eine vergessen!
- bei dem Weihnachtslieder-Gewinnspiel 2024 hier beim Musiker-Board habe ich ja auch noch meine
Ibanez* AAM70CE-TBN gewonnen!
Nachdem ich letztes Jahr aus meiner Mittelalter-Metalband ausgestiegen bin, konzentriere ich mich jetzt auch wieder auf mein Akustik-Setup, meine Westerngitarren und meine Solo-Auftritte als Einzelkämpfer.
Was mir aufgefallen ist, ich habe ausschließlich Dreadnought-Modelle. Nur meine erste, die Harmony, die könnte einen Jumbo-Body haben. Und die gewonnene Ibanez hat einen 000-Korpus. Aber mit kleineren Korpusformen kann ich generell nix anfangen. Da gefällt mir einfach weder der Sound, noch die Optik. Wobei da die Ibanez echt eine Ausnahme ist.
Zusammengefasst ergibt das jetzt
1 x Harmony Sovereign (nur noch Deko)
1 x Ovation Collector
1 x Martin 12-String
1 x Martin 6-String
1 x Seagull
1 x Takamine
1 x Ibanez
1 x Furch
Dazu kommen dann auch noch inzwischen 9 E-Gitarren…
Und das, obwohl ich nichtmal richtig spielen kann…
Aber dafür kann ich schrecklich lange Texte verfassen, wie ihr gerade selber gemerkt habt, solltet ihr bis hierher gelesen haben.
Sollte ich euch mit diesem langen Erguss gelangweilt haben, so tut mir das nur am Rande leid. Denn glücklicherweise ist dieses ja ein Internet-Forum und ihr wisst nicht, wo genau ich grad sitze. Also könnt ihr mich jetzt auch nicht hauen.


Ansonsten wünsch ich dann noch einen schönen sonnigen Sonntag. Und ich muss jetzt endlich raus, Sonne genießen!
Viele Grüße
Rainer