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Ist das normal so oder war das einfach nur Pech mit der Stichprobe? N=2 ist nun alles andere als repräsentativ...
Jein, normal nicht, aber schienbar üblich.
Immer öfter kommen einem einerseits tadellose "Billigklampfen" unter andererseits hochpreisige Instrumente mit fragwürdigen Mänglen, die teils auf die Werke, teils auf die Distributionen und Händler zurückzuführen sind. Das betrifft durchgehend alle Marken, wobei wir da bei Ibanez lange verwöhnt waren, sowohl durch Meinl und die Händler, als auch schon durch Hoshino Gakki.
Ab Beispiel Ibanez kann ich da gleich mehrere Beispiele bringen:
RG: Es standen 652, 631 und 421HP im Vergleich zur 550 zur Wahl. Die 652 und die 550 waren dabei am Ende (als ich noch die aus dem Lager zum Vergleich bekam), die am wenigsten "wertigen". Bei der 550 war die Griffbrettkante unangenehm scharf und das Edge nicht verkantungsfrei verbaut, bei der der 652 hatten die Bünde wohl Transport und/oder Lagerung schlecht überstanden, da wäre einiges an Arbeit gewesen die Kanten nachzuarbeiten und das bei dem schon nicht so toll verarbeiteten Griffbrettbinding. Dazu kam bei beiden "kein" Werkssetup. Die 631 war solide verarbeitet, aber dann ein billiges welliges Pickguard? Die Indonesischen RG421HP waren allesamt tadellos, vom Setup und von der Verarbeitung. Griffbrett und Bundkanten besser verrundet als bei der Genesis, angenehmerer Hals etc. Der Unterschied zur doppelt teuren 652 liegt am Ende bei den fehlenden Bindings... Also wurde es die 421HPAM. Ich liebe sie.
S540, S770, S6570: Die alte japanische S540 aus den 90ern ist zwar schwerer, aber klar tadellos. Die S770 aus Indonesien ist leichter, aber ebenfalls absolut Tadellos vom Fleck weg, die S6570 kostet gleich das doppelte von beiden zusammen und ist zwar auch mängelfrei (kein Vergleich zu den RGs), brauchte aber deutlich mehr Setup.
Totale Überraschung: die aktuelle Ibanez GAX30 (hatte ich damals nur gekauft, weil ich den Hals nachmessen wollte). War das doch eigentlich eher das Gegenstück zur Epiphone LP Special, also billiges Einsteigerding der Kategorie Schraubhalspaula) ist das jetzt ein absolut makelloses, richtig gutes Instrument. Klar, gibts für so einen Typ kaum Kundschaft und deswegen wird sie auch wieder verschwinden vom Markt, aber da gibts nichts auszusetzen an irgendwas. Sogar die Infinity Pickups klingen darin nach was. Sie ist ein tolles Rockbrett, out of the Box perfekt leicht und angenehm zu spielen. Der Hals mit den Bindings und Block Inlays ist besser verarbeitet als bei der Prestige RG, da kommt einem schon ein großes "?" aus der Birne geschossen.
Meine Gesamterfahrung ist die, dass Ibanez derzeit mit den indonesischen Gitarren ganz, ganz stark ist, wohingegen die Japaner derzeit ihre Probleme haben. Dabei sind die Preisunterschiede weder durch Arbeitsqualität, noch durch Materialqualität oder die (teils deutlich) bessere Hardware zu rechtfertigen.
Ich bin auch mit der AR520 aus China nicht unzufrieden. Die Fertigungsqualität liegt nicht auf dem Niveau der indonesischen, speziell da wo mans normalerweise nicht sieht und es nich stört (beim Blick in die F-Löcher offenbart sich dann so manches, die Bindings sind opulent aber nicht perfekt ausgeführt,...), aber es ist insgesamt absolut in Ordnung, speziell vom Spielgefühl her, also hauptsächlich der Bundierung absolut zufriedenstellend.
Aber in allem ist das Preis-/Leistungsverhältnis bei Ibanez immer noch viel besser als bei Gibson. Eine Les Paul kann man wohl echt erst nach 30 oder mehr Jahren und mindestens einem Halsbruch kaufen.
Überrascht hat mich in beide Richtungen Schecter: die C6Pro, ebenfalls aus Indonesien, ist eine geile Gitarre, die den RGs in der Preisklasse verarbeitungstechnisch überlegen ist, aber auch nicht ganz fair direkt vergleichbar, da hier die Pickups die größte Schwachstelle sind, aber alle Achtung, was da um das Geld machbar ist. Auf der anderen Seite SLS Elite, da genaugenommen die Solo II Evil twin. Eine "moderne Edel-SC" aus Korea um vergleichsweise schlankes Geld, aber immer noch ~€ 1.600,-, sucht Euch die Zuckerl/Featurelist der Gitarre selbst raus, die Liste ist lang. Erst mal fast zwei Jahre Leiferzeit, dann speckige Flecken im matten Lack, spürbar rauhes Holz am Halsübergang, Lacktränen unter allen drei Potis und kein Setup vor der Auslieferung. Gibts also überall.
Heute bekommt man für recht wenig Geld ganz brauchbare Instrumente. Im Premiumsegment hingegen lassen woh alle Hersteller nach.