Ich finde, dass man den richtigen Lehrer braucht. Als Kind hatte ich Klavierunterricht und die Suppe wurde mir mächtig versalzen.
Danach hörte ich mit dem professionellen Unterricht auf, war richtig frustriert und wurde Autodidakt, was hervorragend funktionierte, weil ich weit in meinem eigenen Tempo kam.
Zwingenberger und Chopin waren bspw kein Thema mehr. Jedoch übte ich auch viel, mindestens drei Stunden jeden Tag...
Aber auch auf dem Weg waren Vergleiche im Allgemeinen und Druck sehr destruktiv.
Jetzt spiele ich seit Anfang Juni wie ein Süchtiger Gitarre, mehrere Stunden (mindestens vier) am Tag und habe einen sehr guten Lehrer finden können und mache aufgrund dessen sehr rasche Fortschritte.
Er ist auch anders, absoluter Deathmetaller, der mir Bluesstunden gibt... Er unterrichtet ohne Zwang auf bestimmte Sachen und fördert meine eigene Neugier, korrigiert Spieltechnik und verweist auf wichtige Dinge. (Modes, Kirchentonleitern usw...)
Wenn ich mir jetzt aber vorstelle, mich zu vergleichen... Leute, die es viel besser können oder irgendwelche Freunde auf Facebook... Kennt jemand "TheDoo?" Auch krasser Typ, oder John Mayer... Ist klar, dass man da erstmal zweifelt. Aber die Leute haben tausende Stunden des Übens hinter sich und man darf nicht vergessen, dass das auch teilweise richtige Nerds sind, die das total obzessiv betrieben haben und noch betreiben... Die Dinge müssen ja ins Langzeitgedächtnis...
Und dorthin gelangen nur die Dinge, die man repetitiv betreibt.
Auch käme bei mir sofortiger Frust... Die Vorstellung Musik an sich über zu theoretisieren.
Klar, ich finde es wichtig, die Umkehrungen, die Modes, Scales im Allgemeinen (die ich sehr wichtig finde gerade für Gitarre...)
Was nützt es die Harmonien und Intervalle eines Stückes zu erfassen, wenn die eigentliche Musik nicht ins Blut will, weil man gehemmt und blockiert ist.
Ich bin jemand, ich erschließe mir sehr viel übers Gehör: Beispielsweise kann ich mittlerweile die Pentatoniken in allen Tonlagen und Erweiterungen (diagonal übers griffbrett) und baue sie mixolydisch aus, auch vergehe ich mich bereits an den Tenses.
Die Theorie hilft mir dabei zu erkennen, was ich da eigentlich spiele, was ich höre. Aber ich wäre nie dahingekommen, wenn man mich dazu gezwungen hätte... Frei nach dem Motto: "Kein Haus ohne Fundament" oder "du kannst das erst, wenn du die theorie beherrschst...".
Das Griffbrett der Gitarre kann ich aber immer noch nicht, jedenfalls nicht im Detail, vielleicht 40 Prozent... Und das nach fast sechs Wochen...
Im Vergleich zum Klavier lernt man das Griffbrett nicht innerhalb von zehn Minuten...
Ich übe es auch nicht aktiv, schaue mir den Ausdruck jeden Abend vorm Schlafen einmal an und gut. Mir ist es wichtig zu wissen, in welcher Tonlage ich spiele und alles weitere weiß mein Gehör... Ich mache mir da aber auch keinen Druck. Die Zeit wird mir das Griffbrett schon zur Heimat machen.
Ich weiß aber, wo die Töne ungefähr liegen, die ich brauche und von dem Punkt aus betreibe ich alles wie Lego. Ist ja simpel chromatisch aufgebaut.
Deswegen: Auch wenn das dämlich klingt, aber an deiner Stelle würde ich mal kräftig einen bechern, bis du paar Promille hast und dann mal ungehemmt in die Saiten schlagen und einfach Spaß haben.
Vergiss den Theoriekram, vergiss was die Freunde spielen, vergiss Vorbilder und habe Spaß mit den Dingen, die du kannst und die dir gegeben wurden und dann baue darauf auf!
Fakt ist aber und dessen bin ich mir auch bewusst: Nichts kommt von allein, selbst große Talente müssen fleißig sein (was ironisch ist, denn diejenigen, denen es in die Wiege gelegt wurde, die spielen ja ohnehin freiwillig den gesamten Tag, weil sie anders gar nicht können). Schaut euch John Mayer an. Er sagt selbst, dass er jede freie Minute spielt. Und das bei seinem Beruf. Oder die Typen von AC/DC - alles Nerds gewesen, die nur das Üben kannten. (Ich schaute mal eine Doku)
Oder Thommy Emmanuel... Der sagt auch: "Üben, üben, üben"...
vlg