Ich spiele auch mal Orakel:
Ich schätze, dass grundlegend und vorrangig die Frage entscheidend ist, ob es in 30 Jahren überhaupt noch einen großen Gitarrenmarkt, also viele potentielle Käufer gibt.
Beispiel Briefmarken, Märklin, alte Fotoapparate usw.: Kein relevanter Markt mehr da, Preisverfall komplett. Ebenfalls stark gefallen: Bestimmte Antiquitäten (Zinn, Teller usw.), das waren alles zeitlich begrenzte Sammlungsschwerpunkte. Viel hing immer damit zusammen, was für (Jugend-)träume sich die Generationen, die Geld verdienten, erfüllen wollten.
Der Vorteil bei Gitarren ist, dass diese auch einen Nutzwert haben. Fpr mnich ein wesentlicher Unterschied zu Briefmarken. Solange man Gitarren auch in 30 Jahren spielen kann, sehe ich den Markt eher wie bei Autos, wo Oldtimer -auch kleine- durchaus einen Markt haben und halten.
Die Gitarren haben den Wegfall der ursprüngliche Intention aus den 50ern (Rebellion und Erfordernis, auch größere Räume und Hallen beschallen zu können, PAs waren ja in Säalen noch nicht sehr verbreitet) gut überlebt, auch den Einzug der Elektronischen Musik in den 80ern (Synthies), ich schätze also, dass auch in 30 Jahren noch ein relevanter Gitarrenmarkt existieren wird.
Allerdings wird sich der Interessentenkreis nach meiner Einschätzung verkleinern. Zum einen spielt da die demografische Entwicklung eine Rolle (letzter geburtenstarker Jahrgang war 1967), zum anderen sind wir geburtenstarke Jahrgänge in den 70ern, 80ern und frühen 90ern eigentlich alle mit Rockmusik / E-Gitarrenmusik aufgewachsen, das ist bei jungen Leuten von heute nur noch eingeschränkt der Fall, da geht es eher um Youtuber, Influencer, DJs usw.
Ich schätze daher, dass sich in 30 Jahren der Gitarrenmarkt konzentrieren wird. Wertstabil schätze ich dann noch die höhere und hohe Qualität ein. Bestimmte hochwertige Gibsons, Fender, PRS werden wohl ihren Wert halten können. Ich verfolge ja intensiv die Wertentwicklung früher PRS, da steigt die Kurve seit den 90ern beständig und "knickfrei" an. Trotzdem würde ich nie eine alte PRS nur unter dem Gesichtspunkt Wertsteigerung kaufen.
Die großen Firmen halte ich auch für wertstabiler, einfach, weil auch heutige Generationen die Namen noch kennen. (Wer kennt demgegenüber in 30 Jahren noch Namen wie Steinberger, Parker Fly, Alembic, obwohl das tolle Instrumente waren/sind? Das Phänomen gibt es ja heute schon, wie viele Gitarristen wissen beispielsweise, dass Epiphone mal ein eigenständiger Anbieter von absoluten Topinstrumenten im obersten Preissegment war?)
Meine persönliche Einschätzung:
In den nächsten 15 Jahren wird der Markt preisstabil bleiben, hochwertige Instrumente werden weiter zulegen. Danach wird es sich zunehmend auf bestimmte Instrumente konzentrieren.