Hab' den Tread eben erst entdeckt und beim Überfliegen gesehen, dass Günther "Günni" Philipp auch häufiger erwähnt wird. Ich hatte vor langer Zeit einen netten Schriftwechsel, als ich ihn um Details zu meinem Vintage-Amp L-1 Lead-Series, Produktionsjahr 1985, bat.
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Also da muss man sehr lange ausholen, es gibt da sehr viel zu erzählen. Dieser Lead L1 war zwar nicht der Mittelpunkt unserer Geschichte, er war eher ein Rand- bzw. ein Verlegenheitsprodukt. Aber heiß umkämpft. Der Nachfolger dieses Lead1 hieß dann Champion, das hatte nur interne Gründe, und dieser Champion wurde fast genauso gebaut wie Deiner (Anmerkung: der Lead 1).
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Da dann das Ding mit seiner Bastfront fast so aussah wie der Mesa Boogie, wurden wir von Mesa Deutschland angegriffen, gleichzeitig hat uns die Firma Hohner verklagt wegen dem Namen Champion, den hatten die sich schützen lassen, allerdings dummerweise nur für Schlagzeuge. Mesa konnte uns auch nix, da unser Bespannstoff, dieses Bastzeugs, von uns entwickelt worden ist. Mittlerweile wurde dieser Lead1 immer weiter entwickelt und war seinerzeit einer der meistverkauften Gitarrenverstärker in Deutschland oder auch Schweiz.
Der große Bruder des Lead 1 war unser Vintage-Amp Groove. Der Groove und der Lead waren unsere ersten Halbleiterverstärker, und es waren auch fast die einzigen Halbleiteramps, die gegen die Röhrenteile anstinken konnten. Beide Amps waren auch sehr beliebt, z.B. hat sich seinerzeit Mike Oldfield so einen Groove gekauft um seine damalige LP aufzunehmen, wie die jetzt hieß weiß ich nicht mehrt, irgendwas mit "…bells oder so, na ist auch egal.
Der Groove und der Lead waren die ersten Gitarrenverstärker, deren Endstufe mit den damaligen legendären Hitachi Mos-Fets aufgebaut war und auch richtig und sicher funktioniert hat. Das war damals gar nicht so üblich. Viele hatten da probiert und sind entnervt wieder auf die 3055 umgestiegen. Das sind Wald- und Wiesentransistoren, die funktionieren schon, aber diese Mosfets das war doch eine ganz andere Hausnummer.
Also unsere Endstufe wurde oft kopiert und versucht nachzubauen. Die Leistung des Grooves war 120 Watt an 4 Ohm, der Lead macht immerhin noch 60 Watt.
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Also, Dein Amp ist Baujahr 1985 eher gegen Ende `85. Technische Unterlagen sind leider keine mehr vorhanden.
Übrigens war dieser Amp bei vielen Profis als Backstage-Amp beliebt. Nun Mike Oldfield war jetzt nicht das Paradebeispiel, interessant war ja auch damals, dass dieser Amp von seinem Gitarrenmensch ausgesucht wurde. Das Ganze spielte sich in einem Münchener Musikladen ab. Und Du kannst Dir ja vorstellen, da stand alles rum, was Rang und Namen hatte und Geld spielte mit Sicherheit da keine Rolle.
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PCL Vintage-Amp
Die technischen Daten:
PCL Vintage-Amp Lead Series L1 - Custom
Halbleiter-Combo, 2 Kanäle, 60 Watt MosFet
der serienmäßig verbaute Fane Classic 13/70-Speaker 70 Watt wurde Ende 2009 gegen einen Celestion G12/T75 getauscht
halboffene Bauweise
Gehäusebezug entfernt - Holz gebeizt und klarlackiert
Frontbespannung aus Korbgeflecht
Accutronics Federhall
Anschlüsse:
Input - Effect In - Effect Out - Line Out - Footswitch - 2 Speaker-Anschlüsse (davon 1 nachgerüstet)
Regler:
Channel 1
Treble (Shift-Switch) - Bass - Volume (Bright-Switch)
Channel 2
Treble (Shift-Switch) - Bass - Drive (Bright-Switch) - Master
Presence - Reverb
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