Keine Sorge, Thorsten, ich hab nur über das Zitat geschmunzelt und kann mir sehr gut vorstellen, dass Du Dir den Kronos am Ende womöglich selbst besorgst.
Innovation:
Es ist vollkommen klar, dass der Kronos ein um minimale Hardware abgespeckter und ansonsten deutlich verbesserter Oasys ist.
Der Innovationssprung, der bis heute von keinem anderen Gerät außer dem Kronos eingeholt wird, liegt also beim Oasys. Und er liegt nicht in irgendwelchen einzelnen Soundkomponenten, die man so oder ähnlich auch in jeweils einzelnen Hardware-Geräten findet. Er liegt stattdessen in einem wegweisenden Paradigmenwechsel: weg von mehr oder weniger fest in Hardware gegossener proprietärer Software und hin zu einem flexiblen OS mit jederzeit rekonfigurierbaren Software-Komponenten und multiplen Synth-Engines mit durchgehendem seamless switching.
Heute ist klar, dass das der zur Zeit wohl EINZIGE Weg ist, wie Hardware-Workstations mit der Software-Entwicklung auf PCs und Tablets mithalten können. Alle anderen bestehenden Synth-Konzepte (außer den aus anderen Gründen schwer verzichtbaren analogen) sind neben diesem innovativen Konzept aus meiner Sicht reine Auslaufmodelle und werden in dieser Form nicht überleben können. Wenn das kein Maßstab für Innovation ist, was dann?
Der Kronos hat dieses weitgehend übernommene Oasys-Konzept nicht nur bezahlbar gemacht (was ich allein schon eine beachtliche Entwicklerleistung finde und nicht einfach bloß das Ergebnis fallender Marktpreise für leistungsfähige Elektronik), sondern es auch an mehreren Punkten technisch deutlich aufgewertet, von denen ich nur vier nennen will:
- SSD-Streaming wird wohl gegenüber Flash-RAM auf Dauer die inteligentere Lösung sein, da es kurze Speicher- und Ladezeiten (gegenüber saulangsamem Speichern und unmittelbarem Laden) mit viel größeren Speicher- und Lademöglichkeiten verbindet und den Sprung hin zu Sample-Libraries aus dem Kontakt-Zeitalter ermöglicht (ein Riesensprung gegenüber dem Akai-Zeitalter).
- 8- oder 16-Laer Sampling bedeutet einen Quantensprung von den total nervigen Velocity-Sprüngen typischer 2- bis 4-fach gelayerter Sample-Patches hin zu Samples, die man ähnlich übergangslos dynamisch spielen kann wie Modelling-Sounds (wenn ich ein Scarbee-Rhodes mit 12 Layern spiele, merke ich praktisch nichts von Velocities).
- 24bit Audio-Aufnahmen lassen sich problemloser für jeden Mix weiterverwenden als 16-bit Audio
- seamless switching quer durch Synth-engines und Modi ist etwas, das Roland allein schon als Jahrhundert-Durchbruch feiern würde. Das festverdrahtete seamless switching des Fantom G mit je einem Insert pro Patch, das seinerzeit als Durchbruch gefeiert wurde, sieht daneben wirklich extrem alt aus. Egal ob es das schon beim Oasys gab oder jetzt erst beim Kronos: das ist wirlich ein Hammer für Keyboarder-Performance!
(Und nein, Kurzweil hat das nicht schon immer genauso gehabt: da gibt's deutliche Übergänge z.B. von KB3 zu anderen engines, soweit mir Kurzweil-Besitzer sagen)
Der also in wesentlichen Bereichen noch mal verbesserte Oasys namens Kronos beitet technisch alle Voraussetzungen, das mit Abstand innovativste Gerät auf dem heutigen Synth-/Workstation-Markt zu sein und wohl auch für eine Weile zu bleiben (ich sehe noch nicht am Horizont, wie die anderen das schnell egalisieren oder toppen wollen).
Ob oder wie weit er es in der alttäglichen Keyboarder-Praxis dann auch ist, das hängt nicht allein an den technischen Daten, sondern an vielen Einzelheiten, und das werde ich genauso gründlich austesten wie Du, und ihn NICHT kaufen, wenn er beim Praxistest deutliche Schwächen zeigen sollte. Während wir also sehr verschieden über Innovation denken, sind wir doch beim Blick auf den Härtetest kaum unterschiedlicher Ansicht.
