Ich stelle fest, dass meine Lieblingsgitarristen vor allem die sind, die neben einem eigenen Stil
auch einen eigenen Sound entwickelt haben und das nicht nur "zufällig" sondern offensichtlich, weil sie das ganz bewusst wollten, indem sie z.B. Equipment-technisch eigene, bzw. neue Wege gegangen sind. Beispiele für mein Verständnis:
- Brian May: Eigene Gitarre, Sixpence als Plek, Vox + Treble-Booster (natürlich von Rory Gallagher inspiriert)
- David Gilmour: "Normale" Strat, aber kreativer Einsatz vieler Effektgeräte/Studiotechnik
- Eddie Van Halen: Strat + Humbucker, gemoddete Plexis, "Variac" etc.
- The Edge: Unverwechselbarer Einsatz von Delays (dürfte dabei allerdings auch von Gilmour inspiriert worden sein)
- Jimi Hendrix: logisch, bei ihm ist Stil und Sound-(Innovation) auch kaum zu trennen
- Malcolm Young: Stil und Sound gehen da auch eng zusammen und führen dazu, das man am ersten Ton hört, wer da in die Saiten greift...
- James Hetfield: Wollte vom "Standard-Besteck" (gemoddeter)
Marshall* + Boss DS/OD etc. weg und benutze als einer der ersten im Metal-Bereich EMGs und genreuntypische Boogie-Amps
- Dimebag Darrell: ML + OBL + Randall war/ist auch ziemlich einzigartig, das Klangergebnis entsprechend auch
- Jimmy Page und Ritchie Blackmore waren ebenfalls sehr kreativ/innovativ, was die (Aus-)Nutzung technischer Möglichkeiten angeht
Da ließen sich sicher noch Dutzende Beispiele finden ...
Übrigens liebe ich Mike Oldfield als Gitarrist, der hat auf den klassischen Alben von Tubular Bells bis Q.E.2 einen unverkennbaren Lead-Sound hat, ganz typisch hier in den Passagen ab ca. 1:40/4:20 (witzig auch: Oldfield spielt Rhythmus mit Plek und Lead auf sehr spezielle Art mit den mit den Fingern:
Weniger in in mein persönliches, subjektives "Bewunderung-Schema" passen für mich viele große Blues-Gitarristen, die zwar aufgrund ihres Stils auch einen eigenen Sound hatten, aber offenkundig wenig Wert auf bestimmtes Equipment legten.
Oder auch "moderne" Blueser wie Bonamassa, John Meyer etc: Geschmackvollste, "edelste" Sounds, keine Frage, aber da ist jetzt auch nicht der Anspruch erkennbar, was Neues/Unverwechselbares zu schaffen, was den Sound angeht, sondern die wandeln ja klar in den Fußstapfen historischer Vorbilder.
Ähnlich nehme ich größte Teile der Metal-Szene wahr: Wenn man dasselbe Equipment benutzt wie alle anderen, kann schwerlich etwas neues entstehen. Ich will das aber gar nicht verurteilen, für viele ist Equipment lediglich Mittel zum Zweck und letztlich nützt einem der originellste/innovativste Sound ja auch nix, wenn man keine Riffs/Songs am Start hat...
Dennoch: Je weniger Equipment es gab, desto kreativer waren (gezwungenermaßen!?) die Gitarristen, wenn sie etwas unverwechselbares erschaffen wollten ... Insofern finde ich, dass die besten Sounds aus den späten 60ern/70ern/80ern stammen.
Heute gibt's eine unüberschaubare Flut an Equipment ... Aber wo sind neue Sounds? Der Trend geht ja eher dahin, Presets, sorry, "Profile" herunterzuladen und zu benutzen. Weniger kreativ kann man sich dem Thema Sound ja kaum annähern (finde ich).