With great power comes great responsibility.
Die neueste Waffe in meinem Guitarsenal - eine Ibanez Power-II von 1988 in herrlich altmodischem Neongelb.
Die Power-II ist eine nicht ganz so alltägliche, andererseits aber auch nicht gerade total obskure Serie. Ein Jahr nach Einführung des Pro-540P "Power"-Modells stellte man im Hause Hoshino fest, dass es auf dem Markt nicht wahnsinnig gut ankam, zumindest nicht im Vergleich zu den Schwestermodellen 540S "Saber" und 540R "Radius" und Ibanez-Gitarrendesigner Rich Lasner wurde mit dem Entwurf eines Nachfolgers beauftragt. Er ersann daraufhin eine Weiterentwicklung und implementierte einige Features der Wettbewerber Jackson (Reverse Headstock, extra breites Griffbrett) und Kramer (kein Tone-Regler) sowie den Wunsch des damaligen Endorsers Alex Skolnick von TESTAMENT nach einem auf den Kopf gestellten Korpus. Da Skolnick in verschiedenen Katalogen und Werbekampagnen mit einer Power-II abgebildet war, assoziiert man ihn bis heute damit, obwohl nie ein echtes Signature-Modell daraus hervorging. Stattdessen nutzte er im Lauf der Jahre neben diversen Custom-Anfertigungen auch Gitarren aus den Serien MAXXAS, Saber und Ghostrider, aber das nur am Rande.









Wie so oft in der geheimnisvollen Ibanez-Marketingstrategie gab es auch bei diesem Modell unterschiedliche Varianten je nach Zielmarkt USA/Europa/Japan, aber in diesem Fall gingen die Unterschiede über Lackierung oder Hardware-Bestückung hinaus. So hatte die zweite Power-Generation in den amerikanischen Katalogen einen 22-bündigen Hals und in den europäischen sowie japanischen Katalogen zwei Bünde mehr, ein Schlagbrett und den Zusatz II in der Typenbezeichnung. Es half jedoch alles nichts, nach 1990 war die Power-Modellreihe endgültig Geschichte, um Fujigen-Produktionskapazitäten für besser laufende Serien freizumachen.
Die vorliegende Gitarre trägt also die Bezeichnung
Roadstar Pro 540PII-SHDY, wobei SH die Tonabnehmerbestückung Single-Coil + Humbucker impliziert und DY für den Farbcode "Desert (Sun) Yellow" steht. Der Korpus ist aus Linde und der 17mm dünne Wizard-Hals aus Ahorn. Das extra breite Palisandergriffbrett misst am Sattel stolze 45mm

. Der Korpus ist ausgestattet mit dem Ibanez EDGE Floyd Rose und zwei von DiMarzio hergestellten Tonabnehmern namens IBZ USA F3 (Steg-Humbucker) und IBZ USA C2 (brummfreier gestackter Single-Coil am Hals).
Im Gegensatz zu allen anderen 24bündigen Ibanez-Schraubhälsen, die ich aus dieser Zeit kenne, hat dieser Hals weder einen AANJ noch ein überlappendes Griffbrett - der Halsfuß ist einfach an den Griffbrettrand gerutscht, so wie bei Jackson/Charvel. An genau jenem Halsfuß machte ich auch eine interessante Beobachtung, und zwar sind während der Fertigung fünf Bohrlöcher professionell verschlossen worden, bevor daraufhin neue Löcher gebohrt und der Hals mit dem Korpus verheiratet wurde. Ob das wohl immer so gemacht wurde? Oder hat man eine Bauabweichung einzelfallmäßig korrigiert?

Hat hier sonst noch jemand eine Power-II? Ist das dort auch so? Freue mich auf die Diskussion.