Aus gegebenem Anlass hier mal ein paar Bilder meiner Tremonti Core.
Und der wäre? Unlängst hatten wir hier ein paar wunderschöne DGTs, z.B. die prächtige Quilt Top von
@Stoptail22 und nicht zuletzt das blaue Wunder von
@DirkS. Nachdem letzterer mir doch tatsächlich die von ihm verschmähten, aber bekanntlich nur schwer zu findenden PUs aus seiner DGT überlassen hat

, wollte ich mich 1. für diese tolle Gelegenheit an dieser Stelle nochmal bei ihm bedanken und 2. kurz berichten, wie sich die DGTs in einer Singlecut so machen - optisch und klanglich. Zunächst also mal die Bilder (wobei entweder mein Handy auf dem Gebiet keine Leuchte ist, oder der Bediener):
Nachdem man es auf den Bildern vielleicht nicht so gut sehen kann: Die Tremonti habe ich ein bisschen aufgebrezelt. Ich bin ja einer, der eigentlich jede Gitarre wirklich zu "seiner" machen muss, indem ein paar Details des Serienmodells gemoddet werden. In diesem Fall sind das die folgenden:
- Die vernickelten Flügel der Tuner mussten großen Perloid-Knöpfen von Gotohs aus meinem Vorrat weichen (die hier passten, weil Gotoh wohl zeitweise die PRS-Tuner zugeliefert haben). Nun waren meine Gotohs vergoldet, also auch die längeren Schrauben - und damit fings an. Die Unterlegscheiben wurden auch gegen Gold getauscht, dann die mMn unpassenden hässlich schwarzen Befestigungsschrauben der PU-Rahmen, die Rändelmutter des Toggle und schließlich die Polschrauben der HB (ein Look, den ich nach anfänglichem Fremdeln inzwischen sehr ansprechend finde). Stand heute ist diese Tremonti-Hardware also so ein wenig 'Bi-Color light', wird aber evtl. noch fortgesetzt mit güldenen Saitenreitern.
- In der Federkammer habe ich einen Anschlag aus Holz montiert, auch um den Charakter etwas mehr in Richtung Paula zu verschieben. Der ist aber inzwischen wieder rausgeflogen, auch weil das Tremolo so wunderbar weich und stimmstabil reagiert, dass es schade war, es nur zum schöden Divebomb zu nutzen.
- Die alten Standard-Rahmen wurden durch die aktuellen, und wie ich finde, wesentlich edler aussehenden Versionen ersetzt.
- Ebenso mussten die Knöpfe aktuellen Lampshades weichen, wobei das und die Rahmen eh schon fast jeder zu machen scheint. Wirken mMn halt sehr viel edler.
- Der schwarze Knopf am Tremoloarm sah für mich auch immer wie ein Fremdkörper aus, erst recht zusammen mit dem cremefarbigen am Toggle Switch. Ersetzt wurden sie jeweils durch Tortoise-Style Tips von Crazyparts.de.
- Der BridgePU war mir zu heiß und fettig, er wurde durch einen frühen 57/08 ohne Gravur ersetzt - und jetzt wie gesagt, beide durch die DGTs.
- Und da nun endlich beide PUs splitbar waren, habe ich ein Push/Push-Poti eingebaut, für jeden PU jeweils mit 1,8 KOhm-Widerstand für einen Partial Split.
Womit ich beim Thema Sound wäre, bzw. wie er sich jetzt so anlässt. Die ursprüngliche Bestückung war, gerade was den BridgePU betrifft, ganz klar für Marks Sound ausgelegt. Der BridgePU aggressiv und wuchtig, aber nicht maßlos - durch das (so wie es aussah, sogar schon ab Werk vorhandene) 50s Wiring war er zwar durchaus gut zu bändigen, aber ich war da gerade mehr auf dem Vintage-Trip. Auch habe ich festgestellt, dass es mir das Einstellen der 1.000 Sounds aus meinem Rack erleichtert, wenn der Output der Gitarren nicht allzu weit auseinander liegt. Daher haben alle HB-Gitarren PUs in Richtung PAF/Hot PAF bis höchstens Medium High (was für mich in etwa bei Duncan Custom, Hyperion, Dimarzio Air Norton oder Tonerider Rocksong ansetzen würde), und die SCs sind eigentlich immer Noiseless mit für Strats recht hohem Output, wie z.B. Dimarzio Area 61, Virtual Vintage Blues oder Heavy Blues 2.
Der Tremonti Treble liegt da schon etwas außerhalb meiner Komfortzone, zumal ich in Sachen Keramik-Magnete mein zugegeben irrationales Unbehagen nie so ganz losbekomme. Wie gesagt,
eigentlich ist das schon ein für diese Art HB sehr kultiviertes Teil, und
eigentlich kann der auch Dinge wie meine geliebten Wihitesnake 1987-Sounds erstklassig. Wie dem auch sei, erst recht und noch mehr gilt das für den Tremonti Bass. Ich meine einer alten Liste, die im Netz kursierte, mal entnommen zu haben, dass hier ein AlNiCo IV-Magnet zu Einsatz kommt, und ich bin sehr geneigt, das zu bestätigen. Denn dieser HB ist sehr ausgeglichen, klar und transparent, hat zugleich aber sehr schöne Mitten und singt, ohne zu matschen. Für mich die typischen Charakterzüge eines A4-HB, wie ich sie auch erhalten habe, als ich in der Paula den A5 eines Duncan '59 durch einen AlNiCo IV ersetzt habe- deutlich schlankere, tightere Bässe, mehr und definiertere Mitten und klare, aber nicht harsche Höhen, selbst bei HiGain. Einer der wenigen HalsHB, mit dem ich auch Powerchords mit voller Zerre spielen kann, ohne dass sie mir davon schwimmen. Und die Cleansounds sind vielleicht ein klein wenig kühler als gewohnt, aber da kann man ohne weiteres mit dem Tonregler feinabstimmen, da genug Reserven in den Höhen da sind. Ich hatte sogar noch einen weiteren 57/08, hatte aber nicht das Gefühl, dass der zwangsläufig besser sein müsste.
Der Tremonti Bass blieb folgerichtig auch als Partner des 57/08 Treble, und hat diesen auch nicht übertönt. EIgentlich war das dann schon ein ganz nettes Pärchen, aber das Bessere ist ja immer des Guten Feind. Was ich sehr schade fand, war auch, dass der Tremonto Treble keinen Split-Anschluss besitzt. Der Tremonti Treble kurioserweise schon, auch wenn er ab Werk unbenutzt bleibt. Da ich bei meinen Gitarren den Split zu 90 % am Hals verwende, habe ich mir bisher den Aufwand gespart, ein Pushpoti nachzurüsten.
Also Auftritt DGT-HB: Und ja, die klingen wirklich deutlich anders. DIese PUs sind erkennbar als Pärchen abgestimmt, Output und Sound bleiben beim Umschalten Bridge/Neck immer sehr homogen. Was sofort auffällt, ist dass sie den Sound der Tremonti deutlich in Richtung "fette Les Paul" rücken - Tiefmitten, die richtig drücken, fette Solosounds, und selbst mit dem straff klingenden und metallastigen "The Anvil"-Röhrenpreamp oder meinem Rectumfire-Preset aus dem Helix Rack singt es ohne Ende.
Ich kann auch verstehen, warum sie öfters als etwas "dunkel" klingend beschrieben werden, da ist schon was dran. Sie klingen eher warm und rund, allerdings ohne dumpf oder matschig zu werden. Es ist eher eine Frage des Timbres, ähnlich wie wenn ein Tenor und ein Bassbariton in der gleichen Tonlage singen, aber dabei deutlich anders klingen. Diese Abstimmung könnte aber gut der Grund sein, warum die Splitsounds wirklich hervorragend klingen, und auch nicht zu stark gegen die HB-Sounds abfallen. Speziell der (teil-)gesplittete NeckHB bringt für mich einen wirklich glaubwürdigen und vielseitig einsetzbaren Sound, den ich zwar nicht als identischen, aber qualitativ für mich durchaus gleichwertigen Ersatz für den NeckSC einer Strat ansehe. Und er brummt weniger, schließlich bleibt auch der HB-Effekt beim Partial Split zumindest teilweise erhalten.
Was ich trotz 50s Wiring vielleicht doch noch nachrüsten will, ist ein Treble Bleed. Ich denke, David Grissom arbeitet sehr viel mit den Potis, sein Amp ist ja nicht zufällig ein Einkanaler. Vor diesem Hintergrund macht die Abstimmung dieser PUs natürlich erst richtig Sinn: Treble Bleeds klingen beim stärkeren Zurückdrehen gerne auch mal etwas schrill und dünn, so zumindest meine Erfahrung, trotz etlicher verschiedener Werte. Spielt man aber mit einer Grundeinstellung der GItarrenpotis auf 7 oder 8, liegen so warm abgestimmte PUs durch einen Treble Bleed dann schon viel näher am gewohnten Spektrum - und zugleich hat man durch volles Aufdrehen Reserven für einen dicken, singenden Leadsound, ganz ohne Treten auf Umschalter oder Trampelkisten. Unterm Strich hat man so also direkt auf der Gitarre auf viel mehr einsetzbare Sounds Zugriff als mit dem Rezept "Meine Gitarre muss mit allem auf 10 schon so klingen, wie ich das haben will". Auch der Einsatz traditioneller Trampelkisten, insbesondere eines Treble-Boosters, könnte sehr gut zu diesen PUs gut passen - Allerwelts-PUs sind das definitiv keine.
Und wie gesagt, zieht man diese durch Konstruktion (Tremolo statt Tunomatic, schlankerer Hals) und Mensur doch etwas straffere Version einer Singlecut aufgrund von Spielkomfort und Möglichkeiten einer typischen Les Paul vor, will aber deren Soundwelt näher kommen, sind die DGTs ebenfalls eine sehr gute Wahl, zumal es mMn bisher nichts wirklich Vergleichbares gibt, das man bei den üblichen Verdächtigen wie Duncan und Dimarzio finden könnte.
Gruß, bagotrix