Sehr interessantes und diskussionswĂŒrdiges Statement von Michael Kux von fb.
"Platz 23. Drittletzter. Zwölf Punkte. Nicht zwölf tausend. Zwölf. Das ist ungefĂ€hr die Menge an emotionaler UnterstĂŒtzung, die man in Deutschland bekommt, wenn man sonntags um 8 Uhr bohrt.
Sarah Engels steht also in Wien auf der BĂŒhne, singt âFireâ, alles explodiert, TĂ€nzerinnen wirbeln wie Endgegner in einem Playstation-Spiel, die Produktion glĂ€nzt wie eine frisch polierte ARD-Kantine und Europa schaut zu und denkt offenbar:
âJa⊠nett. Aber hat Finnland schon wieder jemanden auf Stelzen mit Flammenwerfer und Panflöte?â
Dabei war der Song objektiv kein Totalschaden. âFireâ war geschniegelt bis zum Anschlag: internationale Songwriter, Produzenten, Choreografie, Remixversion, Akustikversion, groĂes SWR-Setup!
Praktisch ein musikalischer Businessclassflug nach Wien.
Und dann kommt das Ergebnis: zwölf Punkte.
Davon null Punkte vom Publikum. Nicht mal Mitleidspunkte. Nicht mal versehentlich falsch gedrĂŒckte Telefonstimmen aus Bielefeld.
Die einzigen LĂ€nder, die Deutschland ĂŒberhaupt Punkte gaben, waren:
* Bulgarien
* Belgien
* Portugal
* Italien
Das warâs. Europa hat Deutschland behandelt wie einen USB-Stick mit âTreiber wird installiert⊠bitte wartenâ.
Und Ăsterreich?
Nicht ein Punkt.
Der Gastgeber dachte sich offenbar:
âSchön, dass ihr da seid. Jetzt bitte leise Richtung Ausgang.â
NatĂŒrlich heiĂt das nicht, dass beim ESC Vetternwirtschaft herrscht. Niemals. Das wĂ€re absurd.
Es ist sicher reiner Zufall, dass sich seit Jahrzehnten gewisse Regionen gegenseitig Punkte zuschieben wie Familienmitglieder bei Monopoly-GeldwÀsche.
BalkanlÀnder:
âBruder, du bekommst 12 Punkte.â
Skandinavien:
âNein DU bekommst 12 Punkte.â
Ex-Sowjetblock:
âUnsere Freundschaft hĂ€lt lĂ€nger als jede NATO-Debatte.â
Und Deutschland?
Deutschland sitzt daneben wie der Typ auf der Party, der Kartoffelsalat mitgebracht hat und plötzlich merkt, dass alle anderen koksen.
Die EBU versucht zwar offiziell, Nachbarschaftsvoting zu verhindern. DafĂŒr gibt es sogar Lostöpfe nach historischen Abstimmungsmustern.
Aber am Ende wirkt der ESC trotzdem jedes Jahr wie ein Familienfest, bei dem Deutschland der entfernte Onkel ist, der mit Socken und einer PowerPoint-PrÀsentation auftaucht.
Und das Bittere ist ja: billig war der SpaĂ nicht.
Deutschland gehört als âBig Fiveâ-Land zu den gröĂten Geldgebern des ESC und ist deshalb automatisch fĂŒrs Finale qualifiziert.
Die TeilnahmegebĂŒhr lag zuletzt laut Berichten bei rund 620.000 Euro.
Dazu kommen:
* BĂŒhnenproduktion
* TĂ€nzer
* Choreografie
* Unterbringung
* Technik
* ESC-Rahmenprogramm
* Delegation
* SWR-/ARD-Produktion
Unterm Strich wird fĂŒr Deutschland insgesamt von unter einer Million Euro bis deutlich darĂŒber ausgegangen.
Der gesamte ESC 2026 in Wien soll laut mehreren Berichten rund 36 Millionen Euro kosten.
Deutschland zahlt davon als groĂer Beitragszahler einen erheblichen Anteil ĂŒber die EBU-Struktur. Genau deswegen sitzen die âBig Fiveâ direkt im Finale. Quasi das Premium-Abo mit eingebauter sportlicher Depression.
Man muss sich das vorstellen:
Der deutsche GebĂŒhrenzahler finanziert Europas gröĂte Glitzerparty mit⊠damit Deutschland anschlieĂend behandelt wird wie ein unangenehmer Teams-Anruf am Freitagabend.
Und trotzdem: Der Song war nicht schlecht.
Er war professionell produziert. Modern. Radiotauglich. BĂŒhnenreif.
Das Problem ist vermutlich nicht nur der Song. Deutschland hat beim ESC inzwischen eine Aura entwickelt wie ein Drucker im BĂŒro: technisch okay, aber niemand liebt ihn wirklich.
Der ESC ist eben kein Musikwettbewerb mehr.
Er ist ein geopolitisches Gruppentherapieprojekt mit Nebelmaschinen.
Da gewinnt dann ein Beitrag namens âBangarangaâ aus Bulgarien mit 516 Punkten, wĂ€hrend Deutschland mit âFireâ abbrennt wie ein Toaster im Studentenwohnheim.
Vielleicht braucht Deutschland nÀchstes Jahr einfach mehr ESC-Zutaten:
* einen singenden Schamanen
* brennende Einhörner
* Dubstep-Jodeln
* drei Akrobaten an Fleischhaken
* und im Hintergrund Friedrich Merz auf einem Trampolin
Denn normale Musik scheint beim ESC inzwischen ungefÀhr so hilfreich zu sein wie ein FaxgerÀt im Cyberkrieg."
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