Ein Beispiel: 2023 wurde Lord of the Lost Letzer. In dem Jahr ist z.B. Patty Gurdy angetreten, der ich international eine wesentlich höhere Chance eingeräumt hätte: nettes Mädel mit exotischem Instrument und eingängigem Lied. Die hätte nicht unbedingt gewonnen aber oberes Mittelfeld wäre sicher drin gewesen.
Vom Konzept her sicherlich — in der Praxis hatte sie jedoch bereits im Vorentscheid Probleme, ihre Töne zu treffen. Das kann man zwar bis zum ESC noch trainieren, aber wenn es im inländischen Wettbewerb nicht bereits klappt, braucht man sich nicht wundern, wenn man gar nicht erst ausgewählt wird.
Kann natürlich auch sein, dass Patty Gurdy sich damals nicht richtig gehört hat. Das schien ja auch dieses Mal beim ESC selbst wieder vielen so zu gehen (siehe unten).
Auch bei ihr hätte jedoch das Risiko bestanden, dass „Melodies of Hope“ nur „nett“ gewirkt hätte, was eben nicht ausreicht. 2019 wollten viele Fans, dass Deutschland Aly Ryan mit ihrer Stampf-Nummer „Wear Your Love“ schickt — nach Sarahs Abschneiden dieses Jahr bin ich mir auch nicht mehr sicher, wie weit Aly gekommen wäre. Weiter als die stattdessen geschickten Sisters sicherlich, aber deshalb noch nicht unbedingt hoch platziert.
Gerade in diesem Jahr waren die Vocals (z.B. Polen, Frankreich, Israel, eigentlich alle) wahrlich der geringste Kritikpunkt.
Auch von der Song-Schwierigkeit, was den Gesang angeht, war da diesmal ziemlich viel dabei (Australien, Rumänien, Ukraine, Frankreich, Norwegen usw.). Einige haben sich auch verhoben (Norwegen im Finale, Litauen im Semi) und klar daneben gehauen.
Es scheint aber auch jeder zweiter Künstler krank gewesen zu sein. Vermutlich haben die sich hinter der Bühne alle gegenseitig angesteckt, so eng wie die da aufeinander hängen (wie man vielen Videos entnehmen kann). Dann geht ein riskanter Song wie der norwegische mit seinen vielen H4-Belts halt auch irgendwann mal live schief, wenn man den die ganze Woche lang mehrfach singen muss.
Ich persönlich denke, A4 hätte es für Jonas Lovv auch getan.

Gab auch durchaus einige ESC-Künstler in der Vergangenheit, die den Backing Track 1-2 Halbtöne runter gepitcht und dann live einfach tiefer gesungen haben. Weiß allerdings nicht, wie kurzfristig man so etwas noch anpassen kann / darf, insbesondere für spontane Krankheitsfälle etc.