Nervendes Publikum während des Gigs

dr_rollo

Mod Keyboards und Musik-Praxis
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Es gibt vor allem beim Dienstleistungs Sektor immer wieder Gäste, die es einfach nicht schnallen, und penetrant die Musiker während des Spielens nerven. Gestern war es wieder besonders schlimm, während ich am Keyboard stehe, spiele, singe, steht plötzlich einer der Gäste neben mir, und versucht mir was mitzuteilen. Er schnallt nicht, dass ich In-Ear hörer trage, also kein Wort von dem verstehe, was er sagt, abgesehen davon, dass es eh laut ist. Ich zeige mit einem Finger auf meine Kopfhörer, schüttle mit dem Kopf und versuche ihn abzuwimmeln, aber er lässt nicht locker, bis ich ihm zurufe "jetzt nicht, komm in der Pause wieder" (wir spielen üblicherweise überschaubare Sets von 4-8 Songs). Meistens wollen sie einem während des Spielens mitteilen, welchen Song wir unbedingt spielen müssen, weil der ja so abgeht, und dass die Leute den hier unbedingt hören wollen. Ich verstehe überhaupt nicht, wie jemand auf die Idee kommt, dass ich, während ich spiele und womöglich noch singe, mich mit ihm unterhalten könnte.
Bei Konzerten würde es solche Störungen nicht geben, da ist ein freier Zugang auf die Bühne meist gar nicht möglich, oder es gäbe Ordner/Security, die die Leute sofort zurückhalten. Im Deienstleistungssektor ist das schwierig. Zum einen ist da ein gewisser Pegel Alkohol vorhanden, der den Leuten die Hemmungen nimmt.
Wie reagiert man also? Was macht ihr in solchen Fällen?
a. Stöpsel raus und anhören was er will?
b. ihm einen Tritt geben, dass er von der Bühne fliegt?
c. die Band hört direkt auf, zu spielen, klärt laut und deutlich, dass solche Störungen zu unterlassen sind?

Bei a. bin ich mir nicht sicher, ob sie glauben, du könntest dich jeder Zeit ihnen zuwenden, weil da ja eh Playback läuft, und die Musik trotzdem weiter spielen würde. Ist bei uns leider nicht der Fall, wir haben null Playback, spielen jeden Ton live. Selbst wenn ich dem nachkommen würde, hätte das vermutlich zur Folge, dass das akzeptiert wird, und ich dann den ganzen Abend hemmungslos zugesülzt werden würde.
b. Gewalt ist keine Lösung, würde wohl beim Publikum und Veranstalter auch nicht gut ankommen ;)
c. haben wir schon mal gemacht, und ist auf völliges Unverständnis gestoßen, weil kaum einer geschnallt hat, worum es ging. Geht auch auf die Stimmung, für die wir ja in erster Linie zuständig sind. Dann kommt das bei vielen Leuten auch arrogant rüber "guck mal, die Herren Künstler!"

Es ist eh schon schwierig, wenn Dir Leute erzählen wollen, wie deine Setlist aussehen muss, damit genau hier die Post abgeht. Einige von uns haben über 40 Jahre Tanzmucker Erfahrung, denen muss man nicht erzählen, wie man den Abend gestaltet, wie die Songauswahl die beste ist etc.
Dass die Leute mit Musikwünschen kommen, was sie natürlich auch sollen, ist völlig ok, und wenn wir können erfüllen wir sie. Wir haben ein abrufbares Repertoire von über 350 Songs, was mich aber halt immer mehr abtörnt, ist das Unverständnis der Leute. Das geht dann so: "Könnt ihr den Song (xyz) spielen?" - "Nein, sorry, haben wir nicht im Programm", oder auch "tut mir leid, kenne ich nicht." - "Aber der ist völlig geil, der würde voll ankommen, der geht so:" und dann singen sie ihn dir vor, und glauben anscheinend, nun müsstest du den doch spielen können, oder sie würden den singen, und wir müssten nur begleiten.
Vielleicht bin ich auch langsam zu alt für den Job.
 
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d) Sich abwenden und den Kerl ignorieren.
 
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  • #3
...funktioniert sogar ab und zu ;) nervt aber trotzdem :)
 
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Hochzeit? Dann a. (Wer zahlt schafft an)
 
Ihr könntet ja einen zusätzlichen "Musiker" in die Band aufnehmen, der nur dafür zuständig ist, auf Publikumsanfragen einzugehen. Der steht dann mit auf der Bühne, hat ein Instrument in der Hand, kümmert sich aber primär drum, die ganzen Anfragen zu bearbeiten, während der Rest der Band ungestört weiter Musik machen kann.
 
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Stellt Schilder auf: WÄHREND DER FAHRT NICHT MIT DEM FAHRER SPRECHEN, und deute notfalls drauf. :rofl:

Die böse Version ist, dass Du ihm kurz zeigst, wie Dein Elektroschocker bruzzelt und Funken sprüht :D

Ansonsten: Gegen die Dummheit von Leute (dass man nicht kapiert, dass Du Dich während eines Songs nicht unterhalten kannst) ist kein Kraut gewachsen. Meine Zeit als Veranstaltungsmusiker und mit solchen Bands ist 50 Jahre her - damals gab's so ein Publikumsverhalten nicht. Ich glaub, dass das an der ständigen Verfügbarkeit von Medien liegt, dass die Leute weder denken noch Grenzen kennen. :rolleyes: Ich wollte ja heutzutage eh keine solche Veranstaltungsmusik mehr machen; daher Hochachtung vor allen, die dazu (noch) die Nerven haben.
 
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Oder eine große Schiefertafel aufstellen mit Kreide drunter und einer Ansage ans Publikum am Anfang: Wer was zu kommunizieren hat, möge dort bitte drauf schreiben.

Zuvorkommende Kommunikation ist sicher nicht verkehrt. Wenn Ihr zu Beginn eine Ansage macht in der Ihr
a.) Verständnis äußert, dass man als Publikum den Musikern was mitteilen möchte
b.) Leute auf der Bühne aber die Darbietung stören
c.) alternative Kommunikationsmöglichkeiten anbietet (von laut Applaudieren bis auf sowas wie "auf die Tafel schreiben")
kommt Ihr dem Problem vielleicht zuvor.

Erzählt doch von dem letzten Auftritt, wo so ein Typ auf die Bühne kam ... ein wenig witzig erzählt. Vielleicht reicht das schon?
 
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Ich würde ja intuitiv denken, wen solches Gebahren nervt, der ist zu lange als Dienstleistungsmucker unterwegs und sollte auf Jazz umsatteln. Da kann man dann happy sein, wenn überhaupt ein paar Leute zum Konzert kommen, und jede Publikumsreaktion ist besser als keine 😉
 
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  • #10
Ich war schon beim ersten Mal in so einer Situation schwer irritiert und habe mir überlegt einzupacken. Tauge also vermutlich nicht für solche Jobs.

Aber das mit der proaktiven Kommunikation leuchtet mir - falls nötig - ein.
 
  • #11
Ja komische Leute gibt es… vielleicht war auch ein Glas zuviel dabei.
Wenn ihr ca 350 Songs draufhabt (Wahnsinn!!), könntet ihr auch das Publikum auswählen lassen und à la carte spielen.
 
  • #12
wen solches Gebahren nervt ... sollte auf Jazz umsatteln
Nützt ja auch nix. Da spiele ich mit einem Jazzquartett, der Pianist setzt gerade zu einem Solo an, kommt die Veranstalterin und fängt an, mit ihm über die Gage zu diskutieren:rofl:

Kommt halt vor. Aber zum Glück ist das doch eher selten.

Schwieriger war ein Gast, der uns den Strom abstellen wollte. Er hatte es nur nicht geschafft, weil die Strominstallation etwas komplexer war. Und wir waren schneller bei ihm, als daß er Schaden hätte anrichten können :cool:

Insgesamt sehe ich das aber auch eher locker.
 
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  • #13
c. die Band hört direkt auf, zu spielen, klärt laut und deutlich, dass solche Störungen zu unterlassen sind?
Habe so etwas ähnliches schon als Gast auf einer Firmenparty erlebt.
Da ist ein Angetrunkener vor Begeisterung auf die Bühne gesprungen und wollte mitsingen. Daraufhin hat die Band sofort aufgehört zu spielen und die Sänger sind zur Seite gesprungen.
War natürlich für den "Verursacher" eine peinliche Sache, da den Vorfall jeder, auch der Chef, mitbekommen hat.

Vielleicht in Deiner Situation tatsächlich aufhören und nicht belehrend, sondern freundlich sagen, dass man durch das Ansprechen "total" aus dem Konzept gebracht wurde. Ich würde hoffen, dass der Gruppendruck dafür sorgt, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholt.
 
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  • #14
tatsächlich aufhören und nicht belehrend, sondern freundlich sagen ...
Das wäre nicht mein Rat. Auf der Bühne diskutieren, das geht selten gut. Und jemand, der so ignorant ist, während des Spielens reinzureden, wird sich nicht mit einem Satz zufrieden geben.
Das geht dann länger.

So lange es irgendwie geht, würde ich es mit Ignorieren und Weiterspielen versuchen. Freundliches Lächeln gratis dazu ;)
 
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  • #15
Bei Konzerten würde es solche Störungen nicht geben, da ist ein freier Zugang auf die Bühne meist gar nicht möglich, oder es gäbe Ordner/Security, die die Leute sofort zurückhalten. Im Deienstleistungssektor ist das schwierig. Zum einen ist da ein gewisser Pegel Alkohol vorhanden, der den Leuten die Hemmungen nimmt.
Tja, neben einer Showeinlage zu gegebener Zeit, etwa wie vor einem Flugzeugstart über sachgemäßen Dandgenuss, wie wäre so etwas?
  • große Stoppschilder an den Bühnenzugängen
  • alternativ optisch unterstützt durch Absperrband (rot-weiß, gelbes Absperrband "Tatort" o.ä.)
  • und vielleicht als Dreingabe, wenn das geht, so einen Kreideumriss, ggf. in Fluoreszierender Farbe
  • sowie ein im Halbdunkel lesbarem Schild "Warnung vor dem bischen (oder bissigen) Musiker" ....
1780869792059.webp
 
  • #16
Tatsächlich finde ich die Idee gut, eine Art von Ventil einzubauen bzw. eine Gelegenheit zu schaffen, mit diesen "Spielt doch mal XYZ" umzugehen.
Im einfachsten Fall, irgendwo eine Liste plazieren, wo die Leute ihr XYZ drauf schreiben sollen. Was Ihr dann davon spielt und ob überhaupt, ist ja Euch überlassen.
Das ganze dann am Anfang des Gigs ankündigen und gut ist. Jedenfalls würde ich das mal ausprobieren.

Gegen eine gewisse Art von selbstüberzeugten Störenfrieden und Besserwissern ist eh kein Kraut gewachsen, aber ich denke, bei vielen wirkt es zumindest in dem Sinne, dass sie nicht die Musiker stören, während sie ihr set spielen.

x-Riff
 
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  • #17
Nützt ja auch nix. Da spiele ich mit einem Jazzquartett, der Pianist setzt gerade zu einem Solo an, kommt die Veranstalterin und fängt an, mit ihm über die Gage zu diskutieren:rofl:
Gage und Jazz in einem Absatz? Jetzt wirds aber gar hypothetisch.... ;-) ;-)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Das wäre nicht mein Rat. Auf der Bühne diskutieren, das geht selten gut. Und jemand, der so ignorant ist, während des Spielens reinzureden, wird sich nicht mit einem Satz zufrieden geben.
Das geht dann länger.

So lange es irgendwie geht, würde ich es mit Ignorieren und Weiterspielen versuchen. Freundliches Lächeln gratis dazu ;)
nur wenn es da jetzt keine anderen Gäste gibt, die den da runter holen von der Bühne... dann ist das entweder eine wichtigere Person oder es ist offenbar denen allen egal und man wird sich halt drauf einstellen, dass man an dem Abend öfters mal jemanden als "Gastmusiker" auf der Bühne haben wird...
 
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  • #18
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  • #19
Ich hab mal mit einem Freund in einer Hard Rock Band gespielt, die diverse Cover der 70er und 80er aus dem Genre gespielt hat. Mein Freund hat auch noch zeitweise in einer Austro Pop Combo mit gespielt, die ich dann auch hin und wieder gemischt habe. Da tauchte bei diesen Gelegenheiten immer ein und derselbe Typ auf und fragte, natürlich extrem angetrunken und lautstark, meinen Freund von der Bühnenkante aus "Spüh's es Ai Cie Dee Cie aa?" (Spielt ihr AC/DC auch). Das hat sich dann bei uns zum Running Gag entwickelt. :juhuu:
Bei Konzerten würde es solche Störungen nicht geben, da ist ein freier Zugang auf die Bühne meist gar nicht möglich, oder es gäbe Ordner/Security
Naja, aber auch erst ab einer gewissen Größe und ich hatte es auch schon erlebt, dass bei verschiedenen Gelegenheiten, die durchaus als konzertant bezeichnet werden konnten, Besucher der Meinung waren, auch auf die Bühne zu stapfen und mitmachen zu wollen. Das geht dann gar nicht mehr.
In der letzten Zeit betreue ich auch hin und wieder eine solche Party Band und wenn ich dann so an der typischen FOH Position sitze, kann es schon mal vorkommen dass Besucher meinen ich wäre der DJ und tragen mir ihre Musikwünsche vor. Ich nehme die auch freundlich auf und vergesse sie sofort wieder, ich kann sie ja ohnehin nicht erfüllen.
 
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  • #20
Was mir einfällt
. Zettel vorbereiten "Ich kann Sie leider nicht hören"
. Stift und Zettel daneben
. Ganz penetrante Leute zum Drummer weiterschicken 🙂

Ansonsten kann man nur versuchen, sich darauf vorzubereiten und das in die Show einzubauen. Die Gäste und vor allem der, der zahlt, müssen am Ende zufrieden sein
 
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