Zum Erntedank ging es für mich als PA-Vollamateur bei bestem Wetter wieder raus auf die Dorfwiese an den vollanalogen MixWizard. Dort hatte ich im April 2021 quasi bei Null mit dem Live-Mischen 1-2mal pro Monat angefangen.
Zu der üblichen dort vorhandenen PA von DAP mit 400W Subwoofer und zwei 60W-Satelliten, die zusammen mit einem 150W Subzero Aktiv-Monitor für ca. 20-30 Leute (bei gefühlt Zimmerlautstärke) unter einem 75 m2 Zeltdach gerade so ausreicht, gesellten sich diesmal unter freiem Himmel zwei geständerte 1000 W Nova KD12 Aktivboxen als LR dazu. Der vorhandene Sub paßte klanglich super dazu und die Satelliten füllten nun auf den Boden liegend auf. Jetzt konnte ich auch mal laut machen und es war keinerlei GEQ notwendig - klang aus der Box wie geleckt.
Eingangsseitig war das Gig herausfordernd, denn neben sonst vertretenen Gitarre/Klavier-Duo sollte auch eine große Kinder-Jugend-Combo aus vier (!) Pianos, zwei Gitarren, Bass, Cajon und insgesamt sechs Gesangsstimmen spielen. Mit nun zehn Mikrofonen (zwei Funk) und sechs DI-Boxen ging es damit an die Grenzen des technisch Machbaren. Zum A&H WZ14:4:2 gesellte sich deshalb ein herumliegendes Behringer 1202 als Submixer, wo die direkt abgenommenen Instrumente draufkamen. Insgesamt wurden 16 Kanäle und 6 Returns auf zwei Cores voll belegt. Mit den zwei Funkmikros und dem Stereo-Effekt FX2000 im Chorus/Hall-Splitbetrieb waren es 20 Sources total, die auf zwei Stereo-Busse und einen Stereosummen-Monitor gemischt wurden.
Zwei der D-Pianos ohne Line-Out habe ich mit einem mitgebrachten Mackie EM-91C Großmembram-Kondensatormikrofon abgenommen. Das hat dank nahezu Windstille und zweifachem parametrischen EQ am WZ erstaunlich gut funktioniert. Mit anständig PA-Leistung und vielen offenen Mikrofonen wurden Rückkopplungen nun tatsächlich zum Problem. Dabei habe ich heute dazugelernt, daß mir Feedback auch über verschiedene Mikrofone (Headset/dynamisch/Kondensator) nacheinander laufen kann, bevor es hörbar wird. Das war anfangs knifflig, aber nach ein paar Minuten hatte ich das Problem am EQ im Griff. Einzig den FX Send des Behringers habe ich nicht aufs Effektgerät bekommen, der ST1 Return hat aus unerfindlichen Gründen nicht funktioniert, also runtergedreht und stattdessen die Submixer-Summe vorsichtig auf den Chorus-Effekt gemischt.
An den strategisch platzierten Kaffeetassen erkennt man hier ganz klar den Vollprofi.

Aber wenn mir letztes Jahr jemand erzählt hätte, daß ich als seinerzeit kompletter PA-Anfänger dieses Setup allein ohne Hilfe hochgezogen habe und dann auch noch gemischt bekomme, hätte ich ganz schön mit den Ohren gewackelt. Inzwischen lese ich Technical Rider und kann damit sogar was anfangen.