Dieser Versuch, digitale und analoge Delays klanglich zu trennen, passt heute nicht mehr. Vor 30 bis 40 Jahren schon: Die digitalen Delays sollten klar und sauber klingen, nachdem man Jahrzehnte mit analogen Geräten leben musste, die stark in den Höhen gefiltert werden mussten, um Aliasing-Artefakte erträglich zu halten (Bucket Brigade Delays), bzw die Degeneration durch Gleichlaufschwankungen hatten (Tape).
Aaaaaber: Auch die geringe Auflösung der Wandler damals (zB 12 Bit beim SDD3000) lieferte ganz ähnliche, aber geringere, Aluasing-Artefakte, man filterte also zwangsläufig immer noch etwas Höhen, was man erst heute als „Wärme“ verherrlicht.
Die heute geschätzten Klangeigenschaften der analogen Geräte entstehen also durch subtraktive bzw degenerative Prozesse. Man kann sie heute in digitalen Geräten alle ziemlich einfach nachbilden, per Software, oder zB, indem man einen ähnlichen analogen Preamp mit ähnlicher, regelbarer Filterung einbaut. (Ich habe auf dem Board hinter den Zerrern und vor dem Flashback zB den Preamp des SSD3000 als Buffer bzw leichten Booster fast permanent an). Man MUSS aber nicht ALLE Fehler nachbilden, sondern kann zB den leicht eiernden Sound des Tape-Echos auch ohne das typische Rauschen und mit mehr (und regelbaren) Höhen und mit mehr oder weniger (simulierter) Bandsättigung haben.
Man greift also heute zum digitalen Gerät, weil es potentiell alles kann, oder vielleicht sogar, weil es einen oder mehrere der alten Sounds besonders gut simulieren kann. Die analogen Geräte sind eher was für Nerds. Oder wenn genau der eine Sound gesucht wird, den sie gut können, wenn man sicher ist, dass man zB den dumpfen Sound des BBD-Delays NIE mit etwas mehr Höhen und weniger Rauschen will, sondern exakt so, wie er ist. Preis und Größe sind keine Gründe, mit diesen Limitierungen zu leben, denn unter den günstigsten Geräten sind digitale Geräte mit mehreren Sounds zur Auswahl in ordentlicher Qualität, im 1590A Mini-Gehäuse, zB von Mooer usw.